Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 108 (8.1.1930)
- Date
- 1930-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 108 DIE STIMME Seite $ Der größte Tonfilm der Welt! i Aß'^H Allelnoafiahrane Täglich 5,7 u. 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 3, 5, 7, 9 Uhf» Eustfspleliliearfer Prater Tel. R-44000 Kartenvorverkauf: 1., Rotenturm-Bazar, Telephon R-20-2-41 Ein Warner Bros-Vltaphoofilm der Hugo-Engel-Film Q.m. b.H. Verlauf nahmen und auf hohem Niveau standen, erfolgte die Wahl der Exekutive, der nachstehende Mitglieder angehören: Abg. Dr. Thon (Präsident der Organisation), Dr. J. S ch w a r z b a r t (Präsident der Exekutive), Dr. Herzberger (Vizepräsident), A. Hofstätter (Generalsekretär), Lauterbach, Dr. Ludwig Lustbader, Nußbaum, Magister Salpeter, Dr. Spiegel und Dr. Weinberger. Nach dem Delegiertentag fand im alten Theatersaal eine große Palästinakundgebung statt, zu der Vertreter der Behörden und bekannte Persönlichkeiten aus der polnischen Gesellschaft erschienen waren. Präsident Sokolow hielt eine überaus wirkungsvolle Rede über das jüdische Aufbauwerk in Palästina. Die Konferenz der Hitachduth Ui Polen Warschau, 3. Jänner (J. T. A.). Bei Anwesenheit von 110 Delegierten wurde die vierte Konferenz der zionistischen Arbeitspartei «Hitachduth» in Polen eröffnet. Der Vorsitzende, Joseph Lew, betonte die Notwendigkeit der Verstärkung der chaluzistisohen Richtung in der Partei. Der frühere Bürgermeister von Tel Aviv, Herr BIoch-Blumenfeld, trat für verstärkte Alijah ein. Der Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, Neustadt, schilderte das zionistische Arbeiterwerk. Es folgten Begrüßungen der großen zionistischen Organisationen und Institutionen. In das Präsidium wurden gewählt Abg. Dr. M. Gordon, Dr. M. Rosenbusch und Dr. Terlo. Den Bericht des Zentralkomitees erstattete Herr Levy. Ä. Barski (Petaeh Tikwah) referierte über Hechaluz und Aliäh, Goldberg über die «Gordoitia»- Bewegung in Polen. Mit der Hauptaussprache war die zweite Sitzung ausgefüllt. Der dritten Sitzung wohnte der Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow bei, der in einer längeren hebräischen Rede die Haltung der Arbeiterschaft Palästinas während der Unruhen als besonnen, würdig und verantwortungsbewußt wertete. Wäre ich jünger, schloß Sokolow, ich würde der Arbeiterpartei in Palästina beitreten. Vierte Landeskonferenz der Zionisten-Revisionisten in Polen Warschau, 4. Jänner (J. T. A.). Be! Anwesenheit von 150 Delegierten wurde in Warschau die vierte Konferenz der Partei der Zionisten-Revisionisten Polens eröffnet. Der Vorsitzende, der bekannte hebräische Dichter Dr. Jakob Kahn, referierte über die Gegenwartsfragen des Zionismus. Obwohl die Revisionisten die Jewish Agency scharf bekämpften, sind sie der Ansicht, daß ein Zusammenbruch der Jewish Agency eine große Gefahr mit sich bringen würde. Herr Meir Gross mann aus London hielt sodann ein großangelegtes Referat Über die «jetzige politische Lage im Zionismus» und stellte als Ursachen der letzten Geschehnisse in Palästina und der Krise im Zionismus hin: 1. die Unklarheit der Balfour-Deklaration, die die Pflichten der Regierung und die Rechte der Jewish Agency nicht genauer festgelegt hat; 2. die schwächliche Politik der zionistischen Exekutive ln London; 3. die feindliche Stellung der Palästina-Administration zum jüdischen Siediungswerk; 4. die Abwesenheit von englischem Militär; 5. die Ausschaltung von Transjordanien aus der Balfour-Deklaration. Der j Redner griff die zionistische Exekutive an, die es nicht eingerichtet hat, daß auch Jabotinsky als Zeuge vor die Untersuchungskommission erscheine. Die Revision nisten seien bereit, mit der Zionistischen Exekutive ziisammenzuarbeiien, wenn diese sich zur Einberufung eines außerordentlichen Zionistenkongresses bereit erklärt. Die Revisionisten verhalten sich in einem gewissen Maße loyal gegenüber der Zionistischen Exekutive, da sie jede separatistische Politik für schädlich halten. A" ' ' " 1 "" 1 11 ' ... ... f ■ .." .. - ' ~ -- -- TT- — Sollte aber die Exekutive ihre bisherige Politik fortsetzen, so werden sich die Revisionisten gezfwungen sehen, eine selbständige Politik zu betreiben. Der Redner griff scharf die Politik von Brith Schalem an. Abg. J. Grünbaum, der im Namen der Radikalen Gruppe «Al Hamischmar» die Konferenz begrüßte, erklärte, die Revisionisten hätten immer den reinen Zionismus verteidigt: Für die letzten traurigen Ereignisse in Erez Israel kann die Exekutive nicht zur Verantwortung gezogen werden. Für diese ist nur die Palästina-Administration verantwortlich: Er und seine Gruppe können dem Vorschlag der Revisionisten auf . Einbringung eines Mißtrauensvotums für die Londoner Exekutive nicht zustimmen, da dies einem Bürgerkrieg gleichkäme. Ein Bürgerkrieg in der zionistischen Bewegung sei aber zu vermeiden, weil die Bewegung gegen innere und äußere Feinde zu kämpfen hat. Nach Wahl des Präsidiums referierten Ing. A. K uzenok über die Leistungen.der Parteileitung und D r. L i p m a n über Organisation. An die Referate schloß sich eine lebhafte Aussprache. om Wien. Z.. Üaborstraße 8 a Die Srenxe der Xelsluntffl/dAteltell für moderne tfudflUMUf-lfiflvfte Sthuh S) Müüs I», Adlargassa s TtL R-23-4-90 ll.t Kl. Pffarrg. SS Tal. A-41-8-24 SprectixYiasctilxien, Schall« platten u. Rundfunkgeräte Inhaber: Richard Herzog jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanzu. Oesangsschlager in reichster Auswahl tat Lager Auch Teilzahlungen! Provinzversand; Soehen neue «riginai-amcrikanitcht Lieferungen eingelangt Ein Jude — Mitglied des Obersten Gerichtshofes in Polen In der letzten Sitzung der Mitglieder des Obersten Gerichtshofes in Polen wurde u. a. Herr Walfisch zum Mitgiiede dieses Gerichtes gewählt. Es ist das erstemal, daß ein Jude zum Mitglied der obersten geröchöiidien Instarcz in Polen gewählt wurde. Zwischen den Zeilen Es geht vorwärts Zionistische Tagungen in aller Welt; Wiederauf. leben der Chaluzbewegung; gesteigerte Einwanderung nach Palästina; große Keren-Hajessod-Kampagne in allen Ländern- In Jena, Warschau, London, Bukarest und Krakau werden von alten, bewährten Führern Worte des Mutes und der Zuversicht gesprochen; Staatsmänner verschiedener europäischer Länder bekunden die Smpathien ihrer Regierungen für den Zionismus; imposante Kundgebungen in vielen Städten Europas versammeln Abertausende von Begeisterten-- — Es geht vorwärts. Voreilig frohlockten unsere Feinde; voreilig sahen sie den Zionismus tot und begraben; voreilig triumphierten sie: €wir haben es ja vorausgesagt!» Was haben sie vorausgesagt? Es geht doch vorwärts. Ungebrochen steht der Jischuw in Palästina; ret sendet lebensspendende Strahlen in die Länder der, Zerstreuung; und in den Kaders herrscht freudige Arbeit: weitere Abteilungen unserer Heeresmacht —« des friedlichen Pioniertums — sind marschbereit. Noch tut die Anspannung aller Kräfte not; noch ist das Endziel sehr weit; verdoppelt, versiebenfaeht müssen die materiellen Opfer des jüdischen Volkes werden. Aber das, was wir in den traurigen August« tagen erhofft haben, was uns in jener finsteren Zeit: Mut eingeflößt hat, was wir als einzig mögliche Antwort auf den Versuch, uns ins Meer za werf en* erachtet haben, ist eingetreten: Es geht vorwärts. Sehn. Escheth-Chail*) (Aus dem Zyklus: Frauengestalten, im Talmud) Von Cyla Waldmann Man müßte allgemein annehmen, daß die soziale Stellung der Frau bei einem Volke immer im geraden Verhältnis zu seiner kulturellen Entwicklung steht. Vergleicht man aber die soziale Stellung der Frau bei den Juden, von der Nomadenzeit an, mitder biblischen, der Zeit des zweiten Tempels und der talmudischen, der Zeit der größten geistigen Entwicklung der Juden, so ersieht man, daß die Frau in der Nomadenzeit und während des größten Teiles der biblischen Epoche auf geistigem wie auch auf wirtschaftlichem Gebiete den Männern gleichwertig war. In der talmudischen Zeit gab es keine hervorragenden Frauengestalten mehr wie in der Patriarchenzeit oder der biblischen Zeit. Gleichviel, ob das historische Gestalten oder Schöpfungen der Voll^&p'hantasie waren, die sich die eirsehnteri Helden schafft und in ihnen so den Geist einer bestimmten Zeitepoche wiederepiegelt. Kaum einige Frauengestalten werden im Talmud gelegentlich erwähnt, doch auch diese läßt man nicht immer zur Geltung kommen. Es gibt im Talmud zwar viele schöne Aussprüche über die Frau, die meisten aber sind abfällig. I>ie große Gelehrsamkeit des Mannes und das geistig niedrigste Niveau der Frau, die nur Leibeigene des Mannes war, charakterisieren die talmudische Zeit. Eine Idealgestalt, wie sie *) Die , tapfere Frau. in dem Sprüchen 31. dargestellt wird, verschwindet vollständig. Die Frau, die Gott aus der Ripp« des Mannes gebildet hat und ihm zur Seite als Hilfe gestellt bat, sinkt im Laufe der Zeit zur Magd, die ihm dienen soll, herab. Wie anders in der Bibelzeit. „Ein tüchtiges Weib, wer kann es finden, größer als Perlen ist ihr Wert,“ beginnt der Lobgesang auf die Frau in den Sprüchen 31. JJnd. wie aus diesem Lobgesang zu ersehen ist, tritt in dieser Zeit die Frau als die Versorgerin des Haushaltes in den Vordergrund. Die produzierende, schaffende Kraft ist die Frau; eine passive Rolle spielt in der Wirtschaft der Mann. Durch ihre Leistungen und Taten ist er bekannt. Der Mann und die Söhne schauen zu ihr empor. Es ist interessant, daß Karl Kautsky in seinem Werke „Die materialistische Geschichtsauffassung“ die wirtschaftliche Höherstellung der Frau über den Mann als eine allgemein charakteristische Erscheinung der Uranfänge der Wirtschaft angenommen hat. Nach Kautsky standen der Mann und die Frau in der Urzeit auf gleicher sozialer Höhe. Je mehr die. Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau fortschritt, konnte das eine ohne das andere nicht auskommen. So war denn in den Anfängen der kulturellen Entwicklung nicht das sexuelle. Moment, welches Mahn und Frau zu einer Ehe zusammenschloß, weil sie sich auch sonst frei sexuell ausleben konnten, nur das wirtschaftliche. Die wichtigste Aufgabe der Frau war die Urbarmachung des Bodens. Sie ist die erste, die den Boden von Unkraut reinigt und genießbare Pflanzen sät. Der Mann versorgt den Haushalt mit Wald, während es die Frau mit Früchten und Pflanzen tut. Nun zitiert Kautsky den Müller-Leyer, der. auf die ökonomische Bedeutung hinweist, die die Frauenarbeit für den Haushalt gewann. Die Macht der Frau wuchs in dem Maße, sagt Müller-Leyer, in dem die Bodenkultur sich entwickelt. Die frühere Pflanzensammlerin wird jetzt zur Feldbebauerin. Der Ackerbau wird ausschließlich von der Frau besorgt. Da nun die Ergebnisse der Jagd viel unsicherer sind als die des Ackerbaues, so erhält die Frau das Uebergewicht. Jetzt wird eie der ökonomisch überlegene Teil, jetzt wird sie der Mittelpunkt der Wirtschaft, um die der Mann wie ein Planet um die Sonne kreist. Erst später, sagt Kautsky weiter, als das Großvieh im Haushalt eine wichtige Rolle zu spielen beginnt, wo seine Haut, Wolle und Fleisch dm Haushalt unentbehrlich werden/ dieses Vieh aber Weidefläohen bedarf und «ein Schutz die Sache des Mannes wird, der auch das Vieh für Zugleistungen und Ackerbau verwendet, da wird der Mann Herr ian Hause. Die Leistungen der Frau werden unwichtig, sie muß jetzt nicht bei Wanderungen Zelt, Kind und Hausrat am Rücken schleppen, denn Tier, und Wagen ersetzen eie, sie verliert aber deswegen immer mehr und mehr an Bedeutung. Wie aus dem Vergleich der Sprüche 31 und der Auffassung Kautskys deutlich hervorgeht, deckt sich die Arbeitsleistung der Frau in den Sprüchen genau mit der der Nomadenfrau» wie sie Kautsky schildert. Wie anders war die Stellung der Frau, ihre Pflicht und Wirkungskreis in der taimudieobeh