Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 116 (6.3.1930)
- Date
- 1930-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 116 DIE STIMME SeKe 3 Sw®* ägäSSg fifi tf; AU/ DEM GETREIDE JÜDISCHEN FELDER IN PALÄSTINA WERDEN DIE ECHTEN PALÄSTINAff AZZOTH ERZEUGT. WENN SIE ÜBERALL AUSDRÜCK¬ LICH PALÄSTINA-MAZZOTH VERLANGEN, UNTERSTÜTZEN SIE DIE NATIONALE AUF¬ BAUARBEIT IN EREZ ISRAEL. GROSSVERTRIEB: GUSTAV WILDER WIEN, IV., BLECHTURMG. 12 TEL.: U-43-8-19 TELEGRAMME: KARMEL, WIEN Man aohte beim Einkauf genau auf den Datumstempel der Schachtel, der ebenso wie die Im Innern befindliche Rabblnateurkunde die Jahreszahl 1030 aufweisen muß. Mißbrauchter Achad- Haamismus Die Verfechter des arabisch-jüdischen Ausgleiches berufen sich stets auf Achad Haam als denjenigen, der die Lösung des Zionismus ausschließlich in der Errichtung eines geistigen Zentrums in Palästina erblickt. Hauptsächlich sind es Dr. Magnes und die führenden Persönlichkeiten des Brith Schalom, die in ihren Enunziationen Achad Haam als ihren geistigen Wegweiser hinstellen. Leider wird von ihnen Achad Haams Lehre in einem fälschlichen Lichte dargestellt, was begreiflicherweise in jenen zionistischen Kreisen, die seit Jahr und Tag dem Achad-Haamismus huldigen, heftigen Protest thervorrufen mußte. Von besonderem Interesse ist es daher, die diesbezüglichen Aeußerungen eines der bekanntesten Schüler und autoritativsten Interpreten Achad Haams zu hören. Vor einiger Zeit hielt der Professor an der hebräischen Universität in Jerusalem, der bekannte hebräische Schriftsteller und Historiker Dr. Josef Klausner einen bemerkenswerten Vortrag über Achad Haams zionistische Anschauungen. In diesem Vortrage erklärte Klausner, daß er sicherlich berufen sei, über Achad Haam, mit dem er 40 Jahre zusammengearbeitet und über ihn vielleicht am meisten geschrieben hat, zu sprechen und eine authentische Darstellung seiner zionistischen Weltanschauung zu geben. Achad Haam wird oft als Philosoph hingostellt, obwohl er keiner gewesen ist. Er war eigentlich ein Publizist, der sich zu einer gewissen philosophischen Höhe emporgeschwungen hat. Seine Philosophie war vielmehr das, was die Engländer als „moral philosophy“ bezeichnen. Er hat kein allgemeines philosophisches System hinterlassen, wohl aber hat er ein geschlossenes System einer zionistischen Weltanschauung geschaffen. DJo Grundlage seiner Weltanschauung ist der Nationalismus, jedoch nicht in dem engen Begriffe europäischen Chauvinismus, sein Nationalismus fußt vor allem auf allgemein menschlichen Grundlagen. Er hatte es aber auch nicht gern, über einen „hehren Nationalismus“ zu sprechen. In einer Erwiderung an Frischmann erklärte er ausdrücklich, daß er mit Lebensrealitäten rechne und für Mystik und ähnliche Dinge keinen Sinn habe. Es ist daher falsch, Achad Haam als einen Denker darzustellen, der jedweder nationaler Grundlage bar war und für den das allgemein Menschliche das Hauptproblem bildete. Er verabscheute wohl den „groben“ Nationalismus, da nach ihm die nationale hebräische Kultur auf allgemein menschlichen Grundlagen zu bauen sei. Schon in seinem Aufsatz „Priester und Prophet“ sagte er, daß eine Nation ohne Ziel nicht leben könne. Im Gegenteil, Achad Haam trat immer dafür ein, daß wir unsere nationale Eigenart betonen. So hat er in den Tagen der russischen Revolution 1905/06 dagegen protestiert, daß Juden fremden russischen Parteien beitraten in der Annahme, mit deren Hilfe die Gleichberechtigung zu erlangen. Er vertrat den Standpunkt, daß wir uns in die Angelegenheiten des russischen Volkes nicht mengen sollen, da wir genug unserer eigenen Sorgen haben. Wäre es denn möglich, daß Achad Haam, der solche Ansichten vertrat, jemals zustimmen könnte, daß wir uns hier in Palästina um die Bedürfnisse der Araber kümmern sollen? Sein Kampf gegen Herzl war eigentlich ein Kampf gegen die bloße politische Einstellung OFFIZIELLE VERKAUFSSTELLE Knola.lafficr smt>enrlng Nr. 20 TELEPHON: R 29-2-86, R 290-63 EINTAUSCH GEBRAUCHTER WAGEN GEGEN FABRIKSNEUE STEYR der zionistischen Bewegung. Er befürchtete, daß die zionistische Bewegung, wie sie Herzl haben wollte, nicht in der Lage sein werde, die jüdische Renaissancebewegung zu stärken. Er glaubte auch nicht daran, daß der politische Zionismus die Judennot wird lindern können. Achad Haam wußte, daß nur eine Minorität des jüdischen Volkes nach Palästina kommen kann, wobei er jedoch stets betonte, daß die Juden in Palästina die Majorität sein müssen. Anläßlich einer Polemik erklärte er offen, daß seine Gegner der Ansicht seien, er wolle mit seinem geistigen Zentrum in Palästina „Jcschiboth“ und „Klcislach“ begründen. Er aber wolle eine starke jüdische Gemeinschaft schaffen, die die Majorität in Palästina bilden soll. Denn das geistige Zentrum sollte keineswegs nur der Lohre und Literatur gewidmet sein. Das geistige Zentrum muß die Mehrheit der Juden in Palästina zur Voraussetzung haben. Die Juden in Palästina hätten sieh mit Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe lind Kultur zu beschäftigen. Die Bedeutung des geistigen Zentrums liegt darin, daß sein Einfluß im geistigen Sinne die Judenschaft außerhalb Palästinas beeinflussen soll. Denn es ist klar, daß eine jüdische Gemeinschaft in Erez Israel auf das Diasporajudentum im ökonomischen Sinne nie wird einwirken können. Achad Haam war auch ein Anhänger des Judenstaates. Nur mit dem einen Unterschied, daß Herzl vor allem die Gründung dos Judenstaates beabsichtigte, in den die jüdischen Massen hineingebracht werden sollten. Aehad Haam dagegen glaubte, daß der Juden- Staat erst aus einer Konzentrierung des jüdischen Volkes in Palästina emporwachsen muß. In dieser Hinsicht behielt Achad Haam Recht, ebenso wie er Hecht hatte, wenn er verlangte, daß der Zionismus sich auf das nationale Gefühl und die national-geistigen Kräfte stützen soll. Es gibt sicherlich keinen größeren Verehrer der Tagebücher IJcrzls. sagt Dr. Klausner, wie ich es bin. In diesen Tagebüchern tritt die Größe und Seelenreinheit sowie der Gedankenschwung Herzls so klar wie nirgends zutage. Aber, muß es uns nicht schmerzlich berühren, daß in allen drei Bänden Herzl nicht ein Wort den hebräischen Schöpfungen des jüdischen Volkes, nicht ein Wort den Besten unserer Denker und Schriftsteller widmet? Nicht mit einem Wort erwähnt er die alte und neue hebräische Literatur, unsere Poesie, Philosophie, Ethik und Weltanschauung. Für ihn gab es eben keine inneren Probleme des Judentums. Ihn beschäftigten nur äußere Fragen, wie der Antisemitismus, ökonomischer Druck, Politik, Diplomatie, Könige, Fürsten u. dgl. Die jüdische Seele blieb ihm fremd. Er fragte sich nicht, weswegen und wozu das jüdische Volk jahrtausendelang zu leiden bereit war. Die« soll uns aber nicht wundern, denn Herzl war ein Zögling der Assimilation, der vor dem Zionismus die Judenfrage sogar im Wege einer Massentaufe gelöst sehen wollte. Angesichts solcher Erscheinungen ist es klar, daß Achad Haam den Kampf gegen den politischen Zionismus aufnehmen mußte. Es ist auch fehlerhaft, zu glauben, daß Achad Haam den Minimalzionismus vertritt. Achad Haam forderte eigentlich einen weitaus größeren Zionismus als Herzl. Achad Haams geistiger Zionismus beinhaltet in sich, auch den politischen Zionismus. Daß Achad Haam auch Sinn und Verständnis für die politische Betätigung hatte, ersehen wir ans seiner Mitarbeit am Zustandekommen der Balfour-Deklaration. Achad Haam wurde somit auch ein politischer Zionist, wobei er aber bei jeder Gelegenheit betonte, daß es keinen Aufbau Palästinas geben kann, ohne hebräischer Sprache und Kultur. Denn diese bilden den belebenden Teil des Zionismus. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, wenn heute Zionisten kommen und auf den wertvollsten Inhalt des Zionismus verzichten, denen es einerlei sei, ob wir in Palästina die Majorität erlangen oder nicht. All diesen fehlt eben die Erkenntnis des Wertes unserer nationalen Geschichte sowie der Bedeutung Palästinas in unserem historischen Dasein. Die Verfechter dieser Anschauungen, die im Namen Achad Haams auf alles verzichten, sind eben keine Achad-IIaamisten, weil sie den Kern seiner Lehre nicht verstehen. Wir können dessen sicher sein, daß Achad Haam, wäre er noch unter uns, in der ihm eigenen Art und Weise gegen diese sogenannten Kenner des Achad-Haamismus mit schärfsten Worten auftreten würde. Es ist an der Zeit, Achad Haam zu ehren, indem man seine Lehre ohne Fälschungen kennenlernt und auf ihrer Grundlage kompromißlos handelt. In diesem Zusammenhänge wäre auch interessant, folgende Aeußerung Cliaim Nachman Bialiks — sicherlich ein maßgebender Schüler Achad Haams — festzuhalten: „Diese, die den lebenden Achad Haam kannten, wissen, wie absurd die Ansichten derer sind, die da prahlen, seine Schüler zu sein, und meinen, alle Nationen hätten an Palästina Anteil.“ Zwei Araber zum Tode verurteilt, vier von Mordschuld froigesprochcn Jerusalem, 2. März. (J. T. A.) Das Jerusalemer Distriktsgericht hat die beiden Araber Raschid Fauhali und Darwisch Hamudi unter der Beschuldigung, einen arabischen Polizisten in Pc lach Tikwali ermordet zu haben, zum Todo verurteilt. Hinkins Berufung vertagt Jerusalem, 2. März. (J. T. A.) Die Berufungsverhandlung wegen des vom Jaffaer Gericht gegen den jüdischen Polizisten aus Tel- Aviv, Ilinkin, ausgesprochene Todesurteil, die am 28. Februar vor dem Jerusalemer Berufungsgericht hätte stattfinden sollen, wurde auf eine Woche verschoben. ■"» RESTAURANT OPERER ■*» Wien, 11., Taborstraße 12 (Hotel Stephanie) Erstrangige Wiener und polnische Küche. Menü: Suppe, Braten, Beilage, Mehlspeise S 2.60. La Gratar, Original rumänische Rostspeis e n; Pastrana, Pepene murati. Täglich frische Pfeffer- > karpi'en.