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Die Stimme · 1930-03-20 · Heft 118 (20.3.1930) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 118 (20.3.1930)
Date
1930-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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nüMfAM-nilffESI 2». HARZ 1930 V. b. b Preis 35 Groschen Zionisten treffen sich im Kaffee FUrstenho (I., Praterstraße Nr. 25 Aboaaemenlprelee: Für Oeeterreleh: Mon&tl. 8 1.50, viertel]. S 4.20, gposj. 8 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.»—, viertelj. Goldmark 8.— I Tschechoslowakei: Monatlich Ke 7.—, viertelj. Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— I Jüdisdte Zeitung Crsdielnl feden Donnerstotf iltedafttton und jtdministraiion: Wien. 1., ^}auAemteintf<u«e 1 -!7efepAon 90-3 I Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj. Zltoy 6.60 I Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. PengO 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 126.— I Bulgarien: Monatl. Lewa SO.—, viertelj. Lewa 80.— Belgien; Monatl. Helga S.—, viertelj. Belg* 6.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.60 3. Jahrgang Wien, Donnerstag, 20. März 1930 (20. Adar 5690) Nummer 118 iLord Arthur James Balfour gestorben Wien, 19. März. Knapp vor Redaktionsschluß erhalten wir die traurige, das Judentum der ganzen Welt erschütternde Nachricht, daß Lord Arthur James Balfour, der große Freund der zionistischen Sache, der Schöpfer der berühmten, nach ihm benannten Deklaration, heute früh im Alter von 82 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben Ist. LLOYD TRIESTINQ iw Der Draht meldet, daß Lord Arthur Balfour nach kurzem Leiden verschieden ist. Unter deip Eindrücke dieser traurigen'Nachricht fäljt es schwer, Balfours Bedeutung als Politiker, Staatsmann und Schöpfer der Bälfour-Deklara-'; tion .zu schildern. Mit ihm ist nicht nur ein; Freund der zionistischen Sache, sondern eine der bedeutendsten Figuren europäischer Welt-; Politik dahingegangen. Lord Arthur James Balfour, der im; Juli 1848 in Wittingham gehören wurde, hatte sich nach Beendigung seiner Undversitätsstudien im Jahre 1870 der konservativen Partei ang©schlossen. Seit dem Jahre 1874 gehörte er dem Unterhause an, wo er sich vor allem für die Fragen des Ostens lebhaft interessierte. Die Ereignisse im nahen Osten, die russisch-türkischen Kriege Und die Aspirationen Rußlands, ihre Einflußsphäre in jenen asiatischen Gebieten, die auf* dem Wege nach Indien liegen, zu befestigen, bildeten das Hauptgebiet der damaligen politischen Erörterungen. Die Führung der englischen Außenpolitik lag damals in. den Händen DTsraelis und des Marquis Salisbury als dessen Außenminister. Als dann im Jahre 1878 die orientalische Frage auf dem Berliner Kongreß geregelt werden sollte und die früher Genannten mit der Vertretung der englischen Interessen bei dieser Friedenskonferenz betraut wurv den, hatte Salisbury seinen Neffen Arthur Balfour als Privatsekretär mitgenommen. In Berlin hatte Balfour Gelegenheit, mit führenden Persönlichkeiten der damaligen europäischen Politik zusammenzukommen und die auf der Tagesordnung stehenden Probleme der Weltpolitik kennenzulernen. Als nach dem Berliner Kongreß in England die Liberalen und Irländer D‘Israelis Regime auf das heftigste bekämpften, verteidigte Balfour stets di© auswärtige Politik der Regierung. Nebst seiner politischen Betätigung fand er auch Muße, sich mit Philosophie zu beschäftigen. Um das Jahr 1886 wurde er zum Generalsekretär für die Angelegenheiten Irlands ernannt, welche Stelle er bis zum Jahre 1891 bekleidete und als solcher hatte Balfour viel zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen Großbritannien und Irland beigetragen. Nach der im Jahre 1902 erfolgten Demission des Marquis Salisbury übernahm Balfour die Führung der Konservativen und wurde von der Königin Viktoria zum Premierminister ernannt, in welcher Stellung er bis zum Jahre 1905 verblieb. Dann kamen die Liberalen ans Ruder und Balfour führte 1906 bis 1910 die Opposition der Konservativen. Im Jahre 1912 trat er von der Führung der Partei zurück und wurde ers{ BMBMBMBDMMBannmeMmi.il ■!■»■■■ ■■■ während des Krieges (im Jahre 1915) zum Marineminister und im-Jahre 1916 an Stelle Sir Eduard. Greys zum ■ Außenminister ernannt, welche Stelle, er bis zum Jafcf^l^lS bekleidete. Als Außenmiiiieter hatte* er die schwere Aufgabe übernommen, die Verhandlungen Englands mit'Rußland, Frankreich, Italien und den anderen verbündeten Mächten zu führen. Er hatte auch die Aufgabe, Amerika auf die Seite der Ententemächte zu bringen. Auf Grund seines berühmten Briefes an den amerikanischen Präsidenten Wilson über „Die Ziele des Krieges“ leitete er seine Aktion zur Gewinnung Amerikas ein. Im April 1917 begab sich Balfour persönlich nach Amerika, wo er als erster Engländer im amerikanischen Kongreß sprach. Balfour ist auch der Verfasser der Kriegsformel der Entente, die besagte, daß das Hauptziel des Krieges die Befreiung der unterdrückten kleinen Nationen sei. Mit dem zionistischen Problem kam Balfour in den Jahren 1901—i.902 in Berührung. Anläßlich des Uganda-Projektes hatte Balfour dessen Initiator, seinen Kabinettskollegen, den Kolonialminister Joseph Chamberlain, unterstützt. Schon damals erkannte er die Notwendigkeit, die Juden irgendwo auf der Erde mit einem Gebiet zu versorgen, in welchem sie sich unter dem Schutze der englischen Flagge als eigene selbständige Gemeinschaft entwickeln könnten. Im Jänner 1906 kam er zum erstenmal mit Dr. Chaim Weizmann zusammen, der ihn in die Gedankenwelt des Zionismus einführte. Balfour sagt hierüber: „Seit der Stunde, in der ich mit Dr. Weizmann gesprochen habe, wurde ich selbst Zionist“. Er unterstützte denn auch die von Weizmann eingeleiteten Arbeiten zur Realisierung des Zionismus im Komplex der Kriegsfragen auf das tatkräftigste. Als Minister des Auswärtigen hatte Balfour Gelegenheit, dieses Problem zu verwirklichen. Mit der am. 2. November 1917 erteilten und nach ihm benannten Deklaration schaffte Balfour hiezu die Grundlage. Durch die Aufnahme des Satzes „Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk“ — der nichts anderes als den Inhalt des Baseler Programmes wiedergibt — in die Formel für die Balfour-Reklaration, wurde die Forderung des Zionismus nach Erriohtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte dank Balfour von der englischen Regierung anerkannt und als Prinzip in die späteren Friedens vertrage aufgenoramen. Balfour allein verdanken wir, daß seine Deklaration eine der Grundlagen dee Mandates gewor« DIREKTE LINIE ■ TMEST-JAFFA-HAIFAI mit den vorzüglichen Salonschiffen «Adria» I und «Carnaro». Fahrtdauer 4]/2 Tage. Fahrfl preise: I. KI. ist. 22.—, fl. Kl. Ist. 15.—, fl , III. Kl. Lst. 6.— inkl. Bett und Verpflegung, fl Für Chafüxlm und Tourlstengesellschaften fl beiondcr»Ermäßigungen. fl Für Einzelreise-nd-e kostet die Fahrt: fl nach Palästina und zurttck fl in der III. Klasse inkl. Kabine und Verfl pflegung bloß österr. Schilling 416.—. fl Auskünfte LloydTriestlno, Wien I, Kärntnerring 6 I ■«■■■BBBflMnEBMBMBMBBHni den ist. Dank seiner Intervention und Unterstützung wurde die Balfour-Deklaration der Ausgangspunkt der englischen Politik im vorderen Orient. Auch späterhin, nachdem sich Balfour vom politischen Leben zurückgezogen hatte, förderte er unsere Sache. Mit besonderer Genugtuung nahm er persönlich die Eröffnung der Hebräischen Universität in Palästina im Jahre 1925 vor. Noch zu seinen Lebzeiten konnte er währnehmen, mit welcher Liebe und Achtung die gesamte jüdische Welt ihm begegnete. Unvergeßlich bleibt sein Andenken in den Annalen unserer Geschichte. Denn ähnlich Cyrus hat er uns Juden die: Möglichkeit gegeben, neuerlich unsere Heimstätte in Palästina zu. errichten. Hinkis wird auch gegen das Gefängnisurteil berufen Jerusalem. (J. T. A.) Der Anwalt Doktor Eliash, Verteidiger des Tel-Aviver jüdischen Polizisten Hinkis, der zuerst vom Jaffaer Kreisgericht zum Tode verurteilt wurde, woraufhin das Urteil vom Jerusalemer Appellationsgericht aufgehoben und in 15jährige Gefängnisstrafe umgewandelt wurde, teilte der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit, daß Hinkis auch gegen das Gefängnisurteil des Appellationsgerichtea Berufung beim Privy Council (Kronrat) zu London einlegen wird. Als das Appellationsgericht unter dem Vorsitz von Oberlichter Mac Donnell die Aufhebung des Todesurteils gegen Hinkis aussprach, wurden Hinkis sofort die Ketten abgenommen, auch wurde er des Scharlachgewandes, das der zum Tode verurteilte Gefangene zu tragen hat, entkleidet, wodann ihm seine Zivilkleidung zurückgegeben wurde. Die Verkündigung der Aufhebung des Todesurteiles hat unter den Juden Jerusalems unbeschreibliche Freude hervorgerufen. Die Leute, die vor dem Gerichtshause auf die Urteilsverkündung warteten, umarmten sich und beglückwünschten einander als das Urteil bekannt wurde. Die Zeitungen veranstalteten Extraausgaben«

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