Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 116 (6.3.1930)
- Date
- 1930-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nf. 116 England geeignete Vertreter finden würde. Ein anderer entmutigender Zug in Dr. Magnes1 Theorien der Politik in Palästina ist — vom britischen Standpunkt aus gesehen — sein Versuch, uns vom Glauben abzubringen, daß die Balfour-Dcklaration ein wertvoller Beitrag für die zionistische Bewegung gewesen ist. Er sieht sie eher als einen Stein des Anstoßes an, der jetzt wohl nicht aus dem Wege geräumt, wohl aber umgangen werden kann. Nichtsdestoweniger scheint es, daß auch die Deklaration ihre guten Seiten hat. „Sogar diejenigen, die wie ich,“ sagt er, „fühlten, daß die Form der Balfour-Deklaration mehr ein Hindernis als eine Hilfe war, wegen des Mangels an Klarheit und mehr noch, weil es die Beziehung der Juden zu Palästina zu sehr betonte, anstatt die Natur Palästinas selbst als die eines internationalen heiligen Landes hervorzukehren, können nicht wünschen, daß der internationale gute Glaube diskreditiert werden solle, was im Falle der Nullifizierung dieser Deklaration ein treten müßte. Es ist natürlich notwendig, ihr die besondere Bedeutung zu nehmen, die ihr die britische Legierung bei ihrer Proklamation gab.“ Magnes* Schrift schließt damit, daß die Balfour-Deklaration soweit in ihrem Umfang verkleinert werden soll, bis von ihr nichts mehr bleibt als eine Anerkennung der historischen Verbundenheit der Juden mit Palästina, die auf einer international angenommenen Anerkennung beruht. „Und das,“ sagt der Kanzler der hebräischen Universität in Jerusalem auf seinem Ausflug in die Politik, „ist nichts mehr als die Juden brauchen, um in Palästina eine Heimstätte errichten zu können... ein geistiges und intellektuelles Zentrum für das Judentum, das in der Landwirtschaft und in allen Arten der Arbeit wurzelt.“ Die * .^historische Verbundenheit“ jedoch muß davor geschützt werden, wieder in das Reich der Geschichte zurückverwiesen zu werden. Dies sieht Dr. Magnes ein und ist vielleicht dafür dankbar, daß seine Einsamkeit in der internationalen Moral ihn davor befreit, die Nichtfortführung des Mandates zu fordern. Denn die jüdische Einwanderung und die jüdische Besiedlung müssen geschützt werden, um so mehr als das hebräische Leben und die hebräische Kultur, die doch von irgend jemandem geschützt werden sollen, angegriffen werden könnten. Deshalb findet das Veto eines High-Commissioners einen Platz im kulturellen Programm. "Worauf das Veto letzten Endes beruhen soll, wird nicht erklärt. Der Verfasser nimmt für sich nur das Recht in Anspruch, vor der Vorstellung zurückzuschrecken, daß eine nationale Heimstätte sich auf britische Bajonette stützen müßte. Ob diese neue Auflage des Zionismus das' jüdische Volk in irgendeinem größeren Ausmaß bewegen wird, kann ich nicht sagen. Nichtsdestoweniger müssen die Engländer, die an die Bewegung glauben, der Beantwortung dieser Frage mit Besorgnis entgegensehen. Denn sie wissen, daß die britische Unterstützung nur dank jüdischer Energie kommen kann. Sie ist nicht von selbst geschaffen. Sie wurde durch die große Kraft der jüdischen Begeisterung hervorgerufen. Sie wird nun von freundlichen, wenn auch kritischen Beobachtungen des jüdischen Volkes genährt. „Sie machten mich zu einem Zionisten,“ sagte Lord Balfour zu Dr. Weidmann in dem Gespräch, das für das jüdische Volk solche weittragende Folgen zeitigen sollte. So stand es zwischen den beiden nationalen Führern, so muß es immer zwischen beiden Nationen bleiben. BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, brw. geschmackvollen Bibliothekse nband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-Juda i ca in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— Keine Bandgebühr Der britische Partner kann helfen, führen, kontrollieren, aber niemals selbst schaffen. Die Judenheit muß deshalb mit diesen Tatsachen rechnen, bevor sie ein Ideal gutheißt, das geeignet wäre, die Kraft des Zionismus in seinen eigenen Reihen abzuschwächen. Kann der Zionismus in dieser schicksalsschweren Krise es auf sich nehmen, irgendeinen seiner Freunde zu entmutigen? Palästina-Aussprache im Unterhaus Dr. Shiels gibt Auskunft über die Arbeit der Untersuchungskonunission — Er fordert einen Nachtragskredit für die außerordentlichen Ausgaben in Palästina — Eine antizionistische Rede Howard Burys — Marcus ttnd James de Rothschild klagen Bury an, daß er die Unruhestitnmung in Palästina fördert — Atnery erklärt, daß die britische Palästinapolitik durch Pöbelgewalt nicht aus ihren Bahnen gelenkt werden wird London. Im Verlaufe der Debatte über die von der Regierung verlangte Nachtragsbewilligung zum Colonial Development Fund erklärte der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, daß die parlamentarische Untersuchungskommission für Palästina Gebiete, in denen die Unruhen heftig gewesen waren, aufgesucht hat. Es läßt sich noch kein Zeitpunkt angeben, wann der Bericht fertig vorliegen wird. Colonel Howard Bury pries die Shaw-Komeröffnet eine neue Filiale: Wien XX. Wallensteinstr. 45 (ehemals M. Lazar) unrd erbittet zahlreichen Zuspruch. Konkurrenzlos niedere Preise Zu jeder Tageszeit heiße Würstel m. Brot u. Senf 60 g NEUERÖFFNUNG Streng orth. Selchwaren FABRIK „PETYAN„ mission, die in einer ausgezeichneten Art ihre Pflicht getan hat. Zum ersten Male seien die Araber in die Lage gekommen, ihren Fall vorzutragen. Die in der Presse erschienenen Berichte seien irreführend und parteiisch gewesen, worüber man sich nicht wundern dürfe, wenn man sich zum Beispiel vergegenwärtigt, daß der Korrespondent der «Times» einer der Leiter der zionistischen Propaganda ist. Die Kommission fungierte in Palästina sozusagen als Sicherheitsventil, indem beide Parteien ihre Meinungen vor einer unparteiischen Körperschaft darlegen konnten. Nun müsse der Bericht bald kommen; je mehr er hinausgeschoben wird, um so schlimmer. Dr. Drummond Shiels sagte, es sei ihm nicht möglich, das Datum der Veröffentlichung des Kommissionsberichtes anzugeben. Die Veröffentlichung werde in tunlicher Ausführlichkeit geschehen, es sei aber für eine Regierung unmöglich, ein Versprechen über etwas, das noch nicht fertig ist, zu geben. Ein Teil des Aussagematerials werde sich wahrscheinlich zur Veröffentlichung nicht eignen. Die Frage der Veröffentlichung der anderen Teile des Beweismaterials wird in angemessener Weise erwogen werden; er, Shiels, wäre dafür, daß die Empfehlungen der Kommission veröffentlicht werden. Dr. Shiels befürwortete eine Nachtragsbewilligung von 140.000 Pfund für den Mittel-Ost-Dienst, und zwar 16.000 Pfund für den Irak und 124.000 Pfund für Palästina und Transjordanien. Colonel Howard,Bury stellte den Antrag, die Bewilligung um 100 Pfund zu kürzen. Ich erhebe einen starken Einwand dagegen, sagte er, daß eine hohe Summe ausgegeben wird, um eine fremde Rasse in ein fremdes Land zu bringen. Marcus (Arbeiterpartei) protestierte gegen die Rede Howard Burys, die er ungeheuerlich nennt. Bei den letzten Wahlen, fuhr er fort, haben mindestens 13 Millionen Wähler für die Palästinapolitik gestimmt. Das Geld, das nun angefordert wird, soll dazu dienen, eine Politik durchzuführen, zu der die Regierung gesetzlich verpflichtet . ist. Itn August 1929 waren die jüdischen Einwohner Palästinas einem der brutalsten Angriffe in der Geschichte der OOOOOOaOOOOOOOOÖQOOOOOOOOOOOOOOQOQOOO(2t Tieiili ta MM im Caffi „Bltes Rathaus“ (Cafetier Leo Löwy) Größere und kleine Klublokale 1. Bez., Wippllngerstraße 24 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 | OOOOOOOOOOCXXXXXXX5DCOOOOOOOOOOOOOOOOOO menschlichen Grausamkeiten altsgesetzt. Es müssen Schritte ergriffen werden, um den Schutz der jüdischen Bevölkerung Palästinas gegen weitere Angriffe von Huligans zu sichern. Das Unterhaus hat bei vielen Anlässen die in dem Palästinamandat vorgeschriebene Politik gebilligt. An der jüdischen Bevölkerung Palästinas sei ein Verbrechen begangen worden. Er wolle als Jude nochmals dagegen Protest erheben, und der Hoffnung Ausdruck geben, daß das zu bewilligende Geld in einer Weise verwendet wird, daß das Vertrauen zu Palästina wiederhergestellt werde. James de Rothschild trat für die Naohtragsbewilligung ein und führte aus, wenn eine solche Nachtragsbewilligung heute nötig geworden sei, so gibt es hier eine Person, die daran die Schuld trägt: das ist Colonel Howard Bury. Seine ganze Karriere hier im Hause diente dazu, den imaginären Plan eines Teiles der Bevölkerung zu unterstützen. Er habe auf jeden Wind gehört, der von der Wüste her geblasen kam, und er habe Gefühle der Unzufriedenheit geweckt, die schließlich zu Unruhen geführt haben. Hätte es mehr Polizei in Palästina gegeben, die Unruhen hätten sich dort nicht ereignet. James de Rothschild schloß: Im Namen einer Gesellschaft, die 15.000 Juden nach Palästina gebracht und viel Boden in dem Lande kultiviert hat, danke ich der britischen Regierung für ihre schnellen Entschlüsse bei der Unterdrückung dieser Unruhen. Hätte die Regierung nicht Truppen nach Palästina gesandt, es würden viel mehr Menschenleben verlorengegangen sein. Die Bevölkerung Palästinas und die Bevölkerung Großbritanniens sind der Regierung für diese Aktion dankbar. Der frühere Staatssekretär für die Kolonien Amery führte aus: Wenn Sie noch so verschiedener Meinung bezüglich der Balfour-Deklaration sein würden, so müßten Sie alle doch zugeben, daß keine britische Regierung es zulassen könne, daß ihre vorgefaßte Politik durch Pöbelgewalt umgestoßen werde oder daß eine in einem Lande gemäß einem internationalen Mandat angesiedelte Bevölkerung durch einen anderen Bevölkerungsteil verfolgt werde. Dr. Shiels führte zum Abschluß der Debatte aus: Wir müssen fortfahren, den Schutz aller Bewohner eines Landes zu sichern, in welchem wir die Verantwortung für Recht und-Ordnung tragen. Das Unterhaus stimmte der Nachtragsbewilligung zu. (J. T. A.) Vor der Ernennung der Klagemauer-Kommission London. (J. T. A.) Major Nathan richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Shiels, die Frage, ob er eine Mitteilung machen könne über die laut Beschluß des Völkerbundsrates zu ernennende dreigliedrige Kommission zur Untersuchung der Angelegenheiten der Klagemauer in Jerusalem. Dr. Shiels erwiderte, daß gemäß der vom Völkerbundsrat in seiner Jännersitzung angenommenen Resolution die Mitglieder der Klagemauerkommission von der britischen Regierung mit Zustimmung des Völkerbundsrates zu ernennen seien; die Regierung befasse sich eben jetzt mit der Zusammensetzung der Kommission. Major Nathan: Wird die Kommission Zangen vef nehmen? Dr. Shiels: Ich nehme es an; aber es ist noch kein Beschluß über den Aufgabenkreis der Kommission gefaßt worden. Das Arbeitsprogramm der Kommission wird erst aufgestellt werden, wenn ein Beschluß über deren Zusammensetzung gefaßt sein wird. Die britische Regierung wird dem Völkerbundsrat die Namen der Kommissionsmitglieder und wahrscheinlich auch das Arbeitsprogramrn Vortagen, denn beides unterliegt der Zustimmung des Völkerbundes. »Z.P.CHAJES« Verein Zionistischer Hochschüler beehrt sich eiuzuladen zu dem am 19. März 1930 im Kursalon der Stadt Wien (Stadtpark) stattfindenden Gesellschaftsabend Dameni Abendtoilette Beginn 9 Uhr Herren: Abendkleidung The Young Boys Jazz SympbonyOrcbeetni / Karten im Vereinsheim, 11., Untere Augartenstr. 35, Zion. Bure««, 1., KXrntneratr. 28, u. bei sämtl. KomUeemitgliedem