Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 111 (28.1.1930)
- Date
- 1930-01-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 111 VILLA SEVIONE, Lausanne, Schweiz Israelitisches Mädchen-Pensionat Erstklassige Referenzen aus der Tschechoslowakei Prospekte durch die Vorsteherinnen: Mmes. M. und B. BLOCH Volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung des WIZO* Werkes in Palästina Von Dr. Martha Hoffmann (London) Gerade in den Tagen der Unruhen und während der neuen Einwanderung im Herbst des verflossenen Jahres, hat sich die eminente volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung gutgeschulter Frauen in Erez Israel bewährt. Während in anderen Ländern in gefährlichen Zeiten leicht eine Panik unter den Frauen entsteht, sofern sie nicht auf schwere, neuartige Situationen, die besondere Anforderungen an sie stellen, gefaßt sind, haben die Frauen Palästinas nicht nur Mut und moralische Kraft gezeigt, sondern wesentlich zur Ueberwindung der Schwierigkeiten durch ihre Tatkraft und produktive Hilfe beigetragen. Einige Beispiele: Die Arbeiterküche in Nachlatih Benjamin (Tel Aviv), die von der Hauswirtschaftlichen Schule der WIZO in Tel Aviv («Hostel») betrieben wird, hat ln diesen letzten Wochen täglich Hunderte schwerarbeitender Menschen iri kürzester Zeit verköstigt, wobei der Betrieb sich ruhig und zu aller Zufriedenheit abwickelte. Der Boykott der Araber, der sich unter anderem im Ausbleiben der Gemüse auf dem Markt äußerte, fand sein Gegengewicht in dem Ansteigen des Gemüse-Eigenbaues in Tel Aviv und Haifa, wobei es wieder die dafür besonders ausgebildeten Schülerinnen der WIZO-Institute sind, die, sowohl Gärtchen selbst anlegen, als die Bürger der Städte im Gemüsebau unterweisen. Gerade'jetzt ist der Andrang seitens der neuankommenden Chaluzoth, sowie seitens der von bedrohten Kolonien geflüchteten Arbeiterinnen auch in dem zweiten großen Institut der W. I. Z. O., der landwirtschaftlichen Lehrfarm in Nahalal stärker als je, so daß Raummangel herrsoht und die Forderung nach Errichtung eines zweiten Schulgebäudes ganz dringlich geworden ist. Hier macht sich die Wirtschaftskrise Amerikas (Kanada) fühlbar, die hoffentlich überwunden werden wird. Doch allen Schwierigkeiten zum Trotz schreitet das Aufbauwerk der Frauen im Lande Israel vorwärts: Die neue Lehr farm in Ness Zion ah, deren Verantwortung besonders auf den zionistischen Frauen Rumäniens ruht, beginnt die Orangenpflanzumg. Auch im Sinne der momentanen Hilfeleistung für Mütter und Kind in den Tagen der Not leistete die WIZO ihr Bestes: Das Mothsrcraft Training Centre in Tel Aviv hatte eine Ueberfülle von Müttern und- Säuglingen aufzunehmen und auch jetzt, da der normale Zustand fast wieder hergestellt ist, ist es voll von Kindern unter der Pflege von bestgeschulten Nurses und Lehrschwestern, die nach vollendetem Kursus an verschiedenen Stellen des Landes ausgesandt werden. Besonders schwere Zeiten hatte das Baby Home in Jerusalem (gemeinsam geführt von WJZO und Histadruth Nashim Ibrioth) durchzumachen. Hier mußten zahllose Pfleglinge aufgenommen und im geschützten Hauptgebäude konzentriert werden, während im benachbarten Viertel geschossen wurde. Als Ruhe eintrat, gelang es, die Säuglinge unter Eskorte ins Hadassah-Hospital. (Jerusalem) zu geleiten. Jetzt ist wieder normaler Betrieb im Säuglingsheim selbst. Es würde zu weit führen, in diesem Rahmen das ganze Netz der WlZO-Arbeit in Palästina und außerhalb des Landes darzustellen. Für heute seien außer den genannten Leistungen nur kurz erwähnt, daß an verschiedenen Punkten des Landes duroh Hilfe der WIZO Mädchen-Kvvuzoth und Chawuroth den Arbeiterinnen die Erlernung der Landwirtschaft und das Eindringen in die Arbeit der Kolonien ermöglichen; daß Abendkurse in den Städten zahlreiche Mädchen und ' Frauen in Hauswirtschaft, rationeller Küche, Heimindustrie * und hebräischer Sprache unterweisen, daß Hauswirtschafts-Lehrerinnen in die verschiedenen Kolonien zwecks Anleitung der dort arbeitenden Frauen ausgesandt werden; daß für vollständige Ausbildung von Fachlehrerinnen nicht nur durch Errichtung von entsprechenden Bibliotheken, sondern vor allem durch Entsendung der bestgeeigneten Schülerinnen an höhere Fachschulen des Auslandes gesorgt wird, unter der Voraussetzung, daß viele Mädchen sich zur weiteren Arbeit im Rahmen des WIZO-Werkes verpflichten. Das Werk der für produktive Arbeit geschulten Frauen in Erez Israel dehnt sich mehr und mehr aus, findet zunehmendes Verständnis und Unterstützung unter den jüdischen Frauen der Galuth, wirkt hier wie dort national-erzieherisch und Ist ein unentbehrlicher Faktor im nationalen, sozialen und ökonomischen Aufbau des jüdischen Gemeinwesens geworden, der nicht mehr übersehen werden darf Können Frauen in Palästina als Rechtsanwälte fungieren? In dem Fall der Schwiegertochter Achad Ha’ams, Rosa Ginsberg, hat der High Court (Oberstes Gericht) die Urteilsfällung wiederum ausgesetzt. Frau Ginsberg, ein weiblicher Rechtsanwalt, führt ihren Prozeß gegen den palästinensischen Chief Justice wegen dessen Verfügung, sie dürfe vor den palästinensischen Gerichten nicht als Rechtsanwalt erscheinen, weil der Ausdruck «Personen» im palästinensischen Anwaltsgesetz sich seiner Auslegung nach lediglich auf Männer bezieht. Der Kampf der Frau Ginsberg hat eine längere Vorgeschichte. Im Jahre 1922 hat der Legal Board (Rechtsausschuß) es abgelehnt, sie zur Anwaltsprüfung zuzulassen. Dies war aber vor der Einrichtung des palästinensischen Obersten Gerichts. Das jetzige Beschwerdeverfahren läuft seit Jänner 1929. Im April entschied der High Court, er sei unzuständig, weil die Nichtzulassung zu einer Zeit verfügt worden sei, als die jetzt verantwortlichen Instanzen noch nicht eingesetzt waren. Der High Court würde in eine sachliche Behandlung der Beschwerden erst dann eingehen, wenn durch die seither eingesetzten zuständigen Stellen ein neues Gesuch wieder abgelehnt werden sollte. Im. Jahre 1926 interpellierte Colonel Wedgwood den damiligen Koloniensekretär Amery in dieser Angelegenheit und fragte ihn, ob er unter den obwaltenden Umständen nichts dazu tun wolle, daß die in Palästina noch immer beobachtete orientalische Einstellung zu den Frauen aufgehoben werde. Amery antwortete damals mit einem Hinweis auf das Beispiel Afghanistans und anderer Länder, daß ein zu schnelles Vorgehen in diesen Dingen nicht erwünscht sei. Wenn Frau Ginsberg diesmal vor dem High Court Erfolg haben wird, wird sie der erste weibliche Rechtsanwalt im gesamten vorderen Orient sein. Schmuck und Sabbethleuchter für das Industrialisierungswerk Die jüdischen Kommunisten Weißrußlands gaben die Losung aus: Jüdische Frauen, gebt eure Sabbath- Leuchter für das Sowjet-Industrialisierungswerk! Dieser Losung wurde in verschiedenen Städten Weißrußlands entsprochen. Es wurden — wie die Sowjetblätter melden — Frauenversammlungen abgehalten, in denen beschlossen wurde, die Sabbath-Leuchter dem staatlichen Industrialslerungswerk zur Verfügung zu stellen. In der ganzen. Sowjetunion wird unter den. jüdischen Frauen eine Kampagne für Hergabe ihres gesamten Schmucks zugunsten des Industriaiisierungsfonds durchgeführt. Varia Karin Michaelis, die bekannte Frauenrechtlerin, äußerte sich kürzlich über ihre Stellung zu den Juden in folgender Weise: ... «Ich bin in der Welt vielleicht die leidenschaftlichste Juden-Liebende. Es waren immer die Juden, die mich am meisten an^ogen, bei denen ich auch immer Wärme und künstlerisches Verständnis fand. Und es kommt mir oft vor, daß sie himmelhoch über andere Menschen stehen. Sie Palästina-Orangen In Aroma und Geschmack vorzüglich 14, 17, 22 oder 26 Stück je nach Größe und Vorrat zum Preise von S 7.40 Kisten mit 50, 60, 75 oder 90 Stück zum Preise von S 23.—. Bestellungen — auch ins Haus in Originalpackung zustellbar — nimmt entgegen Firma S. HALPERN Delikatessenwarenhandlung Wien I!., Förstergasse 6 Telephon-Nr. R40-4-12 haben nur einen Fehler: daß sie sich zu viel gefallen lassen. Und das kann ich nicht verstehen. Wenn es Feigheit wäre, dann würde ich es mir noch erklären können. Aber sie sind ja gar nicht feige. Das haben sie schon viele Mai bewiesen. Ich glaube, daß Rembrandt ein Jude war. Die Pracht in seinen Bildern und daun die stille Zurückgezogenheit seiner alten Menschen, diese Weisheit, das alles ließ mich immer mehr und mehr vermuten, er müsse Jude gewesen sein. Und ich hörte diese Ansicht auch von anderer Seite bestätigt. Ich werde mich mit dieser Frage noch befassen.» Sie kommt, das Gespräch abschließend, auf die jüdische Frau zu sprechen und sagt, sie beabsichtige eine Broschüre «Die jüdische Frau» zu schreiben. * Frau Lewin-Einhorn aus Bialystok ist die erste weibliche Uebersetzerin, die das polnische Justizministerium an ein Kreisgericht berufen hat. * Die Stuttgarter jüdische Gemeinde hat vor kurzem einen Beschluß gefaßt, Frauen als Redner auf dem Friedhofe zuzulassen. Wir richten an unsere verehrten Abonnenten und Leser die Bitte, sämtliche Familienereignisse — Geburten, Brith Mila, Barmizwa, Verlobungen, Heiraten, Jubiläen — in unserer Rubrik FAMILIENANZEIGER die wir ab nächster Woche einführen, bekanntzugeben. Da wir für diese Anzeigen einen überaus billigen Preis von S 3, SO festsetzen, hoffen wir, daß unsere Leser von diesem günstigen Offert ausgiebigen Gebrauch machen werden. DIE STIMME ADMINISTRATION Wir geben allen uns Nahestehenden bekannt, daß Herr LEO WEISS industrieller am 20 d. M. zufolge eines Herzschlages für immer von uns gegangen ist. Alle, die wissen, was er im Leben schuf und was er für seine Famlie war, werden unseren Schmerz ermessen. Einfach wie er im Leben war, so wollte er auch seinen letzten Weg antreten; demzufolge haben wir ihn in aller Stille am 22. d. M. am Klosterneuburger jüdischen Friedhof zur Ruhe gebettet. Die Angehörigen. Wir danken allen herzlichst, welche die Absicht haben uns persönlich ihr Beileid auszusprechen, bitten jedoch inständig, von Kondolenzbesuchen abzusehen.