Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 117 (13.3.1930)
- Date
- 1930-03-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 117 DIB STIMME Seite 13 SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u, A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten ien unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Aulozuslellung kostenlos IX, Berrrgasse 15 X'nll, Währingerstraße 97 »aurn ein Tag1(fder uns nicht derartige Zuschriften ins Haus brächte. Der Spender wird überdrüssig. Die Unterzeichneten Kamen veraftiassen ihn noch hie und da. einen Betrag zu senden, selten der Zweck. Wohl gab es Versuche der Zentralisierung. Mit Dank und Wehmut sei der Gründer der {Zentralstelle für jüdisch-soziale Fürsorge» gedacht. Es fehlte fieser Stelle jedwede Autorität, um wirklich Zentrale für das Pereinswesen zu werden. Es ist das Verdienst der Monistischen Mandatare in der Kultus gemeinde, nunmehr d’esc Zentrale im Rahmen rlesFürsorgewesensderjüdischenGemeinde selbst zu schaffen und damit die Möglichkeit zu haben, dem Vereinsunwesen zu steuern, dagegen die notwendigen Institutionen in gemeinsamer Arbeit mit Fachleuten auf lHen Gebieten der Fürsorge auszubauen. Die bestehenden Verbände in ihrer gemeinsamen Arbeit tu fördern, vor allem aber Erziehungsarbeit der Fürsorge selbst, muß eine der nächsten Aufgaben sein. Ueberall gibt es noch Menschen, die gerne unter einer zidbewußfen Führung mitarbeiten werden. Der Bedürftige soll Und muß gefördert, der «Berufsbettler» Rber muß «abgebaut» werden. Nicht der Schreier und der, der die besten Bittbriefe schreibt, hat Anrecht auf Hilfe. Viel eher muß das verschämte Elend in der Wohnung aufgesucht und dort in erster Reihe geholfen werden. Aber auch die Beaufsichtigung der jüdischen Heime muß weitaus rigoroser gehandhabt werden als bisher. Es kann und darf uns nicht genügen, Schützlinge zu speisen, zu kleiden und ihnen eine Bettstelle zu gewähren. Wir legen Wert daruf, daß all diesen Menschen auch jüdische Kulturwerte vermittelt werden, nicht m Form von «Schabbesdressur», sondern von vernünftigen jüdischen Pädagogen. Nicht das Schauobjekt zu Chanukkah and Pessach sollen die Zöglinge sein, sondern jüdisch fühlende und denkende Menschen mögen aus ihnen werden. Das Spital der Kultusgemeinde muß die Möglichkeit Weten, armen jüdischen Kranken Heilung zu gewähren; hätte man dort die freie Aerztewahl längst eingeführt, die finanzielle Gebarung des Spitals wäre eine weitaus bessere, aber dies muß heute noch frommer Wunsch bleiben, Widerstände unverständlicher Art sind derzeit noch am Werke. — Auch die Schaffung einer ärztlichen Ueberprüfungsstelle bei der «Chewra-Kadischa» — eine dringende Notwendigkeit — war bis heute nicht durchzusetzen. Immer wieder müssen wir auch auf die unbedingt zu schaffende Berufsberatung und ernste Arbeitseinteilung hinweisen. Vor allem müssen jene Firmen, die unter jüdischer Leitung stehen oder hauptsächlich durch jüdisches Kapital finanziert werden und auch keine jüdischen Kräfte anstellen wollen, veröffentlicht werden. Kredithilfe und rationelle Arbeitsversorgung sind dringend nötig. Die Möglichkeiten der jüdischen Gemeinde selbst, jüdischen Menschen Erwerb zu schaffen, sollen voll ausgenützt worden. Ich erinnere an unseren Kampf für die jüdischen Krankenschwestern. Bis heute fehlt der ernste Wille, jüdischen Mädchen diesen Erwerbszweig zugänglich zu machen; darüber kann auch der verfehlte Versuch vom Vorjahre (ausgerechnet im Juli Stipendien auszuschreiben und die Bewerberinnen durch nichtjüdische Oberinnen überprüfen zu lassen) nicht hinwegtäuschen. Erfreulich ist es, daß die Kontrahenten der Gemeinde nunmehr vertragsmäßig jüdische Arbeiter beschäftigen müssen. Im schweren Wirtschaftskampf haben wir unseren Brüdern und Schwestern beizustehen, um sie vor der Verelendung zu schützen. Bester Schutz ist Arbeit! Betreut und behütet müssen die kleinen Kinder und unsere Greise werden. Menschen im arbeitsfähigen Alter wollen und können wir keine Almosen geben. Die Budgetberatung des Jahres 1930 wird im Fürsorgewesen zwei weitgehende Neueinrichtungen ermöglichen: 1. D i c O r g a n i s i e r u n g des gesamten Fürsorgewesens, 2. die Schaffung eines.Versorgungsheims im XV. Bezirk. Die von den zionistischen Mandataren geforderte Mitarbeit der Bezirksfürsorgestellen wird nun Wirklichkeit werden. In jedem Bezirk soll von nun an eine eigene Fürsorgekonunission sich mit all den im Bezirk zu befürsorgenden Fällen beschäftigen, Anträge an die Zentrale stellen und die im Bezirke bestehenden Einrichtungen überwachen. Eine eigene Zentral koramission, in der außer den Mitgliedern des Kulturvorstandes auch die Alters-, Kranken- und Jugendfürsorgeanstalten durch eigene Referenten vertreten sein werden, wird die oberste Leitung des Fürso.. “wesens innehaben. Sollte trotz aller bereits erfolgten Vorbereitung und Zustimmung von seiten der «Union» die Reorganisation des Fürsorgewesens im letzten Augenblick unmöglich gemacht werden, dann werden wir wissen, daß trotz schwerer und gewissenhafter Arbeit der zionistischen Mandatare die Herern der «Union» nicht den ernsten Willen haben, Fürsorge zu betreiben, sondern bei ihrem alten «Wohltätigkeitsgetue» bleiben wollen. Die Wiener Judenschaft soll und muß es wissen, daß wir Zionisten unser Versprechen, moderne Fürsorgeeinrichtungen im Rahmen der jüdischen Gemeinde zu schaffen, voll und ganz erfüllen wollen. Wo ein Wille, wird auch ein Weg sein! Erziehungsarbeit ist Fürsorge und unsere Fürsorge muß Erziehung werden. Achtung vor der Armut ist jüdische Tradition, wir brauchen soziales Empfinden nicht von anderen zu lernen. Aber auf eines müssen wir achten: Daß Gemeinde und Staat dem jüdischen Mitbürger alles ebenso zur Verfügungstellen wie dem nichtjüdischen. Die Leistung der Judengemeinde ist eine freiwillige, nicht zur Entlastung der Gemeinde und des Staates sind unsere Institutionen da Die jüdischen Beratungsstellen haben strenge darüber zu wachen, daß für den Bedürftigen alle Mittel und Wege bedacht werden, um ihm zu helfen. «Ein Gott, ein Volk, ein Land, eine Sprache und — eine Gemeinde/» Dawid Wolfsohn. «Die Zionisten sind keine Partei, sie sind das Judentum selbst.» (Max Nordau: 2. Kongreßrede 1898.) Gemeinde-Fürsorge und Palästina-Aufbau Im Schulchan Aruch (Jore Dea 256, 1) wird erklärt: «Wir haben noch nie gesehen oder gehört, daß in einer Gemeinde in Israel keine Kupa schel Zedako. (Wohltätigkeitskasse) vorhanden sein soll.» Die Zwangs'besteuer.ung für diese Kasse ist gleichfalls .im T reffpunkt aller Wiener und Fremden Schulchan Aruch (Jore Dea 248, 1 und 2) begründet. Bezüglich der Verteilung dieser zwangsweise eingehobenen Gelder sind bereits in den ältesten talmudischen Gesetzen und im Schulchan Aruch folgende Normen be- Destimmt: Den Vorzug haben die Armen der eigenen Stadt, bezw. die Ortsarmen, wobei ausdrücklich betont wird: «DieBewohner Palästinas sind den Bewohnern anderer Länder vorzuzieh e n.» (Sifre Deut. 117, Mordechai Baba batra 1, Schulchan Aruch Jore Dea 251, 3.) Bemerkenswert ist, daß da, wo von der Bevorzugung Palästinas und der Palästinenser die Rede ist, «Bewohner» und nicht «Arme» erwähnt werden. Die hier zitierte Halacha läßt allerdings die Frage offen, ob die Bewohner Erez Israels den Ortsarmen gleichzustellen, oder auch diesen vorzuziehen seien. In Beantwortung dieser Frage gehen die Ansichten der Dezernenten auseinander. Der bedeutende Responsent Mahariko (Rabbi Josef Colin, Resp. Schoresch 5.) vertritt die Ansicht, daß die Bewohner Lebende Karpfen Frische Seefische prslswart bei der Deutsche Dampffischerei Gesellschaft 31 Fühlen Palästinas selbst den eigenen Ortsarmen gegenüber den Vorzug haben (vergleiche Josef Omez des Ch. J. U. Afulai 19.). Derselben Ansicht ist auch Rabbi AAosclie Chagis in seinem überaus interessanten Werkchen «Sefat Emet» (Amsterdam 1707) und der berühmte Rabbi lizehak Elchanan Spektor aus Kowno. Aber selbst nach Ansicht des Bach (Rabbi Joel Sirkis) und des Schach (Rabbi Sabbatai Kohen) sind die Bewohner Palästinas jedenfalls den Ortsannen gleichzustellen. Es ist also klar: Wie die Gemeinde die religionsgesetzliche Pflicht hat, die eigenen Ortsarmen zu unterstützen, zumindest im gleichen Maße hat sie auch die religionsgesetzliehe Pflicht, den Bewohnern Palästinas, bezw. Palästina-Zwecken Subventionen zuzuführen. M. D. Groß. «. . . Erez Israel hat einen ganz besonderen Vorzug. Wer Anteil nimmt an Erez Israel, hat einen Anteil am Jenseints ...» Abraham Ihn Esra. (Genesis, 33, 19.) Das jüdische Kind in der Fürsorge Von Rofa Rahel Schwarz Bundcsftaatlicher Fürforgerat, Fürforgeleitenn der jüdifchen Jugendfürforge Von der Jugend hat man etwas für die Zukunft zu erhoffen und wir Juden haben noch mehr von unferer Jugend zu hoffen. Daher müßte die Sorgfalt, die wir unferer Jugend angedeihen taffen, eine äußerft intenlive fein. Diefe Sorgfalt kann nicht nur Liebe und Verftändnis fein, die wir unferen Kindern eutgegenbringen — wir wiffen, daß man dazu immer mehr Geldmittel braucht, als man hat. Aber fehlende Mittel lallen fidi zum Teil durch guten Willen erfetzen und daß diefer bei unferen Volksgenoffen fehr oft fehlt, ift das erfdiwerende der Fürforgearbeit. Das Kind in der jüdifchen Fürforge, das Kleine, das die Augen aufffchlägt und deffen Blick an keinem liebevollen Mutterauge hängen bleibt, wo findet cs Unterkunft? Jahrelange Ejfähcung lehrt uns, daß es keine jüdifchc Frau gibt, die einen Säugling zur Pflege annehmen will. Sic kommt mit den Worten: „Ich will ein Koftkind, drei bis vier Jahre alt, ein Kind, das fchon etwas gleichfchaut, ein Kleines macht zu viel Arbeit.“ Alle Ueberredungskünfte, nur ein Kind, das man ganz klein übernimmt und fich großzieht, macht einem Freude — cs ift umfonft, ein folch Kleines ill: bei keinen Kofteltcrn, bei keinen Adoptiveltern anzubringen. Erft bis diele Kinder den Stempel der Fremde tragen, erwacht das jüdifchc Mitleid. Erfahrungsgemäß gerade noch nicht zu fpät. Die Kleinen, die wir Adoptiveltern geben, bereiten Freude und Glück. Und die, die das Schickfal bei Kofteltcrn läßt, werden von diefen fidier nicht liebeärmer gehegt. Je nach ihrem Alter liehen diefen Kindern Kindergärten und Horte zur Verfügung: Jefod Hathora mit 8o Plätzen; Jüdifche Kinderfreunde, Obere Donauftraße, mit 68 Plätzen für Vorfcbulpflichtige und 6o Plätzen für Schulpflichtige; Jüdifche Kinderfreunde, im Prater, 38 Plätze für Vorfchulpflichtige, 29 Plätze für Schulpflichtige; Jüdifchc Kinderfreunde, Wurlitzergaffc, je 21 Plätze für Vorldiulpflichtige und Schulpflichtige; Kinderbewahranftalt mit 100 Plätzen für Vovfchulpflichtige; Kindergarten Othmargaffe mit 110 Plätzen für Vorfchulpflichtige; Soziale Hilfsgemeinfchaft mit 20 Plätzen für Vorfchulpflichtigc und 30 für Schulpflichtige. vom Guten sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten welche unter streng orthod. Aufsicht des Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt! 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