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Die Stimme · 1930-01-28 · Heft 111 (28.1.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 111 (28.1.1930)
Date
1930-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 111 DIE STIMME Sette 3.. UNG DER VERTRIEB DER PALÄSTINA MAZZOTH HERGESTELLT AUS DEM GE- TRE1DE DER FELDER JÜDISCHER KOLONIEN IREZ ISRAELS IN DEN GROSSEN, MODERNST EINGERICHTETEN MÜHLEN DES LANDES LIEGT JETZT AUSSCHLIESSLICH IN DEN HÄNDEN DER FIRMA GUSTAV WILDER WIEN, IV, BLECHTURMGASSE 12 TEL.: U-43-8-19 GROSIHUHLEN u. MAZZOTHFABRIKEN HAIFA ip ntoi Hinter den Kulissen der Jewish- Agency (e.) Seit ungefähr drei Wochen bringt die gesamte jüdische Presse Nachrichten über Mißklänge und Mißverständnisse innerhalb der Jewish Agency. In ihrer vorletzten Nummer berichtete die «Jüdische Rundschau» amknüpfend an den Brief des Präsidenten des Administrative Committee, Felix M. Warburg an die Mitglieder dieses Komitees, einen Kommentar, in dem auf eine gewisse Verstimmung in den amerikanischen Kreisen der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency hingewiesen wird. Warburg und die amerikanischen Nichtzionisten in der Agency sehen im Präsidium des Administrative Committee die eigentliche leitende Instanz und weisen der Londoner Exekutive nur eine ausführende Rolle zu. Ebenso sollen die Amerikaner, nach Ansicht der amerikanischen jüdischen Presse, in der Tatsache des Zustandekommens der Jewish Agerfcy den Zeitpunkt für bereits gegeben erachten, die Rolle der Zionistischen Organisation auf das Minimum einzuschränken. Natürlich mußte diese Auffassung bei den amerikanischen Zionisten Widerspruch hervorrufen. Der angesehene jüdische Journalist Sch. Rosenfeld macht sogar in einem Artikel, den er vor einiger Zeit im «Der Tog» veröffentlichte, darauf aufmerksam, daß die Nichtzionisten scheinbar den Versuch unternehmen wollen, die Gesamtführung der Geschäfte innerhalb der Agency, selbst in Fragen, die den Wiederaufbau Palästinas nicht direkt betreffen, einzelnen Personen zu überlassen. Es bildet sich eine Art Diktatur heraus, die, wenn sie jetzt nur kleinliche administrative Angelegenheiten betrifft, mit der Zeit unangenehme Konsequenzen zeitigen könnte. Selbstverständlich mußten diese Zustände zu Mißverständnissen zwischen Warburg und den Zionisten führen. Richtig bemerkt Dr. Koralnik in einem Artikel «Arum der Agency» im «Tog» vom 8. d. M., daß diese Mißverständnisse keinesfalls zu einem endgültigen Zusammenbruch der Agency führen werden, weil die Nichtzionisten sehr genau wissen, daß die Agency für sie die einzige Chance bedeutet, in der jüdischen Gasse eine führende Rolle zu spielen. In dem Augenblick aber, in dem sie kleinlichen Mißverständnissen zufolge die Agency zu Fall bringen, haben sie jedwede Bedeutung im Judentum verloren. Die Zionistische Organisation ist in der jüdischen Welt derart stark verankert, Der 4 ft Inventarverhanf hat begonnen! S 12.50—29.50 Bola Resohpvsky |l, , Graben IT daß sie nichts zu befürchten habe. AU diese Mißverständnisse sind eben nichts anderes als eine Folge der verschiedenartigen Auffassungen in Amerika und Europa über Organisation und Verwaltungsmaschinerie der zionistischen Instanzen. In einem Interview erklärte der Präsident der Zionistischen Organisation, Louis Lipsky, ausdrücklich, daß die Organisierung der Agency mit administratven Neuordnungen, die von beiden Seiten verschieden aufgefaßt werden, eng Zusammenhänge.. Diese verschiedenartigen Auffassungen haben wohl Mißverständnisse, aber keine Konflikte gezeitigt. Warburg ist mit dem Charakter und dem Wesen unserer Organisation viel zu wenig vertraut. Unsere Konstitution, die auf rein demokratischer Grundlage beruht, kommt ihm fremd vor, und während wir Zionisten in der Exekutive unser regierendes und äusführendes Organ erblicken, glaubt Warburg, in der Exekutive nichts anderes als ein Kol- I., SCHOTTENRING 14 I., FÜHRICHGASSE 3 legium ausführender Beamten zu sehen. Auf Grund seiner Unkenntnis hat Felix Warburg letztens an sämtliche 220 Mitglieder des Rates der Jewish Agency ein Elaborat verschickt, das eine Einteilung des ganzen Rates in Kommissionen enthält. In einer graphischen Darstellung weist das Schema eine ganze Reihe von Komitees für die verschiedensten Fragen auf, die in die Kompetenzen der Agency gehören. Jedem Mitglied des Rates wurde nach diesem Schema eine Kommissionsstelle zugewiesen, wobei jedoch auf die Individuelle Eignung der Einzelnen keine Rücksicht genommen wurde. Während wir Zionisten auf Grund unserer dreißigjährigen Organisationsarbeit ein klares Bild über die Tätigkeit der einzelnen Organe und Institutionen haben und in der Exekutive, die vom Council der Agency gewählt wurde, die* *e?gP&ffi!tliehe Leitung der Agency e r b i i c k-’&K-äerti Administrative Committee aber dieselbe Funktion zugewiesen wissen wollen, wie sie bei uns das Aktionskomitee besitzt, glaubt Warburg, daß er als Präsident des Administrative Committee die eigentliche Leitung der ganzen Agency innehat. Es ist vielleicht ein Fehler gewesen, daß man die enge Umschreibung der Kompetenzen, in Zürich nicht vorgenommen hat. Die traurigen Ereignisse in Palästina haben die Aufmerksamkeit auf Palästina allein gelenkt und es gab keine Möglichkeit, sich dem organisatorischen Ausbau der Agency so zu widmen, wie. es im Interesse einer reibungslosen Zusammenarbeit gewesen wäre. Nun sind all diese Mißverständnisse in den letzten Tagen aus der Welt geschafft worden. Dr. Bernhard Kahn hat vor einigen Tagen über Ersuchen Warburgs mit der Londoner Exekutive die strittigen Kompetenzfragen durchberaten und eine Klärung henbeigeführt. Schon die Tatsache, daß Warburg in seiner Rede anläßlich des New Yorker Banketts zu Ehren Smuts sich In einer warmherzigen Weise über Weizmann äußerte und Smuts ersuchte, dem «verehrten Führer Weizmann die Liebe und Ergebenheit» der amerikanischen Juden zu verdolmetschen, weist darauf hin, daß die Differenzen zwischen New York und London als bereits ausgetragen angesehen werden können. Eine andere Frage ist nun, ob es im Interesse Palästinas gelegen Ist, die bevorstehenden Geldsammlungen gemeinsam mit denen des Joint Distribution Committee zu veranstalten. Es wäre sicherlich besser gewesen, bei diesen Geldsammlungen unser Aufbauwerk in Palästina hervorzustreichen und nicht unter gemeinsamer Flagge mit dem philantropischen J. D. C. zu segeln. Durch diese gemeinsamen Sammlungen ist in Amerika der Gedanke des Keren Hajessod als einer Steuerleistung ein für allemal totgeschlagen worden. Da diese Sammlungen mit Zustimmung der gesamten Zionistischen Organisation in Amerika proklamiert wurden, müssen wir es als bestehende Tatsache hinnehmen. Schließlich wird die amerikanische Organisation wohl gewußt haben, warum sie dem zugestimmt hat. Weit gefährlicher ist eine andere Erscheinung. Ein Teil der amerikanischen Agency-Mitglieder macht sich die Ideologie des Dr. Magnes zu eigen. Wir habert bereits in einigen europäischen Assimilantenblättern gelesen, daß die Ansichten Dr. Magnes geeignet wären, die Regelung der jüdisch-arabischen Beziehungen in die Wege zu leiten. Es erscheint daher notwendig, daß die Zionisten in der Agency mit der ganzen Kraft ihrer Autorität sich dagegen wehren, unsere Zielsetzung in eine Formel des Dr. Magnes zu kleiden. Die überaus klare und eindeutige Erklärung Weizmanns auf dem Jenaer Delegiertentag, daß wir nach wie vor die Verwirklichung des zionistischen Programmes und die Schaffung der Nationalen Heimstätte in Palästina erstreben, beweist, daß die offiziellen Kreise unserer Organisation die Ideologie des «Brith Schalom» verwerfen. Aufgabe des zionistischen Teiles der Agency wird es daher in der nächsten Zukunft sein, durch ein einmütiges, geschlossenes Zusammengehen aller Zionisten, bei Beiseitestellung aller sonstigen Parteidifferenzen, dem Willen nach Verwirklichung unseres Endzieles klaren Ausdruck zu verleihen. Board of Deputies und die Palästinafrage im Völkerbund In seiner am 19. Jänner abgehaltenen Sitzung der Jewish Board of Deputies berichtete Lucien Wolf über die jüngsten Entscheidungen des Völkerbundrates im Zusammenhang mit den Palästina-Unruhen. Zwei Kommissionen sind eingesetzt worden. Die eine wird «die Ursachen der Vorkommnisse, die zur Beruhigung des Landes unternommenen Schritte Und die Maßnahmen zur Verhinderung einer Wiederholung solcher Ereignisse prüfen»; die zweite wird eine Ad-hoc-Kommissiori aus drei Mitgliedern «zur Prüfung, Bestimmung und endgültigen Festlegung der jüdischen und, mohammedanischen Rechte und Ansprüche an der Klagemauer in Jerusalem» sein; Voraussichtlich werden die Untersuchuhgsergebnisse der beiden Kommissionen dem Völkerbundrat nicht vor September unterbreitet werden können. (J. T. A.) * Einsetzung der Klagemauerkommission durch (He Flottenkonferenz verzögert Wie die J. T. A. erfährt, wird die Nominierung der Kandidaten für die in der letzten Sitzung des Völkerbundrates beschlossene Dreierkommission zur Regelung der Klagemauerfrage in den nächsten Tagen nicht erfolgen können. Der Premierminister und das Fpreign Office sind durch die Flottenkonferenzen voll in Anspruch genommen. Sirzung des Administrative Committee wahrscheinlich am 18. März in London Wie die J. T. A. erfährt, wird die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency wahrscheinlich am 18. März in London stattfinden. Die Verhandlungen zwischen dem Vorsitzenden des Administrative Committee, Herrn Felix Warburg, und der Londoner Exekutive über diesen Punkt sind aber noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Amerika-Reise des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizimann, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Das Zionistische A. C. wird noch vor der Sitzung des Administrative Committee zusammentreten. Der genaue Zeitpunkt der A. C.-Sitzung wird aber erst feste gesetzt werden, wenn der der Administrative Committee-Sitzung endgültig feststehen wird. Die endgültige Zusammensetzung der arabischen Delegation Jerusalem, 24. Jänner. (J. T. A.) Die jetzt abge-, schlossene Session der palästinensisch-arabischen Exekutive, die sich mit der Beilegung des zwischen den arabischen Führern entstandenen Konfliktes und mit der Neuwahl der nach London zu entsendenden arabischen Delegation zu beschäftigen hatte, wählte zum Führer der Delegation endgültig den Präsidenten der Exekutive, Musa Kazirn Pascha ei Husseini, an Stelle des zuerst zum Führer der Delegation bestimmt gen wesenen Großmufti Hadsch Emin ei Husseini. Der Großmufti bleibt aber Mitglied der Delegation, der außerdem noch der Jerusalemer Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi, der bereits in London weilende Dschemal Husseini, Auni Bey Abdul Hadi und Alfred Roch angehören. Die Delegation besteht also aus sechs Mitgliedern, von denen drei der Partei des Großmuftj und drei der Opposition, gegen den Großmufti angehörerv Alfred Roch, der wider Erwarten an Stelle von Moghanan. Effendi zum Mitglied der Delegation wiedergewählt wurde, ist der einzige Christ Innerhalb der Delegation»

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