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Die Stimme · 1930-01-28 · Heft 111 (28.1.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 111 (28.1.1930)
Date
1930-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 111 DIB STIMME Seite 5 Seim SdjmerKit... Jojol-JaMette#! Sogöl^ablrtten jtnb unübertroffen aur ‘Sefämpfung rheumatischer» gichtischer und nervöser Schmer* ten» Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. £ogal febeibef bie Aarnfdure au$ unb gebt baber bireft iur SBuraet bes Hebels! 3Benn ^aufenbe non ^ler^ten MefeS bittet oerorbnen, fönnen auch Sie eS nertrouehS« ooU taufen, fragen Sie 3b^n 5Iwt 13n allen Stoofbefen _forete S 2.40_ Der arabische Wirtschafts* boykott Von Dr, K. Schwager (Jerusalem) Es Ist nicht zu leugnen, daß die arabische Exekutive eine sehr wirksame Waffe aus dem Arsenal des nationalen Kampfes hervorgeholt hat, als sie den Wirtschaftsboykott der arabischen Bevölkerung Palästinas der jüdischen gegenüber verkündete. Der Grundsatz, mit dem dieser Abschnitt der Feindseligkeiten eingeleitet wurde: Kaufe nichts bei den Juden außer Boden und verkaufe ihnen alles, nur keinen Boden, ist in seiner trefflichen Schlagwort-Formulierung kennzeichnend für die wirtschaftliche Verknüpfung des jüdischen und arabischen Bevölkerungselementes in Palästina. Auf zwei Wegen schreitet die jüdische Aufbauarbeit vor: Landwirtschaft einerseits, Handel und Industrie andererseits. Die Drosselung des Bodenerwerbes bedeutet Stagnation der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation, das Einkaufsverbot für jüdische Waren einen schweren Schlag für die junge, aufstrebende Industrie und vor allem eine fast unerträgliche Beeinträchtigung des jüdischen Handels, der naturgemäß seinen Hauptkonsumenten in den breiten arabischen Volksmassen hatte. Und die Arrangeure des Boykotts wissen ihre Waffe gut zu gebrauchen! Sie verstanden es, die Ueberwachung der jüdischen Kaufläden in Jerusalem, Jaffa und Haifa so gut zu organisieren, daß wochenlang kein arabischer Kunde es wagen durfte, bei seinem alten jüdischen Geschäftsfreund einzutreten. Den ärgsten Ausschreitungen setzte zwar die Polizei schließlich ein Ziel, aber auch heute noch — ein Vierteljahr nach Verkündigung des Käuferstreiks — ist der jüdische Handel in den gemischtnationalen Stadtteilen lahmgelegt. Aber trotzdem kann man feststellen, daß die gefährliche Waffe schon schartig geworden ist. Ein Wirtschaftsboykott gegen die jüdische Minorität in einem anderen Lande, geführt mit der. gleichen Energie- und Organisation wie dieser, hätte sie unbedingt in ihrer Basis erschüttern und bis zum Ruin bringen müssen. Daß hier nur eine Schwächung gewisser wirtschaftlicher Positionen des jüdischen Bevölkerungsteiles eingetreten ist, ist der Beweis, daß es in Palästina bereits eine eigene jüdische Wirtschaftskonstruktion gibt, — soweit eben im zwanzigsten Jahrhundert überhaupt von einer nationalen Abgrenzung in ökonomischen Dingen zu sprechen ist. Aber — d man kann vermutlich nicht oft genug diese Tatsache der Galuth-Judenheit vor Augen führen — in Palästina ist de r Jude p r o d u k t i v i s i e r t worden, er ist, als Volksganzes genommen, nicht mehr Teil eines Wirtschaftskörpers, sondern steht auf seinen eigenen Füßen. Die jüdische Führung hat klugerweise niemals die Parole ausgegeben, den arabischen Boykott mit einem jüdischen zu beantworten. Aber gerade unter dem Eindruck der arabischen Feindseligkeit verstärkt sich in dem jüdischen Konsumenten das Bewußtsein, daß er in erster Linie den Könnationalen im Wirtschaftskampf ur 'Tstützen müsse und so kommt es, daß das jüdische Publikum mehr als zuvor Gewicht darauf legt, beim jüdischen Zwischenhändler einzukaufen, den jüdischen Handwerker, Chauffeur, Lastträger zu beschäftigen, Waren, die jüdisch-palästinensisches Produkt sind, anzuschaffen. Die arabischen Boykotthetzer haben auf diese Weise bereits einen Erfolg erzielt, den sie vermutlich nicht beabsichtigt hatten. Nimmt man noch hinzu, daß der Einkauf in arabischen Stadtteilen dem Juden nicht Tätlich, zumindest nicht erfreulich erscheint, so versteht man, warum sich gerade nach den Unruhen in den jüdischen Vierteln ein viel regeres Geschäftsieben fühlbar macht als früher. Die jüdischen Zeitungen haben ja bereits berichtet, welchen Aufschwung das Handelsviertel von Tel-Aviv in den letzten Monaten genommen hat. Tel-Aviv als Ganzes macht heute mehr denn je zuvor den Eindruck eines wirtschaftlichen Zentrums, das keinesfalls von einer wirtschaftlichen Krise bedroht ist. Und ebenso wandert das geschäftliche Leben auch in Jerusalem und Haifa mehr in die westlichen, von den Juden bewohnten Viertel ab. Dem arabischen Bevölkerungsteile brachte der Boykott alles eher als Vorteile. Es gibt gewisse Handelszweige, in denen die Juden geradezu Monopolstellung hatten. Ihre arabischen Konkurrenten, soferne es solche gibt, können keine so reich und billig assortierten Lager aufweisen. Der arabische Käufer hat so oftmals nicht einmal die Wahl, ob er einen Gebrauchsgegenstand dort teuer oder überhaupt nicht kaufen soll, sondern, da er ihn eben bei dem jüdischen Händler nicht kaufen kann, muß er darauf verzichten. Die , Folge ist eine allgemeine Stagnation des Handels, unter der. auch der arabische Zwischenhändler leidet. Eine interessante Erscheinung wird in dem Süddistrikt beobachtet Die Fellachen aus der ganzen Gegend, die früher meistens nach Jaffa kamen, um ihre Einkäufe zu besorgen, vermeiden jetzt diese Stadt und ziehen cs vor, um nicht den Agenten der Boykottarrangeure in die Hände zu fallen, die Kaufländen in den jüdischen Kolonien aufzusuchen. Vorteile hatten -bisher nur die christlichen Geschäfte, die es auch sehr gut verstanden, die nationale Leidenschaft in ihrem Interesse zu verwerten. Es ist interessant, daß sich auch im Kommissionshandel eine ähnliche Tendenz geltend macht. Christliche, — darunter auch europäische Firmen — versuchen, unter dem Vorwände, daß ihre jüdischen Konkurrenten die Interessen der vertretenen Häuser nicht wahrnehmen könnten, jahrelange Verbindungen zu zerreißen und an sich zu ziehen. Gegen dieses unlautere Konkurrenzmanöver haben sich die jüdischen Agenten zu einem Schutzverbande zusammengeschlossen. Den Grundsatz,, keinen Boden weiter an Juden zu verkaufen, haben die einflußreichsten Araber selbst nicht ernst genommen. Abgesehen von dem bereits bekannten Ankauf wertvollsten städtischen Terrains in Haifa durch ein jüdisches Konsortium, werden auch weiter Bodenkäufe getätigt, die verständlicherweise nicht an die große Glocke gehängt werden dürfen. Jene Erzeugnisse der jüdischen Industrien, die durch ihre Qualität und Preislage sich bereits durchgesetzt haben, können durch einen Machtspruch der arabischen Führung nicht mehr vom Markte verdrängt werden. Der Stadtrat von Jaffa hat zwar seinen Vertrag 4 mit dem Ruthenbergwerk gekündigt und ist vom elektrischen Licht zur Luxlampe zurückgekehrt, die mit Petroleum gespeist wird, aber in zahlreichen arabischen Haushaltungen, die in der ersten Aufwallung das elektrische Licht boykottiert hatten, hat der fortschrittliche elektrische Funke doch schon wieder gesiegt. Langsam wagt sich hier und da ein arabischer Käufer in einen jüdischen Laden. 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Dr. Victor Jacobson bei Sir Eric Drummond Ueberreichung eines Memorandums, in welchem zu dem Protest des Syrisch-Palästinensischen Komitees gegen die Einsetzung der Klagemauer-Kommission Stellung genommen wird und die Behauptungen der Araber über jüdische Eroberungsabsichten bezüglich arabischer Heiliger Stätten zurückgewiesen werden. Dr. Victor Jacobson, Delegierter der Exekutive der Zionistischen Organisation, wurde am 22. d. M. von Sir Eric Drummond, Generalsekretär des Völkerbundes, empfangen und hat ihm eine Note überreicht, die wie folgt lautet: 1. Emir Chekib Auslan und Herr Ihsan El Djabri, die im Namen eines «Syrisch-Palästinensischen Komitees agieren und behaupten; ^fdß^lnsche Bevölkerung Palästinas .zu repräsentierenihrem Namen zu sprechen, haben der Presse einen Protest gegen die vom Rat des Völkerbundes in seiner Sitzung vom 14. Jänner 1930, betreffend die Klagemauer, gefaßte Resolution übergeben. Z 2. Indem ich zur Kenntnis nehme, daß die Unterzeichner des Protestes die Tatsache anerkennen, daß der Text des Mandates selbst «die Etablierung einer jüdischen Mehrheit» in Palästina einbegreift, protestiere ich gegen die in dem vorerwähnten Dokument enthaltene Behauptung, daß die Juden «alle arabischen Heiligen Stätten, inbegriffen die Aksa-Moschee», begehren und daß die Errichtung einer jüdischen Mehrheit notwendigerweise zu einer Entweihung dei; arabischen Heiligen Stätten sowie zu’ «der Eliminierung des arabischen und muselmanischen Elementes» führen muß. 3. Ich versichere feierlich, daß weder die «Jewish Agency for Palestine», noch die Zionistische Organisation, noch die Juden im allgemeinen die Eroberung der Aksa-Moschee oder Irgendeiner anderen Heiligen Stätte in Palästina erstreben oder erstrebt haben. Diese für jeden Menschen von gutem Glauben ersichtliche GroONeischhauerel SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteHmioei^fürJ^2j£J®j2^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Xutozuslelluno kostenlos IX, Berggasse 15 XVIII, Wfihringerstraße 97 und durch die offiziellen jüdischen Deklarationen so oft festgelegte Wahrheit wurde kürzlich durch die Untersuchung der Kommission der britischen Regierung, wie aus den über ihre Arbeiten veröffentlichten Mitteilungen zu ersehen ist, bestätigt. Angesichts der neuerlichen Publizierung solcher Behauptungen ist man geneigt, an deren Aufrichtigkeit zu zweifeln und sogar zu vermuten, daß sie nur in Kenntnis ihres unvermeidlichen Ergebnisses verbreitet werden — des Ergebnisses nämlich: die durch ähnliche tendenziöse und bösartige Agitation fanatisrerten Massen zu neuen Unruhen aufzustacheln. 4. Die Zionistische Organisation hat wiederholt feierlich kundgetan, daß die Errichtung von gut nachbarlichen Beziehungen und die Schaffung einer Zusammenarbeit, die die Wohlfahrt des Landes in seiner Gesamtheit und aller Teile seiner Bevölkerung zum Ziele hat, die Basis der jüdischen Aspirationen in Palästina bildet; Aspirationen, die geteilt werden von allen zionistischen und nichtzionistischen Gruppierungen, die an dem Werke des Wiederaufbaues des jüdischen Nationalheims teilnehmen. Die Juden haben niemals die Unterjochung der arabischen Bevölkerung betrieben. Sie verabscheuen jede «Politik der Eliminierung», die von den anderen gepredigt und kürzlich in Palästina geübt wurde. Ich weise also mit Entrüstung die zweite Behauptung des Emirs Arslan und des Herrn Ihsan El Djabri zurück, die den Juden die Absicht unterschiebt, in Palästina das Ziel «der Eliminierung des arabischen und muselmanischen Elementes» zu verfolgen. Ich nehme mir die Freiheit, hier den Beschluß des im September 1921 abgehaltenen XII. Zionistenkongresses zu reproduzieren, der in der folgenden authentischen Form die Ziele des Zionismus formuliert: «die Entschlossenheit des jüdischen Volkes, mit dem arabischen Volke in Einigkeit und gegenseitiger Achtung zu leben und zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat zu einer blühenden Gemeinschaft zu machen, deren Aufbau allen ihren Bevölkerungsteilen eine ungestörte nationale Entwicklung sichert». Diese Entschließung wurde indem Weißbuch zitiert, das die britische Regierung im Juni 1922 dem Parlament vorlegte. 5. Gerade unsere feste Ueberzeugung von der Notwendigkeit und der Möglichkeit eines harmonischen Zusammenklanges der Interessen der Araber und der Juden veranlaßt uns, mit Genugtuung den Beschluß des Rates zu begrüßen, der von den Delegierten des syrisch-palästinensischen Komitees angegriffen wird. 6. Im Namen der hohen Prinzipien des Friedens und der Gerechtigkeit, von denen doch jede Aktion des Völkerbundes inspiriert ist, von denen ja auch der Beschluß des Rates über die Ernennung einer Kommission zur Regelung der Klagemauer-Angelegenheit inspiriert wurde, protestiere ich mit aller Entschiedenheit gegen die Drohungen, mit denen Emir Chekib Arslan ■und Herr Ihsan El Djabri diesem Beschluß in ihrer Erklärung entgegentreten. Ich protestiere gegen eine Politik der Gewalt und Einschüchterung, deren sie sich gleich den Förderern und Initiatoren der palästinensischen Unruhen bedienen zu wollen scheinen, dieser unseligen Politik, die von Herrn Macdonald mit Worten gebührend gebrandmarkt wurde, die durch einmütige Billigung der Versammlung sanktioniert worden sind. (J. T. A.) Zwischen den Zeilen Die neue Golgatha Sind es Pharisäer, die ihn verurteilt haben? Sind nicht schuldvoller lene, die ihre Hände in Unschuld wuschen? Also sprach der Oberste Gerichtshof: «Alles in Ordnung. Kein Fehler im Verfahren. Ob er Vatermörder ist? Das interessiert uns nicht.* Dixit et salvavit animam suam. Der Oberste Gerichtshof hat recht: wie lange noch soll dieser Fremdling die österreichischen Gerichte beschäftigen? Zweimal wurde ihm bereits gesagt, daß er ein Verbrecher ist. Er will es noch immer nicht glauben ... Ist das nicht der richtige Weg, Um das Gewissen der Menschheit zu erschlagen? Ist das nicht die neue Golgatha? Zeiten ändern sich, Namen ändern sich, die Märtyrer bleiben dieselben. Und Golgatha heißt heute — Stein. St’:’}.’

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