Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 113 (13.2.1930)
- Date
- 1930-02-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 119 Festsaal Hotel Continental, II., Taborstr. 4, Dienstag, den 18. Februar, Va9 Uhr abends » WoMtätigäeitsttünst [er aftademie mit anschließendem Tanz Es wirken mit u. a Adele Bauminger, Edith RornblQ'h (Trio), Heddy Rieger (Komödie1. Ch Gi.impietro, Dr. Robert Weil (Homunkulusj, Max Brod Kapelle: The Galantai Jazz / Das Kein*» erträgnis fließt dem unentgeltlichen täglichen Ausspeisufigs» P verein „Seudath Sabbatn“ zu Der jüdische Polizist Hinkins zum Tode verurteilt Jerusalem, 5. Februar. (J. T. A.) Am 5. Februar sprach das Gericht in Jaffa das Urteil in dein Prozeß gegen den Polizeimann Hinkis aus Tel-Aviv, dem die Anklage zur Last legt, daß er am 25. August in der Gegend zwischen Jaffa und Tel-Aviv als der Führer einer erregten jüdischen Gruppe in ein arabisches Haus eindrang, wobei fünf der Insassen des Hauses getötet und zwei verwundet wurden. Das Gericht erkannte Hinkis für schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Gegen das Todesurteil wurde Revision eingelegt Der 25. August 1929 war ein trauriger Tag für die Städte Jaffa und Tel-Aviv. Erregt durch die Vorgänge in Jerusalem, sammelten sich arabische Gruppen auf dem arabischen Friedhof in der Nähe von Tei-Aviv an. Britische Po! zel, die annahm, daß die Araber in Tel- Aviv eindringen wollten, schossen auf die Menge, wodurch einige Araber getötet und verletzt wurden. Es kam dann zu verschiedentlichen Angriffen von Arabern auf Juden in Jaffa. Eine Gruppe junger Juden aus Tel- Aviv unter der Führung von Benjamin Goldberg, dem Sohne des Führers der russischen Zionisten, Isaac Goldberg, begab sich an einen Punkt zwischen Tel- Aviv und Mikweh Israel, um eine dort in eine gefährliche Lage geratene Gruppe jüdischer Arbeiter zu retten. Sie irrten vom Wege ab, wurden von Arabern überfallen und beschossen, wobei Goldberg und drei seiner Genossen getötet, fünf andere Angehörige der jüdischen Gruppe schwer verletzt wurden. Die Anklage nimmt an, daß Hinkis, als er von diesem Vorfall hörte, die Polizeiuniform auszog, Ziviikleider anlegte, un-d mit einigen anderen jungen Juden die Mordtaten ausführte. Der zum Tode verurteilte Hinkis ist erst 23 Jahre alt. Aus R 0 w n o wird berichtet: Die hier lebenden Eltern Hinkins richteten an ihren Sohn einen Brief, in dem sie ihn trösten und ermutigen, a/uszuharren, da das Appelationsgericht ihm sicherlich zu seinem Reoht verhelfen werde. Die Führer der Revisionisten über ihre Versuche, eine zionistische Einheitsfront zu schaffen In einer von den Revisionisten einberufenen Pressekonferenz in London gaben die revisionistischen Führer Wladimir Jabotinsky und Meer Großmann Erklärungen über die Politik der Union der Zionisten-Revisionisten ab. Meir Großmann sprach über die Bemühungen der Revisionisten, eine zionistische. Einheitsfront herzustellen. Die Revisionisten Laben der Exekutive zwei Vorschläge unterbreitet: Einberufung des 17. Zionietenkongresses in einem der nächsten Monate; ferner Schaffung eines politischen Notstandskomitees zur Führung der gesamten politischen Arbeit, und zwar sollte dieses Komitee zu gleichen Teilen aus Vertretern der gegenwärtigen zionistischen Exekutive und aus Vertretern der Opposition bestehen nebst einem weiteren Mitglied, welches einmütig von beiden Parteien erwählt werden soll. In Beantwortung einer an ihn gestellten Frage, ob in den letzten Tagen Besprechungen zwischen Revisionisten und zionistischer Exekutive über die Bildung einer Einheitsfront stattgefunden haben, sagte Meir Großmann, er könne nur soviel verraten, daß Besprechungen stattgefunden haben, die sich auf die politische Lage des Zionismus und die innere Lage der Bewegung bezogen. Jabotinsky schilderte dann seine während seines Palästinabesuches im Dezember v. J. gewonnenen Eindrücke. Der Jischuw, sagte er, hat erwartet, daß einige einflußreiche Beamte vor die Kommission geladen und veranlaßt werden würden, offen zuzugeben, daß sie im Grund ihres Herzens gegen die Balfour-Deklaration und gegen die zionistische Politik sind. Durch ihre Vernehmung wäre bewiesen worden, daß ein Widerspruch besteht zwischen dem britischen Gelöbnis und dem praktischen Regime. Statt nun auf diese Weise das Regime zu zwingen, sich zu demaskieren, ist der jüdische Fall in einem Geiste geführt worden als ob man sich zu verteidigen hätte. Wieder er öffnaag RESTAURANT „SAllTBR" 8. Bezirk, Tandelmarktgane 84 Reichhaltige» Meofi mit 8 Kellageo und Meblapeiae Ö l’6Ö and S t'80 n ich Wahl) Die Wo die Warschau. Anläßlich der Anwesenheit des Rabbi Meir Berlin fand eine vertrauliche Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation Polens statt in der Rabbi Berlin und Sokolow über die gegenwärtige Lage in Palästina und in der Zionistischen Weltorganisation berichteten. Rabbi Berlin besuchte auch den Rabbiner Chofez Chaim, der ihn bat, dem jüdischen Jischuw seine herzlichsten Grüße zu übermitteln. — Eine Rabbinerdelegation besuchte den polnischen Ministeroräsidenten Bartel und überbrachte ihm die Wünsche der Rabbinerkonferenz. — Hier wurde eine neue «Orl»-Fachschule für Tischlerei errichtet. Das hiezu notwendige Geld stellte der jüdische Gutsbesitzer Adolf Spielvogel zur Verfügung. — Anläßlich der Budgetberatung im Sejm hilt der jüdische Abgeordnete Heller eine große Rede, in der er das Recht der Juden auf Arbeit betonte und aut die katastrophale wirtschaftliche Lage der polnischen Judenheit hinwies. Er verlangte vom Arbeitsministerium entsprechende Maßnahmen zur Linderung der jüdischen Not und Ueberführung der Juden zu produktiver Arbeit in Stadt und Land. — Berlin. Der bekannte jüdische Geschäftsmann Oskar Heimann, Mitinhaber des Modenhauses R. Maaßen, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. — Die 5. Reichskonferenz des Verbandes ostjiidischer Organisationen in Deutschland findet Sonntag, den 23. Februar 1930, in Hannover statt. -- Das europäische Bureau der amerikanisch-jüdischen Vanderer- Hilfs- und Schutzgesellschaft «Hins» übersiedelt Ende April nach Warschau. Die genannte Gesellschaft hat ois heute 30,000.000 Dollar von amerikanisenen Juden an ihre europäischen Verwandten übermittelt und in zahlreichen Fällen jüdischen Emigranten Hilfe zukommen lassen. — An der Hochschule für Wissenschaft des Judentums hielt, der bekannte Bibelkenner, der protestantische Theologe Prof. Berthold, einen Vortrag über den «Opfergedanken in der Religion». — Die vor kurzem tagende Sitzung der Direktoren der American-Joint-Reconstruction-Foundation hat sich eingehend mit der Lage des jüdischen Kreditgenossenschafts- I wesens in Polen und Rumänien beschäftigt. Die Tagung schlägt dem Council des American Joint vor, neue Kredite für die Genossenschaften in Höhe von 250.000 Dollar bereit f zu stellen. — Der deutsche Landesverband «Ose» hat einen Werbeausschuß gebildet, dem eine Reihe prominenter Persönlichkeiten angehören. — Die Vereinigung jüdischer Akademiker veranstaltete im Februar eine große öffentliche Kundgebung der thoratreuen Akademiker, bei der Rabbiner Dr. Munk über «wissenschaftlichen Antisemitismus» gesprochen hat. — Der bekannte Kunsthistoriker und Theaterkritiker des Ullstein-Verlages, Dr. Max Osborn, feierte am 10. Februar seinen 80. Geburtstag. — Johannesburg. Der Generalkommanddeur von Südafrika, Graf Athlon, enthüllte die Gedenktafel für die während des Weltkrieges gefallenen jüdischen Soldaten. — Kapstadt. Die Judenheit Südafrikas protestierte auf das schärfste gegen die geplante Einwanderungseinschränkung. Oberst Wedgewood, der zurzeit in Südafrika weilt, riciitet an die Juden die Aufforderung, gegen Bill zu kämpfen. — Alexandrien. Hier wurde ein «Ort-Ose- Emigdirect»-Komitee unter dem Protektorat des Großrabbiners Prof. Dawid Prato eingesetzt, das eine Aktion durchführt. _ Reval. Zurzeit werden hier Aktionen für den Ort-Öse in Estland und Finnland durchgeführt. — Kairo. Gemäß einer Order des Innenministers wurden in Aegypten 500 Exemplare einer antijüdischen arabischen Broschüre beschlagnahmt. — Danzig. Der Präsident der Deutschen Zionistischen Organisation, Kurt Blumenfeld, hat hier die diesjährige Keren-Hajessod-Aktion eröffnet. — London. Am Begräbnis von Lady Reading nahmen mehrere bedeutende englische Staatsmänner teil. Der gegenwärtige Vizekönig von Indien, Lord Irvin, übermittelte eine Botschaft, daß zahllose Menschen in Indien Ursache haben, Lady Readings Namen in liebevoller und dankbarer Erinnerung zu bewahren. — Bei einem anläßlich des 70jährigen Bestehens der Londoner jüdischen Armenbehörde veranstalteten Diner wurden Uber 50.000 Pfund aufgebracht. — Saloniki. An der griechischen Universität wird demnächst ein Institut für jüdische Studien, das der Universität direkt angegliedert sein soll, geschaffen. Ueber Auftrag der Regierung werden bereits in den jüdischen Gemeinden von Mazedonien und Trazien Hörer aufgenommen. — Budapest. Der bekannte Orientaiist und Universitätsprofessor Dr. Ignaz Kunos hat an der Universität sein 80. Vortragssemester begonnen. — München. Ab 1. März wird eine neue Ausgabe des «Völkischen Beobachters» in Groß-Berlin im Umfange von acht Seiten täglich erscheinen. — San Remo. Das Weltschachturnier in San Remo ist bereits zu Ende gegangen. Den zweiten Preis erhielt der jüdische Schachmeister Niemzowicz mit 10'/? Punkten. — Paris. Die Emigrationsvereinigung «Hias-lca-Emigdirect-» teilt mit, daß die Lage für jüdische Einwanderer in Brasilien noch immer ungünstig sei. — New York. Im Alter von 80 Jahren starb in Bayonne (New-Jersey) Rabbi judelowitsch, der frühere Präsident der Vereinigung jüdischer Geistlicher in Amerika. — Im Jahre 1929 spendeten die amerikanischen Juden 51 Millionen Dollar filr wohltätige Zwecke. Hie/on 7 Millionen für Palästina-Aufbau und WV? Millionen für soziale Fürsorgeanstalten in Europa. — Prag. Am 2. Februar wurde hier das erste jüdische Volkshaus (Beth Haam) er- : öffnet. — New York. Felix Warburg hat für den 8. März nach Washington die «Nationale Konferenz» einberufen. Diese Konferenz wird das Programm für die vereinigte 6-Millionen-Dollar-Kampagne für die Jewish Agency und den Joint ausarbeiten. AAAAAAAAAAAAAAAAAAA Die Palästina-Regierung bestätigt die Wahlordnung der Jüdischen Nationalversammlung Jerusalem, 5. Februar. (J. T. A.) Die Palästina- Regierung hat die ihr vorgelegten Bestimmungen über die Wahlen zur Asserat Haniwcharim (Jüdische Nationalversammlung Palästinas) gutgeheißen. Die Jüdische Nationalversammlung ist eine legale Vertretung der palästinensischen Judenheit auf Grund der am 1. Jänner 1928 verkündeten Verordnung über die Organisation der Jüdischen Gemeinden. Gemäß der Wahlordnung hat jedes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft (Knesseth Israel), das ein Alter von 20 Jahren erreicht hat, aktives, jedes Mitglied über 25 Jahren passives Wahlrecht zur Nationalversammlung. Wahlrecht ha-ben auch nichtpalästinensische Staatsangehörige. Gemäß der Verordnung müssen die Wahlen innerhalb sechs Monaten nach Gutheißung der Wahlordnung durch die Regi°rung stattfinden. Vor einer jüdisch-arabischen Verständigung? London. Die hiesige jüdische Zeitung «Die Post» meldet aus einer angeblich gut informierten Quelle, daß die Zionistische Exekutive beschlossen hat, Friedensverhandlungen mit den Arabern einzuleiten. Als Vermittler wurde der englische Premierminister Macdonald eingeladen. Weizmann soll persönlich Macdonald ersucht haben, die Mittlerrolle zu übernehmen. Innerhalb der zionistischen Exekutive treten einzelne Mitglieder für Konzessionen an die Araber ein u. zw. für die Forderung der Schaffung eines Parlamentes in Palästina. Ein großer Teil der Exekutive bekämpft diese Stellungnahme. Es verlautet, daß die Araber indirekt bekannt gegeben haben, sie seien für Friedensverhandlungen, jedoch nur auf Grundlage der Zubilligung eines Parlamentes und des Verzichtes auf alle Rechte an der Klagemauer. Die englische Regierung soll versprochen haben, im Falle einer Verständigung eine internationale Kommission ins Leben zu rufen, die die verschiedenen inneren Fragen Palästinas regeln soll. Als Vermittler zwischen den Zionisten und der englischen Regierung tritt Ing. Kaplansky auf, der von der Labour Regierung als Vertreter der jüdischen Labour Party angesehen wird. Die Redaktion der Zeitung «Die Post» teilt mit, daß sie diese überaus sensationellen Mitteilungen auf Verantwortung einer zionistischen Persönlichkeit, deren Namen über deren Wunsch nicht genannt werden darf, zum Abdruck bringt. (Wir bringen diese Nachricht auf Verantwortung der «Post». An kompetenter Stelle, an die wir unsere diesbezügliche Anfrage richteten, ist hievon nichts bekannt Anm. d. Red.). Dr. Cyrus Adler Wie wir'bereits meldeten, wurde an Stelle des verstorbenen Louis Marshail zum Präsidenten des amerikanischjüdischen Komitees Dr. Cyrus Adler gewählt. Dr. Cyrus Adler, der am 13. September 1863 im Staate Akansas geboren wurde, genoß seine Erziehung in Amerika und begann seine Laufbahn als Lehrer semitischer Sprachen im Jahre 1887 an der John-Hopkins-Universität. Sodann war er in den Jahren 1892 bis 1908 als Bibliothekar und Sekretär am Smithsonian-Institut in Washington und als Kurator für historische Archäologie und Religionswissenschaft am Nationalmuseum der Vereinigten Staaten tätig. 1908 wurde er Präsident der Dropsie-Hochschule für hebräische und ihr verwandte Sprachwissenschaften in Philadelphia sowie Präsident des Jüdischen Theologischen Seminars in New York. Dr. Adler unternahm auch zahlreiche Reisen nach dem Orient, über die er in wissenschaftlichen Arbeiten berichtete. Fr hat auch eine Reihe wertvoller historischer Arbeiten zur Geschichte der Juden in Amerika veröffentlicht. Seit 1899 gibt er alfjährlich das Amerikanisch-Jüdische Jahrbuch heraus. Vor kurzem erschien von ihm eine Monographie über Jakob M. Schiff. Nebst seinen wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeiten zeigt Adler großes Interesse für die politische Lage der Juden und nimmt seit Jahren aktiven Anteil an den Arbeiten des American Jewish Committees. Zwischen den Zeilen Die Kunst stelle und die „anderen Leute“ Der «Schubertbundn veranstaltet alljährlich seinen beliebten Faschingsabend. Auch heuer. Die Kunststelle gibt an ihre Mitglieder ermäßigte Eintrittskarten zu Theatervorstellungen, Redouten etc. aus. Auch zu den «Schubertbund»-Abenden. Einige jüdische Beamte einer Wiener Großbank wollten die diesjährige «Schubert bundn-Veranstaltung besuchen und suchten bei der Kunststelle, der sie als Mitglieder angehören, um ermäßigte Karten an. Worauf sie die Antwort erhielten, daß für «andere Leute» keine Karten da seien. «Andere Leute» — neuartige, aber prägnante Bezeichnung. «Andere Leuten — schleichendes Gift des Antisemitismus. Sub specle aeternltatis mag diese ganze Angelegenheit ziemlich belanglos sein; vom Standpunkte des niedrigen, kleinlichen Antisemitismus ist sie bezeichnend und verdient erwähnt zu werden. Bei jeder Gelegenheit, wo es gilt, Geld zu nehmen, sind die «anderen Leuten hoch in Ehren. Wenn es aber darum geht, ihnen eine Erleichterung zu gewähren, sind sie eben — «andere Leuten. Die jüdische Oeffentlichkeit wird sich die Handlungsweise des Schubertbundes merken. Sem. Montag, den 17. Februar 1930, V«9 Uhr abends, Caf6 Arkaden: Opposition und Mehrheit auf den drei Delegier tentaeen von Warschau, Jena, Brünn Referent! Josef Fränkel Diskussion Gäste willkommen I