Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 119 (27.3.1930)
- Date
- 1930-03-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 DIE STIMME Nf. 119 zu behandeln und die diesbezüglich erhobenen Forderungen durchzusetzen. Katzenelson trat andererseits jenen zionistiichen Kreisen entgegen, die sich gewisser isolierter Ideen Achad Haams bedienen, um einer Verkleinejung der Aspekte des Zionismus das Wort zu reden. Der Arbeiterführer Dr. ChaimArlosoroff, Dl ii c k s o n und Dr. AlexanderOoldstein rerteidigten die Maßnahmen und die Politik der Executive. A r 1 o s o r o f f führte noch aus, man habe Jen Juden ein großes Unrecht getan, als man Trans- Jordanien, das in das Palästinamandat einbegriffen ist, von Palästina abschnitt, und auf diese Weise die jüdische Ansiedlungsmöglichkeit einschränkte. Er Balte es für nötig, Nachdruck auf diesen Punkt zu (egen. Die Nachricht vom Ableben Lord Balfours erreichte das Aktionskomitee während es mitten in der Tagung war. Der Vorsitzende des Aktionskomitees, Herr Leo Motzkin, unterbrach den Redner, der gerade zur politischen Lage sprach, und machte der Versammlung Mitteilung vom Tode des Schöpfers der Balfour-Deklaration. Sofort erhoben sich die Mitglieder des Aktionskomitees und verharrten eine Minute lang in stummem Gedenken an den großen Freund der Juden. Nachdem der Vorsitzende Herr Motzkin eine kurze Traueransprache gehalten hat, erschien Dr. Weizmann im Saale und hielt von der Tribüne herab in tiefster Bewegung die folgende Ansprache: «Es ist für mich nicht leicht, das, was wir in diesem Augenblick fühlen, in Worte zu kleiden. Balfour ist tot! Erst vor drei Tagen hatte ich das Glück, bei ihm zu weilen und ihm in Ihrem Namen die Grüße und die besten Wünsche für seine Genesung zu überbringen. Schon damals wußte ich, wir wußten es ja alle, daß wir ihn nicht mehr lange zu den Lebenden werden zählen können. Dennoch erschüttert uns die harte Tatsache, daß Balfour nicht mehr unter uns weilt, auf das tiefste. Sein Tod bedeutet für uns alle den Abschluß einer Zeit großer Wünsche und Hoffnungen. Balfour wurde uns zu einer Zeit genommen, in der wir ihn am meisten brauchen. Es ist jetzt noch nicht die Zeit, über all das zu sprechen, was ihn an uns gebunden hat. Sie wissen, daß er erst vor ein paar Wochen alles, was in seiner Macht war, für uns getan hat. Balfour wird in der Geschichte der Juden gleich dem König Cyrus von Persien fortleben. Gleich Cyrus stand er mit an der Spitze eines großen Reiches, gleich Cyrus wirkte er für die Rückkehr der Juden in ihr Land. Auch in den Tagen von Cyrus kehrten nur die Armen und die Schwachen in das Land ihrer Väter zurück. Aber ihnen entstanden Führer, die das Volk zu neuer Größe empor und zur Bildung des jüdischen Staates führten. Auch Feinde entstanden zu jener Zeit dem Volke. Aber die Führer haben die Feinde überwunden und das Werk zur Vollendung gebracht. Ich hege die Ueberzeugung, daß das Andenken an Balfour uns zu einer Einheit zusammenschmieden wird, daß wir enger als je Zusammenhalten und so unser Werk zu einem glücklichen Abschluß bringen werden. Haschern jenachem otanu bi’scheor awelej zion w’jeruschalajim (Gott tröste uns und alle, die in Zion und Jerusalem trauern).» Als Dr. Weizmann seine Rede, die er tief erschüttert und mit Tränen in den Augen sprach, beendet hatte, wurde beschlossen, die Sitzung zum Zeichen der Trauer zu unterbrechen. In der Sitzung am 19. März abends faßte sich das Aktionskomitee mit dem von der Fraktion der Zionisten-Revisionisten eingebrachten Antrag auf Einberufung des XVII. Zionistenkongresses noch im Jahre 1930. Der Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt; nur fünf Stimmen wurden für ihn abgegeben. M e i r Großman, der diesen Antrag im Namen der Zionisten-Revisionisten begründete, wünschte für den Fall der Annahme seines Antrages die Bildung eines politischen Komitees, das sich zur Hälfte aus Anhängern der gegenwärtigen Exekutive, zur anderen Hälfte aus Vertretern der Opposition zusammensetzen und das die Befugnis erhalten soll, bis zum Kongreß die politischen Angelegenheiten zu verwalten. Ein solches Komitee, führte er aus, würde BÜCHERSTUBE H. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, IU Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von BGchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-Judaica in reicher Auswahl. 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Leib Mandel, iX., firüneiorg. 41 keineswegs die Funktionen der Exekutive an sich reißen, es würde im Gegenteil den Mut der Exekutive stärken. Dr. A. C o r a 1 n i k (Allg. Zionist, Amerika) sprach gegen den Antrag Grdßmans und führte aus, er könne den Zweck einer so außerordentlichen Maßnahme nicht einsehen. Sollte sich in politischer Hinsicht etwas Neues ereignen, so könne man wiederum das Aktionskomitee einberufen, das sich mit der besonderen Lage zu befassen haben wird. Doktor Coralnik befaßte sich mit der politischen Arbeit der Exekutive und meinte, diese Arbeit sollte nicht allein auf Großbritannien beschränkt bleiben, sondern man müsse Amerika, das ein sehr günstiges Gebiet für politische Arbeit darstellt, mehr Aufmerksamkeit zuwenden. Auch Berl Locker (Poale Zion, Amerika) trat entschieden den Ausführungen Großmans entgegen und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Revisionisten auch in diesem außerordentlichen Kongreß keine Mehrheit haben würden und daß der Kongreß, wenn er einberufen werden sollte, keinerlei Wechsel in der Führerschaft herbeiführen würde. D r. Arthur R u p p i n verlas vor dem Aktionskomitee den genauen Wortlaut seiner Aussage in der vertraulichen Sitzung der britischen Untersuchungskommission in.Palästina und trat der von den Revisionisten gegen ihm erhobenen Beschuldigung, er hätte in dieser Aussage das Problem der jüdischen Kolonisation in Palästina verkleinert dargestellt, scharf entgegen. Kurt Blumenfeld trat den Ausführungen jener Redner entgegen, die von Unterschieden zwischen den Zionisten des einen und denen des anderen Landes sprechen. Solche Differenzierungen sind dem Wesen des Zionismus fremd. Er sei erstaunt darüber, daß trotz der vom Delegiertentag , der deutschen Zionisten in Jena gefaßten Resolution einige Redner im Aktionskomitee auch weiterhin behaupten, die deutschen Zionisten huldigten einer verkleinernden Politik. In der Politik nach außen müsse jetzt Nachdruck gelegt werden auf die freie Einwanderung nach Palästina. In der innerjüdischen Politik bestellt jetzt die Hauptaufgabe des Zionismus darin, . diejenigen Juden, die durch Assimilierung an die anderen Völker abgeirrt sind, zurückzuführen, ferner erhöhte Mittel für die praktische Arbeit zu sichern. Dies sind die beiden vitalen politischen Faktoren. Sejmdeputierter J. Grün bau in (Polen), der Führer der radikalen Zionisten, führte aus, die Debatte sei so ziemlich in eine abstrakte Diskussion abgeglitten, er wolle wieder über «Tachlith» sprechen. Er analysierte die von Dr. Weizmann in den letzten zwölf Jahren befolgte Politik und kam zu dem Schlüsse, daß eine Systemänderung e intret e n müsse. Obwohl man ein großes Stück Arbeit in Palästina geleistet hat, habe er das Gefühl, daß, je mehr man dort baut, um so mehr Hindernisse sich doch der Arbeit wahrscheinlich entgegenstellen würden. Es sei nutzlos, über Vergangenes zu diskutieren, aber indem wir nun in eine neue Epoche eintreten, müsse auch ein neues System Platz greifen. Notwendig ist, daß die Zionisten selbst und die gesamte Welt sich über die Ziele des Zionismus klar werden. Die jetzige Politik ermangle der Initiative; das Ergebnis ist ein Zurückweichen von dem Zionismus, wie Herzl ihn begriff. Der Achad Haamsche Zionismus ist steril; Achad Haam war zu rationalistisch, um fruchtbar zu sein. Es bedurfte der beflügelten Einbildungskraft von Herzl, um den Zionismus zu einer Bewegung zu machen, wie er es heute ist. Grünbaum legte dar, worin er fundamental von der revisionistischen Auffassung des Zionismus abweiche und äußerte in vielfacher Hinsicht Uebereinstimmung mit Dr. Ruppins kolonisatorischen Meinungen. Zum Schlüsse zählte Grünbaum die nach seiner Meinung für die zukünftige Arbeit geeigneten Maß-r nahmen auf. Nach Griinbaums Rede ergriff Dr. Weizmann wiederum das Wort, um auf die Ausführungen der Redner im Verlauf der allgemeinen Aussprache zu antworten. Er bringe den Vorschlägen Grünbaums die gebührende Schätzung entgegen; diese Vorschläge werden von den Kolonisationssachverständigen sorgfältig zu prüfen sein. Weizmann ging auf einige weitere im Verlauf der Debatte aufgeworfene Fragen ein und erklärte, wären die Juden in größerer Zahl in Palästina gewesen, so würde sich eine Situation wie die jetzige nie ergeben haben. Er war immer der Meinung gewesen, daß, je größer die Leistungen in Palästina seien, um so stärker die politische Position der Zionisten sein würde; aus diesem Grunde habe er so viel Zeit und Energie der Arbeit für den Keren liajessod gewidmet. Er habe immer den Keren Hajessod als einen starken politischen Faktor angesehen. Dies als Antwort an diejenigen, die gegen ihn stichelten, indem sie behaupteten, daß er mehr in Amerika als in London weile. Er habe gefühlt, daß die Zeit gegen die Zionisten sei und daß sich diese mit der Schaffung von Werten in Palästina beeilen müßten; Werte, die schließlich mehr als alles andere in die Wagschale fallen. An dieser Meinung halte er noch heute fest. Leider seien die Zionisten mitten in einer Zeit des Ueberganges; das mache im Augenblick die Arbeit vielleicht etwas schwieriger; es sei aber kein Grund vorhanden, daß man den Mut verliert. Im Gegenteil, die jetzige Lage sollte das jüdische Volkzu noch größerer Anstrengung inspirieren. Der Erfolg des zionistischen Werkes im letzten Jahrzehnt hat die Feinde der Zionisten beunruhigt. Auf der einen Seite sind wir überzeugt, daß bei einer größeren Anzahl Juden in Palästina die Tragödie vom August 1929 sich nicht ereignet hätte, auf der anderen Seite köriiiten wir In der gleichen Weise davon überzeugt sein, daß, wenn die Juden in noch kleinerer Zahl als jetzt im Lande gewesen wären, der Jischuw zerstört worden wäre. Dies beweise wiederum die dringende Notwendigkeit einer Fortführung der praktischen Arbeit. Dr. Weizmann erwiderte auch auf die bezüglich einzelner Aktionen geäußerte Kritik und sagte, es möge wahr sein, daß die Exekutive nicht in der Lage sei, das Feld der politischen Tätigkeit in den verschiedenen Ländern zu bearbeiten, allein man dürfe nicht die Armut an Menschen und an Mitteln vergessen. [XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX IM MjuH der Zionisten I II CaK „illtes Rata“ I fl 9 (Cafetier Leo LÖwy) fl fl fl Größere und kleine Klublokale fl Hl 1. Bez«, Wipplingerstraße 24 | || Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 | otxxioocioooocxxxxxxsocsooooooooooooooexxia 532348305323000100010000000220005353480148482323010223534800020002000100235323020101000102010200010100010000000002010200000002485348534823482348532353484823022323485300234853