Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 118 (20.3.1930)
- Date
- 1930-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053871--1621-3056986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Säte 4 OIE STIMME Nr. 118 Jüdisches Geld für das Denkmal eines antisemitischen Dichters Ein Robert-Hanieiiing-Dcnkinal für Wien Von Dr. Simon Fischcl Wien und Oesterreich bereitet für den 24. März eine Robert-Hamcrling-Gcdenkfeier vor. Ein Komitee, an dessen Spitze der Herr Bundespräsident steht und dem Herr Jr. Hainisch, Nationalrat Otto Glöckel und neben vielen anderen leider auch viele brave Juden angehören, sammelt für ein Denkmal, das diesem «vaterländischen» Dichter in Wien errichtet werden soll. Nun, es bleibe dem deutschen Volke Wiens und Oesterreichs unbenommen, jeden seiner Dichter zu ehren, den es will und wie es ihn ehren will. Nur darum, well an den offiziellen Hamerling-Feiern auch jüdische Kinder teilnehmen sollen und weil das Denkmal- Komitee sich auch an die jüdischen Mitbürger Wiens und Oesterreichs um Geldspenden wendet, soll hier einiges über den «vaterländischen» Dichter Robert Hamerling gesagt werden. ' Das Denkmal-Komitee führt «Ahasver in Rom», «Der König von Sion» und «Aspasia» zur Begründung von Hamerlings Dichterruhm an. Das sind durchwegs Dichtungen, deren Stoffe weit zurückliegender Vergangenheit entnommen sind. Uns dagegen interessiert Hamerlings Betätigung als moderner Dichter seiner Zeit. Von dem, was er unter dieser Bezeichnung geschaffen hat, sei hier sein «Homunculus» angeführt. In diesem Buche, das der Dichter selbst ein «Modernes Epos in 10 Gesängen» nennt, setzt er sich mit seiner Zeit auseinander und zeigt ihr sein wahres Gesicht. Als Problem dient ihm der dem Faustzyklus entnommene Homunculusgedanke in Verbindung mit den Mythen von der Loreley, dem fliegenden Holländer und dem ewigen Juden. Letztgenanntes Motiv gibt ihm Gelegenheit, seine Einstellung zum Judentum aller Welt bekannt zu geben. Hier seien einige Proben wiedergegeben: «Und man hörte plötzlich wieder Von verschwund’nen Christemkindern, Die geschlachtet ohne Zweifel Waren von den Israeliten . Zu geheimen Kultuszwecken Gegen den bekannten jüdischen Gestank. Und man glaubte zu entdecken, Dieser unleugbare jüdische Gestank sei nur der faulige Ausfluß dessen, was man neuestens „Korruption” zu nennen liebte.» Der in der Retorte gezeugte Homunculus «Sah sich hingezogen Zu dem unterdrückten Volke. ’ Jüdischer Sinn und jüdisches Wesen, Jüdischen Verstandes Schärfe *Aetzende, wie .Scheidewasser, ' Jüdische dreist-verschlag’ne Tatkraft Und noch manches and’re Jüdische, Stand, so dünkt es ihm, erheblich Nahe seinem eig’nen Wesen, Nahe dem Homunculismus.» Also spricht Homuncuhis-Hamerling die Juden an: - «Kinder ihr des Morgenlandes, Braucht es doch nur eines Blickes, Eines Blickes in Eure Züge, Eines Blicks auf die Gestaltung Aeuß’rem Wesens, Gang und Haltung, Üm zu sehen, daß ihr Verbannte, Fremdlinge hier seid im Westen!» Et empfiehlt den Juden die Rückkehr zur orientalischen Gewandung und sagt: «Traun, ein krummgenaster Jüngling Eures Stammes, mit Säbelbeinen, Wird als Märchenprinz erscheinen In des Orients Gewandung! In des Orients Gewandung Wird das Häßlichste auf Erden, Eine alte Jüdin mein’ ich, Würdig als Matrone glänzen.» ' Homunculus-Hamerlmg veranlaßt die Juden zum Einzug in Jeruscholajini, den er also schildert: «Erstlich, die der Schacherjuden, Schwere Bündel auf dem Rücken, Dann der Schwarm der Wucherjuden; BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung« Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Tabor8traße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Urnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband, Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch«Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr flUl* S 3»— Keine Bandgebühr Sliylocks Fleischpfund in der Wagschal, Dann der Schwarm der Börsejuden; Dann die glanzvoll-stolze Gruppe Mauschelnder Finanzbarone, Sich um Rothschilds, des Erlauchten, Goldene Karosse scharend; Und dann kam der unabsehbar Lange Sehwarm der Zcitungsjuden, Dann der Schwarm der Kunstsemilen Und der Literaturhebräer.» Die in ihre Heimat zurückvcrpflanzten Juden fühlen sich dort aber nicht wohl. «Unter sich, auf sich beschränkt nur, War das Judentum ein Deckei Ohne Topf; cs konnte Keiner Je den Andern überlisten, Denn gleich pfiffig waren Alle Alle dreist und ohne Skrupel. - _ _ «Dieses Aneinanderklcben; Fanden schließlich unerträglich Ihre eig’ne konzentrierte, Oriental’sche Hautausdünstung, Sehnten sich hinaus ins Freie.» Es kommt zu einem großen A”ufstand gegen Homunculus, der von den Juden — wie wäre es denn anders möglich — ans Kreuz geschlagen wird. Noch vom Marterholz herab ruft er ihnen nach: «Die Erbärmlichen, die Wichte, Dieser feige Judenpöbel! Ich verachte sie und glücklich Bin ich, daß sie mir ersparen, Sei’s im Leben, sei’s im Sterben, Ihren gottverhaßten Anblick!» Ein köstlicherBissen Etwas für den Feinschmecker sind die nach einem besonderen Verfahren erzeugten, HR in Geschmack und Bekömmlichkeit unerreichten RH Strum-Mazzoth und Grieß || die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch ein wand- RR frei erzeugt, bestbekau.it sind und wegen ihrer Gute RR und Frische allgemein bevorzugt werden! Die vielen RR tausende Freunde der Qualitäts«Mazzoth „Strum" RR lassen sich keine anderen Erzeugnisse aufdrängen. RR Wer die weitbekannten H Strum-Mazzoth I kauft, ist dessen gewiß, daß er In diesem Jahre H erzeugte, also verläßlich frische Mazzoth genießt, R Die Mazzoth-Bäckerei H. Strum, II., Rote Sternfl gasse 11, steht unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbi- R nates der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Befl sonders in ritueller Hinsicht sind Strum-MazZoth un- R bedingt einwandfrei. Die Erzeugung erfolgt mit R eigens konstruierten, patentamtlich geschützten Ma- R seninen (Ofen) auf elektrischem Wege, die von fach- HR männisch geschulten jüdischen Arbeitern bedient RR werden. Das ganze Maschinenmaterial wird von RR eigens hiezu bestellten Vertrauenspersonen (Masch- HR gichim) des Rabbinates viertelstündlich voll- BR ständig gereinigt und ausgewechselt. RR Achten Sie auf die Stampiglie «H. Strum», die H auf jedem Paket ersichtlich ist. R BBWK“ STRUM-RUNDE EINE DELIKATESSE I Mazzoth-BäckereiH.Strum I Wien, II., Rote Sterngasse 11. fl Telephon R 41-6-12. ■ Wer an diesen Proben noch nicht genug hat, mag — wenn er dieses schöne Buch noch irgendwo auftreiben kann — da selbst nachlescn. Auf gleicher Höhe, wie die Ausfälle gegen das Judentum ist das Buch auch in seinen anderen Teilen gehalten, die sich nicht mit der Beschimpfung des Judentums befassen. In Nachahmung des Faustthemas wird eine literarische Walpurgisnacht gebracht. Sie beginnt mit einer Wirtshausrauferei zwischen Bierdichtern, Weindichtern, Wasserdichtem und Schnapsdichtern. Wonne reimt sich auf Tonne. Was glänzt blau dort im Gebüsche? Blaue Strümpfe? Seid willkommen, Edle Geistesritterinnen. Das sind die geistig tätigen Frauen. — - Um den Blocksberg schwirren, Blocksbergwespen. An den Leibern dieser Wespen Waren Wespen aufgebunden, Und auf diesen Blättchen standen Lesbar kleine Epigramme ... Eines sei seiner erquickenden Frische wegen hier zitiert: Daß dem Schönen Frische fehle, Hört man vielfach jetzo klagen. «Frische fehlt Dir, meine Gute!» Hört’ ich jüngst im Garten sagen, Stolz zu einem welken Röslein — Eines Vogels frischen Quark, Dann geht es — nicht minder geistreich —• über die übrige Literatur, natürlich auch über Journalistik und Kritik her. Alles, was neu ist, wird verrissen. «Gehörnte Esel» heißen die Rezensenten. Im nächsten Gesang kommt die Politik an die Reihe. Wer ist der Gegner? Selbstverständlich der Demokrat. Der schreit sich solange mit «Freiheit! Gleichheit! Recht der Minderheit!» heiser, bis , . . die Tonne bricht, auf der er steht. Die moderne Wissenschaft, die Philosophie wird verspottet. Darwin, Häcke! werden an den Haaren herbeigezogen und verulkt. «Und die Rinder Wiederkauen — Schopenhauer.» Im nächsten Gesänge gründet Homunculus . . . eine Affenschufe, aus der schließlich eine «Phiiantropische Gesellschaft» hervorgeht. Inzwischen aber treibt sich «Lurlei» als Dirne in der Welt herum! Angesichts solcher Dichtergröße muß man sich fragen : Wie konnte es kommen, daß brave Juden, jüdische Schriftsteller von Rang und Namen, jüdische Bankdirektoren und andere Leute, die sonst nicht im Fahrwasser der «Vaterländischen» segeln, in den Ausschuß zur Errichtung eines Denkmales für Robert Hamerling eingetreten sind? Nun, die Aufklärung hat mir ein jüdischer Literat gegeben, der diesem Komitee angehört hat. Sie kannten eben den «modernen» Hamerling nicht. «Aspasia», «König von Sion» waren ihnen wohl noch' aus der Schulzeit her mehr oder weniger fern in Erinnerung geblieben, ein Klang aus frohen Bubenjahren, ein fröhliches Gedenken des bärtigen Deutschprofessors, ein Stück aus der guten, alten, snobistischen Kitschzeit, die noch in Scheffels Hidigeigei, in Makarts Allegorien und Wielemanns Justizpalast den Gipfelpunkt menschlichen Könnens verehrte. Das also war der «moderne» Robert Hamerling. Nun, meine lieben Juden, gehet hin und zeichnet Bausteine für das Robert-Hamerling-Uenkmal! Die jüdische Presse Palästinas liir freie Einwanderung Jerusalem, 12. März. (J. T. A.) Die gesamte; jüdische Presse Palästinas nimmt Stellung gegen die vom britischen Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Shiels gegenüber einer Deputation der Zionisten Edinburgh gemachte Aeußerung, es wäre ein Fehler, eine Massen^- einwanderung nach Palästina zu fördern. Das zionistische Organ „Palestine Weeldy“ faßt die Meinung der jüdischen Oeffentlicbkeit betreffend diese Frage zusammen und führt aus: Wie; Syrien, das an natürlichen Hilfsquellen reicher ist, war auch Palästina stets ein Land der Emigration gewesen. Wenn nun im Verlauf des letzten Jahrzehnts 100.000 Juden einwanderten und bei der wirtschaftlichen Struktur des Landes absorbiert worden sind, so ist das nicht auf die wirtschaftliche Kapazität des Landes zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, daß die Juden selbst sich die Absorptionsmöglichkeiten geschaffen haben. Jabotinsky in Südafrika Kapstadt, 14. März. (J. T. A.) Wladimir Jabotinsky, der Führer der Zionisten-Revisiomsten, hat nach seinem Eintreffen in Kapstadt einen Aufruf an die jüdische Jugend, zugunsten des Tel Chaj-Fonds zu sammeln, erlassen und in der Stadthalle eine große Rede gehalten, in der er als das unmittelbare Ziel des Zionismus die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina bezeichnete. Er kritisierte scharf die britische Administration in Palästina und griff auch die Politik der zionistischen Führung an, die in der Inneren Arbeit wie in der äußeren Politik versagt hat. Jabotinsky forderte einen Wechsel in der zionistischen Führerschaft und griff auch die Politik Warburgs und Oscar Wassermanns an. Jabotinsky sagte, er sei gekommen, um die südafrikanischen Juden aus ihrer Ruhe aufzurütteln und sie aüfzufordern, nicht nur Geld zu gebeti, sondern auch ihren Rat hinsichtlich einer Aenderung der zionistischen Politik, vernehmen zu lassen. Der König von Italien und Palästina Rom, 14. März. (J. T. A.) König Victor Emanuel empfing Professor Roberte Almagia von der Universität Rom und den Maler Dr. Luciano Morpurgo, die ihm ein Exemplar de6 soeben erschienenen Prachtwerlces «Palästina» überreichten, dessen Text von Prof. Almagia und dessen 200 Photos und Bilder von Morpugo stammen. Der König dankte für die ihm überreichte Gabe und sprach seine Bewunderung für das schöne Buch und die schönen Bilder aus. König Victor Emänuel hat von je ein starkes Interesse für Palästina und das jüdische Aufbauwerk bekundet. 1903 empfing er Theodor Herzl, von dessen Persönlichkeit er, wie er später einmal erklärte, einen starken Eindruck erhalten hat. 1927 empfing er den inzwischen verstorbenen Präsidenten der Zionistischen Organisation und des Konsortiums der jüdischen Gemeinden Italiens, die ihm die gerade herausgegebenen neuen Palästina- Münzen in einem in der Kunstwerkstätte des Bezailel zu Jerusalem hergestellten Kassette überreichten. Großfleiscfihauerel SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A17-3-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der Israelitischen Kuitusgemelnde Wien Autoasustellisna kostenlos IX, Berggasse 1S XVH1, Währingerstraße 97