Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 109 (16.1.1930)
- Date
- 1930-01-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 109 DIE STIMME Sefte 11 Herr Staatsanwalt, schreiten Sie ein! Ein Schmutzfink ärgster Sorte ist Herr Adolf Rübier, Herausgeber des «Kleinen jüdischen Witzblattes», fas zweimal im Monat einige Kübel von Lozelach, Bdunonzes und anderem Unrat über die Gassen Wiens jebüttet Herr Rübner ist nicht der einzige, der in Witzen arbeitet. In edlem Wettstreit sehen wir noch Turl Wiener, Richard Waldemar und andere Säulen jener so berühmten Wiener Gemütlichkeit, die Versumpfung modernen Großstadtlebens demonstrieren. Da wird mit höchst unsauberen Mitteln an ebenso untaubere Instinkte appelliert, wobei der grobe Sexualkitzel naturgemäß die Hauptrolle spielt. Daß auch der Jn den Olymp der Klassiker aufgestiegene Kleine Moritz hi diesem (wie in den anderen) käsigen Witzblättchen nicht vergessen wird, ist wieder einmal ein eklatanter Beweis für eine Tradition, die ohne bestimmte «Kulturgüter» nicht auskommen kann. Nun mag man über diese neuartige Methode, Geld vi verdienen, denken wie immer. Herr Rübner ist gewiß zu bedauern, daß er erwerbsmäßig von geistiger Verkommenheit zeugende Witze herausgeben muß. Warum aber muß er sein Schmierblättchen ausgerechnet das «Kleine jüdische Witzblatt» nennen? Wir sind gewiß nicht wehleidig und lassen uns mancherlei gefallen. Daß aber ein unbekanntes Ungeziefer den jüdischen Namen in unflätiger Weise besudelt, das überschreitet jedes erträgliche Maß von Geduld. Muß nicht das Verhältnis zwischen Juden und ihrer nichtjüdischen Umwelt vergiftet werden, wenn über gewerbsmäßige tfnzucht wider den Geist das Firmenschild «jüdisch» ausgehämgt wird? Da müht man sich in stiller Arbeit, zu einem gegenseitigen Verstehen, Achten zu gelangen, und muß auf ein harmlos aussehendes, aber in seiner Wirkung um so gefährlicheres Giftkraut stoßen . . . Die Kultusgemeinde, als einzige vor dem Gesetz anerkannte Vertretung der Juden* hat nach dem Staatsanwalt zu rufen. Denn hier liegt in nicht abzuleugnender Welse die Verhöhnung einer Religions- und Volksgemeinschaft vor, und wenn sich die Staatsanwaltschaft dort, wo es sich um den Schutz jüdischer Interessen bandelt, gerne ein Schläfchen gönnt, so muß man sie in diesem Falle aus ihrem Dösen kräftig aufrütteln. Herr Staatsanwalt, walten Sie Ihres Amtes! w. e. Der jüdische Hochschüler Stipendienverleihungen an jüdische Studenten. Die Israelitische K ul tusgemein de in Wien itet an 34. Studierende Stipendien verliehen. Davon erhielt 1 Mediziner ein Stipendium von S 135.— jährlich auf die Dauer der gesetzlichen Studienzeit, 4 Mediziner einmalig von je S 70.— und 11 Medianer ecniraüg von je S 40.—. Ein Techniker ein Stipendium ini Betrage von S 158.— einmalig Und 3 Techniker im Betrage von ja S 70.— einmalig, 7 Techniker im Betrage von je S 40.— einmalig. Eine Hörerin der. Philosophie und eine Hörerin der Technischen Hochschule erhielten je S 87.— einmalig. Außerdem erhielten aus einer Spende eines GemeindemitgUedes 3 Mediziner und 2 Techniker je S 55.— einmalig, zusammen S 1852.—. Wird ln Rumänien wirklich Ruhe sein? Die akademischen Behörden in Rumänien veröffentlichen den Beschluß, im nächsten Semester nur diejenigen Studenten zur Inskription zuzmilassen, diie sich ehrenwörtlich verpflichten, an den Hochschulen Ruhe zu wahren. Ein Bruch des Versprechens würde den Ausschluß aus der Hochschule nach sich ziehen. Wir wollen das Beste hoffen! Tagung der zionistisch-akademischen Korporationen Polens. In Warschau tagte vom 3. his 6. d. Al ,m Einstein-Saal des Jüdischen Studentenheimos eine Konferenz d?r zionistischakademischen Korporationen. An der Konferenz nahmen 140 Delegierte aus Polen teil Der Verband der haitischen Studentenkorporationen in Riga entsandte eine Delegation. Die Referate waren von bemerkenswertem Inhalt und machten auf die Zuhörer großen Eindruck. Das politische Referat erstattete Dr. J. Schipper, das paWstbnenaische Redakteur Leon Weinstock. Nach einer lebhaften Diskussion wunde eine Reihe von Resolutionen gefaßt. Die Exekutive der jüdischen Studentenschaft Polens (C. K. W.) hat beschlossen, für di« Osterferien des Jahres 1930 eine Tagung der jüdischakademischen Studenteu- . schaft Polens nach Warschau ekvzubertrfen. Verein zionistischer Hochschiiler «Theodor Henri», Heim: (U Untere Augartenstraße 35, I1./17. Donnerstag, den 16. <1, M,, %8 Uhr abends, hebräische Leaegemeunechaft Samstag, den 18. d. M., V38 Uhr. Vortrag Professor Jakob Bronn«r über «Kunst bei den Juden». Jüdische Hochschüler und Hoelvachillerinnen willkommen! Verein zionistischer Hochschüler Z. P. Chajes. Samstag, dem 18. Jänner, Uhr abends, Dr. Wilhelm Stein: «Die Juden ln der deutschen Literatur der Gegenwart». In der «Hebräischen Arbeitsgemeinschaft» setzt Daniel Perski Montag, den 20. Jänner um 149 Uhr, seine literarischen Vorträge fort, hi der «Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft» referiert Kollege; ermann Dienstag, den 21, Jänner, um 8 Uhr abends Uber «Pie Wert- und Mebrwertti *e von Marx». Alle Vorträge im Vere'nsheim, II., Untere Augarten-; Straße 35, 2. Stock. Gäste willkomuneal Aus der Provinz jüdischer Tum- und Sportverein, Linz. Ein schönes Chanukah-Kinderfest mit überreichem, lustigem Programm bereitete unseren Kindern am 6. Jänner 1. J. einige vergnügte Stunden. Den Prolog sprach ein größerer Knabe sehr gut, mit verständnisvollem Ausdruok. Dann folgte der «Einzug der Makkabäer». Die kleinsten Knirpse bieten, als Makkabäerhelden verkleidet, den Blicken eine wahre Augenweide. Rabbiner Dr. Kurrein erzählte hierauf den um ihn gruppierten Kindern eine schöne Chanukah-Geschiohte. Turnlehrer Herr Tröls brachte mit der kleinsten Riege eirne Turnstundenszene, die ungemein gut gefiel. Der künstlerische Leiter, Herr Robert Spitz, gab sich viele Mühe, das Programm recht abwechsungsreioh ziu gestalten. Aus demselben seien besonders hervorgehoben: Kehldorfer-Chöre, lustige Clownszenen, die in bunter Reihe mit Grotesktänzen wechselten, Tanzpantomimen und Gruppentänze von Fr!. Edith Wilensky mit ihren Schülerinnen einstudiert, getanzt und zu bester Wirkung gebracht. Zionistische Ortsgruppe Graz. Die zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 2. Jänner 1. J. ihre Makkabäerfeier. Nachdem Univ.-Professor Rabbiner Dr. David Herzog die Chanukahkerzen anzündete und der jüdische Gesangverein «Moaus Zur» zum Vortrag gebracht, hielt das Mitglied des Landeskomitees, Herr Ing. Dr. K r a ß n y, Wien, eine tiefempfundene Festrede, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das heutige Geschlecht sich der Heldentaten der Makkabäer würdig zeige. Reicher Beifall bewies, daß Herr Ing. Kraßny allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen hatte. Im zweiten Teil der MakkabäerfeJer rezitierte Herr Regisseur Felix Knüpfer mit hervorragender künstlersicher Einfühlung aus Werken jungjüdischer Dichter. Fri. Thea G I a n, Opemsängerin, brachte, von Frau Martha Freud mann am Flügel feinfühlend begleitet, jiddische Volkslieder in formvollendeter Gestaltung zu Gehör. Alles in allem ein genußreicher Abend, für den wir von dieser Steile aus nochmals allen Mitwirkenden unseren Dank aussprechen. Wir weisen jetzt schon darauf hin,, daß in der nächsten Zeit ein jüdischer Volksüederabehd unter freundlicher Mitwirkung von Opernsängerin Fri. Thea Glan zugunsten des Jüdischen Nationalfonds stattfindet. Jüdischer Sport Hakoah—Slovan 2:4 (0:3) In der Krieau trafen letzten Sonntag Hakoah und Slovan in einem Freundschaftstreffen aufeinander, wobei es Slovan gelang, das Spiel mit dem Skore von 4:2 zu gewinnen. Die Hakoah konnte sieh auf dem tiefen Boden nicht zurechtfinden und lieferte in der ersten Halbzeit -eine absolut schwache Leistung und ermöglichte es so den Slovan-Leuten, drei Tore zu schießen. Eines davon wunde auf sonderbare Weise erzielt Ein Schuß nahm Richtung aufs Goalout, sprang von der Brust des auf der Kornerlinie stehenden Schiedsrichters ins Feld zurück, einem Slovan-Stürmer vor die Füße, der mühelos ins Netz senden konnte. Nach der Halbzeit tritt Hakoah in geänderter Aufstellung an. Stroß spielt Zemteriialf, Dormenfeld an Stelle des verletzten Scheuers mit: Löwinger Back und Freifeld statt Posaner Half. Die Mannschaft spielt jetzt bedeutend besser. Stern kann nach einem schönen Vorstoß Mausners ein Tor aufbolen. Slovan gelingt es, ein viertes Mal zu »koren. Ein Elfer wegen Foul an Katz wird zweimal ausgeführt und be-inti zweitenmal gehalten, Einige Minuten später ist es wieder Stern, der tracn einem Durchbruch des rechten Flügels einsenden kann* Bei diesem Stand bleibt es bis .Schluß. Bei Hakoah bat im Sturm lediglich Stern eine gute Leistung. Im Half spielte nach 1$£ Jahren Barbacky dem aber noch die Altsdauer fehlt. Verteidigung inklusive Feigl schwach. Große Erfolge der jüdischen Boxer Die Boxsektion des Makkabi Ö trat in einem Klubkampf, komb. mit Wieden, gegen Boxklub Rundling an. Die jüdischen Boxer Laub und Lindenheimi konnten gegen Windtholz bezw. lllinger, zwei äußerst schwere Gegner, einwandfreie Siege erringen. Schiffmann mußte in der zweiten Runde infolge einer erhaltenen Verletzung aufgeben. Die Erfolge der jüdischen Boxer sind um so höher einzuschätzen, als l^aub erst am Vortage aus Berlin kam, wo er'sich sehr wacker gehalten hat und von den deutschen Zeitungen als «der tüchtige Makkabäer» apostrophiert wurde, und Llndenheiiiii trotz einer im Berufe erhaltenen Verletzung angetreten ist. Du Schauturnen, Für das Schauturnen des Oesterreichischen Makkaibikreises und das damit verbunden« Wetturnen haben bisher folgende auswärtige Vereine bestimmte Nennungen eingesandt: Vivo A. C. Budapest, Bar Kochbah Breslau, Makkabi Zagreb, Makkabi Brünn, Makkabi Bratislava, ferner unverbindlich« Nennungen aus Bie- Htz, Cernauti, Berlin. Insgesamt werden 200 Ausländer in Wien erwartet. Kreis Oesterreich der jüdischen Turn- und Sportvereine Delegiertentag Dienstag, 21, Jänner 1930, 8 Uhr abends, Caf6 Lovrana. Jeder angeschlossen« Verein ist berechtigt, zwei Delegierte zu entsenden, Hakoah im Eishockey erstklassig! Durch Ihren sonntägigen Sieg von 4:0 gegen AUround gelang es der jungen, aufstrebenden Mannschaft, die Erstklassigkeit zu erringen. Die Tore schossen: Roner, der beste Mann (2), Winter und Grünbaum. Historisch bedeutsame Daten dieser Woche 18. Jänner (18. Teweth) 1890: Der bekannte synagogale Komponist Salomon Sulzer in Wien gestorben. 19. „ (19. „ ) 1803: Mendelssohns Jünger, der Philosoph und Mediziner .Dr. Markus Herz, in Berlin gestorben. 20. * (20. „ > 1204: Moses ben Maimon (Maimonides, geb. 1135) gestorben. 1854: Der 'bekannte jüdische Gelehrte Imanuel LÖw in Szegedin geboren. 21. „ (21. h > 1858: Elieser Ben-Jehuda geboren. 1890: Chief-Rabbi von England, Dr. N. M. Adler, gestorben. 22. „ (22. „ ) 1923: Max Nordau (geboren 1849) in Paris gestorben. Gnädige Frau, mein Herr, wenn Sie einmal in 4ie Innere Stadt kommen, versäumen Sic nicht, uns iin der Adilergasse 5 mit Ihrem werten Besuch zu beehren. War sind sehr gerne bereit. 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Stock (Rabbiroatskanzlei), durch Herrn Schulrat Prof. Dr. Heinrich Pollak vorgenommen werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5.— pro Ha 1 b j a h r und ist im vorhinein an der Kassa dier israelitischen Kultus-: gemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, zwischen 9 und 12 Uhr vormittags, zu entrichten. Die Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Der Vorstand der israelitischen Kultus« gemeinde Wie». Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 17. Jänner 1930, werden bei dem um 4 Uhr 40 Minuten 'beginnenden Abendgottesdienst in »achbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettenga®se 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); IX., MüU« nergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuditwang). Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 18. Jänner 1930, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Mitteilungen des Keren Kajemeth Lejlsrael Wien,!„ Kämt »er straße 28, Telephon R 27-4'$5/86, Postsparkassenkonto 100,208. Ausweis Nr. 6, Summe der Eingänge vom 27. Dezember 1929 Ws 9, Jänner 1930 .S 5,033.77 Summe der Eingänge von Rösch Haschamah 5689 .. „ 41.269.31 . Spezifikation der Eingänge nach Spomlenarten. Baumspenden 2369.95; Büchsen 1320.28; Tempetspen* den 499J5; allgemeine Spenden 291.63; Hilfe durch Aufbau