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Die Stimme · 1930-01-16 · Heft 109 (16.1.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 109 (16.1.1930)
Date
1930-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 109 DIB STIMME gBcnu Stimmen... Jognl'Jafclettes! Siogat'^abfeffen finb unübertroffen jttr 93efämpfurtg rheumatischer, gichtischer und nervöser Schm erzen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. $ogal f$eibet bie Äarnfäure au# unb gebt batjer bireft 3ur 9Buriel beS Hebels! <20enn ^aufenbe non Qler$ten biefeö Mittel oerorbnen, fönnen auch 6ie e# vertrauen#* »otl laufen, fragen Sie 3&tm ^rjt! 3n alten $lpot$elett. 3brei$ S 2.40 Nahnm Sokolow beim Präsidenten der polnischen Republik Warschau, 12. Jänner. (J. T. A.) Am Samstag wurde der Präsident der Zionistischen Weltexekutive Nahnm Sokolow vom Präsidenten der Republik Polen, Prof. Mosicki, empfangen. Die einstündige Audienz trug einen sehr herzlichen Charakter. Präsident Moscicki zeigte im Verlauf des Gespräches eine gründliche Kenntnis des Zionismus und seiner Probleme sowie der Einzelheiten des PaläsUna-Aufbaues. Die Weidah des Hechaluz (3. e.) Am 11. und 12. d. M. fand der diesjährige ordentliche Delegiertentag des österreichischen Hechaluz statt Die Eröffnungssitzung gestaltete sich zu einer mächtigen Kundgebung der zionistischen Jugend Wiens für den Gedam ken der Chaluziut. Das zionistische Wien war durch seine führenden Persönlichkeiten vertreten, die in ihren Reden und Begrüßungen dem „Hechaluz“ ihre Treue zusicherten und viel Verständnis für die schwere Arbeit des Hechaluz entgegenbrachten. Namens der Leitung eröffnete die Tagung Ghawer Jakob Singer mit einer hebräischen Rede, in der er auf die Wichtigkeit der Chaluziuth hinwiee. Zum Schluß gedachte er unserer Toten in Erez Israel. Im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde begrüßte Dr. Löwenh e r 2 die Tagung, der in einer eindrucksvollen Rede die Bedeutung der Chaluziut für unser Aufbauwerk und die Zukunft des jüdischen Volkes betonte. „Wenn wir,“ sagte Dr. Lowenherz, „den Hechaluz unterstützen, so tun wir das nicht, wie wenn wir eine Wohltat erweisen wollten. Nicht Fürsorge, sondern Mitarbeit ist es, die wir dem Hechaluz schuldig sin d.“ Erschloß seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, daß nur eine einheitliche Ohaluzbewegung die Aufgaben, vor denen wir stehen, zu erfüllen imstande ist. Nur einer einheitlichen und picht einer gespaltenen Chaluzorganisatipn wpr^en wir/ unsere Hilfe angedeiihen lassen. Der Vorsitzende Chawer Jakob. Singer dankte Herrn Dr. Löwenherz, der immer dem Hechaluz zur Seite gestanden ist, für seine Förderung des öhainzverhandes und gab der Erwartung Ausdruck, daß dies auch weiter der Fall sein wird. Im Namen des zionistischen Landeskomitees sprach Me*r Henisch (hebr.), der den Ghaluz der Unterstützung der Landesorganieation versicherte. Für die Poale Zion begrüßte Mendel Singer die Tagung und führte aus, in'welchem bedeutsamen Moment die Weidah des Hechaluz abgehalten wird, denn in diesen Tagen sei die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien in Palästina erfolgt. Der Vertreter der Hitachdut'h Ahron Si n g e r (hebr.) führte ungefähr das Gleiche aus. Dr. Armand Kaminka begrüßte die Tagung namens der israelitischen Allianz. Freudig begrüßt, ergriff hierauf Herr Widma y e r, Sekretär des Oesterr. Land- und Forstarbeiter verhandes, das Wort zu einer herzlichen Begrüßung im Namen der organisierten österreichischen Landarbeitersohaft. Zum erstenmal brachte ein Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie ihre Sympathien für den Zionismus und die Chaluzbewegung zum Ausdruck. Man muß diese Tatsache um sa mehr einsohätzen, wenn man berücksichtigt, wie sehr gerade die österreichische Sozialdemokratie gegen den Zionismus eingestellt ist. Daher machten auch die Worte des Herrn Widmayer einen tiefen Eindruck. Er sagte: „Ich bewundere Ihre Stärke/den. Mut und die Entschlossenheit jener Jugend, die hinausgeht in das ferne Land, dem entfernten Ziel, einer unbestimmten Zukunft entgegen. loh wünsche, daß Ihre heutige Tagung Sie einen Schritt näher Ihrem Ziele bringe.“ . Herr Dr. Rager von der Kammer für Arbeiter und Angestellte hob.hervor, wie ganz anders sich der Umsohichtungsprozeß bei der jüdischen Jugend, die nach Palästina geht, vollzieht als bei den anderen Völkern. Die Chaluzbewegung habe eine glückliche Auswahl von Menschen, für Palästina getroffen und dies läßt ihn hoffen, daß der Aufbau Palästinas Erfolg haben wird. Der Vorsitzende brachte dann folgendes Begrüßungsschreiben des bekannten Theoretikers des Marxismus, Univ.-Prof. Doktor Max Adler, zur Verlesung, der bedauerte, der Weidah nicht persönlich beiwohnen zu können: „Werte Genossen! Für die Einladung zu Ihrem diesjährigen ordentlichen Delegiertentag sage ich Ihnen besten Dank. Leider bin ich verhindert,^bei demselben zu erscheinen, aber ich benütze gerne die Gelegenheit, um Ihnen zu sagen, daß ich schon seit langem die sozialistischzionistische Arbeiterbewegung zur Vorbereitung der Errichtung einer Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina mit großem Interesse und warmer Anteilnahme verfolge. Und besonders erfüllt mich die Opferbereitschaft und der Idealismus der Chaluzim mit Bewunderung, die zugleich Pioniere neuer Lebensformen des jüdischen Volkes und der Verwirklichung des sozialistischen Geistes sind. Zwar verkenne ich die großen Gefahren, die Ihrem Aufbauwerke drohen, nicht, innere und äußere Gefahren: die innere Gefahr eines Ueberwiegens nationaler Empfindungen und Anschauungen und die äußere Gefahr des Konfliktes mit der arabischen Majorität in Palästina. Aber diese Gefahren halte ich nicht für unüberwindlich, wenn die sozialistisch-zionistische Arbeiterbewegung den Geist des internationalen ».i Schnellzugstatlon Steinach am Brenner. 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In diesem Sinne begrüße ich den Delogiertentag und wünsche seinen Beratungen den besten Erfolg.“ Begrüßungsschreiben langten auch von Julius Braunthal, Chefredakteur der Monatsschrift „Der Kampf“, und einer Reihe zionistischer Körperschaften, wie Exekutive Jerusalem, Welt-Hechaluz, ein. Die neugegründete Chaluzorganisation in Budapest, die jüngste Histadruth in der Weltbewegung, schickte ein herzliches Begrüßungstelegramm. Chawer Feuerstein überbrachte die Grüße des tschechoslowakischen Verbandes. Es sprachen noch eine Vertreterin der Wizo und des Misraohi. An der Weidah nahmen noch teil: Herr Kommerzialrat Klemperer von der B n a i - B r i t h L o g e, Herr Dr. T a r t ak 0 w e r, die zionistischen Kultusvorsteher Wa 11 u ch, Baurainger, Dr. K 1 a ber und Vertreter der jüdischen Presse. Den Höhepunkt des Abends bildete das glänzend© Referat des Herrn Adolf B ö h m über die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas. Der Referent führte im wesentlichen folgendes aus: „Als die englische Regierung im Jahre 1922 eine Statistik machte, stellte sie fest, daß 5.5 Millionen Dunam des Bodens kultiviert waren. Von Platzmangel ist demnach keine Rede. Es fehlt im Gegenteil an Arbeitshänden. Daß also kein Boden übrig bleibt, wenn wir einwandern, stimmt nicht. Beim Kauf von Boden ist von uns noch kein Araber vertrieben worden. 55 Prozent unseres Bodens kauften wir von Seite 9 Der 4» invenlnnerfiau! hat begonnen! Großgrundbesitzern. Meistens war es versumpftes und versteintes Land. Nicht allein dadurch, daß wir noch Boden kaufen, werden wir Platz für noch mehr jüdische Einwanderer haben; auch auf dem Boden,’ den wir bereits besitzen, wäre durch intensiven Bau und Fortschritte der Bewässerung noch Platz für weitere 10.000 Familien, d. s. 50.000 Köpfe. In den jüdischen Kolonien werden im Jahr 6 Millionen Liter Milch erzeugt/ das ist die Hälfte der ganzen Milohproduktion. Auch 99 Prozent aller Traktoren sind in den Händen der Juden. Wenn man daher die Frage stellt, was aus Palästina geworden wäre, wenn die Juden nicht gekommen wären, kann man konstatieren: Nichts. Man braucht nur nach Trane- Jordanien hinüberzuschauen. Es ist also ein. wahrer Segen über das Land gekommen und diesen Segen haben hauptsächlich die Araber; aufgefangen. Die Juden, die ein Fünftel der Bewohner 6ind, leisten die Hälfte aller Staatseinnahmen., Die arabische Bevölkerung vermehrt sich um 15.000 Köpfe per Jahr. Dieser . Zuwachs der. Araber müßte verhungern, wenn die Juden nicht wären. Die. Juden, die ein Fünftel der. Bewohner sind, liefern die Hälfte aller Produkte. Es hat noch kein Land gegeben, das ohne Druck der Gesetzgebung, durch freiwillige Ver-, einbarung der Unternehmer und Arbeiter, den Achtstundentag eingeführt hätte. Wir haben, in. Palästina noch keine, gesetzliche Krankenkasse. Die Arbeiterkrankenkasse ist ein wunderbares Werk, das die Arbeiter, in. Palästina selbst, geschaffen haben. Wenn man das politische Rocht, das Mandat, überhaupt, ansieht, muß man sagen,, daß alles am Papier gehliehen wäre, wenn die Juden sich ihr Recht nicht selbst erobert und erarbeitet hätten. Das Recht auf Palästina kann uns daher niemand nehmen. Es ist ein Urrecht. Den Abend beschloß ein Referat des Herrn Edelstein (M.-Ostrau) über die politische Situation in Erez lsrael. Er ging von den letzten Unruhen aus, verweilte kurz bei ihren unmittelbaren Ursachen und kam dann auf die Wirkung zu sprechen, die sie ausgelöst haben. Diese Kundgebung und die Verhandlungen am; nächsten Tag bewiesen von Neuem, daß die Chalüzbewegung auch in Oesterreich, wie in allen anderen Ländern, in einem steten Aufstiege sich befindet und die Hoffnungen) die wir in sie setzen, vollauf rechtfertigt. Unsere Feinde mögen angesichts der letzten Ereignisse geglaubt haben, daß wir nunmehr mit unseren Kräften zu Ende sind. Die Antwort, die unsere Chaluzim gegeben haben, hat das eine gezeigt: Die Arbeit geht Vorwärts, das Aufbauwerk in Erez Israel schreitet fort. Die eigentliche Weidah war ernsten Verhandlungen über die gegenwärtigen Aufgaben des Hechaluz sowie der Arbeit in der kommenden Merkasperiode gewidmet. Zwei Fragen waren es hauptsächlich, die zur Erörterung gelangten: Die Form' der Hachscharah und die politisch-kulturelle Arbeit des Hechaluz. In einer Reihe von Resolutionen und Beschlüssen wurde das Arbeitsprogramm für die nächste Periode festgelegt. Der neuen Leitung des - Hechaluz, in der ein Chawer aus Erez-Israel tätig sein wird, gehören an: die Chawerim Singer* Biberstein, Wenkert und die Chawerah Weinig. Der größte Teil der bisherigen Leitung geht jetzt zur Alijah. Alles in allem: Der «Hechaluz» in Oesterreich hat in den schweren Tagen bewiesen, daß er seine Aufgabe kennt und erfüllt. Der zionistischen Oeffentlichkeit obliegt nun die Aufgabe, die Arbeit des Hechaluz in einem weiteren Ausmaße als bisher, zu fördern. Das se( eine Mahnung und eine Forderung. Warnung an beruf lose Emigranten vor Auswanderung nach Brasilien Paris, 8. Jänner. (J. T. A.) Die Hias-Ica- Emigdirect gibt bekannt, daß es Personen ohne bestimmten Beruf oder frühere Kleinhändler, ohne Kapital augenblicklich in Brasilien absolut unmöglich ist, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

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