Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 119 (27.3.1930)
- Date
- 1930-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 119 >töIW9 DHftö ■aAV' ■. Die bekannt besten und bezugiioh nn»3 verläßlichsten AMERIKA- UA77ATII nischen niuiy i n ln Wien Überall erhältlich Brüder WEIAREB, W len, Yl * TaVorl tr. 62 SÜ??sh.?S uns verteidigen. Wir werden unsere Frauen und Kinder beschützen. Nach Weizmann erstattete Direktor Oscar Wassermann-Berlin einen Bericht über die Arbeit des Keren Hajessod in den letzten fünf Monaten und unterstrich die Notwendigkeit, die diesbezüglichen Bemühungen zu erhöhen, um die Eingänge des Keren Hajessod zu vergrößern. Zum Schluß der Vormittagssitzung erfolgte die Wahl verschiedener Kommissionen, ln der Nachmittagssitzung begannen die Debatten über die Verfassung der Agency und die Funktionen der Exekutive, an denen Dr. Arlosoroit, Leonhard Stein, Major Nathan, Nahum Sokolow, Cyrus Adler teilnahmen. Am 24. März tagten die Kommissionen, erst spät abends fand die zweite Plenarsitzung statt. Nach den letzten Nachrichten haben die Zionisten die Beschlußfassung erwirkt, wonach die Exekutive der Agency bis zur nächsten Sitzung im Oktober aus acht Zionisten und vier Nichtzionisten bestehen solL In der Abendsitzung sprachen R a p p i n und Julius Simon über Koionisationsfragen, Ussischkin über den Bodenraarkt in Palästina. Alle Redner stellten fest, daß Palästina jährlich 50.000 Juden aufnehmen könne, und forderten auf dieser Grundlage die Einleitung einer großen Immigration nach Palästina. .Wichtige Erklärung Macdonalds im Unterhaus London, 24. März. In der heutigen Sitzung des englischen Parlaments interpellierte der konservative Major Elias in Angelegenheit der weiteren Politik in Palästina. Ministerpräsident Macdon a 1 d gab die Erklärung ab, daß die Hauptrichtlinien der Palästinapolitik ausschließlich von der englischen Regierung bestimmt werden. Er habe bereits mitgeteilt, daß nach dem Berichte der Untersuchungskommission die Regierung die Richtlinien der Politik im Rahmen des Mandats werde bestimmen können. Er wolle nicht sagen, daß die Empfehlungen der Untersuchungskommission die diesbezüglichen Entschließungen der Regierung nicht beeinflussen werden. Eines ist aber sicher, daß dies nur in einem solchen Ausmaße erfolgen wird, der keineswegs die Bestimmungen des Mandats irgendwie überschreiten wird. Zum Schlüsse ersuchte Mac-’ donald, sich noch zu gedulden, bis die Regierung den Bericht studiert haben wird. Die Regierung wird dann in Beratung ziehen den Vorschlag des Lord Balfour, Lloyd George und General Srnuth auf Einsetzung einer Separatkommission. London, 24. März. Der gewesene Unterstaatssekretär des Kolcmialministeriurns, Ormsby- Gore hat die Organisierung aller Freunde des Zionismus im englischen Parlament in Angriff genommen, um auf diese Weise die Interessen des Zionismus anläßlich der bevorstehenden Debatte über den Bericht der Untersuchungskommission zu schützen. Die Vertreter des jüdischen Sejmklubs beim Senatsmarschall Szy manski Warschau. Senatsmarschall Szymanski, der die Bildung eines neuen Kabinetts übernommen hat, empfing am 23. d. M. die Vertreter des jüdischen Sejmklubs, die ihm die Forderungen des jüdischen Sejmklubs übermittelten. In politischer Hinsicht wird verlangt: die Aufhebung der rechtlichen Beschränkungen der jüdischen Bevölkerung, die tatsächliche Gleichberechtigung der Juden und die Aufhebung der Beschränkungen bei der Aufnahme von Juden in die staatlichen Mittel- und Hochschulen. In wirtschaftlicher Hinsiciit verlangt der jüdische Sejmklub eine Novellierung des Gesetzes über die Zwangssonntagsruhe, eine Reform des Steuersystems, Aufnahme von Juden in die Staatsämter und Staatsunternehmungen, schließlich Kredite der Staatsbanken für die Bedürfnisse der jüdischen Industrie, des Handwerks und des Wiederaufbaues. In kultureller und konfessioneller Hinsicht verlangt der Sejmklub: Oeffentlichkeitsrecht für Lehrerseminare, allgemeine Schulen und Fachschulen mit herbräischer oder jiddischer Vortragssprache. Thomas Mann in Palästina Jerusalem, 23. März. (J. T. A.) Der deutsche Dichter Thomas Mann ist soeben, aus Kairo kommend, in Palästina eingetroffen. Thomas Mann arbeitet bekanntlich seit Jahren an einem großen jüdischen Roman «Joseph und seine Brüder». Balfours Rede anläßlich der Ratifizierung des Palästinamandates Diese Rede hiett Lord Arthur James Balfour am 24. Juli 1922 anläßlich der Ratifizierung des Palästina-Mandates durch den Völkerbundrat im englischen Parlament. Ich bin glücklich, daß das Palästina-Mandat, soweit es auf die Erledigung durch den Völkerbund Bezug hat, als geregelt betrachtet werden kann. Die meisten unserer Schwierigkeiten waren dem Ihnen bekannten Umstand zuzuschreiben, daß das PalästinaTMandat zwei Seiten aufweist: eine, die das Land als ein ganzes, und eine andere, die die heiligen Stätten umfaßt und die Anschauungen, die alle christlichen wie auch viele mohammedanischen und nichtchristlichen Gemeinschaften mit ihnen verbinden. Wir geben nicht vor, daß es über diesen Punkt keine weiteren Diskussionen geben wird. Denn wenn diese Fragen lange historische Kontroversen hervorrufen, wenn es um Dinge geht, die den Herzen und Ueberlieferungen der Menschheit so nahe sind, wie die Gefühle, die sich um diese historischen Stätten kristallisieren, ist es ganz unmöglich, daß diese Angelegenheit leichtfertig behandelt oder durch ein Uebereinkommen reibungslos geordnet werden kann, Ein köstlicher Bissen Etwas für den Feinschmecker sind die nach einem besonderen Verfahren erzeugten, in Geschmack und Bekömmlichkeit unerreichten STRUM-MAZZOTH U. GRIESS die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwand* frei erzeugt, bestbekannt sind und wegen ihrer Güte und Frische allgemein bevorzugt werden! Die vielen tausende Freunde der Qualifäts-Mazzoth „Strum“ lassen sich keine anderen Erzeügnisseaufdrängan. Wer die weltbekannten STRUM-MAZZOTH kauft, ist dessen gewiß, daß er in diesem Jahre erzeugte, also verläßlich frische Mazzoth genießt Die Mazzoth-Bäckerei H. 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Der Artikel 14, den Sie im Mandat so finden werden, wie wir über ihn üfoereingekommen sind, bietet die höchste Sicherheit dafür, daß die von der britischen Regierung begünstigte Politik immer in vollem Maße durchgeführt werden wird. Die britische Regierung hatte nie und hat auch jetzt keinen anderen Wünsch bezüglich der heiligen Stätten, als den, historische Gerechtigkeit gegenüber allen großen Gemeinschaften walten zu lassen. Das letzte, das wir wünschen, ist, irgendeine Gemeinschaft oder Nation der Rechte zu berauben, auf die sie gerechte Ansprüche hat. Unser einziger Wunsch ist, daß alle diese alten Rechte in der Zukunft in Ordnung und Anstand durchgeführt werden sollen und auf solche Art, daß niemand das Gefühl haben soll, von der autoritativen Macht ungerecht behandelt zu werden. Dieses Prinzip wollen wir durchgeführt sehen, dieses Prinzip liegt auch dem Artikel 14 zugrunde und wir glauben, daß es kein besseres Mittel gibt, dieses Ziel zu erreichen, als die große Verantwortung dem Völkerfoundrat aufzoierlegen, welche Vorsorge tatsächlich durch den Artikel 14 getroffen wurde. Ich komme zu der umfassenderen Frage, der von Palästina selbst. Es hat Kontroversen gegeben* die vielleicht noch durch den großen Verzug vermehrt wurden, der von der Zeit des Auftauohens der Mandatsfrage bis zum Tage der glücklichen Erledigung gegeben war. Ich weiß nicht, ob hiefür irgendeine Nation oder irgendein Teil eines Volkes verantwortlich gemacht werden kann, aber diese unglückliche Verzögerung ist unvermeidlich, wenn man die verworrenen Zustände ins Auge faßt, die gegenwärtig auf der ganzen Welt herrschen. Ich weiß, es gibt Vertreter der arabischen Bevölkerung, die der Ansicht sind, daß ihre Interessen nicht genügend geschützt wurden. Ich kann Sie aufrichtig versichern, daß Sie im Irrtum sind, wenn Sie glauben, daß die sorgfältigste Aufmerksamkeit ihrer Stellung nicht gewidmet wurde. Die britische Regierung hat es nie gewünscht, daß sie Unrecht erleiden dadurch, daß wir eine Politik durchzuführen versuchen, die für das jüdische Volk ein jüdisches Nationalheim in Palästina schaffen soll. Glauben Sie mir, diese beiden politischen Aufgaben sind durchaus nicht gegensätzlich oder nicht in Ueibereinstimmung zu bringen. Ich habe den festen Glauben, daß mit dem neuen Regime für die arabische Bevölkerung, wie für jeden anderen Teil der Bevölkerung Palästinas eine neue Aera des Wohlstandes beginnen wird. Ich glaube, daß jede Freiheit der arabischen Bevölkerung gewahrt werden wird, daß ihr materielles Wohlergehen wachsen und sie selbst Freiheiten gewinnen wird, von denen sie unter türkischer Herrschaft nie geträumt hätte. Deshalb bitte ich Sie, alles, was in Ihrer I Macht ist, zu tun, um darnach zu sehen, daß ein System, ' in dem man die Araber nicht vergessen hat, nicht nur; zum Besten der anderen arbeite, sondern auch diesen ■ Vorteile bringe. Ich will nur noch sagen, daß, soweit die Regierung i betroffen ist, wir als Mandatemacht im Geiste völliger I Unparteilichkeit, aber heißen Strebens nach Erfolg, die Politik durchführen werden, für die wir'vier Jahre hWr. : durch öffentlich eingetreten sind, und ich bitte jedermann in diesem Saale, welcher Nation, Religion öder : Rasse er auch angehören mag, — u;ns bei dieser großer* Aufgabe zu unterstützen. ’ - ‘ - •-'v~- Die Trauer um Balfour Die Nachricht vom Tode Lord Balfours weckte in der Wiener Judenschaft tiefe Trauer. Das zionistische Landeskomitee hielt eine Trauersitzung ab, in der Präsident Dr. Ehrlich in einer Ansprache das Andenken Lord Balfours ehrte. Es wurde beschlossen, Samstag, den 29. d. M., im Festsaale des Hotel Continental eine große Trauerkundgebuhg zu veranstalten. Beileidsdepeschen wurden an die zionistische Exekutive und die Familie Balfours gesandt. In der Sitzung des Kultusvorstandes, die Mittwoch, den 19. d. M., stattgefunden hat, hielt, wie wir an anderer Stelle berichten, Präsident Üniversitätsprofessor Dr. Pick einen tiefempfundenen Nachruf. Die gesamte Tagespresse würdigte Balfours Bedeutung, ein Teil gedachte auch seines historischen Verdienstes um die Wiedererrichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina. Paläftina Jerufalem. (J. T. A.) Die Nachricht vom Tode Lord Balfours wurde von der hebräifchen Tageszeitung durch Extra- Ausgaben im ganzen Lande verbreitet und weckte überall tiefe Trauer. Die Extra-Ausgaben trugen die Ueberfchrift: „Balfoür ift tot; ein großer Verluft für das jüdifche Volk und für Paläftina!“ Alle jüdifchen Ladenbefitzer fchlolTeh fpontan zum Zeichen der Trauer ihre Läden. Die Zioniftifche Exekutive Paläftinas und der Waad Leumi traten zu einer gemeirifamen Beratung über die Arrangierung einer nationalen Trauer der Judenheit Paläftinas zufammen. Im Büro der Zioniftifchen Exekutive wurde fofort nach Eintreffen der Todesnachricht eine Trauerkundgebung abgchaltcn, der auch die Mitglieder des Waad Leumi beiwohnten. Die Gedenkrede hielt das Mitglied der Zioniftifchen Exekutive Colonel F. H. Kifch, der darauf hinwiei, daß die Freundfchaft Lord Balfours zu den Zioriifteii bis in die Tage Theodor Herzls zurückdatiert. Leider haben die Ereigniffe inj Auguft 1929 in Paläftina eine Trübung der bis ‘ dahin klaren Beziehungen zwifchen dem jüdifchen Volke und England gebracht. Ich hoffe, fchloß Kifch, daß die gemeinfame Trauer um den Mann, der für England wie für uns Juden fo viel bedeutet hat, etwas von diefem Fleck wegwafchen wird. Alle nationalen jüdifchen Ämter in Paläftina ‘ wäre« am Mittwoch, dem Todestage Balfours, gefchlolTen. Die Zioniftifchc Exekutive und der Waad Leumi erfochten das Oberrabbinat vdn Paläftina, za veranlaften, daß am Sonnabend, dem Tage der Beerdigung Lord Balfours, in allen Synagogen Gedenkgottesdienft ftattfinden. Es war beabfichtigt worden, für