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Die Stimme · 1930-02-27 · Heft 115 (27.2.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 115 (27.2.1930)
Date
1930-02-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Dft STIMM! Nr 116 Um die Agency Zur Diskussion Wassermann—Blumenleid Oskar Wassermann, der Führer der deutschen Nichtzionisten in der Jewish Agency ließ vor einigen Tagen im Wege der J. T. A. einen Artikel verbreiten, in dem er seine persönlichen Ansichten über die Jewish Agency zum Ausdrucke brachte. Die bevorstehende Tagung des Verwaltungsausschusses der erweiterten Jewish Agency soll sich nach Ansicht Wassermanns mit der Festlegung der Politik für die Verhandlungen über das Verhältnis der Juden zu den Arabern beschäftigen. In seinen diesbezüglichen Erörterungen versucht Wassermann, einiges Grundsätzliche zur gegenwärtigen Politik zu sagen und meint, daß die Bezeichnung „Jüdische Nationale Heimstätte“ in der Balfour- Deklaration unglücklich gewählt sei und daher zu Mißdeutungen führe. Kein Nichtzionist, und nur sehr wenige Zionisten würden die nationale Heimstätte in der Form eines jüdischen Staates errichten wollen, selbst wenn sich diesbezüglich auch keine Schwierigkeiten entgegenstellen sollten,. Nach Ansicht Wassermanns will die Mehrzahl der Zionisten die Nationale Heimstätte als „kulturelles Zentrum“ des jüdischen Volkes ausgestalten, welche Aufgabe selbstverständlich eine Auswahl der Siedler und ihre Erziehung im Lande hauptsächlich unter dem Gesichtspunkte, der jüdischen Kolonisation ein hohes geistiges Niveau zu verleihen, voraussetze. Als Nichtzionist stellt Wassermann fest, daß der Begriff eines jüdischen Volkes, soweit er mit irgendwelchen nationalen und politischen Vorstellungen verbunden ist, sowie die Folgerunj=?i daß Palästina auch für d’e außerhalb Palästinas lebende Judenheit als Nationale Heimstätte zu betrachten sei, abzulehnen sei. Palästina könne auch nicht als „geistiges Zentrum“ betrachtet werden, da die außerhalb Palästinas lebende Judenschaft die Pflicht habe, sowohl jüdische als auch nichtjüdische Kulturgüter zu pflegen. Die jüdische Kolonisation in Palästina soll eben der Welt zeigen, was jüdische Intelligenz, jüdischer Fleiß und jüdische Ethik zu leisten vermögen, wenn sie sich nur frei entfalten können, darin allein soll die Zielsetzung des jüdische Aufbauwerkes in Palästina erblickt werden. Die Judenheit der ganzen Welt sei verpflichtet, dieses Werk zu fördern. Die Jewish Agency, in der Zionisten und Nichtzionisten gleiches Recht und gleichen Einfluß haben, stellt daher eine Arbeitsgemeinschaft für ein ganz bestimmtes Gebiet dar, dessen Neutralisierung Voraussetzung ist. Außerhalb der Palästinafrage gehen die Wege der Zionisten und Nichtzionisten auseinander und beide Gruppen haben ihre vollste Handlungsfreiheit in allen anderen jüdischen Fragen. Wassermann versucht in seinem Aufsatz, der in sämtlichen zionistischen Kreisen großes Befremden hervorrufen mußte, aus der Agency ein Organ philantropischen Charakters, nach Art der Joint und der J. C. A. zu machen. Indem er sich die Ideologie des Brith-Schalom zueigen macht, verzichtet Wassermann leichten Herzens auf den wirklichen politischen Inhalt der Balfour-Deklaration und möchte in Palästina ein geist;ges Zentrum sehen, das aber als solches nur für die dortige Judenheit gelten soll. In der letzten Nummer der „Jüdischen Rundschau“ vom 21. d. M. unterzieht nun Kurt Blumenfeld Wassermanns Ausführungen einer eingehenden Kritik. „Ein großer und entscheidend wichtiger Teil der Weltjudenheit“, schreibt Blumenfeld, „hat in Zürich am 12. August 1929 mit der Zionistischen Organisation einen Bund zur Verwirklichung der dem jüdischen Volk im Palästinamandat international zugesicherten Rechte geschlossen. Es handelte sich um, den Eintritt von Nichtzionisten in die, ira Artikel 4 des Paläs tinamandatee, als jüdische öffentliche Körperschaft anerkannte Jewish Agency, deren Aufgabe die Mitwirkung an der Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte ist. Die Unterzeichner des Agencyvertrages haben durch ihre Unterschrift dem Palästinamandat in allen seinen Teilen zugestinwnt, auch der Präambel, in der die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina als Grundlage für die Wiedererrichtung seiner Nationalen Heimstätte in seinem Lande ausdrücklich anerkannt wird. Der Agencyvertrag bezieht sich ausschließlich auf die gemeinsame Arbeit für Palästina. Ueber die Beziehungen zwischen Zionisten und Nichtzionisten außerhalb Palästinas sind keine Abmachungen getroffen worden. Es ist klar, daß Zionisten und alle Schattierungen von Nichtzionisten in voller Freiheit Ihre Anschauungen wie bisher vertreten werden. Keinem der beiden Partner steht ein Recht in Gesinnungsfragen zu, soweit es sich um außerpalästinensische Angelegenheiten handelt* es sei denn, daß diese Anschauungen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Arbeiten für die Verwirklichung der Balfour-Deklaration stehen. Ob ein Nichtzionist sich zum jüdischen Volke rechnet, ist seine Sache; er kann selbstverständlich auch die Bedeutung der jüdischen Nationalen Heimstätte wesentlich anders einschätzen als ein Zionist. Zionismus ist Anerkennung des Primats Palästinas. Nichtzionismus braucht mit dieser Anerkennung nicht verbunden zu sein. Unter diesen Voraussetzungen muß der Artikel von Oskar Wassermann gewürdigt werden Die Bedeutung dieser Veröffentlichung liegt vor allem darin, daß der Führer des deutschen Zweiges der Jewish Agency, der Vorsitzende des Keren Hajessod, der Mann, der seit zehn Jahren von der gesamten deutschen Juden- BUCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Noderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuer scheinu n gen ira Original, baw. geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-J u d a i e a in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganten Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebuhr nur S 3a— Keine BandgebShr heit als der hervorragendste Repräsentant des Palästinagedankens in der nichtzionistisohen Welt empfunden wurde, für die Stellung von Nichtzionisten und Zionisten Formulierungen wählt, denen im Interesse unserer gemeinsamen Arbeit widersprochen werden muß. Der Wert der Balfour-Deklaration wird von Wassermann anerkannt, aber das Wort ,Nationalheim‘, das ihren entscheidenden Inhalt bildet, durch das sie überhaupt erst ihren Sinn erhält, wird vom nichtzionistischen Standpunkt als ,nicht glücklich* empfunden, da es zu Mißdeutungen führen könne. Wir halten Wassermanns Feststellung, Palästina könne nur für die in Palästina wohnenden Juden ein nationales Heim sein, für eine Verkennung des wahren Sinnes dieses im Völkerrecht neuen Wortes. Nur durch seine universelle Bedeutung bekommt der Begriff ,Nationalheim* erst seinen Charakter, nämlich durch seine ideelle Beziehung zu dem Judentum in aller Welt. Herr Wassermann begnügt sich jedoch nicht mit einer Darlegung des nichtzionistischen Standpunktes, sondern erklärt auch den Standpunkt der Zionisten. Es ist aber nicht richtig, daß nur sehr wenige Zionisten die nationale Heimstätte in Form eines ,Judenstaates* errichten wollen, wenn die äußeren Möglichkeiten gegeben wären. Es ist vielmehr richtig, daß es kaum einen Zionisten gibt, der nicht freudig und von ganzem Herzen die Errichtung eines Judenstaates begrüßen würde, wenn die äußeren Bedingungen eine solche Staatengründung zulassen würden. Gewiß tragen wir der Tatsache Rechnung, daß Palästina kein leeres Land ist, und in der Ueberzeugung, daß die volle Verwirklichung unserer Hoffnungen in einer großen geschlossenen jüdischen Siedlung bei voller freier nationaler Entwicklung auf allen Lebenegebicten möglich ist, haben wir der Fassung der Balfour-Deklaration zugestimmt. Auf der vollen Verwirklichung der Balfour-Deklaration und des Mandates dem Wortlaut und dem Geiste nach müssen wir aber bestehen, damit uns die Arbeit der zionistischen Bewegung überhaupt cxxxx»oooocx?ooooooooacxttoooooooooo(xxx» Treflpül der Miln im Cafe „illtes Rathaus" (Cafetier Leo Löwy) Großer# und kleine Klublokale 1« Bez«, Wippling er Straße 24 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 OOOOOOOOOOOCXXXXXX>QOOOOOOOOOOOOOOOOQOO noch sinnvoll erscheinen kann. Die Besiedlung Palästinas und die Erfüllung aller Hoffnungen, die auch in nichtzionistischen Freunden des Palästinawerkes leben, sind nur möglich, wenn Millionen Juden außerhalb Palästinas glauben, daß ihr jüdisches und menschliches Schicksal in Palästina entschieden wird. Herr Wassermann lehnt Palästina nicht nur als das Kulturzentrum für die jüdische Welt ab, sondern glaubt auch, es bestehe eine Möglichkeit der Pflege jüdischer Kulturgüter im Galuth in einer Form, ,als ob Palästina nicht existierte*. Gäbe es die Möglichkeit einer freieq und fruchtbaren Entwicklung im Galuth, so würden eich alle Anstrengungen für ein jüdisches Palästina erübrigen. Der Gedanke von dem Rest der Zurückgekehrten ist ein urjüdischer Gedanke und ein Gedanke, den gerade Herr Wassermann schon wiederholt in schöner Form ausgeführt hat. Ich bin überzeugt, daß Herr Wassermann, der mit der Palästinasache aufs tiefste verknüpft ist, dessen Leben durch die Arbeit für die Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte in Palästina geradezu gekennzeichnet ist, zu der Meinung gekommen ist, man könne durch eine Darstellung, wie er sie gewählt hat, dem Palästinawerk neue Freunde gewinnen. Unsere Erfahrungen widersprechen dieser Annahme. Man wird aus dem Artikel willkommenere Argumente gegen den Zionismus entnehmen, aber man wird nicht das tun, was der Verfasser in Wahrheit will; überzeugt für Keren Hajessod und Jewish Agency mit Wort und Tat eintreten.“ Am Schluß seines Artikels bemerkt Blumenfeld; „Herr Wassermann geht mit uns Zionisten einen gemeinsamen Weg. Wir erblicken in ihm einen der wichtigsten Führer der gesamten Jewish Agency. Er formt mit uns den gemeinsamen Willen zu einem Werke, das endgültig von Kindern und Enkeln gestaltet wird, von dem er glaubt, daß es die Einheit der Judenheit erweisen wird. Er hat oft die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Charakter der jüdischen Siedlung letztlich nicht von uns, sondern vom Jischuw bestimmt werden wird, und daß das Bild dieses Jischuw unwiderleglioh zeigen wird, was eigentlich Sinn und Inhalt des Judentums ist. Und gerade weil wir dies alles wissen, und weil auch dies in dem Artikel von Oscar Wassermann zum Ausdruck kommt, durfte ein »Wort des Widerspruchs nicht fehlen.“ Blumenfeld weist mit Recht darauf hin, daß Wassermann mit seinem Artikel eine entgegengesetzte Wirkung erzielen wird. Wassermann, der trotz seiner jetzigen Ansichten über die politischen Ziele der Jewish Agency, die, nebenbei bemerkt, in einem krassen Widerspruch zu seinen früheren öffentlich geäußerten Anschauungen über Palästina stehen, noch immer ein warmer Freund und Förderer unseres Aufbauwerkes ist, wird recht bald einsehen müssen, wie gerne unsere Gegner aus seinem Arsenal Waffen gegen uns holen werden, um Beweise zuv erbringen, daß es nicht notwendig sei, für den Keren Hajessod als Finanzinstrument einer politischen Körperschaft Geld zu geben. Der Beschluß des Centralveroines, den wir an anderer Stelle bringen, und diese eigenartige Stellungnahme Wassermanns weisen darauf hin, daß sich im europäischen nichtzionistischen Teil der Jewish Agency, scheinbar unter dem Eindrücke der Ideologie des Brith-Schalom, ein Frontwechsel vorbereitet. An der Festigkeit der Exekutive und des zionistischen Teiles wird dieser plötzliche Umschwung zerschellen müssen. Die letzte Erklärung Prof, Weizmanns gibt der zionistischen Oeffentlichkeit die Beruhigung, daß die Richtlinien unserer Politik England und den Arabern* gegenüber auf der Grundlage der Balfour-Deklaration unverändert bleiben. JUDEN ZIONISTEN I Ftthret bis spätestens 3. März Eure Sonderspende an den Keren Kajemeth ab» damit Eure Unterschrift unter den Aufruf an die Judenheit komme«

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