Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 109 (16.1.1930)
- Date
- 1930-01-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 109 EMeratur und Kunst Fördert die Musikerziehung in Palästina Beden*kt man, daß in Amerika das gesamte Musikwcsen hauptsächlich aus privaten Mitteln bestritten wind, so kann es nicht wunder nehmen, wenn in dem kleinen Lande Palästina, wo die Gestaltung des jüdischen Volkslebens erst in Bildung begriffen ist, die Musrkpflege ebenfalls der Privatinitiative ihre Existenz verdankt. Die überragende Bedeutung der Musik in der Entwicklung eines Volkes wird leider von vielen nicht in gebührender Weise erkannt. Das jüdische Volk ist zweifellos musrkllebend und musikbegabt. Diese Liebe und Begabung sollten jedoch mehr gepflegt und vertieft werden. Die gesamte Musikpflege in Palästina liegt in den Händen namhafter Musiker, die nicht die Jagd nach neuen Verdienstmöglichkeiten, sondern eine glühende Begeisterung für die Musik und ein starkes Verantwortungsgefühl ihrem Volke gegenüber in das Land geführt haben. Sie sind bemüht, das jüdische Volk, vor allem die Jugend, zur Musik zu erziehen, damit Musik eine dem Leben und dem Menschen unmittelbar dienende Kunst werde. Auf neuen Wegen wandelnd, sucht diese Musikerziehung weiteste Kreise heranzuziehen, den Verhältnissen und Bedürfnissen des Landes in jeder Richtung gerecht zu werden. Unnütz, besonders hervorzuheben, daß diese Pioniere unter ungünstigen Bedingungen, unter größten persönlichen Opfern ihre Aufgabe zu vollbringen trachten. Es fehlt an Noten, Instrumenten, Geld und immer wieder Geld!! Da es bisher nicht gelang, im Stillen die notwendigen Hilfsmittel auifzutreiben,muß zu einer lauten Propaganda gegriffen werden. Dieser Ruf kann nicht deutlich und eindringlich genug allen, die es angeht, ertönen. Nur mit Zuhilfenahme privater Mittel, auch außerhalb Palästinas, können die bescheidenen Wünsche der palästinensischen Musiker befriedigt, kann ihre aufopfernde und fruchtbringende Arbeit gefördert werden. Unterstützungen fallen keinen Experimenten zum Opfer, sondern dienen einzig und allein dem Ausbau des Musikunterrichts und wollen auch Minderbemittelten eine gründliche musikalische Ausbildung ermöglichen. Die Musrkpflege muß immer mehr Forderung unserer Zeit werden und mit der Entwicklung des Judentums in seinen neuen Erscheinungsformen eine führende Stellung in unserem Kulturleben einnehmen. Musik istErfüllungeinestiefen, ewigenNaturg e s e t z e s. Joachim Stutschewsky, Wien. Alle Sendungen sind zu richten an die Adresse: Prof. D. Schor, Tel-Aviv, Musikschule «Beth-Levrim», Brennerstraße 18. Konzert des jüdischen Gesangsvereines Einen überaus erfolgreichen Verlauf hatte der Abend des verdienftvollen jüdifchen Gefangvcreine», der unter der Leitung Prof. Dzimitrowfkis lidi zu einem wichtigen Kulturfaktor im jüdifchen Leben Wiens entwickelt hat. Das Programm enthielt eine Reihe intereffanter Werke, die erftmalig in Wien aufgeführt wurden. Den Anfang bildete ein Teil aus dem Oratorium „Simfon“ von Händel für Chor und Soli, wobei die Damen Grete Körner und Eugenie Kreitler und Herr Fr. Korn ihre Stimmen in hellem Glanz ftrahlen ließen. Ein groß angelegtes Werk ift das Trio von Julins Chajes, der trotz feines jugendlichen Alters über große kompofitionstedmifdie Ausdruck »mittel verfügt und feine Infpiration in gewandte Form zu bahnen verfteht. Als Interpret feines Partes erwies fich Chajes als ein ausgezeichneter Pianift; das Trio, an dem die Herren Ferdinand Adler und Julius L u b o w f k i erfolgreich teilnahmcn, wurde ftürmifch akklamiert. Eine „Hebräifche Phantafie" für Alt, Klavier und Frauenchor von Leo Kernitzer verrät einen Kenner und Befitzer eines fdiönen Talentes; auch diefes Werk der jüdifchen Mufik fand eine ungeteilte Aufnahme. Zwei Lieder „Wiegenlied“ und „Spielmannslied“, von Rudolf Bcck, und Grete Körner prachtvoll gelungen, befchloß den fchönen Abend, dem nun bald andere folgen mögen. Dem jüdifchen Gefangverein und feinem Ichwungvollen, verdienftvollen Leiter Prof. A. Dzimitrowsfki gebührt ein Dank für die unermüdliche Arbeit auf dem Gebiete der jüdifchen Mufik in Wien. Das Werk Saminfkis für Chor und Baß (das vor kurzem zum erften Male aufgeführt wurde), gab wiederum dem jungen, prächtigen Baffiften Igor Grinberg Gelegenheit, fein ftimmkräftiges Organ ins befte Licht zu fetzen. Außerordentlich intereffierte ein feiten aufgeführtes Werk von Tfchaikowfki „Natur und Liebe“, ein Trio für zwei Sopran«, Alt und Frauenchor, bei dem die Damen Ida Radlmcffer, Sabine Vogel und Grete Körner lebhaften Beifall ernteten. Es wäre zu wünfehen, daß der Gefangverein bei feinem näcfiften Konzert jüdifche Mufikfchöpfungen im größeren Ausmaße, all beim letzten, berückfichtigen foll. Eine Bialik-Feier. Der überaus agile Jugend verein «Erez Israel» veranstaltete am 11. d. M. anläßlich des Geburtstages BiaM!« eine interne Feier, bei der Dr. Sem Wol# in einem großr angoteigten Referat das Lebenswerk des Dichters darsteHte. Der Redner führte o. a. aus: «Bialik ist Ufjude und Europäer zugleich und war der erste in der hebräischen Lyrik, der in sich beide Elemente vereinigte. Er ist ein Lehrer und Erzieher des jüdischen Volkes und erinnert in vielen Belangen an die Propheten. Sehre .Schirei Saarn’ sind nicht nur Lieder des Hasses und der Empörung, sondern vielmehr der tiefen Liebe und Besorgnis um die Zukunft des jüdischen Volkes. Viele seiner Lieder haben Ewigkeitswert und übernationale Bedeutung. Trotz der vielen Uebertragungen ist Bialik nur in der hebräischen Sprache zu verstehen. In Erez Israel ist er der geistige Mittelpunkt, denn das Land bedarf dieses Meisters des hebräischen Wortes und er bedarf Palästinas.» Die überaus interessanten Ausführungen Dr. Wolfs wurden mit großem Beifall aufgenommen. Den künstlerischen Teil des Abends besorgte der Geiger Max Oppermann, der einige Piecen Achron6 wiedergab. Fräulein RoslS a p h i e r und Rexi Lebensohii rezitierten mit großem Verständnis einzelne Gedichte Bialiks und ein Kapitel aus dem Poem «Meggilath Haesch». Der Sänger Segal Rosenbach brachte einige Bialik-Lieder zum Vortrag. Es wäre zu wünschen, daß derartige literarische Abende des öfteren veranstaltet werden, um unsere Jugend mit der neuhebränschen Literatur bekannt zu machen. Ma. Sch. Jüdisches Konzert. Herr Segal-Rosenbach wird am 15. März d. J. im Festsaal des «Hotd Post» einen einzigen Liederabend (jiddische und hebräische Lieder) geben. Schulgemeinde des Chajee-Realgymnosiums. Im Rahmen einer Theateraufführung führt die Maturaklasse des Ghajes- Reaigymroasiums ein seJbstgeschaffenes Theaterstück auf, das ihre Erlebnisse in der Schulzeit behandelt. Die Aufführung, zu der <£e Proben schon in vollem Gauge sind, verspricht ein großer Erfolg zni werden. Dieser Theaterabend findet am 5. Februar um 7 Uhr abends im «Hotel Post» statt. Das Buch Dr. M. Josef Groringer: Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart Bd. I von Moses Mendelssohn bis Salomon Maimon. Berlin, Phüo-Veriag, 1029. Der Verfasser versucht in dieser Schrift, in übersieht-. Heber und knapper Welse die Geschichte der jüdischen Philosophie sm Zeitalter der Haskala darzustelten. Nach einer Charakterisierung der Stellung, der Juden in der vonauf- Idärerischen Philosophie, erörtert Grozinger die geistigen Komponenten des jüdischen Denkens. Es folgt nun eine biographische Skizze Mendelssohns, worauf dann der Verfasser zur Behandlung der philosophischen Anschauungen Mendelssohns gelangt Kant wurde kt seiner Metaphysik durch Mendelssohn, den er als «scharfsinnigen* Denker bezeichnete, stark beeinflußt Trotzdem hat Mendelssohn auf dem Gebiete der Metaphysik und Erkenntnistheorie wenig geleistet. Beide dienten ihm nur als «Vorhallen* zur ReHgiansphüiosophie, die seine eigentliche Stärfee bildete. Neben Leibnizens «Theodioee» hat er ja den vorkantschen philosophischen Theismus des 18. Jahrhunderts am klarsten entwickelt. Als Ethik er beherrschte Mendelssohn der Leitgedanke des Perfektionisimus. Auch als Psychologe zeigt, sich Mendelssohn allen materialistischen Seelenmterpretätionien fremd. Am stärksten wirkt aber Mendelssohn auf seine Zeitgenossen als Aesthetiker. Selbst Leasings «LaokÖon» verdankt viel seinen ästhetischen Grundtehren. Der Verfasser skizziert sodann Mendelssohns Jünger und Nachfolger, insafer ne sie philosophische Schriften hinterlassen haben. Der zweite Teil dieser Schrift ist Salomon Maimon gewidmet. Dieser jüdisch-polnische Faust hat trotz seines ungenießbaren Stiles dank seiner logischen Denkschäflfe die zeitgenössische Philosophie stank beeinflußt. Seine Theorie der Differentiale schlug die Brücke zum deutschen Idealismus und beeinflußte dessen; Hauptrepräsentanten Fachte und Scbeüing. ■ Grozangers Schrift, ' die mit zahlreichen Anmerkungen und Literat urangaben värsehen ist — leider fehlen in ihnen einzelne neuere Schriften zur Geschichte der Haskataperiode — bietet sowohl dem philosophisch interessierten Lilien als auch dem Fachgelehrten einen lesenswerten Wegweiser zur Geschichte der Jüdischen Philosophie im vorletzten Jahrhundert. Hoffentlich wird der zweite Baud recht bald erscheinen. ß- Schächtfrage und Tierschutz. Ein Appell an Wahrheit und Gerechtigkeit. Von Ne’maxi. Gustav-Engel- Verlag, Leipzig 1929, Der Verfasser, der dieser Frage bereits einige Schriften widmete, widerlegt in dieser Broschüre die Argumente der Anhänger des Schäohtverbotes auf Grund fachmännischer Gutachten. Er kommt zum Schluß, daß die Schächtfrage hauptsächlich aus Gründen der Judenfeindschaft aufgerollt wird und mit dem Tierschutz nichts zu tun hat. g. Zum zweihundertjährigen Geburtstag Moses Mendelssohn. Vier Abhandlungen von Dr. Max Freudenthal. Philo-Verlag, Berlin 1929. Der bekannte jüdische Gelehrte publiziert in dieser Schrift vier Abhandlungen, die er anläßlich des zweihundertjährigen Oeburtstatges Moses Mendelssohns in verschiedenen Zelt- und Festschriften veröffentlichte. Besonders interessant ist der Aufsatz aus der Heimat Mendelssohns, in dem ein klar umrissenes Bild der Stadt Dessau um die Zeit der Geburt von Mendelssohn gezeichnet wird. Nicht minder wertvolles genealogisches Material finden wir im Aufsatze: «Die Mutter Moses Mendelssohns.» Mit einem Wort, eine sehr lesenswerte Schrift. g. Das bessarabdsche Zentralkomitee zur Förderung dei U mv ersifä tsbibliothek Jerusalem «Lemaan Hassifriah» erhielt zur Weiterleitung nach Jerusalem eine wertvolle Bifolio- ■ thek von mehr als 3000 Bänden aus dem Gebiete der Zoologie und Entomologie. Die Bibliothek stammt aus dem Nachlaß von Professor Jizchak Krassiltschik, eines bekannten Entomologen, der sie letztwiüig für die Unwersitätsbibfiothek in Jerusalem bestimmte. Schaffung einer jüdisch-wissenschaftlichen Gesellschaft. In der Erkenntnis, daß das Judentum seit der Emanzipation zu allen Völkern in ein ganz anderes Verhältnis gelangte, als während der Jahrtausende seiner früheren Geschichte und in Anbetracht dessen, daß das Wesen des Judentums vielseitig gkißdeutet wird, wodurch jenes neuartige Verhältnis sich unbefriedigend gestaltet, aber auch um des Judentums selbst willen, erseneint es dringend geboten, klarzustellen, wie sich — nach dem gegenwärtigen Stande der wissenschaftlichen Erkenntnis — die Einordnung des Menschen in das Weltgeschehen vom Standpunkte des Judentums darstelit Schriftsteller Otto Lang wird über diese Probleme in seinem Vortrag, der am 23. Jänner 1930, halb 8 Uhr abends, im Cafe Arkaden stattfdndet, sprechen. Herr Lang behandelt in seinem Vortrag das Problem der Schaffung einer jüdisch-wissenschaftlichen Gesellschaft. Dr. Salo Baron an die Columbia-Universität berufen Aus New York wird uns berichtet: Der jüdische Historiker Dr. Salo Baron, Professor am Jüdischen Institut des Stephen Wise, wurde zum ordentlichen Professor an der Columbia Universität ernannt. Doktor Baron, der in den Jahren 1918 bis 1924 am hiesigen hebräischen Pädagogium tätig war, hat auf dem Ge-, biete der jüdischen Geschichtsforschung mehrere Arbeiten publiziert (darunter über die «Judenfrage auf dem Wiener Kongreß 1814—15» und «Ferdinand Lassalfle»). An der Cobumbia-Uni'versität wird er. über Jüdisdhe Geschichte lesen. Dr. Baron stammt aus Ta-mow und ist 35 Jahre alt Wilhelm Wachtel, der bekannte jüdische Maler,, hat vor kurzem in Lemberg und in Krakau mit großem Erfolg seine letzten Palästina-Bilder ausgestellt. Die gesamte polnische Presse zollte seinen Werken Worte der Anerkennung. Eines seines Bilder wurde vom polnischen Nationalmuseum in Krakau an gekauft. - Theater Die Schauspieler der „Wilnaer Truppe“ in Wien Gaftfpiel in den „Jüdifchen Künftlerfpielen". Nach ihrer rumänifchen, ungärifdien und tfchechoflowaklfdien Tournee find die Sehaufpielcr „Wilnaer Truppe" in Wien eingetroffen. An der Spitze des Enfembles ftcht der Direktor Alex Stein, der als Rcgifleur und Darftcller dem berühmten jüdifchen Theater die Note gibt. Auf dem Repertoire fleht eine Reihe in Wien noch nicht gefpiejter Stücke, darunter das Sdiaufpiel mit Mufik „K i d d u f ch H a f ch e m“ (Gkubensmartyrium) von Schalom A f ck in der Warfchauer Faffung von Dr. Weichert, und „D e r Gedanke“ von Leonid Andrejew. Außerdem gelangen „Tag und Nacht“ von An-fki, Schalom Aljechens „Tewje der Milchiger“ und „Schwer zu fein ein Jude“, ferner „Der Sänger feiner Trauer“ u. a. zur Aufführung. Das Gaftfpiel beginnt Freitag, den 17. Jänner, mit der Premiere „Tag und Nach t“ von An-fki in der Bearbeitung von A. Kazisne. Samstag, den 18., und Sonntag, den 19. d. wird „Tag und Nacht“ wiederholt. Montag, den 20. d„ und Dienstag, den 21. d., gelangt das Schaufpiel „Der Gedanke" von Leonid Andrejew, Mittwoch, den 22. d., und Donnerstag, den 23. d,, „Der Sänger feiner Träum c“ von Ofip Dymow zur Aufführung. — Sämtliche Vorftellungen beginnen präzife Y* 9 Uhr abends. Jüdische Bühne, II„ Taborstraße 12. Der Jüdischen Bühne ist es gelungen, die in Amerika mit sensationellem Erfolg aufgelührte Operette «Der Schokoladenkö n.ig» zu erwerben. Das Stück wurde vergangenen Freitag zum erstenmal in Europa aufgeführt und brachte der Jüdischen Bühne einen großen Erfolg. Freitag, Samstag und Sonhtag gelangt bei normalen Preisen «Der Schokoladenköuig» mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle zur Aufführung. Sonntag, 3 Uhr Nach mitt agsvorsteilitng bei ermäßigten Preisen. Gespielt wird das bekannte biblische Lebensbild «Solauir/t». Film «Dia kleine Veronika.» Nach der bekannten Novell« Felix Saite ns hat Robert Land hi Wien einen Film geschaffen, der nun fn den Wiener Kinos zu sehen Ist. Die Titelrolle spielt Käthe v. Nagy, eine der stärksten Hoffnungen des deutschen Films, ln den übrigen Rollen sind namhafte Künstler beschäftigt. «Atlantic,9 Im Apollo läuft nun seit einigen Tagen dieser große Sprcch- und Tonfilm, der durch die Wucht der Ereignisse, mit kolossalen Mitteln inszeniert, Immer triefe Wirkung übt. Fritz Kortner spielt die Hauptrolle.