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Die Stimme · 1930-03-27 · Heft 119 (27.3.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 119 (27.3.1930)
Date
1930-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 119 DIE SUMME Seite 5 jcn Fall, daß das Begräbnis an einem Wochentag ftattfindet, (ie jüdifche Arbeit im ganzen Lande an diefem Tage ruhen zu laflen. In der berühmten Churwa-Synagogc zu Jerufalem wird tine Mafl'entrauerkundgebung ftattfindcn. In den zioniftifchen {chnlen werden die Lehrer Anfprachen an die Schulkinder hallen, in denen Lord Balfours Leben und feine Rolle in der füdifchen Gefchichtc dargcftellt werden. Di« zioniftifche Exekutive und der Waad Lcumi haben Trauerkundgebungen an t>r. Weizmann nach London gefandt und ihn erfucht, der Familie Lord Balfours die Trauer und das Beileid der nationalen Judenheit Paläftinas zu übermitteln. Am Donnerstag, den 20. März, begaben (ich die Mitglieder der zioniftifchen Exekutive und des Waad Lcumi zum Oberkommiffär Sir John Chancellor und übergaaben ihm eine Beifeidskundgebung zur Weiterleitung an die britifche Regierung. Wie die J. T. A. erfährt, find lieh die jüdifchen Behörden in Paläftina darüber einig, daß Kundgebungen unter freiem Himmel im Zufammenhang mit dem Tode Balfours, befonders In Städten mit gemilchter arabifch-jüdifcher Bevölkerung, nicht (lattfinden follten. England London. (J. T. A.) Der König von England hat an den Bruder des verftorbenen Lord Arthur James Balfour ein Beileidtclegramm gefandt, in welchem er das Ableben Balfours als einen Verlud eines lebenslänglichen Freundes beklagt. Das britifche Unterhaus hat, als die Nachricht vom Ableben Balfours eintraf, feine Sitzung abgebrochen und fich zu Ehren des Verllorbenen vertagt. Die in Politik und Willenfchaft führenden Männer Englands geben in Kundgebungen an die PrclTe der Trauer um den Verlud Balfours Ausdruck. Phillip Snowden nennt Balfour den letzten großen Staatsmann der alten Generation. Der fozialidifche Innenminifter Cleines erklärt, Balfour war die bemerkenswertede parlamentarifche Erfcheinung feit Gladdone. Über die letzten Stunden Balfours berichten die Zeitungen:' Die Nacht vor feinem Tode lag Balfour mit offenen Augen und bei vollem Bewußtfein da. Kurz vor Sonnenaufgang fragte er feine Pflegerin: „Id das Ende nahe?“ Die Pflegerin nidctc. Daraufhin bat Balfour feinen alten Diener James Coltman, der ihn über dreißig Jahre lang bediente, an fein Sterbelager. Mit dem Aufwand feiner letzten Kraft reichte er ihm die Hand: „Lebe wohl, James, ich danke dir für alles das, was du für mich getan had.“ Dann flüderte Lord Balfour noch einige Abfdhiedsworte an feine Verwandten und darb ruhig und geladen bei vollem Bewußtfein. London. (J. T. A.) Die englifchc zionidifche Föderation hat die folgende Kundgebung an den Bruder Lord Balfours, der ihm im Titel folgt, gefandt: Die englifchen Zioniden trauern über den Tod eine sgroßen britifchen Staatsmannes. Sein Name wird für immer im dankbaren Gedächtnis Israels als der des edelden Freundes der jüdifchen Sache fortleben. M. M. Uffifchkin übergab der Jüdifchen Teiegraphen- Agentur die folgende Kundgebung: Der Jüdifche National- Fonds, deden Ziel es id, den Bod:n der Väter für die Söhne auszulöfen, wird iur immer m:t dein großen Namen verbunden bleiben. Pas Volk Israel wird fich in dem Lande Israel wieder verwurzeln, und diefes Volk wird nie den Mann vergeden, deden Name über unferem wiederaufgebauten Heim fchweben wird, wie der Name des Königs Cyrus für immer mit dem Aufbau des zweiten Tempels Israels verbunden id. Amerika New York. (J. T. A.) Eine große Zahl jüdifcher und nichtjüdifcher Amerikaner fowie Vertreter auswärtiger Mächte haben durch die J. T. A. ihrer Trauer über das Ableben von Lord Balfour Ausdruck gegeben. Der Vizepräfident der Vereinigten Staaten, Curtis, führte aus: Das amerikanifche Volk teilt die Trauer Großbritanniens über das Hinfeheiden des großen Staatsmannes. Zu den Hauptleidtragenden gehört das jüdifche Volk, für das Lord Balfour gedritten hat. Meiner tiefen Anerkennung der Bedeutung des Zionismus für die Welt entfpringt meine Ueberzeugung, daß die Gefchidite die Aktion Balfours für den' Zionismus als die bei weitem nicht geringde Leidung feines Lebens erkennen wird. Der polnifche Gefandte in Wafhington, Herr Philipowicz, führt in einem Telegramm an die J. T. A. aus: Balfour war Polens Freund in dunklen Tagen; er krönte feine Bemühungen um Polen mit der Unterzeichnung des Friedensverträges, der das neue Polen fchuf. Die polnifchen Juden aber betrauern in dem Hinldhciden Lord Baifords auch den Hingang des Verkünders des Jüdifchen Nationalheims. James Arthur Rofcnberg, Vizepräfident des Joint Didribution Committee fchreibt: Balfour war ein großer Freund der Juden, ein großer Staatsmann und Gentleman. Dr. Lee K. Frankel, Mitglied des Adminidrative Committee der Jewish Agency, und eines der Mitglieder der Joint Survey Commiffion, fchreibt: ich hatte die Ehre, perfönlich mit Balfour zufammenzukommen; ich war ergriffen von ihm als Philofophen von vifionärer Tiefe. Er war ein edler Freund der Juden. Der Vizcgouverncur von New York Colonel H. Lehman, Vizepräfident des Joint Didribution Committee und Mitglied des Adminidrative Committee der Jewish Agency, fagte: ich bin fchmerzlich bewegt durch den Tod Lord Balfours, der nicht bei der Wahrung der Intereffen feines eigenen Landes dehen blieb, fondern auch für die Rechte und Bedrebungen anderer Völker eintrat. Rabbi Dr. Stephan S. Wife, Ehrenpräfident des American Jewish Congreß, fchreibt: Jetzt, wo Lord Balfour tot id, i d es S a di e des j ü d i f ch e n Volkes, für die Erfüllung des Mandates einzotreten, das Balfour im Namen des britifchen Reiches entwarf. Richter Julian W. Mack, früher Präfident der Zioniftifchen Organifation Amerikas und Präfident der jüdifchen Delegationen bei der Friedenskonferenz in VerfaiUes, führte aus: Lord Balfours Intereffe für Paladins und das jüdifche Nassooalbetm war webt Angelegenheit der Poti« AA M/u/ng /uZLuvüL unter Aufsicht des Herrn Bezfrksrabbiners 5. Ehrenfeld zu Mattersburg wird das Speisefett Kunerol hergestellt. Kunerol ist reines KokosnuBfett und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werden. NEROL 1003. REINES KOKOSNUSSFETT tik, fondern eine Maßnahme der Gerechtigkeit gegenüber dem jüdifchen Volke. » Deutfchland Berlin. (J. T. A.) Der gefdiäftsführende Ausfchuß der Zioniftifchen Vereinigung für Deutfchland hielt aus Anlaß des Ablebens Lord Balfours am Donnerstag, den 20. März abends, eine Sitzung ab, in der befchloffen wurde, daß die Zioniftifche Vereinigung für Deutfchland und die Berliner Zioniftifche Vereinigung eine große Trauerkundgebung veranftalten. An den Präfidenten der Zioniftifchen Weltorganifation Dr. Chaim Weizmann und an den englifchen Botfchafter in Berlin wurden Beileidskundgebungen gefandt. Eine Kundgebung Profeffor Einfteins Berlin. (J. T. A.) Profeffor Einftein hat zum Ableben Lord Balfours das folgende Telegramm durch die J. T. A. gefandt: „Kaum ein Menfch hat für die moralifche Gefundung des jüdifchen Volkes fo Großes getan wie Lord Balfour. Sein Name wird bei uns fortlebcQ, folange cs eine Judenheit gibt. A. Einftein.“ Polen. Warfchau. (J. T. A.) Nach Eintreffen der Nachricht vom Ableben Lord Balfours wurde in den zioniftifchen Büros die Arbeit für zehn Minuten zum Zeichen der Trauer eingeftellt. Am Abend fand unter dem Vorfitz Podlyfzewfkis eineTrauerfitzung ftatt. Das.Andenken Lo/d Balfours ehrten durch Anfprachen Redakteur Abraham Goldberg, Dr. Klumel, Dr. J. Göttlich, Dr. Szyper, Dr. Heftmann, Dr. Levite, Grawizki, Gordon, Goldberg, Bloch u. a. m. Es wurde befchloffen, eine große Trauerkundgebung zu veranftalten und Beileidsdepefchen an die englifchc Regierung, die Familie Balfours und die Zioniftifche Exekutive zu fenden. Eine Abordnung begab fich zum englifchen Gefandten und übergab ihm ein Beileidsfchreiben im Namen des polnifchen Judentums. Die Zentralkomitees der Zioniftifchen Organifationen in Polen und die Repräfentanz der Jewish Agency in Polen veröffentlichten einen Traueraufruf an das polnifche Judentum. Große Trauerkundgebungen fanden auch in Lemberg, Krakau und Wilno ftatt. i Das Beileid des Völkerbundes Genf. (J. T. A.) Der polnifche Außenminifter und Vorfitzende des Völkerbundsrates Herr Zaleski übermittelte dem britifchen Außenminifter Arthur Henderfon das Beileid des Völkerbundsrates zum Ableben von Lord Balfour. Als der britifche Vertreter im Rat und in der Verfammlung des Völkerbundes in den erften Jahren feines Beftehens, hat Balfour die Arbeiten des Völkerbundbundes durch feinen glänzenden Intellekt, durch feine immenfe Erfahrung in Angelegenheiten der großen Politik, durch feinen makellofen Adel und die Gerechtigkeit feines Charakters, fowie durch feine nie verfagende Hingabe an die Sache des Friedens und der internationalen Zufammenarbeit geleitet und befielt. Das Beileid von General Smuts Kapftadt. (J. T. A.) General Smuts, der frühere Premier der füdafrikanifchen Union, teilt der J. T. A. mit: Ich habe die Überzeugung, daß wenn auch der Zionismus mit Balfour feinen aktiven Befürworter verloren hat, er doch fchließlich liegen wird. Die jetzige fchwierige Phafe wird vorübergehen und der Zionismus wird fein Ideal, den Aufbau des jüdifchen Nationalheims, verwirklichen. Der Name Balfours wird für immer untrennbar mit dem Sieg des Zionismus verbunden bleiben. Balfour war nicht allein Verfaffer der Deklaration von 1917 betreffend das Jüdifche Nationalheim, fondern er glaubte auch an die Rechtsbafis des Zionismus und an feinen endlichen Sieg. Er gab Beweife diefes feines feilen Glaubens bei vielen Anläßen. Erft vor wenigen Monaten, als er fchon ’ fehr krank zu Bette lag, Unterzeichnete er mit Lloyd George und mir ein Dokument, in welchem die Aufmerkfamkcit der britifchen Regierung auf die ernfte Lage in Paläftina gelenkt und die Regierung an den feierlichen und bindenden Charakter der Verpflichtung erinnert wird, welche Großbritannien hinfichtlich der Förderung des jüdifchen Nationalheims in Paliftin« übernommen hat. 1 ....... . Balfours Leichenbegängnis Dem Willen des Lord Balfour entsprechend, hatte sein Leichenbegängnis, welches Samstag in Whittenghame in Schottland stattfand, einen äußerst bescheidenen Verlauf. Ein einfacher Dorfwagen brachte Lord Balfours sterbliche Ueberreste zu seiner letzten Ruhestätte. Auf dem Sarge, der aus gewöhnlichem Eichenholz verfertigt wurde, befindet sich die Inschrift: «Arthur James Lord of Balfour, 1848—1930.» Hinter dem Leichenwagen zogen drei Wagen mit Kränzen. In der Westminster Abtei wurde eine Trauerandacht abgehalten, an der alle Vertreter der politischen, wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen Welt teilnahmen. Der König war durch den Prince of York vertreten. Anwesend waren auch die gewesenen Premierminister Lloyd George und Baldwin, Professor Dr. Weizmann und das gesamte diplomatische Korps. Zusammenarbeit zwischen American Jewish Committee und American Jewish Congreß New York, 21. März. (J. T. A.) Das zwischen American Jewish Committee und American Jewish Congreß getroffene Abkommen über Zusammenarbeit in Fragen gemeinsamen Interesses ist soeben in Kraft getreten. Gemäß diesem Abkommen sind die Führer der beiden Organisationen verpflichtet, in Zeiten, in denen im Interesse einer jüdischen Sache ein Zusammengehen geboten erscheint, sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenzutun. Der britische Kronrat befaßt sich mit den Todesurteilen in Palästina London, 21. März. (J. T. A.) Das Juristische Komitee des britischen Kronrates trat heute in die Behandlung der Appelle gegen die von palästinensischen Gerichten in den letzten Monaten ausgesprochenen Todesurteile ein. Es gelangten zunächst drei Berufungen gegen Todesurteile, die Araber betreffen, zur Behandlung. Entscheidungen sind noch nicht gefallen. Eine illegale zionistische Publikation in Rußland In Rußland erschien die erste Nummer des illegalen Organs des «Haschomer Hazair», «Dawar». Für das Blatt zeichnen als Herausgeber «verhaftete und verbannte Schomrim». Es zählt 241 Druckseiten, die auf einem Schapirograph vervielfältigt wurden. Im Leitartikel wird die Notwendigkeit der Immigration von Chaluzim nach Palästina betont. Jabotinsky von den Generalen Hertzog und Smuts empfangen Kapstadt. (J. T. A.) Wladimir Jabotinsky, der Führer der Zionisten-Revisionisten, wurde vom Oberhaupt der südafrikanischen Regierung, Genera! Hertzog, und dem Führer der Opposition, General Smuts, empfangen und unterhielt sich mit ihnen eingehend über die Lage in Palästina und die politischen Probleme des Zionismus. Ein neues Wohnviertel ln Jerusalem Zu den neuen jüdischen Wohnvierteln in Jerusalem, die in den letzten Monaten als Folge der Augustunruhen gegründet werden, tritt jetzt ein neuer Siedlungsblock in der Nähe des Bucharischen Viertels Im Norden von Jerusalem. Das Viertel soll zunächst 45 Häuser umfassen, doch besteht eine Option auf Zukauf eines Bodenstückes, so daß die Möglichkeit für eine Erweiterung des Viertels gegeben ist. J. Klinoff Der bekannte jiddische Journalist ist aus der Redaktion des «Naien Weg», Paris, des jiddischen Organs der revisionistischen Weltunion, ausgetreten, da er mit der Richtung des Blattes nicht übereinstimmt. — Klinoff vertritt bekanntlich innerhalb des Revisionismus eine arbeiterfreuiKlliche Position und verhält sich ablehnend gegenüber der Taktik in gewissen Teilen seiner Partei, besonders in ihrem palästinensischen Flügel. Einwanderungsrtiögüchkeiten für Juden nach Chile. Paris. (J. T. A.) In der siidamerikanischen Republik Chile leben etwa 1200 jüdische, unter ihnen rund 200 sephardische, jüdische Familien. Der größte Teil dieser jüdischen Familien ist in der Hauptstadt Santiago de Chile und in der Hafenstadt Valparaiso konzentriert. Auf Initiative von Hias- J. C. A.-Emigdirect entsandte der Einwanderschutzverein in Buenos Aires sein Mitglied Josef Luzki nach Chile zum Studium der Frage der Einwanderungsmöglichkeit von Juden in diesem Lande, der mit dem Präsidenten der Republik und mehreren Ministern die Frage einer Einwanderung von Juden besprach. Er kam» zu dgm Schlüsse, daß für nichtqualifizierte Wanderer keine Möglichkeit vorhanden ist, in Chile ihren Unterhalt zu verdienen; mit Schwerarbeitern zu konkurrieren ist aber in Chile für jeden Europäer unmöglich. Dagegen besteht Bedarf nach ausgebildeten Handwerkern. Das Kleinhändler- und Hausierertum steht dort auf einer sehr niedrigen Stufe; Kaufleuten ohne Kapital ist die Einwanderung entschieden nicht anzuraten. Dagegen werden gat qualmzierte Arbeiter moralische 4ad "iintr*rlh HStfe. •ach settess der Betörten, exfcataa / " ..

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