Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-03-06 · Heft 116 (6.3.1930) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 116 (6.3.1930)
Date
1930-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053869--1594-3056957
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 116 PIE STIMME Sette 11 Der jüdische Hochschfiler Gratisvisen für die Studierenden Zwischen der polnischen Regierung und der österreichischen Gesandtschaft in Warschau wurde ein Uebereinkommen getroffen, wonach fiir Hochschfiler, die aus Polen nach Oesterreich c:Lr aus Oesterreich nach Polen zu Studienzwecken reisen, Gratisvisen erteilt weiden sollen. Die polnische Regierung hat auch beschlossen, Studenten, die als Mitglieder der Confedcration Internationale des Etudiants angeboren, freie Durchreise- und Einreisevisen nach Polen zu gewähren unter der Voraussetzung, daß das Herkunftsland, dem diese Hochschfiler entstammen, den polnischen Studenten ebenfalls Gratisvisen erteilen werden. Der jüd. akad. Jurlsten-Verein veranstaltet Sonntag, den 9. März I. J. eine Führung durch die Wiener Landes- Heil- und Pflcgeanstalt am Steinhof, Treffpunkt 9,15 Bellaria Haltestelle Wagen 46 oder 10 Uhr vor dem Haupteingang in die Anstalt. Wir werden auch weiterhin, wie bisher unsere beliebten Gesellschaftsabendc (Jazzkapelle und heitere Vorträge) jeden Donnerstag im Cafe Altes Rathaus (Rosensaal), Wien, I., Wipplingerstraße 24/26, abhalten. Gäste willkommen. Dienstag, den 25. Februar sprach Herr R. A. Dr. Siegfried Kantor, Vize-Präsidcnt der Rechtsanwaltskammer im Hörsaal 22 der Universität Wien in unserem Kreise über die «Vorbildung und Berufsaussichten des österreichischen Juristen*. Die Ausführungen des Vortragenden wurden von den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Vereines mit großem Beifall aufgenommen. Das Gelingen dieses Abends bekräftigt das Präsidium in seiner Absicht, im Laufe dieses Semesters noch weitere Vorträge fachlichen wie allgemeinen Inhaltes folgen zu lassen. Z. A. V. «Bar-Kochba», II., Unt. Augartenstraße 38, gibt allen Ah. Bb. und Bekannten bekannt, daß er ein neues Heim bezogen hat und bittet alle Zuschriften an obige Adresse zu richten. — Samstag, den 8. d. M., punkt yz9 Uhr abends, Convent-Beginn mit wichtiger Tagesordnung. Alle Bb. werden ersucht, pünktlich zu, erscheinen, da aktuelle Fragen zu erledigen sind. Verein zionistischer Hochschüler Z. P. Chajes. Samstag, den 8. März spricht Herr Dr. Ludwig Tliieben um ^8 Uhr abends über «Antroposophic als Weg in die geistige Welt». Montag, den 10. März, um i/29 Uhr abends referiert Kollege Ebenstein in der «Hebräischen Arbeitsgemeinschaft» über «Die letzten Ereignisse im Zionismus». Beide Vorträge finden im Heim, II., Untere Augartenstraße 35, statt. Verein zionistischer Hochschiiler «Theodor Herzl», Heim: II., Unt. Augartenstraßc 35. Donnerstag, den 6. d. M., um 8 Uhr abends, Hebräische Lesegemeinschaft, um 9 Uhr Antisemitismus Seminar. Jüdische Hochschüler und Hochschfilerinnen willkommen. Samstag, den 8. d. M. um V&S Uhr abends: Ordentliche Generalversammlung, zu der alle Mitglieder auch auf diesem Wege eingeladen sind. Jüd. Akad. Verbindung «Jordanla». Der vorige Woche stattgefundene G. C. hat folgende Chargen für das LXIII. Semester gewählt: med. Jacob Rosenfeld x, Com. Erich Fuchs xx, Com. Samuel Klein x, xxx. In das Präsidium des Alten Herren-Verbandes wurden die Herren: Dr. Wolf Sommer, Dr. Kurt Offenberger, Dr. Leopold Fruert gewählt. Die echten Palästina-Mazzoth wurden aus dem Getreide der Felder jüdischer Kolonien in Palästina in den aufs modernste eingerichteten Mühlen des Landes hergestellt. Um eine frische und wirklich gute Ware zu erhalten, achte man genau auf den Datumstempel, den jede Schachtel trägt, der als Jahreszahl 1930 tragen muß. Ebenso muß die im Inneren einer jeden Schachtel befindliche Rabbinatsurkunde diese Jahreszahl aufweisen. Ein ungedruckfces Manuskript von Georg Brandes {Ein Aufsatz u. d. T. «Der Prophet Jonas».) Die Kopenhagener Tageszeitung «Politiken», deren Mitarbeiter Georg Brandes durch vier Jahrzehnte gewesen war, veröffentlichte am 4. Februar 1930 (an diesem Tage wäre Georg Brandes 88 Jahre alt geworden) ein ungedrucktes Manuskript von ihm unter dem Titel «Der Prophet Jonas». Dr. Paul Rubar teilt dort dazu folgendes mit. Das in Frage stehende Manuskript ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vorlesungsmanuskript. Der berühmte Kritiker hielt im Jahre 1911 und späterhin öffentliche Vorträge über «Kleine Romane im alten Testament». Das "Material wurde später bearbeitet und in die Sammlung «Napoleon und Garibaldi» (1917) aufgenommen. Der Aufsatz über Jonas wurde in der hier vorliegenden Gestalt — die Diktion liegt näher dein mündlichen Stile — nicht gedruckt. * Die «Politiken» erhielt das Manuskript von einem Leser des Blattes, dem Brandes vor 20 bis 25 Jahren es verehrt hatte mit dem Bemerken, es sei aus irgend einem Grunde nicht veröffentlicht worden. Das alte Manuskript ist auf demselben gelben Papier, das er immer benützt hatte, mit seinen schönen, klaren Schriflzügen geschrieben. Georg Brandes war ein eifriger Bibellescr. Das von ihm benützte Bibclexejnplar (in dänischer Übersetzung) war von einem Ende zum anderen zerlesen. Es enthielt zahllose Einzel- und Doppelstriche unter den Linien und am Rande. Brandes stützte sich bei seinen bibelkritischen Studien auf Einest Renau, dessen Verehrer er war; auch beim «Janas» war dies der Fall. Esther Mieses. Das Schlicht verbot in Baden ubgolehnt. — Der Antiscliiiohtbcschluß in Bayroutli ungültig Berlin, (|. T. A.). Der Rechtspflegeausschuß des badischen Landtags hat den nationalsozialistischen Antrag auf Verbot des Schächten» der Schlachttiere abgelehnt. Wie aus Bayreuth mitgeteilt wird, werden dort nach wie vor im Schlachthof für den einzigen am Platze ansässigen jüdischen Metzger Schlichtungen vorgenommen. Das Schachtverbot des Stacltrates wurde von der Regierung als im Widerspruch zu den Landesgesetzen stehend, nicht bestätigt und tritt somit nicht in Wirksamkeit, Zionistisches Programm für die jüdische Kultus« gemeinde in Rumänien Bukarest (J. T.-A.) Eine von der rumänischen zionistischen Exekutive eingesetzte Kommission hat ein zionistisches Programm für die jüdische Kultusgemeinde ausgearbeitet, das der kommenden zionistischen Sonderkonferenz zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt werden wird. Nachstehend ein Auszug aus dem Programm: Die Grundlage einer jeden Arbeit fiir das Judentum liegt in der Erkenntnis von der Einheit des jüdischen Volkes trotz seiner räumlichen Getrenntheit sowie in der Erkenntnis seiner ewigen Verbundenheit mit Ercz Israel. Die jüdische Kultusgemeinde umfaßt alle Juden, die in dem betreffenden Orte wohnen. Sie schließt in ihren Wirkungskreis den ganzen Komplex des jüdischen Lebens ein und soll alle religiösen, kulturellen, sozialen und nationalen Bedürfnisse der jüdischen Gemeinschaft erfüllen. Nach den einzelnen Gebieten gliedern sich unsere Forderungen folgendermaßen: A. Schul e. 1. Ausbau der der Kultusgemeinde unterstellten Schulen. Gründung von hebräischen Kindergärten. VersL. kte Hebräisierung der bestehenden Volksschulen und Gymnasien. Schaffung von Tarbuthschulen, in denen die Unterrichtssprache die hebräische ist. Heranbildung eines entsprechend vorgebildeten Lehrkörpers. Sommerkolonien, Ausflüge, Sport, Turnhallen. 2. Systematische Arbeit gegen die Entnationalisierung der jüdischen Schulkinder in den von der Kultusgemeinde nicht abhängigen Schulen. Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Samstag-Unterricht an den Staatsschulen. B. Allgemeine Kulturarbeit. Verbreitung von Wissen und Fortschritt unter der jüdischen Bevölkerung. Schaffung von Volksuniversitäten und Ausgestaltung der vorhandenen. Schaffung von hebräischen Kursen für Erwachsene zur Erlernung der hebräschcn Sprache. Schaffung von Toynbeehallen. Schaffung einer zentralen jüdischen Bibliothek. Beteiligung an der Gründung eines Verlages für die Herausgabe von Büchern für jüdische Schulen sowie für die Indrucklegung von jüdisch-kulturellen Werken überhaupt. Schaffung eines modernen Jugendheimes mit Bibliotheken, Vortragssälen, Spielräumen und Erholungsplätzcn, in denen die jüdische Jugend ihre freie Zeit verbringen soll. Förderung der Makkabi-Vereine. C. Soziale Fürsorge. Produktivierung der jüdischen Bevölkerung durch Förderung von Handwerk und Ackerbau, durch Förderung des jüdischen Handwerksstandes. Errichtung von professionellen Schulen und Abendschulen für jüdische Handwerker und Handelsangestellte. Schaffung einer Berufsberatungsstelle und Sorge für die Berufsumschichtung durch Schaffung von Möglichkeiten für landwirtschaftliche und gewerbliche Ausbildung. Schaffung von Arbeitsvermittlungsstellen, Kreditgenossenschaften, Ausbau von Spitälern, Ambulatorien und Gebäranstalten sowie von Zionistische Frauengruppe Mariahilf—Neubau. Sonntag, den 9. März 1930, beim «Grünen Ba'um», VH., Mariahilferstraße 56, Beginn J4>3 Uhr nachmittags. Kein Kostümzwang. Entrde für Kinder 60 g, für Erwachsene 1 S. Voranzeige: Sonntag, den 16. März Karten in der Kunstwerkstätte, VI., Mariahilferstraße 101. Altersversörgungsheimen und Waisenhäusern, Errichtung von Ausspeisungshäusern für die ärmere jüdische Bevölkerung. Ausbildung von Krankenpflegerinnen, Errichtung von Kindergrippen. Hilfe für jüdische Emigranten, Rat und Hilfe für die aus anderen Ländern zugewanderten Juden. Errichtung eines modernen statistischen Bureaus. D. E r e z I s r a e 1. Da die höchste Aufgabe unserer Generation darin besteht, ein nationales jüdisches Heim in Palästina zu errichten, so hat auch unsere Kultusgemeinde die Pflicht, am Wiederaufbau Palätsinas mitzuwirken. Diese Mitarbeit besteht in: Subventionierung der Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, Förderung und Unterstützung der Chaluzausbildung sowie Subventionierung ihrer Auswanderung nach Palästina, Propaganda für Bodenkauf in Palästina, PaJästinafahrten usw. Das erstemal in Wien Nach langen Bemühungen ist es der Fa. Brüder Weinreb, Wien, II., Taborstraße 62 (Tel. R 41-5-19) gelungen, einem viel gehegten Wunsche entsprechend, die bekannten Horowitz Margareten-Mazzoth in Oesterreich einzuführen. Diese altbewährte Marke Mazzoth ist allen aus Amerika zurückgekehrten Juden sowie all jenen bekannt, die aus Amerika Liebesgabenpaketc, enthaltend Mazzoth, zu Pessach erhielten. (Siehe Inserat im Innern des Blattes.) Generalversammlung des „Vereines der Lemberger“ Samstag, den 1. März 1930 hat die sehr gut besuchte XV. ordentliche Generalversammlung des «Vereines der Leniberger» stattgefunden. Der Obmann Herr Kassern dankte dem Herrn Professor Rabb. Dr. Kupfer für sein Erscheinen. Schriftführer Herr Max Rappaport erstattete Bericht über die segensreiche charitative Tätigkeit dieses Vereines im abgelaufcnen Jahre und über den Vermögensstand. Hierauf sprach Herr Vizepräsident Adolf Tarier über die Wichtigkeit eines Zusammenschlusses einer so großen Gruppe von Landsleuten hn engeren Sinn®. Redner dankte Herrn Dr, M M. Gelber für seinen Vortrag über die Geschichte der Leniberger Juden und brachte der «Stimme» in warmen Worten aufrichtigen Dank für bereitwilliges Oeffnen ihrer .Spalten im Dienste dieses Vereines. Er hob rühmend die rege Tätigkeit dieser Zeitung wie auch ihre große Bedeutung für das Wiener Judentum hervor und forderte alle Anwesenden zur Förderung dieses Blattes auf. Herr Leo Schräge gedachte in rührender Weise des verewigten 30 früh heimgegnngenen Dr. Leo Reich, wobei sich alle Anwesenden zum Zeichen der Trauer über den unersetzlichen Verlust von ihren Sitzen erhoben. Auch des 25jährigen Todestages des berühmten Lemberger Oberkantors und Kompositors Baruch Schorr wurde ehrend gedacht. Dann ging man zur Tagesordnung über, die eine angeregte Diskussion ergab. Die Generalversammlung wurde mit der Wahl des Ausschusses für aas kommende Jahr geschlossen. In das Präsidium wurden gewählt: Herr David Kassern als Obmann, Herr Adolf Tarier als Vizepräsident und Äfax Rapaport alts Sekretär. BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB Dr. Leib Landau, der bekannte und berühmte jüdische Rechtsanwalt in Przemysl (Polen), der erfolgreich Steigers Verteidigung geführt hat, ist nach Lemberg übersiedelt. Mistorisdfk bedeutsame (fade dieser Worbe 6. März ( 6. A.dar): 7- » ( 7- „ ): 8. » (8. m )• 9- » ( 9- » ): 10. „ (10. „ ): n. „ (11. „ ): 1872: Der Sanfkritforfchcr Goldftücker 1*, London geftorben. 1876: Der bekannte Maler Hermann Struck in Berlin geboren. 1911: Der bekannte hebräil'dtc Schriftftcller und Vorkämpfer des Zionismus Mofcs Leib Lilienblum geftorben. 1912: Der bebräifdic Sdiriftftcllcr J. M. Pines geftorben Geburts- und Todestag Mofcs’. 1908: Der hebräifdic Sdiriftftcllcr Jcliuda Steinberg geftorben. 1825: Der Prager Ghcttodiditcr S. Kohn, Verfaffer des Gabriel, geboren. 1842: Pcrcz Smolcnfki geboren. 1899: Der bekannte hebräifdic Sdiriftftellcr und Forfdicr des Chaffidismus Elicfer Zwi Zweifel geftorben. 1903: Der hebräifdie Erzähler J. Bcrfdiadfki geftorben. 1873: Jakob WafTcri.iann in Fürth geboren. 1841: Louis Luzzatti, ehemaliger italicnifdicr Minifterpräfidcnt, geboren. 1886: Leopold Zunz, der Begründer der WifTenfdiaft des Judentums, in Berlin geftorben. 1897: Der Lexikograph Daniel Sanders geftorben. 1902: Der hebräifdic Sdiriftftcllcr A. Sdi. Friedberg geftorben. 1920: Jofcf Trumpcldor in Tcl-Chai gefallen. 1851: Franz M. Philippfohn, Präftdent der ICA, geboren. Unerfreuliches von der Judenmission Es gibt mehr als genug Juden, welche ihr Judentum aus Gewinn- oder Ehrsucnt wegwerfen, mehr als genug freiwillige Renegaten. Hingegen ist die von verschiedenen Kirchen «gewerbsmäßig» betriebene Judenbekehrung kein sehr erfolgreiches Geschäft. Die Auslagen sind groß, der Nutzen zahlenmäßig klein. Jetzt veröffentlicht eine englischkatholische Missionsgesellschaft in London, die «Israels- Vereinigung», ihren Tätigkeitsbericht, aus dem hervorgeht, daß es ihr in den letzten fünf Jahren gelungen ist, etwa 100 Juden — wie sie ausdrücklich betont, meist aus besseren Ständen stammend — zum Katholizismus zu bekehren. Vor allem scheint die Gesellschaft in Polen «erfolgreich» zu arbeiten, denn es hat sich, wie der Geschäftsführer berichtet, als notwendig herausgestellt, in Posen und Warschau neuerdings «Geschäftsstellen» zu errichten. Die Erfolge, die die Mission in London erreicht hat, ermutigt sie nun dazu, in Yokohama und Tokio Judenmissionen zu errichten, um die mongolischen Juden, deren Geschichte sich bis zum vierten Jahrhundert zurückverfolgen läßt, zu bekehren. Das mit den «mongolischen» Juden muß ein. geschäftstüchtiger Spaßvogel erfunden haben, um den frommen Ladies weitere Gelder abzuknöpfen. In Deutschland scheint das Geschäft des Judenfanges auch nicht stürmisch fortzuschreiten. Dort haben sich die leitenden Herren und Frauen entschlossen, den Betrieb zu modernisieren, dem Zeitgeist anzupassen. Sie bedienen sich nunmehr des neuzeitlichen Mittels der Zeitungsreklame. Im Inseratenteil des «Neuen Wiener Journals» war folgende «Geschäftsankündigung» zu lesen: Aus der Kuhnstiftung sollen zehn Legate zu 500 Rm. solchen jüdischen Familien übergeben werden, die ihre ' zwölf- bis vierzehnjährigen Töchter in christliche Pensionate geben wollen, mit dem Ziele der Taufe. Bewerbung der jungen Mädchen mit Lebenslauf und Begründung des Schrittes. Zustimmung der Eltern oder Verwandten an Dr. Berger, Aachen (Inlandsporto). (Im Zusammenhang damit sei erwähnt, daß die Wiener Kultusgemeinde in ihren letzten amtlichen Verlautbarungen die Vermutung nicht von der Hand weisen kann, daß es sich bei diesem Inserat vielleich um eine das Licht der Oeffentlichkeit scheuende Sache handeln kann.) Es ist erfreulich, daß der Geist der modernen Reklame bis in die frömmsten Kreise dringt. Weniger erfreulich, daß sich Zeitungen dazu hergeben, Seelenfängerei gegen Zeitungstarif zu unterstützen. Das Organ der arabisch-christlichen Jugend «El Zarat» bringt folgende Meldung: Die englische Mission erhält in Asali ein Krankenhaus, das besonders stark von christlichen Arabern in Anspruch genommen wird. Der Anstaltsgeistliche Harry Greeves hält seit einiger Zeit sowohl in Versammlungen als auch während des Gottesdienstes Reden zugunsten der Errichtung des jüdischen Nationalheimes in Palästina. Der Missionär beeilt sich jedoch immer, diese seine Stellungnahme zugunsten des jüdischen Nationalheinis damit zu begründen, daß er die Ueberzeugung habe, daß, wenn die Juden in ihre Nationalheimstätte in Palästina zurückkehren, nahezu sämtüche den christlichen Glauben annehmen würden. Die christlich-arabische Jugend hat gegen diese Stellungnahme des Missionärs wiederholt offen demonstriert, und da Greeves seine Predigten und Vorträge in dem bezeichneten Sinne fortsetzte, setzten die Araber mit einem förmlichen Boykott sowohl der Missionsldrche als auch der von der englischen Mission geführten Krankenanstalt ein, so daß die christlichen Araber, als der Missionär an einem Sonntag die Patienten und die übrigen Zuhörer aufforderte, für die Errichtung des jüdischen Nationalheims in seinem Sinne Gebete zu verrichten, ostentativ die Kirche verließen und auf Order der arabischen Führer in Haifa nunmehr das Krankenhaus überhaupt meiden. Zionistische Organisation Brigittenau — Sozialdemokratischer Verband «Poale Zion» (Ortsgruppe Brigittenau) und Wizo. Montag, den 10. März, V48 Uhr abends Redner: Dr. Leo Goldharnmer, Ing. Arch. Richard Hermann Scharfberg (Sozialdemokrat), Emil fs,.uhäuser, Isak Seidmann ((Orthodoxe Juden), Rubbiner Salamon Friedmann, Ing. Baumann u. a. Ort: Zionistisches Heim, XX., Jägerstraße Nr. 30.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.