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Die Stimme · 1930-03-13 · Heft 117 (13.3.1930) · page 16

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 117 (13.3.1930)
Date
1930-03-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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Seite 16 DIE STIMME Nr. 117 zionistische Bezirkssektion leopoldstadt i Sonntag, den 16. März 1930, 8 Uhr abends restsaal Hotel Continental, n., Taborsfr. 4. Purim-Ball mit Mitternachtsakademie. Unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte. Diverse Ueberraschungen. 2 Jazzkapellen. Der Schift-Schul ins Stammbuch «... Es muß unser ganzes Sinnen und Streben sein, die so kostbare Einheit in unserer Oemeinde zu erhalten, selbe zu pflegen und nicht zu gefährden, . . . kein Mittel soll unversucht bleiben, was zur Befestigung und Stärkung der Gemeinde-Einheit führen und nichts soll von dieser Seite geschehen, was dem Frieden und der Einigkeit in der Gemeinde irgendwie gefährlich werden kann . . .» Rabbiner Salomon Spitzer. (Rede vom 4. Februar 1871, gehalten in der Schiff-Schul.) Die Gemeinde und die jüdische Kaufmannschaft Von Benno Deutsch, Mitglied des Präsidiums des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Wien. Wenn wir unter Gemeinde eine Gruppe von Menschen verstehen, die trotz vielem, was sie gemeinsam haben, in ihren Interessen differenziert sind, dann werden wir einsehen müssen, daß die Tätigkeit der Kultusgemeinde als eines Verwaltungskörpers an gewissen Grenzen halt machen muß. Die Kultusgemeinde muß als die Vertretung »Her jüdischen Schichten die Förderung der Interessen aller Berufsgruppen im Auge behalten. Die bestehenden freien Vereinigungen — in diesem Falle handelt es sich hauptsächlich um Berufsvereinigungen — sind berufen, auf die Gemeindeverwaltung Einfluß zu nehmen, um in gegebenen Fällen auf die Notwendigkeit der Durchführung gewisser Aufgaben, wenn sie auch mit den Interessen der betreffenden Berufsklasse identisch sind, aufmerksam zu machen. Die jüdische Bevölkerung hat in den letzten Jahren den Beweis erbracht, daß sie der Tätigkeit der Kultusgemeinde gegenüber nicht mehr teilnahmslos ist; im Gegenteil, es ist überall ein reges Vereinsleben festzustellen, das zur Folge hat, die einzelnen BevÖIkerungsschichtq» für die Aufgaben der jüdischen Gemeinde zu interessieren. Bis vor kurzem waren Wohltätigkeit und Kultus die einzigen Tätigkeitsgebiete der Gemeinde. Erst unter dem Einflüsse der jüdischen Renaissancebewegung sah sich die Kultusgemeinde, dem Drucke der Wählerschaft folgend, genötigt, auch andere Fragen des jüdischen Lebens in ihren Aufgabenkreis zu ziehen. Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ist es geboten, daß die Kultusgemeinde als die Repräsentanz der Wiener Gesamtjudenheit auch Fragen, die das wirtschaftliche Leben der Judenschaft betreffen, behandelt, und Wege und Mittel ausfindig macht, wie man der Misere abhelfen könnte. Darf doch nicht vergessen werden, daß die Gewerbetreibenden und Kauflsute den eigentlichen Grundstock der kultuosteuerzahlenden Bevölkerung darstellen. Auf ihren Schultern liegt zum größten Teil die finanzielle Last der Gemeinde, die keinesweges in der Lage sein würde, ihren Aufgaben gerecht zu werden, wenn diese beiden Wirtschaftsgruppen zusammenbrechen müßten. Es wäre daher bereits an der Zeit, daß die Kultusgemeinde sich auch mit der wirtschaftlichen Not der jüdischen Kaufmannschaft befassen und eventuell im Wege einer Enquete die Belange dieser wirtschaftlichen Gruppe kennen lernen soll. Kreditwesen, Vermittlung von jüdischen, Sabbathhaltenden Angestellten, Wahrung der Interessen der Sabbath haltenden Kaufmannschaft, Ausbau eines regen wirtschaftlichen Verkehrs der jüdischen Kaufmannschaft mit dem Auslande, all das bietet sicherlich ein überaus reichhaltiges wirtschaftspolitisches Arbeitsprogramm für die Kultusgemeinde, die durch eine Förderung der jüdischen Kaufmannschaft vor allem die eigene Steuerkraft stärken würde. Die Gemeinde und die 10 Gebote Als der berühmte Rabbi Arie Leib, der Verfasser des bekannten Werkes „Schaagath Arie'", im Jahre 1765 zum Rabbiner in Metz bestellt wurde, verlangte er zunächst den Pinkas (Protokollbuch) der Kehilla und schrieb wörtlich die zehn Gebote hinein. Auf die Frage der verwunderten Gemeindevorsteher, was dies eigentlich bedeuten soll, gab er zur Antwort: „Während meiner langjährigen Erfahrung in verschiedenen Gemeinden habe ich die bittere Wahrnehmung gemacht, das, was im Pinkas eingetragen ist, den Gemeinden oft heiliger erscheint und von ihnen strenger beobachtet werde, als das, was in der Thora ausdrücklich geschrieben steht . . .» Awigdor Itzchaki. Wer seinen Freunden ein angenehmes Purim-Geschenk machen will, möge Palästina-Orangen und Palästina-Weine in sehön adjustierten Paketen als Schlachmones schicken. Zu den billigsten Preisen liefert, auch direkt ins Haus, Samuel Halpern, Wien, II., Förstergasse 5, Tel. R 40-4-12. Was nicht jeder weißJ Es schien bisher mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden zu sein, ein schmerzstillendes Mittel darzustellen, das prompt wirkt und zugleich auch dauernde Erfolge zeitigt. Nach umfangreichen Studien auf pharmakologischem Gebiete und eingehenden Versuchen an einem großen Krankenmaterial gelang es schließlich, in dem Togal ein Mittel herzustellen, welches neben zuverlässiger und anhaltender Wirkung absolut unschädlich ist. Togal-Tabletten haben sich bei rheumatischen und gichtischen Schmerzen, Kopfschmerzen und Erkältungskrankheitea hervorragend bewährt Die jüdischen Hochschüler und die Gemeinde Von Alexander Teich. In der Vorkriegszeit waren die Beziehungen der Israelitischen Kultusgemeinde zur jüdischen Studentenschaft sehr lose. Höchstens daß einzelne Stipendisten oder unbemittelte und arme Studenten mit dem einen oder anderen Funktionär der Kultusgemeinde in Berührung kamen. Die einen, weil sie um einen Beitrag für eine Prüfungstaxe, die anderen, weil sie um einen freien Mittagstisch ansuchten, lieber die Art der sonstigen Studentenfürsorge und der Prüfung der Würdigkeit in jener Zeit wollen wir heute nicht näher eingehen. Für jüdisch-kulturelle Bedürfnisse der Studentenschaft hatte die damalige Kultusgemeinde gar kein Verständnis. Ein Interesse für die Hochschulpolitik war natürlich ebenfalls ausgeschlossen. Trotz der größten antisemitischen Hochschulkrawalle und Ausschreitungen hat die Kultusgemeinde nie eingegriffen, da er nach damaliger Auffassung der damaligen Vorsteher als ein Einmischen in die Angelegenheiten der Wiener Universität und der Regierung nicht genehm betrachtet werden konnte. Die Studenten wurden somit in ihren Kämpfen sich selbst überlassen. Und doch waren es die jüdischen Studenten, die im Kampf um die Eroberung der Kultsgemeinde alle ihre Kräfte eingesetzt haben. Seitdem eine größere Anzahl zionistischer JC«se~ und üledeAofle JWMstJker Üfo<As<IMfifev in Wien gratuliert ihrem Vizepräses Bundesbruder Leo Landau zu seiner Promotion zum Doktor der Chemie. Mandatare in der Kultusgemeinde vertreten ist, haben sich die Verhältnisse wesentlich gebessert. Der Kultusvorstand erinnerte sich — dank dem Einflüsse des Oberrabbiners Doktor Chajes s. A. — seiner Pflichten der Heranwachsenden jüdischen Intelligenz gegenüber, als dem Träger des Volksbewußtseins, und begann, der Studentenschaft sein Interesse zu widmen. Seitdem die zionistischen Mandatare an der Verwaltung teHzunehmen begannen, gestalteten sich die Beziehungen der jüdischen Studentenschaft zur Wiener Kultusgemeinde um ■ - .....— I II .111 » , Hechaluz - Poale Zion - Hitachduth - Linkskartell IN DER TRUMPELDORWOCHE Sonntag, 16. März 1930. V|10 Uhr vormittags, Altes Rathaus. I., Wipplingerstraße 8: Jugendmassenmeeting Montag, 17. März 1930, V,8 Uhr abends, »Kuostspiele“, 1., Riemergasse; Künstlerische Feier unter Mitwirkung von namhaften Kräften Karten für die Feier: Zionistische Büros, Hechaluz, 1., Kärntnerstraße 28 so inniger. Nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in kultureller Beziehung wird die Studentenschaft von der Kultusgemeinde unterstützt So stellt das Präsidium der Kultusgemeinde der jüdischen Studentenschaft u. a. Lehrar für die hebräische Sprache unbegrenzt und unentgeltlich zur Verfügung. Wir hoffen, daß die jüdische Studentenschaft ohne Unterschied der Parteigruppierung von dieser Einrichtung recht großen Gebrauch machen wird. Unter dem Drucke der zionistischen Kultusvorsteher irfiervenierte das Kultusgemeindepräsidium jedesmal bei der Regierung gegen antisemitische Ausschreitungen an den Hochschulen oder sonstige Benachteiligungen jüdischer Studenten. Natürlich sind noch lange nicht alle Aufgaben erfüllt, die die jüdische Studentenschaft von der Kultusgemeinde erwartet. Vor allem müßte, unter dem Protektorat der Jüdischen Kultusgemeinde, eine Zentralstelle errichtet werden, welche die Fürsorge für die jüdische Studentenschaft Wiens einheitlich, würdigundnachmodernenPrinzipienleitet. Denn der jüdische Student soll nicht mehr als Bittsteller bei den verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen erscheinen. Eine der ersten Aufgaben der Kultusgemeinde in den nächsten Monaten wird es sein, mitzuhelfen, den Bau des Jüdischen Studentenheimes durchzuführen. Es ist auch von besonderer Wichtigkeit, angesichts der großen Notlage die Budgetpost für jüdische Studentenfürsorge zu erhöhen. Nach wie vor vertraut die jüdische Studentenschaft den zionistischen Mandataren und hofft, daß sie sich auch weiterhin für die Forderungen der Studentenschaft einsetzen werden. «Sie übersehen, daß kein Volk so stärk und so lange für seinen Glauben und seine Idee gelitten hat wie das jüdische. Daß die jüdischen Gemeinden nicht ihre reichsten Mitglieder am höchsten schützen, sondern ihre weisesten, ihre Gelehrten . . .» 7?. N. Coudenhove-Kalergi. (Einleitung zum Buche *Das Wesen des Antisemitismus» S. 36.) «BsgasssBsgBssaBssagasa^^ .i ■iini nm JÜDISCHER LIEDERABEND Mittwoch, den 26. März 1930, 8^ Uhr abends, Großer Festsaa! (Konzertsaal) im Industriehaus (Schwarzenbergplatz 4) J. SEGJU-RO&ENBACn (Tenor) Lieder, Volkslieder (hebr. und jüd.) Opernarien (ital.) Am Flügel; Rudolf Beck. Kartenverkauf: Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Buchhandlung Rath, II, Taborstraße 20a, Parfümerie Schurberg, fl, Hafnergasse 3. Trumpeldor, der Schöpfer des Hechaluz (Anläßlich der Wiederkehr »einee 10. Todestages.) Zum zehnten Male kehrte der 11. Adar wieder, der in der Geschichte des neuen jüdischen Jischuw in Erez Israel für ewig der T ag von TelChaj bleiben wird, jener Tag, an dem Trumpeldor und seine Genossen ihr Leben lassen mußten im Kampfe gegen arabische Räuber, die die Wirrnisse jener Tage dazu benützten, um die vereinzelten jüdischen Kolonien zu überfallen und auszuplündern. Trumpeldor und seine Genossen fielen, da sie Wache standen an den Toren Erez Israels. Doch sie sind nicht tot, nein, sie leben fort — das erwies sich neuerlich anläßlich der traurigen Ereignisse im Monat Aw. Auch da standen Chaluzim auf Wache, auch da wendeten sie eine große Gefahr ab. Es war der Geist Trumpeldors, der die Kämpfer beseelte. So kommt dem Gedenktag heuer eine eigene Bedeutung zu, gerade im Angesicht der letzten Ereignisse in Erez Israel. Die ganze zionistische Welt feiert diesen Tag. Besonders gedenkt an diesem Tage die jüdische Jugend ihres leuchtenden Vorbildes — teuer und heilig ist er aber der jüdischen Arbeiterschaft und der allweltlichen Hechaluz bewegung — ist doch Trumpeldor der Schöpfer und Gründer des Hechaluz. Die Gründung und Organisierung einer großen umfassenden Chaluzbewegung war vielleicht die größte historische Tat in der neueren Geschichte des jüdischen Volkes, denn sie erst ermöglichte die Verwirklichung des zionistischen Ideals. Was wäre aus Erez Israel geworden ohne den starken unbeugsamen Willen der Chaluzim, mit der Arbeit ihrer Hände das Land aufzubauen? Denn nur sie ist die unerschütterliche ewige Grundlage unseres Werkes. Es gab auch schon vor dem Kriege Kolonien und Menschen, die Verkörperer des Chaluzgedankens genannt werden können. Aber es fehlte das klare Ziel, es fehlte der Glaube an die eigene Kraft, es fehlten die Menschen, die auf sich die S e 1 b s tv e r a n t w o r t u n g für das Werk nehmen konnten. Trumpeldor wußte sie zu sammeln, überall schuf er Gruppen, kleine und größere, beseelte sie mit seinem Glauben und so entstand die große umfassende Bewegung des «Hechaluz». Trumpeldor, der in seinem Leben die Chaluziut restlos verwirklichte, war ihr Führer und er blieb ihr Vorbild bis zum heutigen Tag. Er war es, der die Notwendigkeit der «H a c hscharah», der planmäßigen Ausbildung derjenigen, die nach Erez Israel gehen wollen, erkannte; er war es auch, der die Notwendigkeit der Schaffung einer großen Reserve an Menschen fühlte und daher festlegte, es müßten die Chaluzim bereit sein zur Alijah, aber, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, müssen sie auch warten, ein Jahr und zwei und drei Jahre. Und was Trumpeldor als Prinzipien des «Hechaluz» festlegte, gilt heute genau so wie damals: Der Ausgangspunkt des Hechaluz ist die Erkenntnis der Notwendigkeit, in Erez Israel ein selbständiges politisches und nationales Heim zu errichten. Das zweite Prinzip der Organisation ist das der Arbeit. Das nationale Zentrum muß mit den Forderungen der arbeitenden Schichten in Einklang gebracht werden. Mitglieder dieser Organisation können daher nur Leute sein, die nach Erez Israel gehen, um dort ein Leben der Arbeit ohne Ausbeutung zu führen. Das dritte Prinzip ist die hebräische Sprache. Trumpeldor erkennt die historische Situation, in der wir uns befinden und ruft aus: «Wehe, wenn sie uns unvorbereitet findet!» Sein Leben, das so reich war, läuft ab in tätiger Unrast voll innerer Spannung. Die Geschichte seines Lebens zu gestalten, ist noch kein Meister erstanden. Für uns aber bleibt er der Mensch des Friedens, der Arbeit, der Schöpfer des Hec h a 1 u z, der große Jude, der stille Arbeiter. Möge das Erinnern an Trumpeldor und seine Genossen für die jüdische Jugend ein Tag der Selbstbesinnung sein und ein Ansporn, den Weg zu gehen» den er uns gewiesen hat. Jakob Singer.

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