Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 112 (6.2.1930)
- Date
- 1930-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 112 Presseschau Parlamentarische Verfassung in Palästina? James Mnrshall, der Soiin des verstorbenen Führers des amerikanischen Judentums, nimmt in «New Palestine» (New York, vom 10.Jänner 1030) zu dieser Frage Stellung. Er stellt fest, daß die liberale Welt immer mehr und mehr "mit ihren Sympathien vom Zionismus abriickt und die Araber in ihrer Forderung nach Self-government unterstützt. Unser Problem sei ein zweifaches: Erstens hätten wir darauf zu achten, daß das Mandat getreu durchgeführt werde, zweitens müßten wir den Arabern die Sicherheit geben, daß ihre Befürchtungen grundlos seien, und ihre Beschwerden befriedigen, wenn sie gerecht seien. Dazu sei notwendig, daß w i r mit .der Forderung nach Self-government in Palästina auf den Plan treten und dies nicht der britischen Regierung oder dem Völkerbund überlassen. Das bedeutet aber nicht, daß wir schon heute oder in einem Monat in Palästina ein parlamentarisches Regime errichtet sehen wollen, aber diese Forderung muß einen Teil des jüdischen Programms für die nahe Zukunft aufmachen. Weder brauchen wir, noch wollen wir einen Judenstaat, der Kleinasien in einen politischen Balkan verwandeln würde. «Wir müssen der Welt zeigen, daß wir nicht aggressive Absichten haben, daß wir der arabisetten Bevölkerung unseren Kultur- und Lebensstandard nicht auizwingen wollen, daß wir sie nicht beherrschen oder aus Palästina hinausdrängen wollen.» Maurice Samuels, der hervorragende amerikanischzionistische Publizist, antwortet James Marshall auf seine Vorschläge. Er erklärt sie für nichts anderes als einen A u s d r u ck d e r P a n i k, die die Unruhen in Palästina unter manchen Teilen der Judenheit. hervorgerufen haben. VILLA SEV1GNE, Lausanne, Schweiz Israelitisches MSdchen-Penslonat Erstklassige Referenzen aus der Tschechoslowakei Prospekte durch die Vorsteherinnen: Mmes. M. und B. BLOCH Mr. Marshall appelliere nicht an das Gewissen der Völker, trete nicht mit der Forderung auf, den historischen Rechtsansprüchen der Juden zum Siege zu verhelfen, sondern begebe sich in die Situation des um Gnade und Wohlwollen Bittenden. Er verlange von uns, daß wir der Welt zeigen sollten, wie «brav» wir seien, daß wir nicht aggressiv Vorgehen wollten, daß wir die arabischen Heiligtümer achten wollten usf. Aber was können wir mehr tun, als was wir bisher getan haben? Betrachten wir einmal die Menschen, die im letzten Dezennium unsere Arbeit in Palästina geleitet haben: Ruppin, Kisch, Sprinzak, Ben Zwi, Sacher, Henriette Szold u. a. m. Kann man unter diesen Mensches Reaktionäre und Imperialisten finden? Haben sie je arabische Heiligtümer anzutasten versucht? Wir haben die Araber bessere landwirtschaftliche Methoden gelehrt, lassen sie unsere sanitären Einrichtungen genießen — sind das nicht Leistungen, die sich sehen lassen können? Solche Vorschläge wie die Mr. Marshalls (dasselbe gilt für Dr. Magnes) seien nur geeignet, uns in der Welt in Mißkredit zu bringen. Was die Frage der Einführung einer parlamentarischen Verfassung in Palästina betrifft, die nach James Marshall von den Juden für die nahe Zukunft gefordert werden soll, erklärt Maurice Samuel, daß die Juden erst dann ihre Zustimmung dazu geben könnten, wenn sie die unbedingte Gewißheit hätten, daß die arabische Majorität die Errichtung der nationalen Heimstätte der Juden nicht stören würde, bis zu diesem Zeitpunkt müsse das Land unter der Obhut des Völkerbundes stehen. Wenn Marshall sich gegen eine Majorität der Juden in Palästina wende, so sei es wohl einzigartig in der Geschichte der Menschheit, daß man einem Volke seine fundamentalen Lebensrechte verweigern wolle, aus Furcht, es könnte sie mißbrauchen. Wir ersehnen eine jüdische Majorität, so daß wir zum Schutze unserer Rechte nicht von internationalen Abmachungen abhängig sein sollten und uns unserer nationalen Eigenart entsprechend ausleben könnten. Daß wir unsere Majorität je dazu nusnützen würden, andere zu unterdrücken, liegt in weiter Ferne. Was am überraschendsten sei, ist die Tatsache, daß es in den meisten Fällen gerade Juden seien, die aus hypermoralistischen und lebensfremden Erwägungen heraus diese Argumentation ins Feld führten. Wir wollen niemanden unterdrücken — nicht um eine gute Sittennote von den liberalen Pressemagnaten zu erhalten, sondern weil unsere Jahrtausende alte sittliche Tradition uns davon abhält, unsere Zukunft auf Unrecht und Gewalt aufzubauen. Palästina und das Mandat. Der englische Vertreter beim Völkerbund, Viscount Cecil of Chelwood, erörtert in einem Artikel «Palästina und das Mandat», der in vielen führenden Blättern Europas zum Abdruck gelangte, die Stellungnahme Englands zum Mandat. Er glaubt, daß es irrtümlich sei, anzunehmen, daß die britische Politik in Palästina von einem rein nationalen Gesichtspunkt aus geführt werde. Kraft des Mandats wurde der ursprünglich auf einem britischen Versprechen der Zusammenarbeit mit den Zionisten beruhende Beschluß, in Palästina ein Nationalheim für das jüdische Volk zu errichten, atrf die Basis eines internationalen Gelöbnisses gestellt. England als Mandatarmacht ist nur zum Kurator für die Erfüllung dieses Gelöbnisses bestellt worden. Durch die Unterstellung Palästinas unter den. Völkerbund hat die Sicherheit für das Jüdische Nationalheim eine unermeßliche Stärkung erfahren. Denn hinter dem Mandat steht die Unterstützung des Völkerbundes sowie der Vereinigten Staaten, die am Palästina-Mandat tief interessiert sind^ was aus der seinerzeit vom Senat und Kongreß angenommenen Resolution im Jahre 1922 deutlich zu ersehen ist. Wohl ist die Aufgabe der Mandatarmacht eine schwierige. Die Einführung der jüdischen Imigranten, die auf einem hohen zivilisatorischen Niveau stehen, in eine rückständige Gemeinschaft, wie es die Araber sind, bietet der Verwaltung große Schwierigkeiten. Es bedarf hiezu der Festigkeit und des Taktes, es darf aber auch nicht zugelassen werden, daß der Aufbau des Jüdischen Nationalheimes durch unverantwortliche Agitatoren eine Unterbrechung erleidet. Das britische Volle, das als erstes zu diesem Zweck seine helfende Hand ausgestreckt hat, blickt mit besonderem Stolz auf das Unternehmen, das die neue Einwurzelung der jüdischen Nation in Palästina zum Zwecke bat. Polemik mit Jabotinsky. Im «Davar» vom 13. Jäaner antwortet M. B. (Beilinson) auf eine« Artikel Jabotinskys im «Doar Hajom». Jabotinsky verkenne die Situation, wenn er in dem Zugeständnis jüdischer Zeugen, daß die Redaktion des «Doar Hajom» vor den Unruhe« Fehler gemacht habe und daß die Jugenddemonstratioa besser nicht stattgefunden hätte, Angeberei sehe. Die Zionistische Organisation kämpfe einen schweren Kampf, bei dem auch der kleinste Fehler ihr teuer zu stehen komme. Sie müsse Disziplin verlangen und wer, wie Jabotinsky, schärfstes Vorgehen gegen die Kreise wünsche, die auf eigene Faust Friedensverhandlungen mit den Arabern begannen, müsse es sich gefallen lassen, daß auch von seiner eigenen Gruppe Disziplin verlangt werde. Wenn Jabotinsky weiterhin erkläre, daß er für die Jugenddemonstration auch dann gewesen wäre, wenn dadurch die mit Vorbereitung des Ueberfalles beschäftigten arabischen Kreise zu früherem Losschlagen gezwungen worden wären, so sei dies die Lehre vom Präventivkrieg, die bis heute die Welt nicht zur Ruhe kommen lasse, eine provokatorische Politik, auf Grund von der man zu dem Ergebnis kommen könne, daß wir z. B. auch jetzt gut daran täten, den Ausbruch neuer Unruhen zu provozieren, da auch jetzt unzweifelhaft in arabischen Kreisen die Vorbereitungen zu neuen Ueberfällen getroffen würden. Gegenüber dieser verbrecherischen und wahnsinnigen Politik müsse die zionistische Bewegung auf der Hut sein. Die neuen nichtzionistischen Direktoren des Keren Hajessod Jerusalem. (J. T. A.) Nachdem durch die Gründung der erweiterten Jewish Agency in Zürich die Wahl von nichtzionistischen Mitgliedern in das Direktorium des Keren Hajessod aktuell wurde, ist eine Rerhe neuer Herren in das Direktorium des Keren Hajessod im Laufe der letzten Monate nominiert worden. Herr Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank in Berlin, wurde noch in der Züricher Sitzung des Administrative Committees der Jewish Agency in das Direktorium gewählt. Ferner ist in der unter Vorsitz von Herrn Direktor Oskar Wa isermann am 24. Oktober in Berlin abgehaltenen Sitzung des Keren Hajessod Herr Dr. L. E. Visser, Ratsherr des Hohen Rates und Vorsitzender des holländischen Keren Hajessod, sowie Herr Dr. Bernhard Kahn (für die amerikanischen Nichtzionisten) in das Direktorium kooptiert worden. Von den amerikanischen Nichtzionisten wurden weiter in diesen Tageh die Herren S. Löwenstein und David Bressler, beide in New York, als nich (zionistische Direktoren für das Keren Hajessod-Direktorium nominiert, so daß von den neu zu wählenden sieben Direktoren Sparsame Leute Können Jetzt wcrtlge Restpaare zu sehr billigen Preisen bei SäiaH-Dorra heulen. Wien, 2., Gaßarstraße 8 a bereits fünf zur endgültigen Bestätigung durch die nächste Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency vorgeschlagen sind. Kommunisten gegen eine Veranstaltung des jüdischen Schriftstellervereines Warschau, 1. Februar. (J. T. A.) Der Verein jüdischer Schriftsteller und Journalisten veranstaltete aus Anlaß der Anwesenheit des jüdischen Arbeiterführers und früheren russischen Justizkommissars Dr. J. Steinberg einen Abend, an dem Dr. Stein-berg über das Thema «Jude und Mensch» sprach. Mitten im Vortrag drang ein starker Trupp Kommunisten in den vollbesetzten Saal ein, entfaltete eine rote Fahne und demolierte einen Teil der Inneneinrichtung. Währenddessen eröffneten andere Kommunisten draußen ein Steinbombardement gegen das Lokal und schlugen alle Fensterscheiben ein. Bei Erscheinen der Polizei flüchteten die Banden, drei Kommunisten konnten verhaftet werden. Dr. Steinberg konnte seinen Vortrag beenden. Dr. Steinberg führt einen geistigen Kampf gegen das jetzige Sowjetregime. Lady Reading gestorben L o n d o n, 30. Jänner. (J. T. A.) Am 30. Jänner ist in London Lady Reading, die Gattin des Führers der englischen Liberalen und früheren Vizekönigs von Indien, Lord Reading (früher Sir Rufus Isaacs), gestorben. Lady Reading war im jüdischen sozialen Leben Englands hervorragend tätig und genoß als die Gattin eines großen Engländers und Juden wie als eigene ausgeprägte Persönlichkeit in weiten Kreisen große Verehrung. Sie war auch am englischen Hofe sehr angesehen. Palästina-Orangen In Aroma and Geschmack vorzüglich 15 (früher 14), 18 (17), 23 (22), 27 (26) Stück je nach Größe und Vorrat zum Preise von S 7.40 Kisten mit 50, 60, 75 oder 90 Stück zum Preise von S 23.—. Bestellungen — auch ins Haus in Originalpackung zustellbar — nimmt entgegen Firma S. HALPERN Deiikatessenwarenhandlung Wien, 11., Förstergasse 6 # Telephon-Nr. R-40-4-12 Zwl Gelberg gestorben Vor einigen Tagen starb in London im Alter von 82 Jahren der hebräische Schriftsteller Zwi Gelberg. Der Verstorbene, der jüngeren hebräischen LesergcHeration kaum dem Namen nach bekannt, ist ein Zögling der Haskal ah-Bewegung und spielte seinerzeit in der galizisch-hebräischen Literatur eine nioht unbedeutende Rolle. Schon in seiner Jugend veröffentlichte er in der zeitgenössischen hebräischen Presse Gedichte und kleine Erzählungen, die auf die hebräischen Leser einen nachhaltigen Eindruck ausübten. Er zählte zu den ständigen Mitarbeitern des «Hameliz», «Iwri Anochi», «Hamaskir», «Hazefira» u. v. a. Zu seinen größeren Werken zählen: «Tkufath Hacnagijn», «Hamithonen», «Schirath Dodim», «S’char Mea Schana». Vor ungefähr 35 Jahren wurde er nach London als Bibliothekar in der hebräischen Abteilung des Britischen Museums berufen und wanderte nach London aus. In den letzten Jahren leitete er im «Montefiore College Ramesgate» wertvolle hebräisch-wissenschaftliche Arbeiten. Mit ihm ist einer der letzten Epigonen der galizischen Ha&kalah-Bewegung dahingegangen. Meschulem Schächter gestorben Vorigen Mittwoch erlag Gesinnungsgenosse M$- cbulem Schächter während einer Tramwayfahrt einem plötzlichen Schiaganfail. Der Verstorbene, ein langjähriges aktives Mitglied der Zionistischen Bezirkssektion Prater, war seit mehr als zwei Jahrzehnten zionistisch tätig. Jahrelang gehörte er der Vereinsleitung der Prater-Sektion an und war stets bemüht, eine ersprießliche zionistische Tätigkeit zu entfalten. Der Verstorbene war auch ein Gründer des Hilfsvereines «Esra», der unter seiner Leitung lange Jahre für die Flüchtlinge segensreich wirkte. Im Verstorbenen verliert unsere Organisation einen wertvollen Gesinnungsgenossen und Mitarbeiter. — Friede seiner AscheI Die jüngflen Ausgrabungen in Paläflina. Profeflor Bade von der Pacific School of Religion in Berkeley, Kalifornien, nahm Ausgrabungen in Telennasbeh, dreizehn Kilometer nördlich Jerufalem, auf, wo er das alte Mizpah des Stammes Ephraim, die Stadt des Propheten Samuel, vermutet. Bereits die erfle Woche der Arbeiten diefer Saifon hat außerordentlich wertvolle Rcfultate ergeben. Auf der Nordfeite wurde eine etwa fünfeinhalb Meter dicke kanaanitifche Stadtmauer aus der Zeit zwifchen noo und 1200 v. Chr. bloßgelegt. Im Innern der Mauer wurden die Ucberrefle eines Dutzend Häufer aus der ifraelitifchcn Epoche und die Refte einer Straße aufgedeckt. Unter den Häufern befinden (ich ein Weinkeller und eine ausgezeichnet erhaltene Zifterne, und in diefer eine Menge Keramik in verfchicdenen Schichten, die vermutlich Auffchluß über die ganze Zeit von der kanaanitifchen Epoche bis zur Zeit der letzten Befetzung der Stadt geben wird. Der Handgriff eines Kruges zeigt einen eingeprägten Adler mit der Infchrift „Dem König“ in den alten hebräifch-phonizifchen Schriftzeichen. Ein anderer Krughandgriff trägt die Infchrift „Hebron“, offenbar als Fabrikmarke, denn dort befand Geh, wie verfchiedenc Anhaltspunkte vermuten laßen, eine königliche Töpferei, Zu den übrigen Funden gehören zwei Kupfermünzen, eine wahrfcheinlich von Juda Makkabäus, die andere von Herodes geprägt, eine ifraelitifche Brofche von einer Form, wie fie fpäter die Römer ihren Brofchen gaben, und eine typifch ifraelitifche Oellampe. Profeflor Bade will nun ein neues Feld, angrenzend an das jetzt bloßgelegte, aufdecken, wo er den Friedhof zu finden hofft. Der Direktor des päpftlichen Bibelinflituts zu Jerufalem, Pater Malion, hat vor einigen Tagen eine fehr wichtige archäologifche Entdeckung jenfeits des Jordans, gegenüber von Jericho, gemacht, wo die Ifraelken unter der Führung Jofuas gelagert hatten. Die von Malion geleiteten Ausgrabungen brachten verfehiedene Gegenflände von Terrakotta, Inflrumente aus gearbeitetem Stein und die Grundmauern von fünf oder fcchs Häuiern zutag Bei Bauarbeiten auf dem Skopusberg in der Nähe des Univerfitätsgebäudes Hießen arabifchc Arbeiter auf mehrere Steinfärge aus der herodianifchen Periode mit hcbräifchen und griechifchen Infchriften. Ferner wurden zahlreiche Keramiken aus der Zeit vor der zweiten Tempelzerflörung gefunden. Eine der Infchriften erwähnt Chananjah Ben Teradjon, flammt alfo aus wefentlich fpätcrcr Zeit. Das Antiquitätendepartement der Regierung überließ die weiteren Ausgrabungsarbeitcn der Hebräifchen Univerfität. ii ,M Mlnlon «joBM* Zloiawte— Wewlslonlsäcii 0<Bo<«g»’y<eiglma Montag, den IO, Februar 1980, halb neun Uhr abends, Caf6 Arkaden (Souterrain) Diskussion mit Avlfldor Hamelrl Ub«r *«*mk«sar» Vomtaratf „Ordalmadla um«l ■»«lüstfflnea“ Ottate willkommen