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Die Stimme · 1930-03-20 · Heft 118 (20.3.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 118 (20.3.1930)
Date
1930-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 118 die stimme Sitte 3 ICHON-LEZION („DIE ERSTE IN ZION11) SO NANNTEN DIE ERSTEN JÜDISCHEN AN¬ SIEDLER PALÄSTINAS, DIE VOR 45 JAHREN INS LAND KAMEN, IHRE KOLONIE, AUS DER SIE IM LAUF DER JAHRE DIE BEDEUTEND¬ STE WEINPRODUKTIONSSTÄTTE DES LANDES SCHUFEN. SO BELIEBT UND GESCHÄTZT WAREN DIE WEINE ALSBALD IN ALLER WELT, DASS IMMER WIEDER VERSUCHT WURDE, IHRE CHARAKTERISTISCHE ETIKETTIERUNG NACH¬ ZUAHMEN. VERLANGEN SIE DAHER BEIM EINKAUF AUS¬ DRÜCKLICH KARMEL-WEINE AUS RICHON-LE- ZION, AUS DEN GROSSEN KELLEREIEN BARON EDMONDE DE ROTHSCHILDS, DIE BIS AUF EINEN VERSCHWINDEND KLEINEN BRUCH¬ TEIL DIE GESAMTE LANDESPRODUKTION BEHERRSCHEN. GROSSVERTRIEB: GUSTAV WILDER IV., BLECHTURMGASSE 12, TEL. U-43-8-19, TELEGRAMME: KARMEL, WIEN. HDB Slp *'U>5 Dr. Osias Thon. — 60 Jahre alt Wie wir bereits in unserer letzten Nummer mitteilten, feierte der bekannte Führer der polnischen Zionisten, Dr. Osias Thon, am 13. Adar seinen 60. Geburtstag. Dr. Osias Thon, der zu den markantesten Figuren der zionistischen Welt zählt, blickt auf ein überaus reiches Leben zurück. Als Kind orthodoxer Eltern genoß er in Lemberg eine streng jüdische Erziehung, der er die Grundlagen seines allumfassenden jüdischen Wissens verdankt. Nebstbei absolvierte Thon die Gymnasialstudien und begab sich dann nach Deutschland, wo er, gemeinsam mit seinen Jugendfreunden, dem bekannten hebräischen Schriftsteller Markus Ehrenpreis, und dem Leiter des jüdischen Schulwesens in Polen, Dr. Markus Brande, philosophischen und jüdischtheologischen Studien oblag. Hier erlangte er im Jahre 1895 mit einer grundlegenden Dissertation «Die Grundprinzipien der Kantschen Moralphilosophie in ihrer Entwicklung» den philosophischen Doktorgrad. Mit seiner Arbeit lenkte er auf sich die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Kreise und wurde von dem bekannten Soziologen Prof. Simmel beauftragt, eine Studie über den Stand der soziologischen Wissenschaft in Deutschland für eine große amerikanische Zeitschrift zu verfassen. Noch als junger Gymnasiast zählte Thon mit seinen früher erwähnten zwei Freunden zu den ersten Anhängern des in Lemberg geschaffenen jung-zionistischen Kreises, ln Wort und Schrift propagierte er die Notwendigkeit der nationalen Erziehung. In Berlin arbeitete er gemeinsam mit Moizikin, Dr. Heinrich Löwe, Scbmarjahu Lewin in dem jüdisch-russischen Studentenverein, der die zionistische Idee in den Kreisen der jüdischen Studentenschaft propagierte. Hier begann auch Thon seine Tätigkeit als hebräischer Schriftsteller. Späterhin zählte er zu den fleißigsten Mitarbeitern des «Haschiloach», in dem er eine Reihe wertvoller publizistischer und philosophischer Abhandlungen zur J idenfrage veröffentlichte. Nach Beendigung seiner Studien kam Thon als Rabbiner nach Krakau. Als Rabbiner schuf er einen neuartigen Typus. Er betrachtete seinen Rabbinerberuf wesentlich als den eines Votkslehrers — und Erziehers. Thon hat seit Beginn der zionistischen Bewegung aktiv mitgearbeitet. Er nahm auch an den ersten zwei Zionistenkongressen teil und war bemüht, die Achad- Haamistische Richtung zu vertreten. Er konnte, als Schüler Achad Haams, die Vernachlässigung der hebräischen Kulturarbeit innerhalb der zionistischen Organisation nicht mitmachen. Es ist vielleicht begreiflich, daß Thon aus diesem Grunde in den Jahren 1898 bis 1907 innerhalb der Zionistischen Organisation nicht führend gewesen ist. In diesen Jahren konzentrierte er sich hauptsächlich auf seine literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten. Vor allem suchte er die philosophischen und historischen Grundlagen des Zionismus zu erforschen, wobei ihm seine glänzende philosophische Erudition wertvolle Dienste leistete. Seine Studie «Zur geschicht'sphilosophischen Begründung des Zionismus» Ist nooh heute unübertroffen. Hier hat Thon zum erstenanale den Versuch unternommen, die soziologischen und geschichtsphilosophischen Unterlagen des Zionismus zu untersuchen. Nach ihm erstrebt der Zionismus nicht nur eine Lösung der sozialen Seite der Judenfrage, sondern vielmehr — und hier folgt er den Lehren Achad Haams — die Lösung der Kulturfrage, wobei er das politische Endziel nicht außer acht läßt. Thon versuchte auch* die Achad Haamistischen Anschauungen auf eine soziologische Begründung zurückzuführen. Thon ist vor allem Soziologe, aus diesem Grunde beschäftigte er sichgernemit Herbert Spencer, dem er eine größere Monographie in hebräischer Sprache widmete. Erst die politischen Kämpfe anläßlich der Reichsratwahlen in Galizien im Jahre 1907 veramlaßten Thon, in der Zionistischen Organisation führend einzugreifen. Seit diesem Jahre steht Thon in den ersten Reihen der Zionistischen Organisation. Auch in seiner politischen Tätigkeit, als Abgeordneter des Polnischen Sejm, war Thon stets bemüht, OFFIZIELLE VERKAUFSSTELLE Ifnoll n. Hafter L.SfakenriniiNr.2* TELEPHON: R 29-2-36, R 290-68 EINTAUSCH GEBRAUCHTER WAGEN GEGEN FABRIKSNEUE STEYR die Judenfrage und die Probleme des jüdischen Alltags von einer höheren historiosophischen Warte aus zu betrachten. Allerdings leisteten ihm seine jüdischen Kenntnisse und seine allgemeine europäische Bildung große Dienste. Als Redner verstand Thon nicht nur die Massen, sondern auch die intellektuellen Kreise mitzureißen. Er Zählt auch heute zu den besten Rednern des polnischen Parlaments. Eine ungemein ersprießliche politische Tätigkeit entfaltete Thon nach dem Kriege als Abgeordneter und Vertreter der polnischen Judenheit im Pariser Comite des dälegations juives, das berufen war, während der Friedensverhandlungen die jüdischen Minderheitsrechte in den Friedensverträgen zu verankern. Ungeachtet seiner politischen Betätigung vernachlässigte Thon keineswegs seine literarische Tätigkeit. Seine Aufsätze Essays und politischen Artikel zählen noch heute zu den besten in der hebräischen, polnischen und jiddischen Tagespresse. Ein besonderes Kapitel könnte man Thon als hebräischen Stilisten widmen. Er verstand es, seinen hebräischen Stil den größten Anforderungen der modernen wissenschaftlichen Terminologie anzupassen. Als Zionist und Mensch zählt Thon zu den feinsten Köpfen der jüdischen Renaissancebewegung und erfreut sich der Achtung nicht nur der polnischen, sondern auch der gesamten Judenheit. Während seines Aufenthaltes in Amerika vor einigen Jahren konnte Thon mit besonderer Genugtuung feststellen, daß seine Leistungen ihm weit über die Grenzen des Ostjudentums Sympathie eingebracht haben. Als Zionist behält er stets die gesamten Interessen der Bewegung im Auge und war immer ela Gegner des Fraktionismus, den er schon auf Grund seiner allseitigen philosophisch begründeten Weltanschauung nicht akzeptieren kann. Das Judentum als Ganzes, der Zionismus als eine abgeschlossene Einheit waren ihm stet« lieber, als Gruppen- und Fraktionsinteressen. Es 9Bm ßdjmetm... ZogotänHetten! Sogat*$aBtetfen finb unübertroffen &ux <3*tftmpfim$ rheumatischer, gichtischer und nervöser Schmerlen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. $oga( f$e$et bie Joamfäute au£ unb gebt habet btreft dut Wurdet bei ilebetß I 3Benn Saufenbe non 9lerjfen biefeS Sftittet oerorbnen, fönuen auch 6ie e* nertfattent* ooU taufen, fragen Sie 3fyvm $lrjt! 3n allen $4>o$efot ^retö S 2.40 ist daher kein Wunder, daß sein 60. Geburtstag dem polnischen Judentum Gelegenheit gibt, ihn zu feiern. Denn Thon ist sicherlich nicht nur der langjährige Führer der zionistischen Bewegung in Polen, sondern auch der geistige Lehrer der Zionisten. Möge es ihm noch lange gegönnt sein, innerhalb der polnischen Judenheit eine führende Stellung inne zu haben und die Zionistische Organisation mit seinem sprühenden Geiste zu beeinflussen. r. Dr. Cyrus Adler soll die Jewish Agency bei der Klagemauerkommission vertreten Dr. Cyrus Adler wurde von. Prof. Weizmann ersucht, die Jewish Agency bei der vom Völkerbund einzusetzenden Kommission für die Untersuchung der Verhältnisse an der Klagemauer zu vertreten. Die Ernennung der Kommission steht in Bälde bevor, wie der englische Kolonienminister im Unterhaus mitgeteilt hat. Dr. Cyrus Adler ist bekanntlich Rektor des Jüdischen Theologischen Seminars von Amerika und des Dropsie College in Philadelphia, Prir sident des „American Jewish Committee“ und £ (nichtzionistisches) Mitglied des Rates der Jei wish Agency. Jabotinskys Rückkehr nach Palästina den Behörden unerwünscht Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, wurde einem Kreis von Freunden Jabotinskys in Palästina seitens einer palästinensischen amtlichen Stelle zu verstehen gegeben, daß eine Rückkehr Jabotinskys nach Palästina den Behörden unerwünscht sei. Rabbi Meir Berlin in der Schweiz und in London Zürich. (J. T. A.) Wie in Deutschland, Rumänien, Polen, Litauen und Lettland wurde der Präsident des Weitmisrachi und Mitglied der Zionistischen Exekutive, Rabbi Meir Berlin, auch in der Schweiz von den Zionisten mit Begeisterung empfangen und in. großen Palästinakundgebungen begrüßt. Aus Anlaß der Anwesenheit von Rabbi Meir Berlin in London fand in Nord-London eine große Kundgebung des Miarachi unter, de» Vorsitz von Chiefrabhi Dr. Hertz statt. Der Kampf um Dr. Magnes* Rücktritt Jerusalem. (J. T. A.) In Jerusalem zirkuliert das Gerücht, )r. J. L. Magnes beschlossen hätte, von seinem Amt als Kanzler der Hebräischen Universität zurückzutreten; als Grund wird die von verschiedenen zionistischen Kreisen an seiner Tätigkeit, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Verbreitung seiner Broschüre «Like All the Nations?», geübte Kritik angegeben. Eine Vereinigung von Studenten der Hebräischen Universität forderte in einem Zirkular die Studentenschaft der Universität auf, den Rücktritt Dr. Magnes zu verlangen. Am 10. März fand eine Versammlung von Studenten der Hebräischen Universität statt, in der ein von den revisionistischen Studenten eingebrachter Antrag, daß der Rücktritt von Dr. Magnes zu fordern sei, mit 50 gegen 30 Stimmen abgelehnt wurde. Die Mehrheit der Anwesenden mißbilligte' in einem Votum das Verhalten von Dr. Magnes, erklärte aber, daß die Frage seines Verbleibens oder Nichtverbleibens als Kanzler der Universität dem Waad Leumi zur Entscheidung überlassen werden müsse. Schließlich wurde mit 49 gegen 31 Stimmen die folgende Resolution angenommen: Diese Versammlung von Studenten der Hebräischen Universität protestiert energisch gegen die Tätigkeit des Kanzlers der Universität, Dr. Magnes, die den Aspirationen des jüdischen Volkes in seinem Lande diametral entgegengesetzt ist und geeignet sei, die nationale Disziplin zu untergraben, indem im allgemeinen kein Unterschied gemacht wird zwischen Dr. Magnes als Privatperson und Doktor Magnes als offiziellem Oberhaupt der Universität, unbeschadet seiner Erklärung, daß er auf eigene Verantwortung handelt. Diese Versammlung fordert deshalb den Waid Leumi und das zionistische Aktionskomitee auf, die nach dieser Richtung hin als notwendig erachteten Maßnahmen zu ergreifen. Magnes verteidigt sich Jerusalem. (J. T. A.) Dr. J. L. Magnes, der Kanzler der Hebräischen Universität, tritt in einer im «Haarez» veröffentlichten Erklärung den von verschiedenen jUdsichen Kreisen gegen ihn gerichteten Angriffen wegen der Versendung seiner Broschüre an die britischen Parlamentsmitglieder entgegen und führt aus, der Inhalt der Broschüre habe auf Juden wie auf Nichtjuden günstig eingewirkt. König Alexander von Jugoslawien spendet für K. K. L. Belgrad, 13. März. (J. T. A.) König Alexander von Jugoslawien hat im Rahmen der Aktion für Anpflanzung eines Waldes auf den Namen seines verstorbenen Vaters König Peter auf dem Boden des Keren Kajemeth Lejisroel »n Palästina eine Geldspende für den Keren Kajemeth geleistet. König Alexander nat auch das Protektorat über einen Basar übernommen, den die Zagreber judenheit zugunsten des Keren Kajemeth Lejisroel veranstaltet.

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