Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 112 (6.2.1930)
- Date
- 1930-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DTE STIMME Nr. 112 Zum erstenmal in Wien! Sonntag, den 9. Februar 1980, um halb 11 Uhr vormittags (Ufa-Ton-Kino ~w II., Taborstraße 8 Hebräisch - Jüdisches SdiallpBaitenBtonzertf Conference: Dr Sem Wolf Mitwirkend Oberkantor Jossele Rosenblatt, Violinvirtuose Jascha Chaifez, Mali Picon und viele andere. Apparat und Platten werden von der „Gramo1a“~Grammophon-Gesellschaft zur Verfügung gestellt. SttmrfBflciac» be9 „Or«mnm>l«ai**«5rscllsioHiioni4en Maotoriftisclhi-fiUIUBscS«<evii In T^sUteanni besseren 4earl«<iBifBflcfitt «■«*«■ M^r^mol«", I., 3€9, lei HC 5BÖ-S-13. Verl<nn^en Sfio kostenlos Verzeldanlsse usmcfi Yorklhrunil. Karten von S 1’— bis S 2'5Ü erhältlich: Zionistische Buraus, I, Knrntnerstr. 28, Tel. R 27*4-85/86; Bücherstube Rath, II., Tahbrstr 20a; Mak^abi, IX, Liechtensteinstr. 20; fmrendvercin „Erez Jisrael“, II., Zirkusgasse 33, Tel. R 49*8-98, und „Hotel Baron“, ll.j Große Schiffpasse 19, Tel. R 43-1*48. m Das Schächtverbot in Bayern (Eigenbericht der «Stimme».) Die österreichische Union und [ die Jewish Agency Die «Union» hat in letzter Zeit der zionistischen )rganisation gegenüber eine offensive Stellung eingenommen. In ihren Versammlungen, die eigentlich der Erörterung von Kultusgemeindefragen gewidmet waren, empfanden die unionistischen Kultusvorsteher plötzlich das Bedürfnis, auch über Palästina zu sprechen. Diese Tatsache wäre ja an und für sich sehr begrüßenswert, weil hierin ein Beweis zu erblicken wäre, daß die unionistischen Führer über das Palästinaproblem nicht leichthin hinwegkommen können. Wundern muß uns mir, daß die unionistischen Redner unrichtiges Tatsachenmaterial Vorbringen, ohne darauf näher einzugehen, ob und inwiefern ihre Mitteilungen, dem, was man Wahrheit nennt, in der Tat entsprechen. Ein geradezu unerhörtes Stückchen leistete sich in dieser Hinsicht der Präsident der «Union» und Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob Ornstein, in einem Diskussionsabend der Union, der Donnerstag, den 16. Jänner, stattfand. Wir zitieren nach dem Bericht seines offiziellen Organs «Die Wahrheit» vom 31. Jänner Nr. 5. Doit heißt es: «Er (Dr. Ornstein) befaßte sich hierauf mit der Jewish Agency und betonte, daß man von dieser im Sommer 1929 mit so großem Applomb eingesetzten Körperschaft gerade jetzt, nach den traurigen Ereignissen im Palästina, nichts mehr höre und daß zum Beispiel diese Körperschaft auch nicht ihr Veto eingelegt hätte, daß von den in der ganzen Welt gesammelten Spenden von rund 18 Millionen Schilling — von dem armen Wien allein kamen 140.000 Schilling — kaum 10 Prozent wirklich nach Palästina geschickt wurden.» Würde Herr Dr. Jakob Ornstein sich nicht allein cQESTIOn | RADIOANLAGEN Batterie- und Netzempfänger, Nctzanoden, Lautsprecher INGENIEURE KRISCHKER & NEHOD A auf die Lektüre der «Wahrheit» beschränken, so hätte er in jedem, selbst nichtzionistischem Organ so manches, ja sogar sehr viel, über die Tätigkeit der Jewish Agency lesen können. Wir möchten Herrn Dr. Ornstein nur einiges erwähnen: die politische Tätigkeit des Präsidenten der Jewish Agency, Prof. Weizmann, in Genf und London; die verschiedenen Interventionen Felix Warburgs in Amerika; und last not least die Tätigkeit der Jewish Agency, die mit der Untersuchungskommission in engster Verbindung stand und tagtäglich ganze Spalten jüdischer Zeitungen ausftilite. Aber all das scheint Herrn Dr. Ornstein nicht zu genügen oder besser gesagt — wir wollen es nur zu seiner Rechtfertigung sagen — ist er über die Dinge nicht informiert. Wenn diese Behauptung des Herrn Präsidenten Dr. Ornstein auf Uninformiertheit zuriickzuführen ist, was ja leicht verziehen werden kann, muß die zweite Behauptung, daß von den gesammelten Hilfsgeldern kaum 10 Prozent nach Palästina geschickt wurden, geradezu als Unwahrheit bezeichnet werden. Es ist eine allbekannte Tatsache, daß die Gelder des Hilfsfonds der Jewish Agency zur Gänze für Palästina bestimmt sind. Herr Dr. Ornstein hat was läuten gehört, weiß aber nicht, um was es sich handelt. Im Schoße der Agency sind Meinungsverschiedenheiten entstanden, die Bezug hatten auf d 1 e Art derVerwendungdergesamm eiten Hilfsgelder. Herr Dr. Ornstein hat nun daraus geschlossen, daß nur 10 Prozent nach Palästina überwiesen wurden. Als öffentlicher Mandatar hätte Herr Dr. Ornstein zumindest die moralische Verpflichtung haben müssen, sich über den wirklichen Tatbestand zu informieren und erst nachher der Oeffentlichkeit Mitteilungen zu machen. Ein anderem Mitglied der Union, Herr Regierungsrat Dr. Oppenheim, hat in einer Versammlung die Erklärung abgegeben, daß die Oesterreichische Union nur deshalo in die Agency eingetreten sei, um sozusagen als oberster Hüter darüber zu wachen, daß die zionistische Politik keineswegs im Sinne ihrer Zielsetzung geführt werden soll. Es wäre wohl klüger gewesen, BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung,Antiquariat, Le hbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne LelhblbHo'hek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von ttüchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw geschmackvol en Bihliothetcsembartd. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-judaica in reicher Auswahl, Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3.— Keine ’andgehühr darauf zu achten, daß der von der Union ernannte nichtzionistische Vertreter für die Agency, Herr Direktor Dr. Hammerschlag, der zur Zeit der Konstituierung der Agency in Zürich we.lte und sich in der Tagung kaum blicken ließ, auch das Abkommen der Jewish Agency im Namen der Nichtzionisten Oesterreichs unterzeichnet hätte. Für die Herren der Union ist es eine geradezu beschämende Tatsache, daß in dieser denkwürdigen Schlußsitzung der Agency für Oesterreich niemand den Vertrag unterzeichnet hat. Der Vertreter Oesterreichs wurde zweimal aufgerufen, doch zur Unterfertigung meldete sich niemand. Scheinbar hatte der Vertreter der Union in Zürich wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als zu dieser wirklich historischen Sitzung zu erscheinen Schließlich spielt die Union bei weitem nicht jene Rolle im Weltjudentum’, als daß man die Erklärun- INGENIEURE KRISCHKER & NEHOD A Wien. VIT.. Hrlbgasse z. . Telephon B-*8-too Serie., ■aMTOggaWIIIHIIIIIimMl^nilllllllllMWIMIIIIIWMIIlMH gen ihrer Herren über ihre Position in der Agency ernst nehmen könnte. Kleine Nachrichten ausPalästina Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen in Palästina keine Neuwahlen in den Städten Vorkommen. Die Amtstätigkeit der Munizipalitäten soll verlängert werden.- — Die arabische Exekutive unterbreitet den Vorschlag, allen arabischen Städten und Dörfern eine Beitragsquote aufzuerlegen, um 20.000 Pfun'd für die Kosten der verschiedenen geplanten arabischen Delegationen aufzubringen. —■ Wie es verlautet, hat die Regierung nicht die Absicht, dem Großmufti oder dem Jerusalemer Bürgermeister Naschaschibi, obzwar beide formal Regierungsbeamte sind, Schwierigkeiten wegen ihrer Teilnahme an der Londoner Delegation in-den Weg zu legen. — Das Komitee des Palästina-Hilfsfonds hat 50.000 Pfund für die Errichtung jüdischer Wohnviertel in Jerusalem und Haifa bestimmt. — Ueber Akko ist für die nächsten drei Monate der Ausnahmezustand verhängt worden. Diese Maßnahme steht mit dem Entschlüsse, dem Bandenunwesen in Nordpalästina radikal ein Ende zu bereiten, im Zusammenhang. — In der Nacht vom 29. Jänner wurden in die Richtung der Kolonie Rosch-Pinah Schüsse abgegeben. Drei Maultiere wurden fortgeführt. — Die Kolonie Melchamia ist wiederholt zu nächtlicher Zeit von Räubern heimgesucht worden. Sic wurden immer durch Schüsse vertrieben. — Zwei jüdische Chauffeure wurden bei Nablus von einem‘ arabischen Pöbel angegriffen und mit Steinen beworfen. — Einige der in dem Alordprozeß Mozza freigesprochenen Araber stießen Todesdrolumgen gegen einen Jemeniten aus, weil er vor Gericht gegen sie ausgesagt hat. — Die Untersuchung gegen die der Kolonie Beer Tuwia benachbarten Dörfer wurde eröffnet, wie auch die Untersuchung gegen die um Mozza gelegenen arabischen Dörfer. — Gegen zwei Araber, die beschuldigt sind, in Hebron Mordtaten verübt zu haben, ist . die Untersuchung abgeschlossen worden. Demnächst beginnt der Prozeß. — Die Einnahmen des Keren Hajessod betrugen vom 1, Oktober bis 31. Dezember 1929 59.116 Pfund. — Das Lateinische Patriarchat, das in Palästina die Interessen des Vatikans vertritt, hat in der letzten Zeit drei Dörfer mit einem Bodcnareal von insgesamt mehr als 30.000 Dunam erworben. — Nach seiner Rückkehr aus Europa ist Ithamar Ben-Avi, der Herausgeber des «Doar Hajom», infolge seines seinerzeit veröffentlichten «Offenen Briefe» verhaftet, jedoch gegen Erlag einer Kaution freigelassen worden. — Das Budget der Palästinaregierung für 1930 enthält eine Post von 30.000 Pfund für Zuschüsse an Gemeindeverwaltungen. Ein Zuschuß für Tel Aviv ist nicht vorgesehen. — Im Zusammenhang mit den Saffeder Ausschreitungen wurden zwei Araber wegen Meineids zu sechs Monaten, ein weiterer, zu vier Monaten und einer zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt Vor der Aufhebung der gesetzlichen Beschränkungen in Polen. Warschau. Ministerpräsident Bartel,richtete an den Justizminister ein Schreiben, in dem er auf die Notwendgkeit der Aufhebung der noch , aus der Zarenzeit bestehenden rechtlichen Beschränkungen der Juden*hinweist. Prof. Bartel teilt mit, daß in der Justizkommission ein diesbezüglicher Text für einen Gesetzentwurf erliegt, der seinerzeit '.zwischen einigen Parteien und dem jüdischen Klub festgelegt wurde. Der Justizminister wird ersucht, die Erledigung dieser Angelegenheit zu beschleunigen und das Projekt dem Sejm zur dritten Lesung vorzulegen, da die Regierung. mit der vollständigen Aufhebung der bestehenden Beschränkungen einverstanden sei. München, 1. Februar. So ist die alte Forderung der Nationalsozialisten betreffend das Schächtverbot zu Gesetz geworden. Am 29. Jänner hat der bayrische Landtag mit 65 Stimmen gegen 42 das sogenannte Betänbungszwangsgesetz angenommen. Eine interessante Tatsache ist dabei festzustellen: Die Sozialdemokratie stimmte für das Schächtverbot, die Bayrische Volkspartei, also die Regierungspartei, stimmte gegen die Vorlage der Regierung. Diese merkwürdige Raschheit gibt viel zu denken. Mitte Jänner wurde dein Landtag der Gesetzentwurf vorgelegt. Am 22. Jänner begannen die Beratungen, am 29. Jänner wurde der Entwurf durch Majoritätsbeschluß zum Gesetze erhoben. Die Proteste der berufenen .Vertreter der bayrischen Judenheit nützten nichts. So ist. es eine traurige Tatsache, daß ein Eingriff in die Rechte einer Religionsgemeinschaft gesetzliche 'Sanktion erhielt. Allerdings ist in dieser Angelegenheit nöcir nicht das letzte'Wort gesprochen worden. Der Staatsgerichtshof wird bestimmt angcru.fen werden und dieser wirdüber die- Verfassungsrriäßigkeit des bayrischen Gesetzes zu entscheiden hatien. Jedenfalls ist es für die Mentalität der Majorität im bayrischen Landtagbezeichnend, daß sie sich über Gebote der jüdischen Religion, welche für e-inen Teil der bayrischen Bürger, und zwar die Juden,' von großer Bedeutung sind,*• so leichtfertig hinweggesetzt hat. . IRADIÖÄNUAGEN Celestion - Lautsprecher — seit Jahren die führenden. INGENIEURE KRISCHKER&NEHODA Wien, VII., Halbgasse z. Telephon 6-38-500 Serie. Graf Klebelsberg wird der Hebräischen Universität ein Geschenk der ungarischen Regierung zukommen lassen Budapest, 26. Jänner. (J. T. A.) Kultus- und Unterrichtsminister Graf Kuno Klebelsberg empfing den Delegierten der Jewish Agency for Palestine, Dr. J. Wilensky, in längerer Audienz. Der Minister nahm den Bericht Wilenskys über den Aufschwung der Entwicklung des Heiligen Landes mit großem Interesse und mit Sympathie entgegen. Sehr lebhaftes Interesse äußerte Graf Klebelsberg für die Hebräische Universität in Jerusalem, und versprach, daß er der. Universitäts- Bibliothek ein Geschenk der ungarischen Regierung zukommen lassen werde. Zwischen den Zeilen Der bayrische Mensch ist gut Der bayrische Landtag hat ein Gesetz beschlossen, wonach das Schächten in diesem Lande verboten ist.. Der bayrische Menseh ist gut, die bayrischen Abgeordneten modern: warum sollen die armen Tiere gequält werden? > Was dies Gesetz bezweckt, ist aber nicht Tierschutz und sein Ursprung bezweckt nicht Tierliebe, sondern Judenhaß. Unzählige Male wurde bereits dar gelegt, daß das durch den jüdischen Ritus befohlene Schächten . das Tier weniger quält, als jede andere Tötungsart. Aber der Antisemitismus muß sich irgendwie ausleben. Jedes Mittel ist gut, wenn es gilt, den Juden zu schädigen. Und sei es bloß in seiner Ueberlieferung. Als in Bayern blutige, antisemitische Ausschreitungen wüteten, da hat die bayrische Humanität geschwiegen. Ganz was anderes ist natürlich der Schutz der Tiere vor angeblicher jüdischer Barbarei. Da werden Gesetze beschlossen. Das ist die richtige Logik des Antisemitismus. Und das ist auch der Unterschied zwischen Tier und . Mensch, vorausgesetzt, daß dieser Mensch ein Jude ist. Moderne Friedhof Schändungen — eine Bagatelle; altertümliches Schächten — verwerflich. Heill Sun, "Wien, VII., Halbgasse 2. Telephon B-38-foo Serie. Arv-Mtc Kcn» fcuio RADIOANLAGEN Schirmgitter - Netzemptänger mit dynamischem Lautslprccher, Einknopfbedienung. 1