Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 117 (13.3.1930)
- Date
- 1930-03-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053870--1603-3056967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 117 DIE STIMME Seite Die Tefilin als Programm (Den «religiösen* Unionisten und ihren frommen 7 rennungsjuden in memoriam.) Wir haben zweierlei Tefilin. Die eigenen, menschlichen und sichtbaren, ferner die symbolischen, göttlichen, unserem Auge entrückten. In unseren menschlichen Tefilin ist als jüdisches Wahrzeichen die ewige Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Erez Israel viermal (Exodus 13, 5, und 13, 11, Deuteron 11, 14, und 11, 21,) festgehalten und wie ein ehernes Programm für alle jüdische Ewigkeit klingt es in den Worten aus: „Damit sich mehren Eure Tage und die Tage Eurer Kinder auf dem Erdreiche, das der Ewige geschworen Euren Vätern, ihnen zu geben; so lange der Himmel ist über der Erde." (Deuteron 11, 21.) Die unsichtbaren, göttlichen Tefilin enthalten nach dem Talmud (Traktat Brachoth 6) auch einen Wahlspruch. In demselben steht geschrieben: „Und wer ist wie Dein Volk Israel ein einheitliches Volk auf Erden!" (Chronik l, 17, 21.) Das ist eine Richtlinie, ein Programm für alle Zeiten und für alle Juden. Also nicht diejenigen, die gegen die Einheit der Gemeinde, gegen die Einheit des Volkes und gegen Erez Israel Front machen, sind die besten Tefilinleger, sondern jene, die den Inhalt der Tefilin auch im Leben verwirklichen und insbesondere das Tefilinprogramm des Weltherrn auf der ganzen jüdischen Linie beobachten. Die frommen Trennungsjuden der Agudah, welche für ihre verbündeten „religiösen" Unionisten nicht nur die Wahlen, sondern auch das Tefilin-Legen besorgen, mögen sich auf ihre Tefilin und deren Inhalt besinnen .. Awigdor Iizchaki. Ziel und Sinn unserer Erziehungspolitik Von Univ.-Prof. Dr. B. Geiger, Obmannstellvertreter der Unterrichtskommission der Wiener Kultusgemeinde. In der Budgetdebatte des vergangenen Jahres hat Prof. Rath in einer ausgezeichneten, sachlich wohlfundierten Rede die schweren Mängel unseres jüdischen Erziehungswesens bloßgelegt und die Forderungen zusammengefaßt, deren Erfüllung die gründliche Beseitigung der seit Jahrzehnten unverändert fortbestehenden, trostlosen Zustände auf dem Gebiet des jüdischen Erziehüngswesens gewährleisten würde. Ich bin weit davon entfernt, nicht anzüerkennen, daß das Schulamt der Gemeinde während des vergangenen Jahres bemüht gewesen ist, manche Verbesserung einzuführen. Die Intensivierung des Jugendgottesdienstes, die Anleitung der Schüler zum Nachbilden von Gegenständen, die im Kultus an den jüdischen Feiertagen verwendet werden, die beabsichtigte ^Einführung einer verbesserten hebräischen Fibel, die Errichtung neuer Bibelschulen, all das sind sehr löbliche Ansätze zu einer Reform, sie sind aber nicht die große systematische Reform selbst, die das Uebel an der Wurzel packen und die Grundlagen für den planmäßigen Ausbau eines jüdischen Erziehungswerkes schaffen müßte. Manche dieser Einzelaktionen werden sicherlich, wenigstens für einige Zeit, von Erfolg begleitet sein, andere, wie die Intensivierung des Jugendgottesdienstes, sind von Anfang an zur Erfolglosigkeit verurteilt, weil die Voraussetzungen für ihre Wirksamkeit — wie das Verständnis der Gebete und eine ausreichende Anzahl von geeigneten «Exhortanten» — bisher nicht vorhanden sind. Alle diese Einzelaktionert werden aber auch im besten Falle nur einen kleinen Teil der jüdischen Jugend erfassen, und es Ist doch hoch an der Zeit und heilige Pflicht aller dazu Berufenen, durch eine radikale Umgestaltung des bisherigen Erziehungswesens die Erfassung der gesamten jüdischen Jugend zu ermöglichen und ein System zu beseitigen, dessen Fortbestand das Weitergreifen des Auflösungsprozesses bedeutet, der in der letzten Zeit durch die von sozialdemokratischer Seite inszenierte, ins Jüdische übersetzte Los-won-Rom-Bewegung neue Nahrung erhalten hat. Selbst die brennendste aller hierhergehörigen Fragen, die Frage der Reform des Religionsunterrichtes, sucht man mit halben Maßnahmen zu lösen, wenn hier überhaupt noch von einem Lösungsversuoh gesprochen werden kann. Man findet, daß über diese Frage schon UNION DER ZIONISTEH-REVISIONISTEN ÖSTERREICHS Montag, den 17. März, um J£9 Uhr abends «Cate «Arkaden», I., Universitätsstraße, MEETING Thema: Wir fordern den 17. Kongreß (Der Abbruch der Verhandlungen der Zionisten- Revlsionisten mit der Exekutive in London.) Redner: Dr. P. Diamant, Ing. Schecht, B. Lubotzkv. r - ■■■ ' - 1"~- (Stifte mebijittifdje Slufontäfett tote Jßtöftefföt SDr. rneB. jjhefeffor 2)t. meb. Skt$aru3 unb biete embere Beftötigeit, bofe Stobium eine anher» orbentlidj öimftifle SBirfmtg Bei Slbetitberfölfung ouSiiBt, inbem e$ BeleBenb unb cmregenb auf bm Organismus uttb bar allem auf 9TB lag ertrugen toirft. Dtab tum in fernftberteilter $otm Befittbet fiel} in ben 9t a b i o» f fl e t i n. SEaBIettcn, toeldje bie »lutjitfulatian förberit. 9t abium geholt amtlid) ge* B r it f t. ©eneralbepot unb Slulfunfi: SlpotljeJe ©aper, 2Bien, 1. Üö-catrf, SGß ollgeitc 13. — fljtojpefte gratis unb franfo. genug gesprochen und geschrieben worden ist, nimmt gottergeben die Schwierigkeiten, die einer durchgreifenden Reform im Wege stehen, als da sind: geringe Stundenzahl, Gleichgültigkeit vieler Eltern gegen alles Jüdische, Überlastung der Schüler, als unabänderliche Tatsachen hin, und der Weisheit letzter Sohluß ist: Da kann man nichts machen. Allenfalls soll, nachdem die von allen Beteiligten — Lehrern, Eltern, Schülern und Außenstehenden — als unerträglich empfundenen Zustände jahrzehntelang unverändert angedauert haben, eine verbesserte Fibel eingeführt werden. Nascitur ridiculus musl ... Ich weiß mich von jeder Uebertreibung frei und spreche es mit voller Ueberlegung und auf Grund reicher Erfahrung und viel jähriger Beobachtungen aus, wenn ich sage, daß die Methode,. die heute noch im Hebräisch- Unt er rieht in den Schulen angewendet wird,, vom. pädagogischen Standpunkt gesehen, zu d e r s i n n - und planlosesten gehört, das auf pädagogischem Gebiet überhaupt möglich ist. Aber auch wenn man vom Pädagogischen absieht, wird man feststelien - ißtidmde-! fit t darf *&. datcA tiwt iwAvuUiyt,' MfvytunUii UtfaMUtM'iy, ( itvm * W ) Ukl 'fun -cmynM 4*^iu4r SUvjMto, } 7{nlU\Utt 'ßviaCuvup, k *VA> X.'fcufedMMt} (ruMib-ifk) ('ffiivtitntGtinMddzUe, J müssen, daß die mechanische, für Lehrer und Schüler gleich mühsame Art, in der das Lesen lind Uebersetzen von Gebeten und Bibeltexten den Schülern beigebracht wird, ganz und gar nicht geeignet ist, im kindlichen Gemüt ein lebendiges Interesse für das Jüdische zu erwecken. So stehen denn auch die erzielten Resultate im allgemeinen in einem argen Mißverhältnis zu der aufgewendeten Mühe, die besten Absichten vieler guter Lehrer sind zur Unfruchtbarkeit verurteilt, und — was das Schlimmste ist — Unlust, Gleichgültigkeit gegen alles Jüdische und erhöhte Empfänglichkeit für alles Anti jüdische, dem gegenüber das Jüdische inferior erscheint, sind, wie vor Jahrzehnten schon die natürlichen Folgen dieses Unterrichtes. Nur der Weg durch das Hebräische, das allerdings nur nach einer vernünftigen Methode gelehrt werden dürfte und schon auf der untersten Stufe trotz geringer Stundenzahl mit Erfolg gelehrt werden könnte, der Weg ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION VI/Vll Sonntag, 16. März, 8 Uhr abends Purim-IHasheni'edflute IN DER TANZDIELE. VI., MARIAH1LFERSTRASSE 5 Mltternachtßkabarett findet statt über die Bibel, durch die die Schüler sich freilich nicht bis zur Beendigung der Schulzeit mühsam durchbuchstabieren dürften, der Weg über ein lebendiges, mit der Kenntnis der Sprache und ihrer Schönheiten Hand in Hand gehendes jüdisches Wissen wird, das ist meine feste Ueberzeugung, ein innigeres Verhältnis des Schülers zum Judentum, auch zur jüdischen Religion, herbeiführen. Ich halte darum — und sage damit nichts Neues — eine gründliche Umgestaltung der durch Alter zwar geheiligten, aber durch Erfolglosigkeit und Förderung des Abfalles reichlich diskreditierten «Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht» (die ich studiert habe) für eine der dringlichsten Aufgaben d £ r jüdischen Gemeinde auf dem Gebiete des jüdischen Erziehungswesens. Ich bin überzeugt, daß es der Zusammenarbeit des bisher leider in einsamer Höhe thronenden Schulamtes und der Schulkommission in Verbindung mit berufenen Pädagogen gelingen müßte, diese gewiß nicht leichte Aufgabe zu lösen. Ich bin gewohnt, Fragen des jüdischen Erziehungswesens vor allem vom pädagogischen Standpunkt und aus dem Gesichtspunkt der Erhaltung und Fortentwicklung des Judentums und nicht vom Parteistandpunkt zu betrachten, und habe es Immer bedauert, daß auf der Gegenseite die zionistischen Forderungen ln der Regel abgelehnt werden oder doch Widerstand finden, well man hinter ihnen sozusagen nationale Aspirationen wittert. Und doch lassen sich alle die zionistischen Forderungen, Wie sie Prof. Rath formuliert hat, die Forderung nach einer Reform des jüdischen R e 1 i g i o n s u n t e r r i c h te s, nach der Errichtung jüdischer Kindergärten und jüdischer Schulen, auch von einem allgemein jüdischen Standpunkt vertreten. Es sind nicht Forderungen politischer Art, und sie bedeuten auch keineswegs die Gefahr der «Rückkehr ins Ghetto». Haben doch auch zahlreiche große Gemeinden Deutschlands und anderer Länder jüdische Kindergärten, Volks- und Mittelschulen mit bestem Erfolg errichtet. Alle diese Kindergärten und Schulen verdanken ihre Entstehung nicht politischen Erwägungen, sondern einzig und allein der bei uns leider noch nicht durch gedrungenen Erkenntnis, daß die Grundlagen jüdischer Erziehung möglichst früh gelegt werden müssen, und daß gerade jüdische Schulen, in denen dem Hebräischen ein größerer Spielraum zur Verfügung steht, geeignet sind, dem jüdischen Kinde ein größeres Ausmaß jüdischen Wissens zu vermitteln. Es kann ja nicht oft und nachdrücklich genug betont werden, daß ein ausreichendes jüdisches Wissen, natürlich ein vertieftes, von einer Auslese von begeisterten Lehrern mitgeteiltes Wissen, die beste Gewähr für die Heranbildung und dauernde Wacherhaltung eines liebe- und verständnisvollen Interesses am Judentum bietet. Es ist darum unverständlich — und wohl nur in Wien verständlich , daß eine in pädagogischer und jüdischer Beziehung vorbildliche Anstalt wie das Chajes-Realygmnasium, dessen jüdisch-erzieherische Arbeit nicht hoch genug gewertet werden kann, vielfach als Politikum behandelt wird und ganz ungerechten Angriffen und Anfeindungen ausgesetzt ist. Welche Bedeutung jüdische Volksschulen für die Erziehung der jüdischen Jguend gewinnen können, das ist mir vor Jahren so recht zum Bewußtsein gekommen, als ich in der ersten Klasse der von der zionistischen Partei gegründeten, leider infolge Mangels an Mitteln wieder eingegangenen jüdischen Volksschule den Religions- und Hebräiscftunterricht inspizierte, der sich in Methode und Resultaten in geradezu wohltuender Weise von dem unterschied, was ich von den öffentlichen Schulen wußte. Auch für die Kinder im vorschulpflichtigen Alter sollte in Wien durch die Errichtung jüdischer Kindergärten gesorgt sein. Und ich bin überzeugt, daß einige von der Gemeinde musterhaft eingerichtete und geführte Kindergärten, in denen das Hebräische spielend gelernt würde, wie in anderen Kindergärten französisch und englisch, bald auch von Kindern besucht würden, deren Eltern nicht aus dem Osten stammen. Ein Wort nur noch über die P f 1 e g e j ü d i s c h e t Wissenschaft in Wien. Alle Kundigen wissen, daß das jüdische Wien, der Zahl nach eine der größten Judengemeinden der Welt, längst aufgehört hat, ein jüdisch-geistiges Zentrum zu sein. Das letzte Wahrzeichen, das sich mühsam noch bis heute aufrechterhalten hat, die Theologische Lehranstalt, an der sehr hervorragende jüdische Gelehrte wirken, ist vom Untergang bedroht. Es ist Ehrenpflicht der Gemeinde, diesen kümmerlichen Rest einstiger geistiger Bedeutung zu erhalten oder erhalten zu helfen und zu verhüten, daß nach dem Verschwinden der einzigen jüdischen Hochschule Oesterreichs jüdische Wissenschaft nur noch an katholischen und evangelischen Instituten gepflegt werde. Es ist sicherlich möglich, die Erfüllung aller dieser Forderungen in gemeinsamer Arbeit in die Wege zu leiten und in absehbarer Zeit zu erreichen. Wo ein. Wille ist, da ist auch ein Weg. Aber es darf keine Zeit verloren werden, wenn der durch allzulanges Zögern angerichtete Schaden nicht ins Ungemessene wachsen soll. «... Es gibt eben zwei Arten der Assimilation. Eine natürliche, unbewußte, durch die geschichtlichen Verhältnisse bedingte und eine gewollte, beabsichtigte, frevlerische. Gefährlich ist die erstere. Denn die zweite hat immer noch Schiffbruch gelitten. Die erste aber kann irritieren. Vor allem in der Erziehung und im Leben überhaupt. So das Mit feiern fremder Feste. Da ist es nicht am Platze, zu schimpfen und zu fluchen. Dagegen gibt es nur ein Mittel: „Das Jüdische in uns zu stärken, so daß wir von innen heraus dieser Assimilation Widerstand entgegensetzen . . Oberrabbiner Zwi Perez Chajes. (Aus einer Tempelrede.) ™ RESTAURANT OPERER Wien, II., Taborstraße 12 (Hotel Stephanie) Erstrangige Wiener und polnische Küche. Menü: Suppe, Braten, Beilage, Mehlspeise S 2.60. La Gratar, Original rumänische Rostspeisen; Pastrana, Pepene murati. Täglich frische Pfefferkarpfen.