Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 117 (13.3.1930)
- Date
- 1930-03-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 11? Bewegung derWiener jüdischen Bevölkerung Von Amtsleiter Julius Rosetifeld. Die nachstehende Tabelle möge allen jenen, die noch tiefgehendes Interesse für das Judentum hegen, deutlicher als alle schönen Reden und Artikel über alle Gebiete unseres Volkslebens vor Augen führen, was leider bisher viel zu wenig Beachtung fand, da man diese Sprache der Ziffern einfach mit dem Hinweis darauf kurz abzutun versucht, daß dies ja eine allgemeine Welterscheinung sei. c «J c <u ta 35 0 *> c S0 c 0 u 3 ja E 3 3 14 u 'S JQ U« 4) *Wt «S-* C r & 3 tj H ju O H CO CU < l/J 1920 2744 2955 2886 376 1271 340 1921 3080 2829 2868 412 1062 337 1922 2968 2457 2915 408 948 333 , 1923 2733 1896 2571 318 1238 322! 1924 2563 1470 2695 316 881 322 1925 2191 1391 2497 345 884 309 1926 1763 1248 2622 294 916 325 1927 1491 1159 2740 283 1064 354 1928 1362 1173 2669 312 983 343 1929 1343 1236 2709 305 899 327 Vor allem sei hiebei auf das erschreckende Sinken der Geburtsziffern in den letzten zehn Jahren hingewiesen. Daß dies bei allen Konfessionen in allen Staaten der Fall ist, darf für uns kein Entschuldigungsgrund sein, da ja neben der biblischen Vorschrift «Zedokoh» der Ausübung wohltätiger Werke auch der Satz «Seid fruchtbar und mehret euch» zu jenen ethischen Bestimmungen gehört, die uns die Bibel als Leitmotiv für die jüdische Familie mit aut den Lebensweg gab. «Tief wurzelt bei den Juden die Familie» sagt Gutzkow, die Zahl der unehelichen Geburten ist aus diesem Grunde bei uns eine verhältnismäßig ganz geringe und steht daher das stetige Sinken der Geburten in einer ziemlich konstanten Relation zur Abnahme der Trauungen. Die Sterbefälle halten sich in diesem Jahrzehnt ziemlich auf der gleichen Höhe, von kleinen Schwankungen abgesehen, die gewiß nur wenig in einer erhöhten Sterblichkeit, sondern eher in stärkerer Immigration von kranken Juden in unser im Auslande so angesehenes Spital ihrxe Begründung finden. Auch die Zahl der im Rabbinat der Kultusgemeinde vorgenommenen Scheidungen ist in diesen Jahren fast unverändert, leider aber in einer Höhe, die, an der Zahl der Trauungen gemessen, zu denken gibt. Der wichtigste Grund liegt wohl nur am stetigen Zunehmen der Mischehen, denn die Austrittstabellen der früheren Jahrgänge geben uns ganz deutlich den Grund hiefür, indem die Zahl der geschiedenen Personen, die aus dem Judentum austraten, konstant eine ganz unverhältnismäßig hohe ist. Die Ziffern der Austritte zeigen in den letzten Jahren ein günstigeres Bild, wenngleich die Jahreszahlen, absolut gewertet, noch immer erschreckend hoch sind. Eine bei zwei Jahrgängen vorgenommene Perlustrierung aller Ausgetretenen nach den Gründen ihrer Loslösung vom Judentume widerlegte apodiktisch die verbreitete Ansicht, daß eine größere Anzahl von Austritten auf Steuererhöhungen zurückzuführen sei. Der Abschluß einer Mischehe, die Erleichterung bei der Stellungssuche und Mangel an jüdischem Bewußtsein sind allein die maßgebenden Beweggründe. Bei den Eintritten ins Judentum, die in den angeführten Jahren nahezu unverändert erscheinen, wäre nur die eine erfreuliche Tatsache zu konstatieren, daß die darin enthaltene Zahl der Rücktritte in konstantem Steigen ist. Der größte Teil der anderen Eintritte ist eigentlich kein direkter Gewinn für das Judentum, sondern eine Erweiterung der Basis für Mischehen und Scheidungen. Wer sich der Mühe unterzieht, die Summe der Geburten und Eintritte von der Summe der Sterbe- Gelb, geschmeidiges Pflanzenfett, überall erhältlich Unter Aufsicht des Herrn Oberrabbiner Fürst CSchiffaschul) nDD ")W3 100 o/* Fettgehalt SStc dttioIjrlTdj beteiligt fttfj bte öefletreitfiiftfie Jafiafttflfe ond) heuet tut bet SBiener grühiahrfmeffc (9. bis 16. mr$ 1930). 2tnt SJtatun&engelait&e metbett im ©etrte&Staumc beß ffieffepabittonß bie $ortf<f)titte iit bet ©raeuguttg Den nJiunbftüdjigctetten bötgefüljrt. SReBen ber ehemaligen ^anberjeugung torrb bie heutige ntüfdjtnette $erfteHung bet beliebten $mneS*3teäteite auf eistet mobemen #otbleiftmtg&mafdjtne (2Bienet SBafätnettfa&ttl 3f. Ser net), föhne bie neuefte §ülfett*2ftöfchme im betrieb gezeigt. SDiefe 3iQBreiten fatoie fämtlitfyj übrigen Sabal* fabrilate, bie gangbatften ©orten, auch entnilotrnifiert, gelangen im ©abtffott auitt ©erlaufe. 3fm sruSjMungSraume, ber nach ©Iänen be.6 ürrdtftcften ©rofeffor Statt SB i fe m a n n eingerichtet mürbe, finb in eleganten ©ihrinen bie neneften SDjpen Don ^tgarrenbaclungen au§ Slmerifa, SDeutfdjlattb, $oXCan-b, ©ölen, ©djmeia, SCfdjedjoflotoalei, Ungarn unb t Oefterreidj au fchcn. $}tn großen $ofe beJ5 SObeffepalofteS Bringt bie SCabaltegie in ihrem ©ropaganha-SIutö ihre fabrilate 3ur StuSfteffang unb aunt ©erlaufe. ooaoooeoeooeeeqooooaeeeeoooeeeeeeoeeee fälle und Austritte zu subtrahieren, wird zur Erkenntnis kommen, daß die Wiener jüdische Gemeinde in diesen zehn Jahren einen natürlichen Abgang von nahezu 12.000 Seelen erlitt. Eine Immigration, wie in den Nachkriegsjahren, haben wir heute nicht mehr, es wird daher dieser natürliche Abgang, wenn keine Besserung eintritt, in einer leicht zu errechnenden Zeit zur Katastrophe werden. Der kleinste jüdische Verein bis hinauf zur großen Wiener Kultusgemeinde, sie alle geben sich alljährlich die erdenklichste Mühe, ihren Haushalt für das kommende Jahr in Ordnung zu bringen, Ziffer an Ziffer zu reihen, um am Schlüsse des Jahre» stolz sagen zu können, daß die Stabilität des Gebäudes gesichert sei; nur eine Kleinigkeit vergißt man hiebei, der Grund, auf dem man baut, ist ins Schwanken geraten und die Erhaltung seiner Tragfähigkeit muß für jeden einzelnen Juden, für jede jüdische Körperschaft das schwerwiegendste Problem sein. Hinweg mit kleinlichen Tagesfragen, fort mit problematischem Streit. «Hic Rhodus, hic salta», diesem Problem muß mit aller Energie und allen Mitteln nähergetreten werden. Mögen sich einsichtsvolle Männer finden — wir haben deren genug —, die unter Ausschaltung von Hindernissen und Gegensätzen ihre ganze Kraft in den Dienst der Beratung und eventuellen Besserung dieser brennenden Frage stellen. «. . . Wie sein Gesetz, so ist auch seine Geschichte ein von vornherein Gegebenes. Diese, eine ganze Nation in allen ihren Geschlechtern umfassende Hingebung an die Erkenntnis und Erfüllung Eines Gesetzes macht das jüdische Volk zu einer imponierenden geistigen Größe in den Augen der Völker. Sie erhalten Kunde von allen diesen, das jüdische Menschenand Volksleben gestaltenden Normen und bekennen dieses große Volk sei doch ein von Weisheit und Einsicht erfüllter nationaler Vereint . . .» Rabbiner Samson Raphael Hirsch. (Deuteronomium IV. 6.) Wien und Berlin Vergleichende Ziffern zur jüdischen Statistik beider Gemeinden Von Dr. Leo Goldhammer Berlin weist nach einer ungefähren Schätzung für das Jahr 1925 eine jüdische Bevölkerung von 250.000 Seelen auf, gegenüber einer Gesamtbevölkerung von 4,030.818, also 6.20 Prozent. Im Jahre 1910 betrug sie 142.289 und bildete 4.05 Prozent der Gesaniteinwohnerschaft Berlins; die Vermehrung gegenüber 1910 beträgt daher 75.6 Prozent. In Wien hatten wir im Jahre 1910 175.318 jüdische Seelen, was 8.63 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte; die Zahl der Juden wuchs bis zum Jahre 1923 auf 201.513 an und belief sich daher auf 10.80 Prozent der Gesamteinwohnerschaft. Von 1910 bla 1923 hat sich daher die jüdische Bevölkerung Wiens bloß um 14.94 Prozent vermehrt. Die Geburtenzahl der jüdischen Bevölkerung nimmt in Berlin ebenso wie in Wien von Jahr zu Jahr ab. Sie ist aber interessanterweise, absolut genommen, in Wien noch immer bedeutend höher als in Berlin. Im nachfolgenden seien diese Daten angeführt: 1921: Berlin 2182, Wien 3080; 1922: Berlin 1973, Wien 2954; 1923: Berlin 2019, Wien 2704; 1924: Berlin 1947, Wien 2546. Eine geringere Geburtenzahl deutet in der Regel auf eine bessere wirtschaftliche und soziale Stellung hin, das dürfte aber für Wien keineswegs zutreffen. In bezug auf die Totgeburten sind die Verhältnisse in beiden Städten fast gleich. Sie betrugen in Berlin in den Jahren 1921 bis 1925 2.5 Prozent, in Wien in den Jahren 1915 bis 1920 2.4 Prozent aller Geburten bei den Juden. Viel erschreckender und deprimierender fällt ein Vergleich zwischen den Sterbefällen der Judenschaft Berlins und Wiens für die letztere Stadt aus, obwohl in beiden Städten eine wenn auch geringfügige Abnahme in der Zahl der Todesfälle zu konstatieren ist Es starben im Jahre 1921 in Berlin 2258, in Wien 2868; 1922: Berlin 2542, Wien 2914; 1923: Berlin 2493, Wien 2565; 1924: Berlin: 2450, Wien 2694. Bemerkenswert ist, daß in Berlin 21.16 Prozent der Todesfälle die Tuberkulose zur Ursache haben, während in Wien lediglich 8.31 Prozent auf diese Todesursache zurückzuführen sind. Dieser Umstand ist zweifellos damit zu erklären, daß die Anlage Wiens mit seinen großen Grünflächen für die Gesundheitsverhältnisse der Bevölkerung, gerade was die Prophylaxe gegen Erkrankungen der Atmungsorgane anlangt, günstiger ist. Dagegen ist der Krebs als Todesursache in Wien viel stärker vertreten als in Berlin. In beiden Städten kann somit, wenn man die Bevölkerungsbilanz zieht, festgestellt werden, daß mit geringfügigen Ausnahmen in jedem Jahre die Zahl der Todesfälle die der Geburten übersteigt, das heißt mit anderen Worten, daß ein Geburtenüberschuß, beziehungsweise natürlicher Zuwachs überhaupt nicht mehr vorhanden und daß die trotzdem zu beobachtende Bevölkerungsvermehrung in beiden Städten auf die Zuwanderung zurückzuführen ist. Die Zahl der Eheschließungen ist in Wien eine höhere als in Berlin, wobei in beiden Städten eine stetige Abnahme zu verzeichnen ist: diese ist in Berlin bedeutend stärker als bei uns. Es wurden von Juden Ehen geschlossen im Jahre 1921: Berlin 1591, Wien 2408; 1922: Berlin 1422, Wien 2492; 1923: Berlin 1545, Wien 1947; 1924: Berlin 1040, Wien 1625; 1925: Berlin 853, Wien 1358. Auch aus dieser Tatsache läßt sich der Schluß ziehen, daß die jüdische Bevölkerung Berlins wirtschaftlich und sozial bedeutend besser gestellt ist, als die jüdische Einwohnerschaft Wiens. Dazu kommt noch in Wien das Vorhandensein einer stärkeren Schichte von traditionstreuen Juden als in Berlin. Was die Mischehen anbelangt, so ist in Wien zu konstatieren, daß ein Drittel aller von Juden im Jahre 1919 überhaupt geschlossenen Ehen Mischehen sind, während in Berlin bloß ein Drittel aller eheschließenden jüdischen Männer und ein Sechstel aller eheschließenden jüdischen Frauen eine Mischehe eingehen. In der Austrittsbeziehungsweise Taufbewegung überflügelt Wien Berlin bei weitem. Es traten aus dem Judentum aus im Jahre 1921: Berlin 245, Wien 1011; 1922: Berlin 176, Wien 897; 1923; Berlin 376, Wien 1158. Die Ursache dürfte in der österreichischen Ehegesetzgebung liegen, welche die Ehe zwischen Personen verschiedener Konfession fast unmöglich macht. Die mißlicheren wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Wiens als die Berlins kommen übrigens nicht allein in der Anzaiu der Arbeitslosen zum Ausdruck, sie liegen vielmehr in der Erwerbslosigkeit des Großteils der im Handel und Gewerbe Tätigen, die durch die Statistik bisher nicht erfaßt wurden und in der stets ansteigenden Zahl der durch schlechten Geschäftsgang zum Selbstmord getriebenen Personen. Wie wir bereits nachzuweisen in der Lage waren, stellen die Juden in den Kategorien «Handel» sowie «Industrie und Gewerbe» eine bedeutende Anzahl von selbständigen Berufstätigen. Die katastrophale Lage im Handel, in der Lebensmittelbranche und im Bekleidungsgewerbe im allgemeinen wirkt sich somit verhältnismäßig am stärksten bei den jüdischen Berufstätigen aus. Damit also die Fürsorgetätigkeit der Kultusgemeinde wirkungsvoll wird, müßte sie aus einer Armen- und Krankenzu einer Arbeitslosen-, beziehungsweise produktiven Erwerb s 1 o s e n f ü r s o rg e umgewandelt werden. Wie. die notwendigen Mittel für dieses neue Arbeitsgebiet der Wiener Kultusgemeinde zu beschaffen sind, müßte gleichfalls wie in Berlin im Wege einer Enquete aus den Reihen Wiener jüdischer Kaufleute, Industrieller, Gewerbetreibender und der Angestelltenschaft erhoben werden. Dlo Zionistische Frsuenqrupps II veranstaltet Sonntag, den 23. März 1930, 3 Uhr nachmittags, Im Saale des Hotels »Post*, 1. Boz., Flelsohmarkt Nr. 24, eine Große KinderPurimfeier Zur Aufführung gelangen: .DER PURIMPRINZ* Ein lustiges Märohenspler mit Gesang und Tanz .AUFRUHR AM HOFE AHASVERS* Ein Kinderspiel In 10 Bildern mit Tanz, dramatischen Einlagen u. musikalischem Finale. Mitwirkend 50 Kinder Während der Pausen Büfett u. Tombola u. Inszenierung: Kawinar-Kooser Hirten sv S 1.20. 8 und 8 7,90 b«i M. Rath, T»bof»1r. u. b«J MllglUdtro d*r Zton. Fnmnotvop* £