Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 109 (16.1.1930)
- Date
- 1930-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 dip srmwr Nf. 109 Ieder» Jude, Jeder Zionist fördert den Keren Kajemeth —-■■ durch Uebernahme und Autbringung eines Selbsflconfln gente s I Die Vereinigung der palästinensischen Arbeiterparteien Tausende von jüdischen Arbeitern aus allen Teilen Palästinas strömten in Tel Aviv zusammen, um an der großen Konferenz teilzunehmen, die den Schlußakt der Vereinigung der beiden palästinensischen jüdischen Arbeiterparteien Achduth Kaawodah und Hapoel Hazair bedeutet. In feierlicher Weise wurde die Vereinigte Palästinaarbeiterkonferenz am Abend des 5. Jänner im Beth Am von Tel Aviv eröfnet. Für die beiden sich vereinigenden Parteien sprachen Josef Sprinzak, der Führer dös Hapoel Hazair, und der Führer der Achduth Häawodah Ben G u r i o n. Für die Zionistische Exekutive begrüßte Dr. Arthur R u p p i n die Konferenz; der. Eröffnung wohnten Miß Henrietta Szold von der Zionistischen Exekutive und für die Stadt Tel Aviv Bürgermeister M. Dizengoff bei. Am Abend vor der feierlichen Eröffnung der Vereinigten Konferenz hielten die beiden Parteien ihre letzten selbständigen Konferenzen ab. Als neuer Name für die vereinigte Partei wurde die Bezeichnung: «Jüdische Arbeiterpartei Palästinas» gewählt. Die vorgeschlagene Plattform der Vereinigung ist von der Konferenz einstimmig angenommen worden. Ben Gurion, der bisherige Führer der Achduth Haawodah, schilderte in einer Rede die Leistungen der palästinensischen jüdischen Arbeiterschaft im Verlauf der letzten 25 Jahre ihrer Tätigkeit und ging Jann auf die Aufgaben der neuen Partei ein. Sie wird, so sagte er, für Demokratie und Freiheit der Minoritäten, für Solidarität mit den arabischen Arbeitern und die Schaffung einer Chaluz-Reserve kämpfen, um die zukünftige Arbeiter- Immigration nach Palästina sicherzustellen. Ioseph Sprinzak, der Hapoel Hazair-Führer, führte Beschwerde über die Art des Verfahrens der Palästina- Untersuchungskommission, die für die Juden degradierend war, indem sie sie zwang, sich gegen unsinnige Anklagen zu verteidigen. Die jüdische Haltung gegenüber den Arabern ist klar und bedarf keiner Frage. Es ist die Frage der arabischen Haltung gegenüber den Juden, die der Untersuchung bedarf. Zur Frage der Jewish Agency übergehend, betonte Sprinzak, daß die jüdische Arbeiterbewegung Despotismus innerhalb der Jewish Agency nicht dulden werde. In warmen Worten rühmte er die Leistungen der Poale Zion-Partei, der es gelungen ist, ihre zionistischen Ideale in die sozialistische Internationale hineinzutragen. Die neugeschaffene Partei habe beschlossen, sich durch das Verbandsbureau der Poale Zion der Internationale anzuschließen. In seinem Begrüßungsschreiben an die Konferenz schrieb der Arbeitsminister im britischen Labour-Kabinett; George Lansbury: Die Vereinigung der Arbeiterparteien in Palästina ist eine gute Nachricht. Ich hoffe, daß diese Vereinigung eine Mehrheit der Schlagkraft und des Ansehens der Arbeiterschaft mit sich bringen wird. Ich erwarte den Tag, wo die Juden Und Araber eures Landes, in allen Teilen und Klassen, in fortgesetzter Zusammenarbeit eine neue Kultur schaffen werden, die größer sein wird, als jede ihr vorangegangene. (J. T. A.). Palestine Land Development Company (PLDC) Jerusalem hat mit dem Bodenverkauf an europäische Interessenten begonnen. Angeboten werden: Städtische Bodenflächen in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa (Karmel) sowie Pflanzungsboden in der Orangenzone. Nähere Auskünfte erteilt Ing. Josef Laszkowitz, Wien, III., Landstraßer Gürtel 19. Telephon R 29-9-48 Die Untersuchungskommission in London London (J. T. A.) Di« Mitglieder der parlamentarischen Kommission, Sir Walter Shaw, Sir Henry Betterton, R. Hopkins-Morris und Harry Snell, trafen Sonnabend nachmittags wieder in London ein. Sir Henry Betterton teilte mit, daß die Kommission in London noch einige Zeugen einzuvernehmen beabsioht'ge, bevor sie ihren Bericht abgibt. Es ist möglich, daß der Bericht schon Ende dieses Monats wird vorgelegt werden können. In Palästina haben wir viele Zeugenaussagen von großem Umfang gehört und dadurch hat sich eine außerordentliche Fülle zu verarbeitenden Materials ergeben. Am Tage der Rückkehr der Kommission begann im antizionistischen Teil der. Londoner Presse eine Kampagne mit dem öffenbaren Zweck, die Untersuohungskommission noch vor der Abfassung ihres Berichtes und der Veröffentlichung ihrer Empfehlungen zu beeinflussen. Außervi,-Daily Mail“ widmete auch, die als antisemitisch bertichpgte "„Morningpost“ - ihre Leitartikelspalte und noch' einen weiterein Artikel dpr Palästinefräge. Sie fragt, welche logischen Erwägungen die britische Regierung veranlassen,. die palästinensische. Selbstverwaltung abzulehnen, die Aegypten gewährt worden ist und deren Gewährung an Indien erwogen wird. Auch „Daily Telegraph“ widmet einem Artikel von Rosita Forhes „Der Preis für den Frieden in Palästina“ eine hervorragende Stelle. Ueberrasohend ist an diesem Artikel, daß er nicht nur in seinem Aufbau und seiner Argumentation, sondern auch stilistisch fast wörtlich mit der Rede Jemal. Husseinis übereinstimmt, die dieser jüngst in. der mit; Rev. Perlzweig geführten Debatte hielt. . Nach ihrer Rückkehr aus Palästina hat die Palästina-Untersuchiingskommission ihre erste Sitzung in London am 9. Jänner abgehalten. Die Sitzung war geheim. Die Mitglieder der Kommission sind hinsichtlich der Beurteilung der Situation, wie die J. T. A. erfährt, vollständig einer Meinung und es besteht Grund zu der Annahme, daß die Arbeit nun sehr schnell fortschreiten wird. Zwischen den Zeilen Arische hirma Am Graben herrfdit vor einer Parfumcrieliandlung großer Andrang. Eine Menge (laut fich vor einem Schaufcnfter, wo Tabellen, .Photos und Zufchriften ausgeftellt find. Die Tabellen, Photos und Zufchriften find antifentittfehen Inhaltes. Es ift eine kleine, gutbefuchte Propagandaiftelle de* Hakenkreuzlertums. Wir erfahren zum x-ten Male, daß Juden Parafiten find; daß fie die bodenftändige Bevölkerung knechten. Wir erfahren zum erften Male,-daß der Graben ein jücfifches Ghetto ift; daß dort die Chriften verfolgt werden. Der im. Sdiaufenfter der „arifchen Firma" ausgeftcllte antifcmitifche Schmutz ift f.o groß, daß er mit Hektolitern beften Goty-Extraktes nicht weggewafchen werden könnte. Und diele Ln Wien neue Art der Reklame — über den Judenhaß zum Lippcnftift — ift fo wirkungsvoll, daß vor dem Gefchäft immer ein großer Andrang herrfcht. Im .Gefchäft felbft find die Inhaberin und die Verkäuferinnen in der arifdi-.. parfümierten Luft unter fich. . Und als Clou der Kuriofität: Im Sdiaufenfter ift auch ein Bild Weizmanns. ausgeftellt., Kommentarlos. Was foll das bedeuten? Nie follft du die antifemitifche Dummheit befragen. Sera. Der Oberste mosVmitische Rat kauft 3000 Dunam Boden in der Nähe von Dilb Jerusalem, 12. Jänner. (J. T. A.)~ Der Oberste moslemitische Rat hat für den Kaufpreis von 6000: Pfund ein arabisches Besitztum im-Ausmaß von 8000 Dunam erworbqp?: sPftsi»- Besitztum ist neben idor-.- jüdischen, Kplonie-,;D,ilbtr. gelegen und kam durch die Anglo-Palestin^ Company zur öffentlichen Versteigerung. Der polnische Premier über die Organisation der jüdischen Gemeinden Warschau, 12. Jänner. (J. T. A.) Ministerpräsident Prof Bartel wies in seiner vor dem- Sejm abgegebenen Regierungserklärung u a. auch auf die im Zuge befindliche Organisation der jüdischen Gemeinden in Polen hin und erklärte, die Regierung werde sich bemühen, den rechtlichen Zustand der Gemeinden zuwnormie-' ren und ihre Beziehungen zu .der Regierung festzu legen. .: - Escheth-Chail*) (Aus dem Zyklus: Frauengestalten im Talmud) Von Cyla Waldmann (Schluß) Insbesondere sind es zwei Frengestalten, die gleichsam Verfechterinnen der Bedeutung ihres Geschlechtes in der jüdischen Tradition gerade in der Zeit des Abstieges sich emporschwingen, um das Urteil ihrer Zeit, das sich gegen die Frau aussprioht, zu erschüttern. . Diese zwei Frauengestalten sind Rachel, die Frau des R. Akiba, eine Frau von eiserner Selbstbeherrschung und Charakterstärke, und B e r u r i a, die Frau des R. Meir, die eine ungewöhnliche Geisteshöhe erreichte. Diese beiden Frauen konnte der Talmud nicht außer acht lassen, da sie im Leben ihrer großen Männer eine bedeutende Rolle spielten, besonders die Frau des R. Akiba, der das Judentum einen seiner größten Männer aller Zeiten zu verdanken hat. R. Akiba war nicht nur der große Gelehrte, der der Gesetzesauslegung eine neue Richtung gegeben und das starre System des R. Eliezer ben Hyrkanos gebrochen hat. Er war auch der geistige Urheber und Führer des Bar-Kochba- Aufstandes und erlitt für das geliebte Vaterland, welches er den Krallen der römischen Macht zu entreißen hoffte, den Märtyrertotl. Die Frau des H. Akiba warf Reichtum und Gold, Paläste und Dienerinnen ihres Vaters dahin, um dem armen Hirten Akiba zu folgen, weil sie in ihm den heiligen Funken eines Geistesheros erkannt hatte. Sie verkaufte ihr Haar, um ihm Brot und die Möglichkeit zum Lernen geben zu können und selLst im größten Elend wartete sie geduldig auf ihn Jahre, lange Jahre. Die Agada erzählt: Bei einem der reichsten Männer Jerusalems, &alba Sabua, war R. Akiba als Hirte bedienstet. Rachel, die Tochter dieses reichen Mannes, erkannte Akibas Vorzüge und sagte zu ihm: „Wenn ich mich dir angeiobe, würdest du ins Lehrhaus gehen und studieren?“ „Ja,“ sagte Akiba. Sie heiratete geheim. Als ihr Vater Kalba >c:abua davon erfuhr, -verstieß er sie und gelobte, nicht das geringste von seinen Reichtümern ihr zu gewähren. Es war Winter und sie schliefen in einer Scheune. Er zog ihr die Strohhalme aus dein Haar und sagte: „Wenn es in meiner Macht wäre, ich möchte dir den schönsten Schmuck, das goldene . Jerusalem, schenken.“ Er meinte ein Schmuckstück, auf dem Jerusalem abgebildet war. Einmal kam der Prophet Eliahu in Menschengestalt zu ihnen und bat: „Gebet mir, ein wenig Stroh, denn meine Frau gebar ein Kind und ich habe nicht einmal Stroh, um sie darauf zu betten.“ Da sagte Akiba zu seiner Frau: „Siehst du, der Mensöh hat nicht einmal Stroh.“ Sie sagte zu ihm:,„Gehe und lerne im LehrhauS.“ Er ging und lernte zwölf Jahre bei R. Eliezer ben Hyfkanos und R. Jehoäohua. Nach zwöjf Jahren kehrte er heim und brachte mit sich zwölf tausend Schüler, erzählt die Agada. Als er nach Hause kam, da hörte Äldba einen Bösewicht zu seiner Frau sagen: „Schön hat dir dein Mann angetan, er hat dich als ewige Witwe zurückgelassen.“ — „Wenn er mir folgen würde,“ sagte Akibas Frau, „würde er noch weitere zwölf Jahr im Lehrhaus bleiben Akiba kehrte ins Lehrhaus zurück;' Dann kam R. Akiba mit vierundzwantigtausend Schülernheim. Alles, ging ihm entgegen. Das hörte seine Frau und auch sie ging ihm entgegen. Die Nachbarinnen meinten: „Borge dir -Kleider und ziehe dich an.“ Sie zitierte aber einen Vers der Sprüche: „Der Gerechte kennt die?'Seele seines Tieres.“ Als sie vor ihn kam,' da fielsie ihm. zu Füßen und küßte sie. Seine Schüler wollten die Bettlerin davontreiben, doch hielt sie E. . Akiba zurück, indem er sagte: „Basset sie, denn das w;as ich und ihr besitzet, dä-s ,--g 4 h ö r t ihr.“' Als. der Vater dör Frau' des RB-Akiba;. hörte, daß ein großer Gelehrter in die Stadt; kam, ging auch er ihm entgegen, R. Akiba fragte ihn: „Wenn du gewußt hättest, daß der Mann deiner Tochter einmal ein größer Mann sein wird, hättest du sie verstoßen?“ — „Wenn er nur ein Kapitel gekonnt hätte, nur ein Gesetz,“ meinte Kalba Sabua, Da sagte R. Akiba: „Ich bin es.“ Da fiel Kalba Sabua aufs Gesicht und küßte R. Akibas Füße. Er schenkte ihm dann sein halbes Vermögen. Goldene Tische, erzählt die Agada, hatte dann R. Akiba, auf goldenen Stufen bestieg 4r sein Bett. Den herrlichsten Schmuck trüg seine Frau, das goldene Jerusalem, * Als ihm seine Schüler und Freunde den Vorwurf machten* daß er sie alle verschäme, weil sie nicht izn-j stände seien, ihren Frauen das zu bieten,’sagte R. Akiba: „Sie hat mit mir zusammen für di4 Thora unsäglich viel gelitten.“ Ein Ausspruch R. Akibas Über dje Frau lautet: „Wer ist reich? Reich ist der, der eine Frau besitzt, die schöne Taten aufweist.“ •) Die tapfere Freu. Siehe Nr. ioS.