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Die Stimme · 1930-02-13 · Heft 113 (13.2.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 113 (13.2.1930)
Date
1930-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Nr. 113 itriyiireffnri^iwrflprfriV1^^ Sette 4_Olt STIMME Nun begann erst die Kleinarbeit für die Realisierung. Ein minutiöses System wurde von Kremenezky erfunden, um die öffentliche Kontrolle über diese Gelder zu sichern. Wir können ruhig sagen; daß der Geist der strengen geschäftlichen Kontrolle, den Kremenezky eingeführt hat, bis zum heutigen Tage in der Verwaltung des Fonds herrscht. Wie sehr Kremenezky mit dem Keren Kajemeth verwachsen war, kann aus der Tatsache ersehen werden, daß der Jüdische Nationalfonds in den Zeiten Kremenezkys in Wi6n oft nicht anders genannt wurde als «Kremenationalfonds». Unvergessen wird es mir stets bleiben, wie Kremenezky uns, eine kleine Schar von Studenten — es waren damals 3 oder 4 — in die Türkenstraße 9 einlud und uns mit heiligem Ernst über die Ziele und die Arbeit des Keren Kajemeth informierte. Der Realist Kremenezky äußerte sich auch darin, daß er einer der ersten war, der es verstand, daß Zionismus ohne reale Arbeit in Palästina undenkbar sei. Man muß hiebei stets daran denken, daß Kremenezky, ein Mitarbeiter Herzls war, der jede positive Kolonisationsarbeit in Palästina vor ÖBfl RADIOANLAGEN Batterie- und Netzempfänger, Netzanoden, Lautsprecher INGENIEURE KRISCIIKER & NEHOD A Erlangung des Charters als «Infiltration» ansah und ablehnte. Wie sehr Kremenezkys Geist auf realistischen Zionismus eingestellt war, kann man aus folgender Episode ersehen. Es war zu meiner Studentenzeit in Wien. Ernst Müller hatte sich mit großer Liebe an die Uebersetzung von Bialik gemacht. Eines Tages bat er mich, ich möchte die Uebersetzung lesen und ihm meine Meinung sagen. Ich las sie und fand sie für die Veröffentlichung sehr geeignet. Nun aber entstand die Frage: Wo sollen wir Studenten die Mittel für den Druck hernehmen? Ich verfiel auf den Gedanken, Anteilscheine auszugeben und die Käufer derselben zu berechtigen, die Bialik-Uebersetzung zu sehr ermäßigtem Preise zu erhalten. Aber es war uns gleich klar, daß solche Anteilscheine von angesehenen, sozial hoch stehenden Männern miiunterfertigt sein müssen. Daraufhin begab ich mich im Verein mit Pickholz —- dem heutigen palästinensischen Agronomen :— zu Kremenezky. Kremenezky lehnte ab und zwai mit folgender Begründung: Wir hätten Dichter genug, wenn wir aber die Herausgabe eines naturwissenschaftlichen Lehrbuches in hebräischer Sprache veranlassen wollten, so sei er ganz für die Sache zu haben. Solche Bücher benötige Palästina dringend. Die Verwirklichung des Zionismus war für Kremenezky nie ein Problem, es war für ihn natürlich, ja selbstverständlich, daß die reale Arbeit für und in Palästina den zionistischen Traum realisieren wird. Diesen mit der tagtäglichen Arbeit für Erez Israel verbundenen Glauben zum Gemeingut aller Zionisten zu machen — heißt auch, schon den Zionismus realisieren. Dies wäre sicherlich auch der beste Dank für den Pionier Kremenezky. Die jüdische Kolonialbank bekommt 1,250.000 Pfund Ein Streitfall zwischen jüdischer Kolonialbank und JCA über eine Millionenhinterlassenschaft in Südafrika wird zugunsten der Kolonialbank entschieden 7. Februar 1930. Johannisburg (J. T. A.). Das Oberste Gericht der Provinz Natal, das in Pietermaritzburg tagt, hat den seit einigen Jahren schwebenden Streitfall zwischen Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolo nialbank) und Jewish Colonisation Association (JCA) betreffend die Hinterlassenschaft des im * September 1924 unverheiratet verstorbenen Albert 1 Salomon Nathan soeben zugunsten des Jewish Colonial Trust entschieden. In seinem Testament bestimmte Nathan, nachdem er verschiedene philantropische Institutionen in Südafrika und in Europa mit jährlich auszuzalilenden Legaten bedacht hat daß der Rest seines Vermögens in Höhe von 350.000 Pfund im 50. Jahre nach seinem Tode samt Zinsen und Gewinnen dem Jüdischen Kolonialverbande j übergeben werde, der aus dem Legat einen «Soiomon-Nathan-Fonds» zur «Landansiedlung von Juden in ihrer alten Heimat Palästina» schaffen soll. Die Summe ist in südafrikanischen Staatspapieren angelegt. Nach einer sorgfältigen Schätzung wird das Schirmgitter - Netzempfänger mit dynamischem Lautsprecher, Einknopfbedienung. INGENIEURE KRISCIIKER & NEHOD A Vermögen im Jahre 1974 nicht weniger als 1,250.000 Pfund betragen. Es entstand ein Zweifel darüber, welchen jüdischen Kolonialverband Nathan gemeint haben könne: den Jewish Colonial Trust, der ein Instrument der zionistischen Bewegung ist, öder die Jewish Colomsation Association. Die südafrikanische zionistische Föderation vertrat gegenüber dem Gericht die Interessen des Jewish Colonial Trust und war bemüht nachzuweisen, daß. Nathan eine andere Körperschaft gar nicht gemeint haben konnte, da es ihm doch um die Ansiedlung von Juden in Palästina „zu tun war. Die «JCA» vertrat den Standpunkt, daß sie vor 1924 ebenfalls Kolonisationsarbeit in Palästina geleistet habe und Nathan sie gemeint haben konnte. Ein Neffe des verstorbenen Nathan bestritt die Ansprüche. beider Körperschaften Und vertrat den Standpunkt, daß Wegen der falschen Bezeichnung das Vermächtnis nichtig sei und die Summe der Famijie zufallen müßte. Erst im Oktober 1929 war das Oberste Gericht von Natal im Besitze der erforderlichen Aussagen und anderen Beweismaterials und am 5. Dezember und zwar durch die Richter F. S. Tatham und F. L. Matthews, an die Bearbeitung des: Materials und die Ausarbeitung des Urteils schreiten konnten und die Entscheidung zugunsten des Jewish Colonial Trust gefallen. Der J. C. T. wird im Jahre 1974 in den Besitz eines Vermögens von mindestens 1,250.000 Pfund gelangen, das dem Ansiedlungszweck in Palästina zur Verfügung stehen wird. Offizielle Mitteilung über die Verwendung des Pa lästiiia-Notfonds Eine offizielle Mitteilung des Londone Komitees des Palestine Emergency Fund (Palästina- Notfonds) besagt: In den letzten Monaten haben sich die Mitglieder des Londoner .;Ko'uu1ee$ des Palestine Emergency Fund eingehend mit Vorschlägen über die Verwendung der Gelder de» Fonds befaßt; die Vorschläge wurden vürt dem aus den Herren Ruthenberg, Hexter und Kisch bestellenden Sonderkomitee in Palästina unterbreitet, das zur Verwaltung des Fonds eingesetzt wurde und als die vollziehende Autorität in Palästina zu belrachicn ist. Das Londoner Komitee stand in ständigem Kontakt mit den Mitgliedern des Palestine Emergency Fund in New York; sein Leibprinzip war, daß alle ihm zur 'Erwägung unterbreiteten Pläne nur Hilfe zum Wiederaufbau zum Gegenstand haben müsse. Es ist derzeit noch nicht möglicheren vollständigen Plan für Zuwendungen aus dem Notfonds bekannt zu geben, vorläufig hat das Londoner Komitee in uebereinstimmung mit dem Komitee in New York die folgenden Zuwendungen definitiv gutgeheißen* 1 Konstruktive und Nothilfe 130.000 Pfund; 2. Wiederaufbau der Kolonien Kfar Uriah, Hulda, Harturf, Beer' Tuwiah, Moza, Kalandiah 65.000 Pfund; 3. Safed 25.000 Pfund; 4. Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage in Haifa. lind in Jerusalem, insbesondere in Verbindung mit Wohnbauprojekten 50.000 Pfund; 5. Straßen, Telephon; Einfriedungen, Zentralbauten, Bodenkauf usw., Kredite für Handel und Industrie (um Kaufleuten und Händlern, die durch die jüngsten Unruhen und den nachfolgenden Boykott geschädigt wurden, durch Darlehen zu verhelfen, daß sie ihre frühere Position wiedererlannen) 109.500 Pfund. INGENIEURE K RIS CIIK ER & N EII O DA Wien, VII., Halbgasse 2. Telephon B-38-joo Serie. MMnirtaMHnanmMHmiinnaHMaMMMBBMBani Erörtert wurde uie rrage der Entschädigung und individuellen Wiederaufrichtung als Ergänzung der von der Regierung geleisteten Entschädigung; es wurde aber von einer Beschlußfassung bis zum Zeitpunkt des Abschlusses der Verhandlungen mit der Regierung abgesehen. Das Komitee wartet noch Immer auf definitiv^ Vorschläge bezüglich Hebrons; es hofft, bald einen diesbezüglichen Beschluß mitteilen zu können. Die Arbeit in Palästina schreitet friedlich vorwärts. Die Herren Hoofien, Mohl.und Goldwater, die die jüdischen Finanzinstitutionen repräsentieren,. beraten und unterstützen das Komitee des Emergency Fund in Palästina in der Gewährung-von Darlehen an jene mit Handel und Industrie sich befassenden Juden, die entweder direkt unter den Unruhen öder durch den Unruhen gefolgten Boykott gelitten haben. Es besteht der Plan, den Wiederaufbau von Safed nach doppelter Richtung zu vollziehen: In der Altstadt wird ein. jüdisches Handelsviertel erbaut, auf freiem Gelände außerhalb der überfüllten Stadt wird ein neues Wohnviertel errichtet werden. Es wird erwartet, daß Ende Februar alle Hilfskomitees in Palästina werden schließen können; mit Ausnahme vielleicht von der Hilfeleistung an die Hebron-Juden, die wohl noch weiter andauern wird. Wien, VIL, Hafbgasse 2. Telephon B-38-joo Serie. n^r) RAD IO AN LAG EN Wien, VIT., HaUwasse 2. Telephon Serie. TRADIOANLAGEN Celestion - Lautsprecher — seit Jahren die führenden. Perez Smolenskin Anläßlich des 45. Todestages am 16. Schwath Gehörtes und Erlebtes Von Dr. David Rothblum Salomon Rubin, dem Göttingens deutsche Universität die Studie «Spinoza und Maimonides» mit der Verleihung des Doktorhutes quittierte, hatte das Alter des Psalmisten bereits überschritten, als es mir vergönnt war, seine Bekanntschaft zu machen. An schönen Sommertagen pflegte er, der fast zur Gänze Erblindete, in den altehrwürdigen «Plantationen» meiner Vaterstadt Krakau auf einer Bank zu sitzen und gerne mit Bekannten über Vergangenes zu plaudern. Diese Unterhaltungen mit ihm waren ebenso lehrreich wie ergötzlich. Denn er war der Odysseus der Haskalahzeit, viel gereist, verfolgt, erfahren, sah die Dinge mit dem Auge des Philosophen, Kritikers, praktisch geschulten Kaufmannes und blickte auf eine Welt von Ereignissen zurück, an denen er in Geschichte und Literatur werktätigen Anteil genommen hat. Die Literatur ist ihm nicht ganz gerecht geworden, noch ist der Künder seiner Bedeutung für unsere Wissenschaft nicht erstanden. Wir unterhielten uns eines Tages über Religion und Religionsstifter. Da fiel der Name jenes Josef Rabinowitz, der in Rußland eine neujüdische Sekte gründete, später in Berlin zum Protestantismus überging und zu Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen Brief an Lawrence | Oliphant richtete, der eine Zeit lang von ihm in der Oeffentlichkeit reden machte. Oliphant, ein Engländer, war Glaubensschwärmer, Globetrotter, Politiker und Gelehrter in einer Person, begeisterte sich für das jüdische Volk und strebte eine Art öffentlich-rechtliche Heimstätte für die Juden in Transjordanien an. Er hat sich hiebei politischer Mittel bedient, die aber zu keinem Ziele führten. Er zog als Christ mit der ersten Aliah ins Heilige Land. Dorthin schrieb ihm Rabinowitz den erwähnten Brief, in dem er die Propagierung eines neuen jüdisch-christlichen Glaubens in Palästina anregte. Lawrence Oliphant nahm den Schreiber nicht ernst. Der Brief aber erregte vorübergehend großes Aufsehen. Von Oliphant auf Smolenskin zu kommen war eine auf der Hand liegende Ideenassoziation. War doch Smolenskin von den Ideen des Engländers berauscht. Kaum aber fiel der Name des großen Hebräers, da war er auch nicht mehr aus der Unterhaltung zu bannen. Für Rubin, den abstrakten Denker lag Smolenskins Bedeutung in der Aufklärungsarbeit, die in den Schriften und Werken des größten hebräischen Schriftstellers jener Zeit geleistet wurde. Gerade das, was die spätere Kritik Smo lenskin als Mangel ankreidete, nämlich die Didaktik, die Predigt, die Belehrungs- und Aufklärungstendenz, die sich in jedem Romane, in jeder Erzählung vordrängte und sehr häufig das künstlerische des Werkes verdrängte, hat Rubin als die stärkste Seife des Talentes bei Smolenskjn hervorgehoben. Smolenskin war für ihn Wegweiser, Lehrer, Aufklärer, seelischer Befreier und Zerstörer von Aberwitz und Aberglauben, kurz Bahnbrecher seiner Zeit für das in der Dunkelheit wandelnde jüdische Volk. Und wie unterschieden sich die haskalischen Tendenzen dieses Mannes von den ähnlichen Bestrebungen bedeutender Persönlichkeiten jener Zeit! Diese zerstörten, vernichteten, verrissen Altes und Ueberkommenes und vermochten nichts dafür zu gebender aber gab dem Ghetto einen neuen Glauben. Er warf das Wort von der Heimat in die Judengasse und verankerte so Palästina in der Gallith. Er redete vorn Hebräischen als von der eigenen Sprache, sprach von der jüdischen Kultur wie von einem unvergleichlichen Schatz und das Wort Jude erklang in seinem Munde wie ein Ehrentitel. Als Rubin auf die nationale Tätigkeit Smolenskins zu sprechen kam, wurde - er warm und begeistert. Er, der klassische Vertreter der verklingenden Haskalahzeit, war selbst kein Zerstörer und er vermied es peinlich bei Behandlung philosophischer und religiöser Themen irgendwie das Empfinden gläubiger Juden zu verletzen. Er war der taktvollste Maskil seiner Zeit. Daher war ihm die positive Seite in Smolenskins Wirken seelenverwandt. Er selbst glaubte an ein geistig freies, von seelischer und materieller Sklaverei gereinigtes Zion; an die verheißene messianisclie Zeit uncl war überzeugt, daß nur der «Jischuw» sie zeitigen wird. Er bewunderte in Smolenskin den lauten Verkünder, den Rufer im Streite, den Mahner und unerschrockenen Kämpfer! - v. - Rubin und Smolenskin fanden sich noch auf einem anderen Gebiete: dem Schlachtfelde gegen ff

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