Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 110 (23.1.1930)
- Date
- 1930-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 110 DIB STIMME Seite .*> SJeftfjtm&ettfreieS Sitter Ein Gespräch mit Lazarus Barth (GL) Herr Lazarus Barth, Mitglied der Zionistischen Exekutive in London, weilte von Samstag, den 18., bis Montag, den 20. Jänner, in Wien und hatte Gelegenheit, in einer Reihe von Veranstaltungen über zionistische Probleme zu sprechen. Außerdem informierte auch Herr Barth in vertraulichen Besprechungen die führenden Männer unserer Organisation über den gegenwärtigen Stand der Arbeiten der Exekutive, sowie Uber deren nächstes Arbeitsprogramm. Das Auftreten Lazarus Barths in den öffentlichen Kundgebungen, seine ruhigen und überaus sachlichen Darlegungen haben nicht nur aufklärend gewirkt, sondern auch zur Aneiferung der aktiven Menschen unserer Organisation beigetragen. Ueber die verschiedenen Veranstaltungen, in denen Herr Lazarus Barth gesprochen hat, bringen wir im heutigen Blatt Sonderberichte. In einem Gespräch, das ein Mitarbeiter unseres Blattes mit Herrn Lazarus Barth führte, äußerte er sich über aktuelle zionistische Frangen wie folgt: Bezüglich der Untersuchungskommission, sagte Herr Barth, glaubt man, daß Ende des Monats der Bericht der Kommission fertiggestellt sein und den Mitgliedern des Parlaments in den ersten Tagen des Februar zugeher würde. Rechnet man dazu zwei bis drei Wochen für das Studium des sicherlich ziemlich umfangreichen Dokumentes, so kann man damit rechnen, daß die Pariamentsdebatte gegen Ende Februar oder anfangs März stattfinden wird. Aus diesem Grunde war es auch Prof. Weizmann nicht möglich, jetzt nach Amerika zu reisen, wie er es beabsichtigt hatte, da seine Anwesenheit yor und während der Parlamentsdebatte in London natürlich nicht zu entbehren ist Deshalb ist die Sitzung des Administrated Com« mittees bis auf weiteres vertagt worden. Diese Vertagung an sich ist auch durchaus praktisch, denn ohne Zweifel wird sich auch nach der Aussprache im Parlamente die Notwendigkeit ergeben, einen Meinungsaustausch, sowohl unter den Zionisten als auch innerhalb des Administrated Committees herbeizu führen. Zur Frage der Jewish Agency sagte Herr Barth, daß die persönliche Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten bisher in durchaus freundschaftlichem Sinne und ohne irgendwelche Reibungen vor sich gegangen ist. Nach den Tagen von Zürich war zweimal Gelegenheit zu einer gemeinsamen Beratung gegeben, das erste Mal im Anschluß an die Sitzung des Aktionskomitees im September, das zweite Mal bei der Tagung des politischen Komitees. Wenn in der Presse viel von Differenzen mit amerikanischen Mitgliedern der jewish Agency gesprochen worden war und diese Nachricht dann, wie es leider häufig in der jüdischen Presse der Fall ist, in stark übertriebener Weise in die Oeffentlichkeit gekommen ist, so glaube ich, nach den bisherigen Erfahrungen bei den Konferenzen, sagen zu können, daß mündliche Aussprachen uns über die durchwegs auf sachlichem Gebiete liegenden Differenzen hinwegbringen. Die Amerikaner fühlen die Verantwortung für die Aufbringung des auf sie entfallenden Anteiles am Palästina-Budget. Darauf sind wohl auch die Meinungsverschiedenheiten zurückzufiihren, die sich bei der Arbeit im Interesse des Jüdischen Nationalfonds und bei anderen Gc.egenheiten im Lande gezeigt haben. Die Einsetzung des Komitees für die Verteilung der Hilfsgelder ist dagegen im Einverständnis mit beiden Gruppen beschlossen worden. Ein Ausschuß, dem Felix Warburg und Lord Melchett ais Treuhänder derjenigen Länder, die den größten Teil der Spenden aufgebracht haben, sowie die in Erez Israel ansässigen H. Hexter und Col. Kish angehören, stellt an der Spitze des Verteilungskomitees. Ueber seine letzte Reise befragt, sagte Herr Barth etwa folgendes: Ich war zum ersten Mal in Galizien gewesen und Habe dort die zionistischen Energien mit großer Freude an Ort und Stelle kennen gelernt. F.s fand eine zionistische Konferenz in Ostgalizien statt, bei der Vertreter aus 80 Städten zusammengekommen waren, Männer, die zum Teil 12 bis 15 Stunden auf der Reise zugebracht haben. Es gab Konferenzen der allgemeinen Zionisten, der Hitachduth, des Misrachi, in denen überall der ungebeugte Wille zur Mitarbeit und zur Unterstützung der Arbeit der Exekutive zum Ausdruck kam; die Hechaluzorganisationen haben die schwere Aufgabe der Vorbereitung der Transporte der neuen Immigranten für Erez Israel jetzt mit derselben Liebe und Hingebung wie früher bewältigt. Trotz der wirtschaftlich schweren Lage der polnischen Juden haben sie gerne ihre relativ erheblichen Beiträge für den Hilfsfonds und für den Keren Hajessod geleistet. Auch in kleinen Städten sind Versammlungen veranstaltet worden, die starke Kundgebungen für den Gedanken des Zionismus waren. Großfleischhausrel SIEGM. KORN MEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abi^llunflionl^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autovuslelluno tco»tenlo« IX, Barkasse 1S XVHI, Währlngerstr^tSe 97 erreid)&ör imrdj eine ftabiofflerittfuf, ble eine ©crbiln* mtttg be3 SÖtuteS bcluirft, gegen ^erfatfung her SBIut* gefo&e berbeugt unb blcfen babutd) ble m>th>enbige ©tafti« Daß man in Wien, in der Stadt von Herzl und Chajes, verstanden hat, die internen Beratungen und die öffentlichen Kundgebungen gut zu organisieren, und daß hier eine große Anzahl von Gesinnungsgenossen mit Interesse die Gelegenheit wahrnahm, sich über die zionistischen Dinge auszusprechen, konnte mich nicht Wunder nehmen. Tagung des Zionistischen Parteirates Sonntag, den 19. Jänner, tagte im Sektionsheim Bennoplatz der Parteirat. Im Mittelpunkt der Beratungen stand der Bericht des Mitgliedes der Zionistischen Exekutive, Herrn Lazarus Barth, der vertrauliche Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der politischen Arbeiten der zionistischen Exekutive machte. Die von den einzelnen Miigliedern gestellten Fragen wurden von Herrn Lazarus Barth in ausführlichster Weise beantwortet. Sodann beschäftigte sich der Parteirat mit den Thesen des Organisationsreferates, das Herr Rabinowitz erstattete, sowie mit dem Anträge des Landeskomitces auf Anerkennung des Verbandes der demokratischen Zionisten als' Sondervereinigung im Falle ihres Eintrittes in den Landesverband. Die sachliche Debatte, sowie die einstimmige Annahme dieses Antrages haben den Friedenswillen des Landesverbandes I n h a b e r: IlflCH A«H«rgaM« 5 Richard Herzog WlLil 11.. war«*, as Tel. A-41-6-24 IStii Sxtc, EMS i'sm $ oredhmascSiInen, Sctiall* | platten u. Rundfunkgeräte j alle 1 jüdischen und hebräischen Schallpiattenj sowie alle modernsten Tanzu. Gesangsschlager i in reichster Auswahl aut Lager i Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Soeben neue original-amerikanische Lieferungen eingela ngt klar und deutlich zum Ausdrucke gebracht. Dieser Beschluß öffnet nun den Weg zur Einigung der Organisation. Am Verbände der demokratischen Zionisten liegt es nun, durch ihren Wiedereintritt in den Landesverband kundzutun, ob es ihnen an der Einheitlichkeit der Landesorganisation und an einer gemeinsamen zionistischen Mitarbeit ernstlich gelegen ist. In der Debatte über diesen Antrag befürworteten sämtliche Redner im Interesse einer friedlichen und gedeihlichen Zusammenarbeit aller Zionisten die Annahme des vom Landeskomitee unterbreiteten Antrages. Im Nachstehenden bringen wir einen gedrängten Bericht über den Verlauf der Tagung. Präsident Dr. Ehrlich eröffnete um 5 Uhr nachmittags die Sitzung, begrüßte Herrn Lazarus Barth sowie die Vertreter der Misrachiorganisationen und Herrn Dr. Nahum Goldmann, der während seines kurzen Aufenthaltes in Wien Gelegenheit nahm, den Beratungen des Parteirates beizuwohnen. Nach dem Bericht des Herrn Lazarus Barth wurde die Konstituierung des Parteirates vorgenommen. Zum Vorsitzenden des Parteirates wurde Prof. Dr. Wilhelm Stein, zu seinem Stellvertreter Dr. Emil Schmitz und zur Schriftführerin Frau Dr. Amalie Kantor gewählt. Noch vor Eingang in die Tagesordnung unterbreitete namens des Landeskomitees Herr Ing. Otto Krasny folgenden Antrag: «Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich, welches mit der Vorbereitung des ordentlichen Delegiertentages beauftragt ist, beantragt, den Verband der demokratischen Zionisten im Falle ihres Eintrittes in den zionistischen Landesverband für Oesterreich als Sondervereinigung der österreichischen Landesorganisation anzuerkennen.» Nach einer kurzen, sachlichen Debatte erfolgte die einstimmige Annahme dieses Antrages. Der Organisationsreferent des Landeskomitees, Herr Bruno R a b i n 0 w i t z, erstattete sodann ein erschöpfendes Referat über Organisationsfragen und jität erhält. Dtobiofffetin ift feit $afjren afg 8iit.ftetuitg3« uttb Sßor&engungSmtttel ärjtlid) erprobt nnb frei toerfäuf* lid). fHöbiumgeljafi nmtlid) überprüft. 2>epoi nnb 9fu§funft faßte seine Ansichten in den nachstehenden Thesen zusammen: 1. Die Propaganda über Wesen und Ziel der zionistischen Bewegung, sowie besonders über die Lage Palästinas ist Vorbedingung der Gewinnung neuer und auch Wiedergewinnung alter Gesinnungsgenossen. 2. Die Form der österreichischen Organisation — die Bezirkssektionen, Ortsgruppen und Sondervereinigungen — muß aufrechterhalten bleiben. Dessen ungeachtet sollen ideologische und durch Sonderinteressen geschaffene Gruppen der Organisation eingefügt und die Mitglieder dieser Vereinigung aufgefordert werden, in ihren Wohnsprengeln den aufklärenden Bezirksseklionen ihre Mithilfe trotz ihrer Sondereinsteliung nicht zu versagen. 3. Das Verhältnis der Sonderorganisationen zum Landesverband resp. zu den Sektionen muß so gestaltet werden, daß ein großer Ratomenverband gebildet wird, in dem mit den Föderationen die Hauptarbeiten, wie Propaganda, Schekel, Keren Kajemeth und Keren Hajessod, gemeinsam durchgeführt werden können. 4. Die Reorganisation der finanziellen Verhältnisse soll, sov.eit sie im organisatorischen Wirkungskreis liegt, zum Leitgedanken haben, daß die von der Organisation zu leistenden Beiträge regelmäßig allmonatlich erfolgen, damit das Budget des Landeskomiteis sichergestellt werden kann. (Dieser Punkt wurde als Antrag des Referenten vom Parteirat zum Beschluß erhoben.) 5. Der bereits vor einigen Monaten geschaffene Hauptausschuß — gebildet aus den Obmännern der, Teilorganisationen — soll monatlich zusammentreten, um rein praktische Fragen der Organisation zu beraten und im Einvernehmen mit dem Landeskomitee durchzuführen. Nach der Debatte, in der die Herren Dr. Löwy, Weinstock, Aron, Holzer, Dissenczyk gesprochen, haben, beschäftigte sich der Parteirat mit dem von Herrn Dr. Jakob Weiner in der «Neuen Welt» veröffentlichten Artikel und faßte nach einer kurzen Debatte einhellig folgende vom Landeskomitee vorgeschlagene Resolution: «Der Parteirat verurteilt die Veröffentlichung des Herrn Dr. Jakob Wein«- in der «Neuen Welt», insbesondere seine unbegründeten, den Keren Hajessod schädigenden Auslassungen. Der Parteirat weist ferner die Angriffe Dr. Weäners gegen Herrn Dr. Löwenherz zurück und spricht Letzterem für seine hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste der, Organisation und insbesondere auch des Keren Hajessod Dank und Anerkennung aus.» Lazarus Barth als Gast des Wiener Misrachi Anläßlich seines hiesigen Aufenthaltes nahm Herr Lazarus Barth auch Gelegenheit, im Kreise seiner engeren Föderationsfreunde über aktuelle zionistische Fragen zu sprechen. Ueber Einladung der Misrachijugendzentrale nahm Herr Lazarus Barth an der Oneg-Sohafobatlweränstaltung am vergangenen Samstag teil. Nachdem der Gast von Herrn Sch. Scheuermann im Namen der Misrachijugend Wiens begrüßt wurde, hielt er bei der darauffolgenden «Seuda Schlischith» eine Ansprache an die Jugend, in der er, an den Wochenabschnitt anknüpfend, die spezifischen Aufgaben der misraohistischen Jugend umzeichnete. Er forderte die Jugend auf, im Siw des Misrachi weiterhin tatkräftigst zu arbeiten. Seine Ausführungen fanden bei der sehr zahlreich anwesenden Jugend lebhaftesten Beifall. Sonntag, den 19. d. M., fand im Saale der Mferachi- Zentrale eine Versammlung statt, bei der Herr Lazarus Barth über die politische Lage im Zionismus berichtete. Der Referent, vom Präsidenten Löw herzlicbst begrüßt, und vom zahlreich erschienenen Publikum lebhaft atokiamiert, berichtete über die Aufbringung der Geldmittel für den Notstandsfonds nach den Ereignissen in Erez Israel und schilderte sodann die gegenwärtigen Arbeiten in Erez Israel. Trotz der letzten Vorkommnisse sind alle Mittel anz.uwenden, um alles, was wir in Erez Israel haben, zu stützen, damit wir imstande sind, die Zahl der Einwanderer wesentlich steigern zu können, neuen Boden anzukaufen und zu besiedeln, denn Palästina muß sich entwickeln. Der Redner kommt zum Schluß noch auf die Stellung des Misrachi innerhalb der zionistischen Organisation zu sprechen und sagt: «Ich betrachte den Misrachi als radikale Partei, weil wir den Zionismus aus dem Judentum heraus schöpfen und nicht aus unserer Umwelt. Wir können die stärkste in uns geschlossene Partei sein, aber wir müssen uns dazu erziehen. Erez Israel muß seine Position b e h a 11 e n!» Es entspann sich eine lebhafte Debatte, <iuf die der Redner ausführlich antwortete. Qtyoi$efe 3Biett, I„ 3B*K$eUe 13 $rofpeft gratis unb fraitfo. -1 ■ --:-‘-- i -r - - —.. ..1- 1