Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 118 (20.3.1930)
- Date
- 1930-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053871--1619-3056984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 DIE STIMME Nf. 118 Anläßlich des lOjähr. Bestandes des fugendvereines ,Erez-lsrae V mit anschließendem Tanz öesterreichisches Handdsmuseum IX., Berggasse 16 J Sonntag, den 20. April 1930 / Beginn V28h abds. Karten erhältlich: Zionistische Büros I., Kärntnerstr. 28, lei. 9(27* 4-85/86 und Jugendverein „Erez Israel“, IE Zirkusgasse J/r. 33, lei. $49-8-98 Die Tagung des A. C. Starke Beteiligung. — Auf der Tagesordnung stehen wichtige politische und Kolonisationsangelegenheiten. — Ussischkin verlangt Innerzionistische Anleihefür Bodenkau!. — Dr. Ruppinbe handelt das Kolonisationsprobleni. — Generaldebatte. — Große politische Rede Prof. Weizmanns. —■ Fortsetzung der Debatte. — Einsetzung einerKolonisati onskommission. (Telephonischer Bericht der J. T. A.). Sonntag, den 16. d. M. wurde die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees bei Anwesenheit fast aller Mitglieder und eines großen Teiles der Ersatzmitglieder eröffnet. Präsident Leo M o t z k i n gedachte in seiner Begrüßungsrede der verstorbenen Mitglieder Dr. Leon Reich und Jean Fischer. Sodann wurde nachstehende Tagesordnung, beschlossen: 1. Unsere Kolonisationspolitik. 2. Bericht und Debatte über die politische Lage in London, Genf und Palästina. 3. Debatte über den Antrag Meir Großmann (Revisionist) auf Einsetzung einer politischen Kommission und auf Einberufung eines außerordentlichen Kongresses im Jahre 1930. 4. Palästinabudget und Keren Hajessod. 5. Debatte über den Antrag Adolf Bernhard über die Finanzierung der Immigration nach Palästina. 6. Die Tätigkeit der Jewish Agency, 7. Fragen der Diaspora- Politik. 8. Organisationsangelegenheiten. 9. Eventuelles. Bei der Behandlung des ersten Punktes sprach der Direktor des KKL. Ussischkin, über die gegenwärtige Lage des Jüdischen Nationalfonds und über den Bodenmarkt in Palästina. Ussischkin stellt fest, daß im allgemeinen angesichts der jetzigen politischen Lage kein Grund zu irgend welchem Pessimismus gegeben sei. Wenn die Juden mit einem schnelleren Tempo arbeiten und die Mittel für Bodenkäufe zur Verfügung stellen werden, so wird man trotz der vorhandenen Schwierigkeiten auf dem Bodenmarkt in der allernächsten Zukunft viel erreichen können. Die Exekutive müsse vor allem gegen die von der Palästina-Regierung gemachten Schwierigkeiten beim Bodenkauf energisch auftreten. Redner beantragt dann die Ausschreibung einer inneren zionistischen Anleihe für den KKL im Betrage von 300.000 Pfund. Ferner verlangt er, daß vom Hilfsfonds 100.000 Pfund für Bodenkauf zur Verfügung gestellt werden sollen. Zum Schlüsse teilt Ussischkin mit, daß er im Herbst mit Weizmann nach Amerika reisen werde. Dr. R u p p i n behandelt das Kolonisationsproblem in Palästina und stellt fest, daß die verbreiteten Verleumdungen, als ob die Araber durch die jüdische Kolonisation geschädigt worden wären, unwahr sind. Er sieht gar keine Schwierigkeiten, ' in einer kurzen Zeit 50.000 jüdische Familien ohne . Schädigung der Araber anzusiedeln. Allerdings wäre hiefür ein Budget von VA Millionen Pfund erfprderlich. In der zweiten Sitzung wurde die Debatte über die Kolonäsationsfragen fortgesetzt. Als erster sprach der Vertreter der Hitachduth, Dr. A r 1 o s o r o f f, der namens der Arbeiterparteien die Erklärung abgab, daß zurzeit die jüdische Arbeiterschaft in Erez Israel die Kolonisation als di e a k- 11! c 11 s t e A n g e 1 e g e n h ei t betrachte. Montag früii hielt Präsident Weizmann eine große politische Rede über die gegenwärtige Situation und führte aus, daß der Bericht der Shaw-Kommission noch nicht veröffentlicht worden ist, wodurch es schwer sei, dem A. C. nähere Mitteilungen über die Vorschläge dieser Kommission zu machen. Jedenfalls steht es fest, daß der Bericht der Regierung bereits zugestellt worden ist. Er dürfte bis Ende dieses Monats veröffentlicht werden. Das Administrative Komitee der Jewish Agency wird wohl Gelegenheit haben, sich mit dem Bericht zu befassen. Was die allgemeine politische Lage betrifft, so ist kein Grund vorhanden, an die Wahrhaftigkeit der Versicherungen der Regierung, die in der letzten Zeit abgegeben wurden, zu zweifeln. Es steht fest, daß die Regierung von den Richtlinien ihrer Palästina-Politik, die auf der Balfour-Deklaration und dem Mandat fußen, nicht abweichen wird. Eine andere Frage ist das Problem der Art der Durchführung dieser Richtlinien. OCKXXXXX>OQOOCXXX)aOCXXX}OOCXX}CXXXXXX)OOOOt Ili Mpli lief Zionisti || Cafe „Sites Rathaus" II I | (Cafetier Leo Lowy) II I I Größere and kleine Klublokale Bl Eli. Bez., Wipp ling er strafte 24 || 11 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 || OQPQQOöQOCOOQCOCXXXXXhQQQQQQOOCQOOQQflOO Obwohl die Untersuchungskommission den ausdrücklichen Auftrag hatte, die Frage der Politik aus ihrer Kompetenz auszuschallen, hat sie dennoch im Verlaufe ihrer Verhandlungen diese Frage angeschnitten. Weizmann gab sodann eine umfassende Uebersicht über die Beziehungen der englischen politischen Kreise und der öffentlichen Meinung zum Zionismus. Obwohl Gruppen vorhanden sind, die gegen uns gestimmt sind, haben wir in allen drei Parteien eine große Anzahl von Freunden, die unsere Sache unterstützen und davon überzeugt sind, daß wir in Palästina große Leistungen vollbringen, die den Arabern kein Unrecht machen. Die englische Oeffentliohkeit weiß es einzuschätzen und ist darüber genau informiert, daß Grieß fand sind bereits eingetroffen und werden in allen besseten Lebensmittelgeschäften erhältlich sein miimcimmz piaizos-vertrieb Wien, 2. Bezirk, mubadiaasse Nr. 24 (NordbäimsfraBe 30) Telephon Nr. R 23-9-32 und R 48 o 82 nilalai lg. Frost, 3. Bez., Haidgasse 9, Telephon Nr. A 41-8-64 wir den für unsere Kolonisation benötigten Boden mit großen Geldbeträgen bei den Arabern kaufen. Weizmann beschäftigt sich sodann in seiner Rede mit den Forderungen der Maximalsten und Minimallsten in unserer Organisation und stellt fest, daß die Aktionen des Dr. Magnes Unheil anrichten, wie denn überhaupt alle Aktionen jener Minimallsten, die sich als Apostel des Friedens ausgeben, nur Unheil stiften, weil sie den Eindruck hervorrufen, daß die Mehrzahl der Zionisten weniger friedlich gestimmt sei als sie. Es erübrigt sich wohl, zu erklären daß der Zionismus Zeit seines Bestandes nicht rndercs als mit friedlichen Mitteln die Verwirklichung seiner Z'ele erreichen will. Heute ist gar kein Grund vorh.mden, den Pessimismus zu verbreiten, es sind wohl Schwierigkeiten vorhanden, aber dessenungeachtet können wir zuversichtlich in die Zukunft schauen. Er persönlich fühle sich stark und sei überzeugt, daß die Lage für uns und unsere Arbeit sich besser gestalten wird. Wir müssen unsere Kräfte anstrengen, in Palästina gr ße Erfolge aufzuweisen, die allein alle Schwierigkeiten überwinden werden. Die Exekutive hat ein sorgfältig ausgearbe.tetes Programm der Regierung Übermittelt. Dieses Programm wind sicherlich von jenen, die den maximalistischen Zionismus verlangen, kritisiert werden. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir den maximalistischen Zionismus nur dann verwirklichen können, wenn wir in Palästina eine positive Arbeit leisten und unsere Kolonisation ausbauen. Diese allein schaffen die Vorbedingungen zur Verwirklichung des maximalistischen Zionismus. Nach der Rede des Präsidenten Weizmann, die mit großem Beifall aufgenommen wurde, setzte man die Debatte über die Kolonisation fort. Der palästinensische Vertreter Suprasky verlangt, daß der Keren Kajemeth Boden für eine Mittelstandskolonisation zur Verfügung stellt. Sodann sprachen noch Dr. Glücksohn (Erez Israel), Baratz (Arbeiter) und Klinof (Revisionist). Nach der Debatte wurde eine 13giiedrige Kommission gewählt, die sich mit dem Problem der Kolonisation zu beschäftigen und der A. C.-Tagung entsprechende Vorschläge vorzulegen hat. Vor der Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency New York, 14. März. (J. T. A.) Der Präsident des Administrative Committee der Jewish' Agency, Herr Felix M. War bürg, und die Mitglieder des Committee Dr. Cyrus Adler, Alexander Kahn, James Becker, Julius Simon, Joseph Hyman haben an Bord der „Bremen“ die Reise nach London angetreten, wo sie an der am 23. März in London beginnenden Tagung des Administrative Committee teilnehmen werden. Der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Louis Lipsky hat an Bord der „Majestic“ die Reise nach London angetreten. Chancellor in jüdischen Kolonien Jerusalem. (J. T. A.) Auf seiner Reise durch Nordpalästina verweilte der Oberkommissär von Palästina, Sir John Chancellor, in der jüdischen Kolonie Machnajim. Er erklärte den Siedlern, er könne mit der von ihnen zum Ausdruck gebrachten Meinung, daß Palästina jetzt reif sei für eine freie und uneingeschränkte Einwanderung, nicht übereinetimmen. — Auf einer aus Anlaß seiner Anwesenheit in Misohmar Hajardori veranstalteten arabisoh-jtidisohen Versammlung gab Sir John Chanoellor seiner Freude über die gutnachbarlichen Beziehungen zwischen Juden und Arabern Ausdruck und sagte, es sei im Lande genug Platz für beide Völker. — Bei seiner Anwesenheit in Metullah, der nördlichsten jüdischen Kolonie Palästinas, gab Sir John Chancellor den Kolonisten das Versprechen, daß wenn die Truppen aus diesem Teil des Landes zurückgezogen werden, berittene Polizisten die Truppen ersetzen werden. '— Arabische Scheichs des Nordens klagten gegenüber dem Oberkommdssär, daß arabische Agitatoren aus Safed wieder versuchen, Unfrieden zwischen Arabern und Juden zu stiften. Sie versicherten aber, daß die Arbeit der Agita* toren keinen Erfolg haben werde.