Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 114 (20.2.1930)
- Date
- 1930-02-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053867--1557-3056918- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DTE STIMME Nr. 114 Glossen Eine ganze Anzahl erfreulicher und unerfreulicher Nachrichten dringt zu uns aus dem «Lande hinter der chinesischen Mauer», wie Ungarn vor wenigen Wochen von Ludwig Dato in einem Aufsatz an dieser Stelle genannt wurde. Erfreulich ist zu hören, daß Dr. Jehuda W ilensky mit Awigdor Hameiri und einem ganzen Stabe von Mitarbeitern als Pionier des Keren Hajessod nun systematisch darangeht, für den Palästinaaufbau im Kreise der ungarischen Judenheit zu werben. Die ihnen bisher in Budapest zuteil gewordene Aufnahme und das große Interesse in der Provinz sprechen dafür, daß ihre Mission von Erfolg begleitet sein wird. Auf diese Weise wird sich dann die ungarische Judenheit ln den jüdischen Volkskörper, dem sie bisher so lange fernstand, von neuem eingliedern. Unerfreulich ist der Skandal K fe b e 1 s b c r g, der durch das Jubiläum des «E g y e n 1 ö s e g» entstanden ist. Dieses Jubelfest war eine ungarische Spezialität sondergleichen. Das bekannte Budapester Assimilantenblatt, das im Jahre 18S2 begründet wurde, ging jetzt mit großem Tamtam daran, nach 4Sjährigem Bestellen sein 50jähriges Jubiläum zu feiern. Der Chefredakteur des Blattes, Dr. Ludwig Szaboicsi, der durch Anwe" btng von allerhand Mitteln das jüdische Leben in Ungarn zu terrorisieren versteht und in der Pester jüdischen Gemeinde eine Nebenregierung etabliert hat, hat es beim Kultusvorstand durchgesetzt, daß die Gemeinde zu Ehren des verfrühten Jubiläums eine Festsdtzutrg veranstaltete, zu der auch der Kultusminister Graf Kiebelsberg eingeladen wurde. Nach den Haager Besprechungen geht Ungarn gegenwärtig daran, eine Anleihe aufzunehmen und lugt jetzt nach Geldgebern aus. In solchen Fällen ist gut, so machten es ja Zarenrußland, Rumänien und viele andere Staaten, eine judenfreundliche Miene aufzusetzen, um nach außenhin die jüdischen Bankiers nicht zu verstimmen. Dem edlen Grafen kam daher die Einladung der Pester Judengemeinde sehr zustatten und er hielt eine große Verbrüderungsrede von einer «konfessionellen Einheitsfront», wobei er den Herren Juden nochmals versichterte, daß er seinerzeit nicht für das Gesetz über den Numerus clausus gestimmt habe, im Gegenteil, er habe sich bei der Abstimmung aus dem Saale entfernt. Die Juden brachen in Begeisterung aus, die aber nicht lange anhielt. Denn schon nach wenigen Tagen sprach die Christlichsoziale Wirtschaftspartei dem Kultusminister für seine judenfreundliche Rede die Mißbilligung aus, wobei sie auch noch erklärte, daß die Partei die politischen Konse- Batterie- und Netzempfänger, Netzanoden, Lautsprecher INGENIEURE KRISCHKER&NEHODA Wien, m, Halbgasse z. Telephon B-38-joo Serie. quenzen ziehen werde, wenn Graf Kiebelsberg durch seine Rede etwa eine neue politische Orientierung der Regierung gekennzeichnet haben wollte. Nicht wenig erschrocken ob dieses unerwarteten Angriffes, trat der wackere Graf sofort den Ruckzug an, indem er in der Presse eröffnete, daß er keine Absicht gehabt habe, den Entschließungen der Regierung in welcher Richtung immer zu präjudizieren. Ob die ungarischen Juden aus dieser Lektion etwas lernen werden? Kaum anzunehrnen, denn seit vielen Jahren lassen sie sich von den Erzantisemiten Bethlen und Kiebelsberg, die judenfeindlich handeln und ab und zu den Juden wenn sie sie brauchen, den Brei um den Mund schmieren! an dem Gängelband führen. ■ Nfcht uninteressant ist übrigens, daß derselbe Graf Kiebelsberg, der dieser Tage zum Besuche seines österreichischen Kollegen in Wien weilte, in der «Neuen Freien Presse» einen Aufsatz über die österreichisch-ungarischen Kulturbeziehungen veröffentlichte, worin er namentlich die Bedeutung des Wiener Collegium Hungaricum, einer mit einem Heim verbundenen Studienanstalt für ungarische Hochschüler, hervorhob. Nur eines vergaß der gesinnungstüchtige Graf zu erwähnen, eine Kleinigkeit, die jedoch nicht ganz ohne Interesse ist: in das Kollegium werden jüdische Studierende nicht aufgenommen. Der ungarische Kultusminister entfernt sich also während der Abstimmung über den Numerus clausus aus dem Saale, um dann die Schuld an der Verjagung der jüdischen Hochschüler ins Ausland ablehnen zu können, und im Auslande errichtet er Kollegien, aus denen er die Juden grundsätzlich ausschließen läßt. Dabei muß er sich gar nicht aus dem Saale entfernen, es genügt, wenn er einen schönen Aufsatz über die Annäherung der Kulturen schreibt * Das jubilierende «Egyenlöseg» hat eine hundertsechzig Seiten umfassende Festnummer herausgegeben, die ein Sammelsurium von Begrüßungen, Lobhudeleien, Artikeln, Reminiszenzen und bezahlten Biographien von volkswirtschaftlichen Größen darstellt. Diese Nummer ist, ohne es za wollen, ein schlagender Beweis dafür, daß das Blatt im Laufe des 48jährigen Erscheinens nichts anderes angestrebt hat, als die magyarisch-chauvinistische Beeinflussung der ungarischen Judenheit. Da dankt Graf Bethlen dem Blatte «für die selbstlose Verkündung der nationalen Mission der Magyaren jüdischen Glaubens* iind da erkennt Graf Apponyi an, daß das Blatt «die Glaubensgenossen stets zur Anhänglichkeit, an den magyarischen xN'ationalgedanken aneiferte», und viele Juden stoßen natürlich in dasselbe Horn. Die Union deutschösterreichischer Juden, die sich auch als Gratulantin eingestellt hat, kennt bei einem jüdischen Blatte selbstverständlich nur eine Aufgabe: den Kampf gegen den Antisemitismus. Unter den Aufsätzen befaßt sich ein Artikel des Wiener Professors Dr. Samuel Krauß mit dem «Untergang derWiener Judenheit». Leider muß festgestellt werden, daß die ganze Darstellung, die übrigens den «Untergang» hauptsächlich in der schlechten finanziellen Lage dt. Wiener jüdischen Gemeinde sieht, die Auslassung eines Stubengelehrten ist, der das wirkliche Leben nicht kennt •and an ihm achtlos vorbeigeht, ln diesem Aufsatz stellt Prof. Krauß zunächst fest, daß die aus Ungarn stammenden Juden den besten Teil der Wiener Judenheit darstellen. Er geht dann zur intransigenten Schiffschul und zu den polnischen Juden und schließlich zu den Zionisten über. Dann spricht er von einem Teil der in Wien lebenden polnischen Juden, die der konservativen Richtung angehören. «Ihnen ist alles verhaßt» — schreibt er — «was «datsch» ist, also die ganze Bande, die weder «Peies» noch «Sch übeze» trägt. Upd die eigenen zionistischen, atheistischen Sprößlinge erscheinen ihnen noch widerlicher als diese. Sie wollen weder von diesen noch jenen wissen. Die aus Galizien eingewanderten Rabbis und ihre «Herden» bilden in Wien eine eigene Welt, mit eigenen Bethäusern, . eigenen Schulen, eigenen wissenschaftlichen und Fürsorgeanstalten. Genau so wie in London und New York... Dieses Volk zittert bei dem Gedanken, auch nur als simple Steuerzahler die gottlose, ketzerische Gemeinde unterstützen zu müssen. Sie verkriechen sich und halten sich von allem fern, was jüdisch ist, was eine Wiener jüdische Note hat. Daher kommt es,' daß die Gemeinde schon hier steuerzahlende Subjekte verliert. Auch die zionistische Partei hat das prinzipielle Bestreben, das Geld für andere Zwecke zu verwenden, übrigens ist dieses Element arm und wünscht eher unterstützt zu werden, als umgekehrt. Und erst die chassidischen Elemente, denn auch solche gibt es hier in Hülle und Fülle! Diese und die als Flüchtlinge nach Wien gekommenen polnischen Wunderrabbis verachten diese sündige Welt und erkennen seine Existenz mir dann an, wenn sie von ihm Geld verlangen. Der Gelehrte unter ihnen geht instinktiv der unwissenden Westjudenheit aus dem Wege, die nicht einmal geringe talmudische Kenntsnisse hat und deren Kinder auch nicht mehr hebräisch beten können.» Diese Ostjuden scheinen sich aber — ich möchte fast sagen: leiAr — mehr i n de r Phantasie d es Prof. Krauß als in der Wirklich’ eit zu befinden. Wo sind die Wiener Ostjuden, die dei Datsch» hassen? Der Vorwurf, den man ihnen machen könrue, wäre eher, daß sie zu eifrig bestrebt sind, selbst «Datsche» zu werden... Der Aufsatz behandelt dann ausführlich die materielle Lage der Wiener Kultusgemeinde, die er als trostlos bezeichnet. «In der Kultusstube herrscht noch Immer der Größenwahn —heißt es darin — indem sich die Gemeinde in Auslagen stürzt, die sie zu tragen, nicht in der Lage ist. So zum Beispiel wird die Hebräische Universität in Jerusalem jährlich mit 50.000 Schilling unterstützt, mit einem Betrage, der hier genügt hätte, zwei Anstalten zu fördern oder gar zu erhalten.» Was soll man dazu sagen? Soll man den «Historiker» Krauß darauf aufmerksam machen, daß er bewußt mit falschen Daten operiert, daß es nicht 50.000 sondern nur 25.000 Schilling sind, die die Kultusgemeinde für Palästina bewilligt und daß auch dieser Betrag nicht der Hebräischen Universität,, sondern verschiedenen Palästinazwecken zugewendet wird? Wo ist ihre objektive Wahrheitsliebe? Es muß uns wundern, daß Herr Prof. Dr. Sam. Krauß, der oft auch zu «zionistein» versucht, plötzlich gegen die Zionisten auftritt. Scheinbar hoffte er, daß sein ungarisch geschriebener Aufsatz der Aufmerksamkeit der Zionisten'entgehen wird. Ach! Wie irrten Sfre sich hochgeehrter^ Herr Professor! Eine weitere Nachricht aus Ungarn besagt, daß der Legitimationsausschuß des Oberhauses es abgelehnt hat, das Mandat des zum Oberhausmitglied gewählten Adolf Frankl zu bestätigen. Es ist ja noch erinnerlich, daß nach dem Tode des Rabbi Koppel Reich eine einflußreiche Clique den Vorsitzenden der orthodoxen Landeskanzlei, den 70jährigen Bankier Adolf Frankl zum Oberrabbiner der Budapester orthodoxen Gemeinde gewählt hat, um solcherart seine Wahl in das Oberhaus zu sichern. Die jüdische öffentliche Meinung hat damals diese ungewöhnliche Art der Rabbiner- Einfieftsfrortt zur Verteidigung jüdischer Interessen Die jüdischen Weltorganisationen haben Schritte eingeleitet, um eine vereinigte Front zur Verteidigung jüdischer Interessen vor den Völkerbund und vor der Kommission zur Regelung der Klagemauerangelegenheit sowie in Angelegenheit der letzten Ereignisse in Palästina zu bilden. Der Board of Deputies, das jewisll-American Committee werden gemeinsam mit den anderen jüdischen Organisationen und der Jewish Agency den jüdischen Standpunkt vor der Völkerbuncikommission vertreten und die jüdischen Forderungen unterstützen. AnvxTtcftcxt JiUOlO LAGEN Schirmgitter - Netzempfänger mit dynamischem Lautsfprecher, Einknopfbedienung. INGENIEURE KRISCH KER&NEHODA Wien, VII., Halbgasse 2. Telephon B-;8-yoo Serie. Jahresversammlung des Deutschen Komitees pro Palästina Berlin. (J. T. A.) In der Jahresversammlung des Deutschen Komitees pro Palästina, die am 13. Februar in Berlin unter Vorsitz von Graf Bernstorff stattfand, nahmen etwa 50 Mitglieder teil, darunter Prof. E i ns t e i n, Geheimrat Prof. Sellin, Prof. Hoetzsch, Ministerialdirektor Dr. B a d t, Reg'eiungsp.ä.ident Dr. Haussmann, die Herren Willy L) r e y f u s, Dr. Bernhard a h n, Architekt Erich Mendelsohn, Werneralvo von Alvensleben, Kurt B I um e nfeld, Prof. Ludwig Stein, Frau S i e m s e n, Prof. T h u m m, Syndikus Dr. F e i t e 1 b e r g, Fritz N a p htali; das Auswärtige Amt war durch die Herren F.ciherr von R 1 c h t h 0 f e n und die Legationsräte Prof. Sobernheim und Dr. Z i e m k e vertreten. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, uaß das Komitee im letzten Jahr Kundgebungen in Leipzig, Kiel und Jena veranstaltet hat, die dazu dipnten, die deutsche Oeffentlichkeit über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina aufzuklären. Dem Komitee sind im abgelaufenen Jahr 44 Mitglieder neu beigetreten, die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 197. Graf Bernstorff wurde einstimmig wiederum zum Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Mitglieder de3 Präsidiums (Prof. Bredt M. d. R., Dr. Breitscheid M. d. R., Dr. Baeck, Ministerialdirektor Dr. Badt, Kurt. Blumenfeld, Regierungspräsident Dr. Hnussirr-in, Prof. Hoetzsch M. d. R., Prof. Haas M. d. R., Dr. v. V rdorff M. d. R., Freiherr von Richthofen, Geheimrat P of. Sellin, Legationsrat Prof. Sobernheim) wurden wiedergewählt. In den Ehreriausschuß, dem u. a. Ministerpräsident Braun, Reichstagspräsident Loebe und die Staatssekretäre Dr. Pünder, Dr. von Schubert und Dr. Weißmann angehören, wurde Herr Dr. h. c. Max Warburg (Hamburg) neu hinzpgewählt. wähl mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Sie konnte nicht gutheißen, daß ein 70jähriger Mann plötzlich Rabbiner wird, nicht von dem Wunsche geleitet, der geistige Führer seiner Gemeinde zu sein, sondern einzig und allein, um sich mit der Pairkrone zu schmücken. Nun ist aus der Sache ein'regelrechter Skandal geworden. Den Herren im ungarischen Oberhaus erschien die Angelegenheit doch einigermaßen bedenklich und sie wollen vorher noch das Gutachten des Justizministers und des Kultusministers eingeholt haben. Jedenfalls trägt die Angelegenheit, die die Machenschaften der kulturfeindlichen ungarischen Orthodoxie, der selbst die Aguda zu unfromm erscheint, nicht dazu bei, das Ansehen des Judentums nach außen hin zu erhöhen. Denn was sollen sich die Ungarn denken, wenn sie sehen, daß die Rabbinatswürde nur als Sprungbrett für die Erreichung der Senatorschaft dient? Eine besondere Pikanterie der Angelegenheit ist, daß die Einpeitscher von Frankl seinerzeit vor der Wahl damit argumentiert haben, daß die Regierungsmitglieder und die ausschlaggebenden Faktoren des Kultusministeriums seine Wahl der Judenheit geradezu nahegelegt haben. Das zionistische Organ «Zsido Szemle» bezeichnet den Fall als einen «chilul haschem». J. H. 1RADIOANLAGE Celestion - Lautsprecher — seit Jahren die führenden. INGENIEURE K RIS C H K E R & N EII O D Ä Wien, VIL, Halbgasse z. Telephon B-38-foo Serie. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung hielt Herr Dr. Victor Jacobson, Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, einen mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag über «Pro Palästina-Bewegung, Zionismus und Völkerbund». Gedenksteinweihe an den Gräbern der Hebron-Opfer Jerusalem. (J. T. A.) 60 jüdische Einwohner von Hebron, dessen gesamte jüdische Bevölkerung nach den August-Massakers nach Jerusalem floh, besuchten am 11. Februar Hebron, um die Gedenksteine über den Gräbern der während der Massakers getöteten Juden einzuweihen und um die in den jüdischen Häusern zurückgebliebenen Kleider und andere blutbefleckte Gegenstände zu begraben. Seit den Massakers beherbergte Hebron nur 15 jüdische Arbeiter, die mit der Herstellung der zahlreichen Grabsteine für die jüdischen Opfer beschäftigt waren, und einen jüdischen Polizisten, der diesen Arbeitern zur Sicherheit beigegeben worden war. Den zurückkehrenden jüdischen Einwohnern wurde nicht erlaubt, die Höhle Machpelah zu besuchen, in der sich laut der Bibel die Gräber der Erzväter und Erzmütter befinden, weil der Polizeiinspektor Lamont einen Angriff der Araber auf die die Höhle besuchenden Juden befürchtete. Araber aus Hebron haben sich in den Besitz der von den Tuden verlassenen Böden gesetzt, wobei sie behaupten, daß sie nun durch Gebrauch Rechte auf diese Böden erworben haben. Die englische Regierung unterstützt die Schlaclitbill nicht London. (J. T. A.) Auf eine Anfrage des Oberstleutnants Moore, der die von den Tierschutzvereinen ausgearbeitete Bill über humanes Schlachten der Tiere Im Unterhaus eingebracht hat, erwiderte Ministerpräsident Macdonald Im Unterhaus, die Regierung sei zu diesem Zeitpunkte nicht geneigt, die Schlachtbill zu unterstützen. Fragen der Sicherheit Palästinas vor dem Unterhaus Graf Winterton richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob die Prevention of Crimes Ordinance (Verordnung zur Verhütung von Verbrechen) immer noch in Palästina in Kraft ist und wieviele Personen wegen Vergehen im Zusammenhang mit den August-Unruhen in Palästina abgeurteilt worden sind, und zwar wieviele gemäß normalem Landesrecht und wieviele gemäß der Prevention of Crimes Ordinance. Dr. Shiels, Unterstaatssekretär für die Kolonien, er widerte: Bis heute wurden in Palästina 1094 Personen abgeurteilt, davon 40 durch das Kriminal-Assisengericht, 200 durch die Distriktsgerichte, der Rest durch summarische Rechtsprechung. Ich kann nicht angeben, wieviele gemäß der Prevention of Crimes Ordinance abgeurteilt wurden. Howard-Bury fragte, ob Dr. Shiels wisse, daß die Weitergeltung dieser Ordinance Anlaß zu Beunruhigung gibt, da Menschen verhaftet und abgcurteilt werden, ohne daß ein Anwalt sie verteidigt. Dr. Shiels erwiderte, er sei in der Lage, sich auf eine anerkannte Autorität zu stützen, die das Gegenteil feststellt. Marcus, ein jüdisches Mitglied der Arbeiterpartei, fragte Dr. Shiels, ob er die Zahl der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Palästina-Polizei zur Zeit des Ausbruches der August-Unruhen sowie deren Zusammensetzung nach der Zahl von Christen, Moslemiten und Juden angeben könne. Dr. Shiels erwiderte, er verfüge nicht über genaue Zahlen; es würden wohl dieselben Ziffern sein wie Ende 1928: 119 Offiziere, 1430 Unteroffiziere und Mannschaften. Von den Offizieren waren 62 Christen, 41 Moslemiten und 15 Juden, einer gehörte einer anderen Konfession an; von den Unteroffizieren und Mannschaften waren Ende 1928: 389 Christen, 849 Moslemiten, 196 Juden, 5 Angehörige anderer Konfessionen. (J. T.-A.) Wiedereröffnung RESTAURANT „S A LITER“ 9. Bezirk. Tandelmarb tgaase 94 Reichhaltiges Hunft mit 8 Rtiilnaeu und Mehlspeise ö l’öO und S l 80 n ieh Wahl)