Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 116 (6.3.1930)
- Date
- 1930-03-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 116 DIE STIMME Sitte 7 Jahrgang 1910 an die Front! Eine Antwort von diesem Jahrgan g.*) Es ist wahr, daß die zionistischen Bezirksorganisationen unter einem auffallenden Mangel an Nachwuchs leiden und daher ist der Mahnruf des Chawer Ebenstein nur aJIzu berechtigt. Es wird aber trotzdem notwendig sein, die Ursache dieser Tatsache festzustellen; ich versuche daher, die Stellung der zionistischen Jugend zur Organisation darzuJegen. Es ist nicht wahr, daß die zionistische Bewegung keinen Nachwuchs hat, ganz im Gegenteil. In Wien allein dürfte die Zahl der zionistischen Jugendlichen in allen Bünden mit 1200 nicht zu gering bemessen sein. Die zionistische Grundeinstellung fast aller Jugendbünde ist aber verschieden von der, der Bezirks- und Ortsorganisationen. Die Hauptaufgabe aller wirklich zionistisch eingestellten Bünde ist die Cnaluziuth, und diese Forderung wurde in allerletzter Zeit besonders verschärft und zum Teile auch in die Tat umgesetzt. Wer wird die Richtigkeit dieser Forderung bezweifeln? Das Schicksal des Palästina-Aufbaues liegt fast ausschließlich in den Händen der Chaluzim. Wir wissen, daß die Frage der Chaiuziuth die Schicksalsfrage der Jugend und insbesondere des einzelnen Mitgliedes ist. Es ist einigermaßen leicht, sich zum Zionismus durchzuringen, aber von dort bis zur beruflichen Umschichtung ist der Weg noch sehr weit. Daher ist es nicht verwunderlich, daß speziell ein sehr großer Teil der westjüdischen Jugend diesen Weg nicht gehen konnte, unbefriedigt in den einzelnen Bünden weiter verblieb und dann von den einzelnen Chaluzim ihres eigenen Bundes, aus ihm verdrängt wurde. So war es im Scnomer, so im Blau-Weiß, und in absehbarer Zeit werden noch andere Wiener Bünde diesen Weg beschreiten. Trotzdem waren es nicht immer die schlechtesten Elemente, die den Weg zur Chaiuziuth nicht fanden. Und gerade diese Elemente sind fast ausschließlich der Organisation, nicht dem Zionismus, verloren gegangen. Das ist eine Tatsache. Doch warum konnten sich diese Leute in den einzelnen Bezirksorganisationen nicht halten? Um dies herauszufinden, müssen wir das Arbeitssystem der an und für sich gut funktionierenden Bezirksorganisationen untersuchen. Nehmen wir an, der 20jährige Jugendliche tritt in eine solche Bezirksorganisation ©irr. Was ist ihre Hauptarbeit? 1. Abhaltung von Referaten; diese Referate bieten einem Jugendlichen so gut wie gar nichts, weil er meistens diese Referate von demselben Referenten im Jugendbund schon gehört hat und vielleicht schon selbst darüber ein Referat hielt. Die Diskussion über diese Referate ist jedoch in den Bezirksorganisationen meist recht langweilig und leidet gewöhnlich an Zeitmangel, da die Referenten, sowie die Besucher nach Hause eilen. 2. Gesellschaftliche Veranstaltungen, Tanzabende und Akademien anläßlich Purim, Chanuka oder Chamiscba-Assar b'schwat, sollten doch für einen Jugendlichen anziehende Ereignisse sein. Doch ganz gefehlt; denn a) ein Teil der zionistischen Jugend hat noch vonV Bund her eine kritische Einstellung gegen derartige Veranstaltungen und b) sind diese Ver* anstaltungen, die den Namen der jüdischen Feiertage miß” brauchen, mit wenigen löblichen Ausnahmen, vollständig unjüdisch. 3. Eine wichtige und nicht zu unterschätzende Tätigkeit der Bezirksorganisationen liegt in der Aufbringung von Geldmitteln für die einzelnen Fonds. Die Jugendlichen verfügen jedoch über keinerlei größere Geldmittel und können bei diesen Sammelaktionen daher persönlich höchstens durch Sammeln bei Dritten mitwirken, Wer aber in der Bezifksorganisation kein Geld fiir diese Fonds hergeben kann, wird als «zweitklassig» betrachtet und auch dementsprechend behandelt, 4. Ein weiterer, wichtiger Punkt ist die Wahl von Delegierten für die Ausschüsse, für den Delegiertentag, Wjzo usw. Da gilt der Grundsatz, daß jedes Recht lange Jahre ersessen sein muß, und nur ältere Lput-c sind berechtigt, zu diesen Ehrenstellen gewählt zu worden. K ‘urarbeit und sonstige geistige Arbeit wird in den Sektionen nicht geleistet, und sind alle Versuche in dieser Richtung gescheitert. Der persönliche Zusammenhang des einzelnen Mitgliedes ist gleich Null. Auch in religiösen und wirtschaftlichen Fragen gehen die Anschauungen auseinander, Wo Ist also eine Zusammenarbeit möglich? Es erübrigt sich, festzustellen, daß das heutige System der Bezirkssektiqucn für den Jugendlichen unannehmbar ist, er jedoch nicht die Macht besitzt, es zu ändern. Daher zieht sich der Jugendliche verärgert und enttäuscht von der Organisation zurück, verfolgt jedoch alle zionistischen Ereignisse mit größtem Eifer, Er ist der Bewegung aber nicht verloren gegangen. Fredl Morgenstern. Hach schar ah-Antritt m diesen 'Lagen gehen die ersten Gruppen zur H a c h” schfirah, aufs Land. Der Hnchscharnhaiitritt — ur ist ein entscheidender Augenblick im Leben des jungen Juden, der sich zur Chaiuziuth durchgerimgen hat; beginnt doch vyu diesem Augenblick an ein ganz neues Leben. Was noch bis zu diesem Zeitpunkte unklar und verschwommen war, wird jetzt zur Wirklichkeit, — es beginnt die Tat. Und mag es auch sein, daß manche, die sich das ganz anders vorgestellt haben, eben in diesem Augenblicke wankend werden — für die anderen (hoffen wir, daß es die übergroße Mehrzahl ist) ist dieser entscheidende Augenblick schön und groß und als solcher wird er auch empfunden. Uns sollen diese Tage ein Anlaß sein, um vor allem die Jugendfiihrer vor die Frage zu stellen: gibt es einen anderen Weg der Erziehung von jungen Mensqhen zum Judentum, zur Erkenntnis der Aufgabe, die der jüdischen lugend auferlegt ist, als den der H a c h s c h a r a h, wie ihn der H o c h a | u * *) Siehe die letzte Beilage der «Stimme der Jugend» in der Nr. 113 der < Stimme». geht? Den Weg des unmittelbaren Sicheinstelleijs auf Erez Israel und seine Anforderungen und Bedingungen, den Weg derpraktischen, tätigen Arbeit, den Weg der revolutionären Umbildung seines ganzen Menschen, der Umstellung seines täglichen Lebens, der seelischen und körperlichen Umschichtung . . , . Nein, es gibt keinen anderen Weg, mögen die «Erziehersnoch so schwere Bedenken haben (was mm daher rührt, daß sie das Wesentliche dieser Frage noch nicht richtig bedacht haben) und die Elternräte sich damit nur schwer abfinden. Wir erziehen nicht zur Galuth und es kann nicht unsere Aufgabe sein, zur Galuth zu erziehen. Haben wir auch keine Angst, daß dann, wenn wir unsere Erziehung nur auf Erez Israel einstellen, im Galuth keine Menschen zurück bleiben. Nur Selbstverwirklichung — dieser einfache und schöne Begriff -rkann einer aufrechten Jugendbewegung Ziel und Sinn der Erziehung sein, Abschließend sei aber noch auf eine Sache hingewiesen, die eine eigene Erörterung erfordert: Hachscharah ja, aber wie? Nicht Berufserlernung kann ausreiqhen —- die Erwerbung eines produktiven handwerklichen Berufes bleibt eine selbstverständliche Forderung. Aber sie muß rechtzeitig einsetzen, in einem Alter, das dafür geeignet ist, so daß mit 18 Jahren die eigentliche Hachscharah beginnen kann: es ist die kollektivistische Hachscharah in der landwirtschaftlichen Kwuzah. Eine andere, die geeigneter wäre, den Menschenfür Palästina vorzubereiten, gibt es nicht. Das sei einmal mit aller Klarheit gesagt, in den Tagen, da die ersten Oruppen in diesem Jahre die Hachscharah antreten. Jaakow Singer. An die jüdische Mittelschülerschaft Oesterreichs! Unsere zwei großen Verbände, der Rahmenverband der Zionistischen Mitelsehüler-Verbindungen und Vereine Oesterreichs, sowie der Verband zionistischer Mittelschüler, die seit ihrer Gründung, wenn schon nicht bekämpft, bestimmt sich gegenseitig nicht unterstützt haben, haben sich zum «Aktionskomitee der zionistischen Mittelschülerschaft Oesterreichs» vereinigt. Das Aktions-Komitee wird sich bis zum nächsten Delegiertentag als Sonderverband deklarieren, um, wie dies einer ACillliNG! PAmSTINA'ORANCEN BULKER In Aroma und Geschmack vorzüglich Kisten mit 60, 75 80 und 90 Stück statt S 23.—.ä S 19,— Kisten mit 120, 150, 160 und 180 Stück Statt s 42.—.ä S 36.— Originalpaket, enthaltend 15, 18, 23 und 28 Stück, statt S 7-40 4S 6,80 Bestellungen, auch Jus Haus jn Originalpackung zi^ stellbar, nimmt entgegen , Delikatessenhandlung Wien, fL, Eörstergas^e 6, Tel. Nr- R 40442. selbständigen, überparteilichen Organisation gebührt, einen eigenen bevollmächtigten Delegierten «um Delegiertentag zu entsenden, Nebst der Dekiarierung des Sonderverbundes soll die Erhöhung der Propagandatätigkeit für die zionistische Idee, der Schulkampf im wahrsten pinne des Wortes und die Herausgabe einer jüdischen Mittelschüler-Zeitung den Aufgabenkreis ausfüilfen. Darum richtet das gefertigte Aktions-Komitee nachfolgenden Aufruf an alle zionistischen Mittelschüler Oesterreichs; «Das achtundzwanzigste Jahr der aktiven zionistischen Mittelschülerbewegung beginnt und mit ihm eine Unmenge zionistischer Aktionen jeder Art. Alle diesjährigen Aktionen sollen beweisen, daß in Wien und Oesterreich die Zahl der organisierten zionistischen Mittelschüler nicht kleiner, sondern größer geworden ist. In allen Staaten der Welt, wo Juden leben, arbeiten Unsere Chawenini und Chaweroth an dem Aufbau eines geeinigten Erez Israel. Die zionistische Bewegung bedarf neuer Kräfte, neuer Impulse; von wo sollen sie kommen, wenn nicht von uns, der jüdischen Jugend?! Das große Ziel, das wir erstreben, ist jeden Preis wert: Kämpfet für unsere heilige Sache in Euren Schulen und Klassen, Euren Jugendbiinden und Sportvereinen! Meldet dem «Aktions-Komitee der zionistischen Mittelschülerschaft Oesterreichs», II., Taborstraße 8/J6, ob Ihr bereit und fähig seid, der zionistischen Mittelschülerbewegung als Redner, Förderer und freiwillige Hilfskräfte zu dienen! Opfert den beiden zionistischen Fonds Eure Zeit und Kraft! Leset und verbreitet zionistische Literatur, die Zeitschrift: «Palästina», die beiden Wochenblätter «Die Stimme» und «Die Neue Welt», die Euch stets Argumente liefern werden für Diskussionen und Auseinandersetzungen mit denen, die unserer Sache noch fern und fremd gegenüberstehen I Gründet Ortsgruppen, Verbindungen, Sektionen, die starke Propagandftsallen werden sollen! Das Aktions-Komitee verlangt von Euch, daß Ihr aktive Zionisten seid, Mitkämpfer — meht Mitläufer! Handelt! Denn die ganze Zukunft unserer Bewegung hängt nur von Euch ab und Eurer Tatkraft!» Für das Aktions-Komitee der zionistischen Mittelschülerschaft Oesterreichs: Bernhard Blumenkranz fn. p., Jakob Schächter m. p., Josef Rotfeld m. p., Heinrich Katz m. p., Karl Neumann m. p., Emil Körner ni. p. Eine Diskussion zwischen Zionisten und jugendlichen Sozialdemokraten. Samstag abends fand in der Lese, und Redehalle eine Diskussion zwischen der Sektion IX, des V. Z. M. und den sozialistischen Mittelschülern statt. Es wurde über Einladung der zionistischen Jugendgruppe zuerst das Thema «Beziehungen des Zionismus zur sozialistischen Bewegung» erörtert. Nach einem überaus sachlichen Referat des Chaw. Strauß, der darlegte, daß die beiden Bewegungen nicht kollidieren müssen, gab ein Führer der sozialistischen Mittelschüler die Erklärung ab, daß die ungeheure Mehrheit seiner Genossen der Anschauung der Zionisten beipfliehten müsse. Hierauf wurde das Thema «Kann ein Jude nicht Zionist sein» in Diskussion gezogen. Obwohl die Zionisten ihre Diskussionspartner nun wiederholt aufforderten, Argumente zu bringen, kam es nur zu längeren Kunstpausen und einigen schwächlichen Einwendungen gegen die letzten Konsequenzen der zionistischen Theorie. So wies ein Sozialist darauf hin, daß Palästina nicht alle Juden aufnehmen könne, ein anderer, daß der Zionismus ein kleineres Ideal als der Sozialismus sei. Selbstverständlich wurden diese Einwände von den zionistischen Mittelschülern in überzeugender Weise widerlegt. Die Debatte endete mit einem schönen Erfolg der jungen Zionisten. Zur Wiederkehr des 10. Todestages Josef Trumpeiflors. Die Woche vom 8.—46, März ist vom Welt hechaluz als Tr u m p e 1 d or w 0 c h e proklamiert worden. Auf Initiative des Hechaluz, öst. Landesverband, hat sich in Wien ein Komitee gebildet, dem Vertreter des Hechaluz, der Hitachdut, der P0a 1 e Zion und des Linkskarteils angehören, um in einer Reihe von Veranstaltungen diesen bedeutsamen Qendenktag würdig zu begehen. Wir machen auf diese Veranstaltungen aufmerksam. Z. Mf Vf Mirjam. Anläßlich des 10, Semesters ihre . Standes veranstaltet die Z. M. V. Mirjam am Samstag, den ß. März 1930, um 8 Uhr abends einen Kunstabend «1 den Kuristspielen «Pan», I., Riemergasse 11, ferner Samstag, den 15. März 1930, um 8 Uhr abends eine PurJm-Redoute im Kursalon der Stadt Wien, I., Stadtpark und, gemeinsam mit der Organisation zion. Frauen Oesterreichs einen Vortrag Arnold Zweig, Berlin, über: «Politik und Leidenschaft». Ört und Zeit dieses Vortrages wird noch bekanntgegeben. Die General-Versammlung der Mirjam mit einem Rechenschafts- Bericht über das abgelaufene 10. Semester fand Samstag, den 1. März 1930, 8 (Jhr abends im Vereinsheime statt. Bericht hierüber erscheint in der nächsten Nummer der «Stimme», Misrachi <Jugendzeptrale Wien, IL, Praterstraße 11. Wochenprogramm: Montag und Mittwoch: TaJmudkurs; Leiter Herr G. Austerlitz. Dienstag und Ponnerstag: Hebräisch; Leiter Chawer D. Singer. Mittwoch: Tnaeh und Mischnajoth, Freitag: Homiletischer Vortrag über den Wochensbschnitt; Vortragender: Herr Rabb. Dr- Ai Wunde r m a n n. Beginn sämtlicher Kurse 8 Uhr abends. Zeirej Misrachi, Wien, II., Praterstraße II. Samstag, den p. d- M., Um 8 Uhr abends, Vortrag des Schriftstellers Herrn Daniel Perski, New York, im Saale der M. J. Z. Thema: «Die religiöse Strömung im amerikanischen Judentum». Purim-Feier der Misrachi Jugendzentrale. Sonntag, den J6? d. M., um präzise 8 Uhr abends, findet in unserem Festsaale eine große Purimfeier mit überaus reichhaltigem Programm statt. Kleiner Regiebeitrag. Drlth Noar Misrachi II, Schabbath, %4 Uhr nachmittags, Sichoth der Kwuzoth «Machneli Jehudah», «Sch. Ch. Landau», «Hechajil», Montag, den 10. d. M.j 8 Uhr abend6, Sichah Klalith, Erscheinen Pflicht! Haschomer Wadati, IL, Praterstraße U. Schabbath, 4 Uhr nachmittags: Zusammenkunft aller Sehomr i m! Fjadfinderbund Zirenu. Am Samstag, den 8, März 1930, 1/28 Uhr, Bundesversammlung. Redner: Dr. Ch. Tartakower: «Die Sonderaktion des Keren Kajemeth». Jakob Singer: «Chaiuziuth». Verband zionistischer Mittelschüler, Sektion IL, Untere Augartenstraße 35. Samstag, den 8, März, i/38 Uhr abends, Trumpeklor-Feier. Unser Wochenprogramm wie bisher. SPRACHSCHULE Montag, den 3. März 1930, wurde die neue, vom Wiener Stadtschulrat konzessionierte Schule für englische und französische Sprache für weibliche Personen im «Dr, Krüger- Heim», Wien, II., Malzgasse 7, Tel. R 43-5-4Q (10 bis IS Uhr und 3 bis 5 Uhr) eröffnet. Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. BiHige Kursbeiträge.