Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 113 (13.2.1930)
- Date
- 1930-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S€fte 2 PIE STIMME Nr 118 Caveant consules, caveat populusl Ohne Erfahrung, erschüttert durch die Pogrome und durch sie hellsehend geworden, begannen die Biliiim unser Werk in Erez Israel. Ohne Erfahrung, jedoch aus einem genialen Instinkt heraus, forderte Prof. Schapira einen nationalen Bodenfonds. Wie ein Nachtwandler erschien uns Jehoschua C-hankin, als er, ein Einsamer, Erez Israel durchmaß und Bodenkaufpläne schmiedete. In der Zeit der großen Herzischen Hoffnungen „versteifte“ sich Johann Kremen e z k y auf die Schaffung des Keren Kajemeth und als ihm nichts übrig blieb, erkämpfte er sich ihn mit — Tränen. Wie ein liebes Spielzeug behandelten wir vor dem Krieg unser einziges Kind, den Jüdischen Nationalfonds. Nach dem Kriege nahm ihn der große Kämpfer Ussischkin unter seine Fittiche — wie ein Löwe kämpfte er um sein Kind. In den Nachkriegsjahren verkündete Jizchak Wilkansky eine „verrückte“ Idee: Die Verkürzung unserer Front in Erez Israel. Alles, alles müsse von uns zurückgestellt und nur eines gepflegt werden: Boden kauf, Boden fürs Volk. Alles kann warten. Der Boden kann nicht warten. Ussischkin und Wilkansky wurden nicht verstanden. Höchstens stritten wir darum, was wichtiger sei: Privater oder nationaler Bodenerwerb. Wenn aber das jüdische Volk, wenn wir Zionisten nicht hören wollten, so hörte es doch ein anderer. Es hörte und es verstand der lateinische Patriarch von Jerusalem. Während wir uns weidlich zankten — erwarb er Boden. Rasch, Schlag auf Schlag. 30.000 Dunam nennt er bereits sein eigen. Vielleicht aincLs, während wir schreiben, schon mehr... * Ja, es iet Zeit, daß die breite zionistische Masse aufhorche, daß unsere Führer allerorten, in jeder zionistischen Zelle nachdenken und nach den gegebenen Umständen handeln. Der außerordentliche Zionistische Parteirat wird sich Samstag abends mit dieser Frage, nur mit ihr, zu befassen haben. Diese Tagung wird also zum erstenmal sich ernstlich und ausschließlich mit dem leider in seiner Art unerwartet brennend gewordenen Bodenproblem zu beschäftigen haben. Denn es ist klar oder es muß klar werden: Der Keren Kajemeth ist heute nicht das, was er vor dem Kriege war, und muß auch zu etwas anderem werden als er es nach dem Kriege wurde. Was war er vor dem Kriege? Wir sagten es oben; er war unser aller Liebkind. Wir hatten wenig Beschäftigung. Palästina war keine Realität, wir waren froh, unserem einzigen Fonds Liebesdienste erweisen zu können. Wir konnten für 20 Heller ewiges Gedenken erringen, als Spender in der „Welt“ gedruckt werden. Nach dem Kriege wurde wieder der Keren Kajemeth immer mehr in den Hintergrund geschoben. Es wurde der Keren Hajessod geschaffen. Der Gruppenzersplitterung folgte auch die finanzielle. Es bestehen heute beinahe Spezialfonds für alle zionistischen Gruppen. Und was ist die Folge? Nun, die oben geschilderten, von Grund aus geänderten Verhältnisse am Bodenmarkt in Erez Israel. Welche Konsequenzen wird die Bewegung zu ziehen haben? Die blutig ernste Verantwortung jedes einzelnen Zionisten für dasSchicksal des Bodenfonds zu wecken. Der Keren Kajemeth muß durch unsere Bewegung zum Eckpfeiler unserer Volksarbeit werden. Wird es dem Parteirat gelingen, unseren Freunden über die Situation die Augen zu öffnen, so wird er hiedurch eine gewaltige Aufgabe allen Gruppen, jedem einzelnen Zionisten stellen. Diese Aufgabe wird alle Kleinigkeiten, die uns trennen, verschwinden machen und die Zionisten einer Einigung näherbringon. t. Rabbi Meir Berlin Aber aktuelle Palästinafragen Rabbi Meir Berlin, Präsident des Weltmisrachi, Mitglied der Zionistischen Exekutive und Vorsitzender des Hilfskomitees für die Opfer der Palästina-Unruhen, weilte in diesen Tagen, aus Palästina kommend, in Berlin. Er empfing den Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur und äußerte sich ihm gegenüber über aktuelle Fragen Palästinas und des Zionismus. Auf die Frage, wie augenblicklich die Lage in Palästina ist, erwiderte Rabbi Berlin: Die Lage im allgemeinen ist viel ruhiger und viel sicherer als man es sich hier Im Auslande vorstelh. Die Angst vor der Unsicherheit im Lande ist geschwunden, die Wege sind vollkomen frei und sicher. Die Regierung hat in der letzten Zeit viel energischere Maßregeln getroffen, als dies früher der Fall war. Die Londoner Regierung hat einen höheren Polizeibeamten nach Erez Israel beordert, sowie eine Anzahl Schutzpolizisten. Das Leben ist wieder normal geworden, die Chanukahtage sind sogar in sehr frohe/ Stimmung zugebracht worden und in diesem Sinne kann man die traurigen Aw- Tage als überwunden betrachten. Hinsichtlich der ökonomischen Lage bleibt natürdch viel zu wünschen übrig; besonders was die jüdischen Händler in der Jerusalemer Altstadt und die Fabrikanten in Tel Aviv anbetrifft. Der Boykott nat in Jaffa und Haifa nachgelassen, aber in Jerusalem ist er immer noch sehr fühlbar und bedauerlicherweise hat die Regierung bis heute noch keine energischen Schritte in dieser Sache unternommen. Man bemüht sich darum in London und eine Besserung ist zu erwarten. Teilweise ist der Boykuit in Jerusalem dadurch verstärkt worden, daß sehr viele Juden aus der Altstadt nach den neuen Vierteln verzogen sind und auch ihre Geschäfte dorthin übertragen haben, die Araber kommen aber dorthin nicht zum Einkauf. Was die Fabrikation in Tel Aviv anbetrifft, so ist hier der Boykott dadurch besonders fühlbar, daß viele Geschäftsleute aus Syrien, Transjordanien una Irak unter dem Einfluß des Boykotts ihre Bestellungen zurückgezogen haben. In letzter Zeit ist jedoch auch nach dieser Richtung eine gewisse Besserung eingetreten und zwar durch die ökonomische Tatsache, daß die Erez-Israel-Fabrikate gegenüber der Ware, die aus dem Auslande kommt, konkurrenzfähig sind und dadurch, daß trotz der kritischen Umstände sich der ägyptische Markt den Erez-Israel-Fabrikaten eröffnet hat. Man erhält in letzter Zeit viel Bestellungen aus Cairo und Alexandrien. Abgesehen von den Geschäften, die durch den Boykott mehr oder weniger leiden, ist im allgemeinen die ökonomische Lage zufriedenstellend. Es gibt kaum Arbeitslose, es werden neue Orangengärten gepflanzt, viele Häuser gebaut. Die Chaluzim, die in letzter Zeit ins Land kamen, sind im Verlauf von drei Tagen nach ihrer Ankunft der Arbeit zugeführt worden. Was halten Sie von den neuen Landankäufen des lateinischen Patriarchats? Die Tatsache, daß eine nicht jüdische Macht große Landstrecken an sich bringt, ist für uns eine recht bedenkliche Angelegenheit, insbesondere wo es sich um Landflächen handelt, die zwischen jüdischen Siedlungen liegen. Während die allgemeine Lage in Erez Israel nicht schlecht ist, ist der Zustand der zionistischen Fonds, sowohl des Keren Kajemeth, wie auch des Keren Hajessod, ein sehr trauriger. Der Keren Kajemeth erwartet zwar in diesem Jahre nicht weniger Einnahmen als im vorigen, jedoch lasten auf ihn viele Verbindlich- | keiten aus den Landankäufen der Vorjahre und es ist ihm daher unmöglich, wesentliche neue Käufe zu tätigen. Die einzige Hoffnung ist, daß das gesamte Judentum sich nicht nur über die Notwendigkeit größerer Boilenankäufe klar wird, sondern daß wir so schnell wie möglich handeln und daß keine Zeit ungenutzt verstreichen wird, Wie denkt man in London über die politische Lage, insbesondere im Zusammenhang mit der Untersuchungskommission? Ueber die Untersuchungskommission läßt sich nichts sagen, bevor nicht ihr Bericht veröffentlicht wird. In zionistischen Kreisen erwartet man nicht nur diesen Bericht, sondern auoh eine parlamentarische Debatte über denselben. Eins steht jedoch in London fest, daß die Kommission in ihrem Bericht nur die direkte Angelegenheit der Unruhen behandeln wird und nicht die Frage des Mandats im allgemeinen. Hierüber herrscht vollständige Klarheit: TßWH k Otisln im Cafe „Rita Rathaus" (Cafetier Leo Löwy) Größere und kleine Klublokale 1. Bez., Wippen« arstraße 24 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 die Regierung hält daran lest, daß an der Mandatspolitik nicht gerüttelt werden darf, um Aenderungen in der politischen Lage in Erez Israel herbeizuführen; im Gegenteil, man erwartet gewisse Schritte, die die Mandatspolitik klarer und fester in die Erscheinung treten lassen. Die zionistische Exekutive bedauert es, daß so viel Theorien über den Frieden mit den Arabern aufgestellt werden. Tatsache ist, daß niemand mehr als die zionistische. Leitung nach Wegen sucht, um mit der gesamten Bevölkerung Erez Israels ein gutes Einvernehmen zu schaffen und dadurch auch die Entwicklung des Landes zu fördern. Der Gedanke der jüdischen Heimstätte im vollen Sinne des Wortes und Begriffes muß aber bestehen bleiben. Als Misrachist möchte ich hier bemerken, fuhr Rabbi Berlin fort, daß die Aeußerungen, die letztens seitens der politischen Führung der Agudas Jisroel gemacht wurden, weder mit der Ideologie des religiösen Judentums, noch mit dem Gedankengang des alten Jischuw übereinstimmen, die agudistischen Führer in Erez Israel mit inbegriffen. Das religiöse Judentum hat immer nach einem vollkommen selbständigen jüdischen Leben in Erez Israel gestrebt, das von Außenstehenden weder geistig noch ökonomisch beeinflußt werden soll. Sowohl in den Worten der Propheten, als auch in unseren Gebeten wird dieser Gedanke immer hervorgehoben und ein religiöser Jude sollte der letzte sein, der sich schwach zeigt m der Forderung, Palästina als jüdisches Land aufzubauen. Der alte Jischuw hat nicht nur jetzt, sondern von jeher seine Anwesenheit in Erez Israel als eine Vorstufe für den Aufbau und weiteren Ausbau des jüdischen Landes betrachtet. Das heißt nicht, daß der alte oder der neue Jischinv jemanden aus Erez Israel verdrängen will, im Gegenteil, die jüdische Religion prägte den Begriff des «Ger toschaw», den keine andere Religion und Nationalität kennt. Das Recht jedes Einwohners Erez Israels wird bei den Juden anerkannt; das heißt aber nicht, daß Erez Israel nicht das Nationalheim der Juden sein soll. (J. T. A.). Vor einer Verständigung zwischen offiziellen Zionisten und Opposition in Amerika N e w Y o r k (J. T. A.). In Erwiderung auf einen Appell von Rabbi Louis I. Newman, das endlich Frieden zwischen den offiziellen Zionisten (Lipsky-Gruppe) und der Opposition (Mack- Gruppe) geschaffen werde, erklärt Meyer Weisgal, der Redakteur des offiziellen Organs der amerikanischen Zionistischen Organisation «New Palestine», im Leitartikel der letzten Nummer dieser Zeitung: Die Behauptung, die offizielle zionistische Organisation Amerikas und deren Präsident Louis Lipsky wirken einer Vereinigung der zionistischen Kräfte entgegen und verschließen Tür und Tor jeder Verständigung mit anderen zionistischen Gruppen, ist in keiner Weise richtig. Gerade das Gegenteil ist wahr: Louis Lipsky hat gegenüber Rabbi Newman ausdrücklich erklärt: «Finden Sie bei Richter Julian Mack und der von ihm geführten Gruppe heraus, was sie von Ihrem Friedensvorsclilag denken. Wir werden immer bereit sein, ihnen mehr als bis zur Hälfte des Weges entgegenzugehen.» BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Le hblbllothek Wien, ll.f Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 NI. RATH'S notlerne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen BiMiothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. D e u t sc h-J u dai ca in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr (IUP S 9«— Keine Bandgebühr Juden, Zionisten f ohne Keren Kafemeth Kein Erez Israel?