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Die Stimme · 1930-01-08 · Heft 108 (8.1.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 108 (8.1.1930)
Date
1930-01-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Olt STIMME Nt. 108 Am der zionistischen Beuegnns in Eine große Palästina-Kundgebung in Warschau Teilnahme des Ministerpräsidenten Bartel — Ansprache des Präsidenten Nahum Sokolow — Eine pro-zionistische Erklärung des Außenministers Zaleski (Eigenbericht der «Stimme».) Warschau, 3. Jänner 1930. Wie bereits gemeldet, weilt jetzt Präsident Nahum Sokolow in Polen zur Unterstützung der diesjährigen Keren Hajessod-Kampagne. Zwecks Einleitung dieser Kampagne veranstaltete gestern das Warschauer Keren Hajessod-Komitee im PhilharmoniesaaJe eine imposante Palästina-Kundgebung, an der nebst den repräsentativen Vertretern der polnischen Judenheit, namens der Regierung Ministerpräsident Prof. B a rtel, Außenminister Zaleski, Senatsmarschall Prof. Szymanski, Vertreter des Innenministeriums und des Unterrichtsministeriums, sowie der Vorsitzende des Stadtrates Abg. Jawo'rowski und zahlreiche Persönlichkeiten der politischen Welt teilnahmen. Abg. Färbst ein begrüßte mit einer kurzen hebräischen und polnischen Ansprache die Vertreter der Regierung, sowie die erschienenen Gäste.. Sodann hielt Außenminister Zaleski folgende Ansp.ache: «Ich danke dem Herrn Abgeordneten Farbstein für die liebenswürdigen Worte, die er an die polnische Regierung richtete. Meinerseits freut es mich sehr, hier Herrn Nahum Sokolow, den Präsidenten der Zionistischen Exekutive, zu begrüßen. Die früheren polnischen Regierungen haben schon öfters ihre Sympathie für uie bescrebungen der Zionistischen Organisation, die den Aufbau der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina bezweckt, bekundet. Ich bekräftige nochmals diese Stellungnahme im Namen der Regierung und wünsche Ihnen einen vollen Erfolg in inrer Aibeit» (Stürmischer Beifall.) Präsident Sokolow führte in seiner Rede folgendes aus: An dem Kampf um den internationalen Frieden nimmt auch das jüdische Volk teil, nicht nur in'Worten, sondern auch in Taten. Unser Ziel ist. ein Friede, der mit tatkräftiger Arbeit identisch ist. In den letzten Jahren brachten wir nach Palästina 75.000 Juden. Der arabischen Bevölkerung haben wir keinen Boden weggenc anen, wit; suchten für unsere Siediungszwecke immer die brachliegenden Böden aus. Wir wollten das geschichtliche Jaffa nicht . besetzen und bauten in seiner Nachbarschaft ein neues Jerusalem auf: Tel-Aviv. ln Hgi-fa blieben wir auch nicht in der alten Stadt im Tale, sondern wir erstiegen den Karmel und bauten dort den Hadar Hakarmel auf. Sogar in Jerusalem blieben wir nicht im Weichbilde der Stadt — in der Umgebung schufen wir herrliche jüdische Vorstädte. Wir haben in Palästina bereits das Embryo eines Staatswesens und der iinehektueuen Arbeit geschaffen. .... Wir besitzen ein weitverzweigtes Schulnetz, mit der Universität in Jerusalem und dem Technikum in Haifa an der Spitze. Die altertümliche hebräische Sprache wurde neubelebt, nicht in den Arbeitszimmern der Gelehrten allein, sondern auch im Munde kleiner Kinder. Dies sind unsere Erfolge, wir hoffen aber noch mehr zu erreichen. Unsere Rechie auf Palästina sind heilig und unerschüttert. Wir wollen in Palästina unser eigenes nationales Heim errichten, wie es uns in der Balfour-Deklaration und im Mandat zugesichert wurde. Die Geschichte kennt schon einen Fall, daß ein Volk in sein Land wiederkehrte. Die Griechen, zerstreut i-m ganzen Orient, waren in ihrem eigenen Vaterlande eine Minderheit. Und doch wurde ihnen ihre griechische Heimat wiedergegeben. Das auferstandene Polen hat ebenfalls seinen alten Staat wieder aufgebaut. Ich danke der polnischen Regierung nicht nur im Namen der polnischen Juden, sondern auch im Namen der allweltlichen zionistischen Organisation für ihre Deklaration.» Sokolows Anspraclie rief einen Sturm der Begeisterung hervor. Nach den Ansprachen Lewitäs, Doktor Alexander Goldsteins und des früheren Bürgermeisters von Tel-Aviv, Bloch, ergriff Sokolow abermals das Wort zu einer jiddischen Ansprache: «Die polnischen Juden, welche in Polen ganze Städte, wie Lodz und Bendzin, erbauten, die in Palästina bereits so viel geleistet haben, werden zweifellos das Aufbauwerk auch weiterhin bis zum vollen Erfolge fördern. Das Menschenmaterial allein aber genügt nicht. Nötig sind auch materielle Mittel. Nur mit ihitr; Hilfe wird es uns gelingen, die jüdische Heimstätte in Palästina zu errichten.» Er hoffe, daß die polnische Judenheit die diesjährige Keren Hajessod-Kampagne nach Kräften unterstützen werde. .1 Der Delegiertentag der Zionistischen Landesorganisation in Kongreßpoien Große Beteiligung — Sokolows Expose — Abg. Grünbaum referiert über die innerpolitische Lage im Zionismus — Die Revisionisten beantragen die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Kongresses (Eigenbericht der «Stimme».) Warschau, 6. Jänner 1930. Heute wurde die neunte Landeskonfe.enz der Zionistischen Organisation in Kongreßpolen eröffnet, an der in Vertretung der Londoner Exekutive Präs.dent Nahum Sokolow und die Delegierten des Keren Hajessod-Direktoriurtis, D. Bloch und Dr. Alexander Goldstein, teilnehmen. Namens des Zentralkomitees eröffnete die Konferenz L. Lewite, der in seiner Ansprache den Zustand der Landes.organisation schilderte und auf die Hauptfragen der Tagung, drie Unifizierung der polnischen Organisationen sowie die Schahung der Arbeitsgemeinschaft, hinwiea. Präsident Nahum Sokolow erstattete sodann einen eingehenden Bericht über die politische Lage und stellte fest, daß jede Zionistische Exekutive stets die Interessen des Jischuw in Palästina gewahrt habe. Die Sicherheit unserer Heimstätte wurde bereits zum drittenmal verletzt. Unsere Antwort darauf darf sich nicht auf scholastische Debatten beschränken, wen die eigentliche Schuld trifft, sondern muß ihren Ausdruck in der weheren euergrevollen Arbeit für den Aufbau des Landes finden. Zur Mandatarmacht können wir nach wie vor vollstes Vertrauen haben. Redner Ist überzeugt, daß eine Wendung zum Besseren eintreten werde. Es sei bereits sicher, daß die Juden zu den Schutzirüppen in Palästina herangezogen werden. Ob diese Truppen einen militärischen oder polizeilichen Charakter haoen werden, sei bloß eine technische Frage, die von unseren Diskussionen unbeeinflußt ist. Wir verlangen aeo jüdischen Selbstschutz im; weitesten Sinne ureseS Wortes. Die von uns eingeleiteten Hilfsaktionen, die von der gesamten jüdischen Bevölkerung in der opferwilligsten Weise durchgeführt wurden, befreien keineswegs die Palästina-Regierung Von ihrer Pflicht, für die erlittenen materiellen Schäden '' Entschädigungen zu leisten. Die gesamte-Entsehädigungsfrage ist-mehr eine juristische und wir hoffen, daß wir, da wir an den letzten' Ereignissen unschuldig sind, das vollste Recht haben, für die Opfer entsprechende Entschädigungen zu verlangen. Der Hilfsfonds hat seine Arbeiten bereits zu. Ende geführt und wir haben die Verpflichtung, von neuem die normale Tätigkeit für den Keren Häjessod aufzunehmen. Zur Frage der Klagemauer erklärte Präsident Sokolow, daö demnächst eine internationale Kommission des Völkerbundes nach Palästina entsendet werden wird, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sie unseren Standpunkt akzeptieren wird. Zirm Schlüsse seiner Rede berührte Sokolow die Tätigkeit des Brith Schalom, der sich in unnötiger Weise in politischen Aktionen engagiert hat. Wir erstreben einen Frieden mit deri Arabern, aber keineswegs in der Welse, wie es der Brith Schalom tut In keinem Zeitpunkte, wie gerade im jetzigen, benötigt unsere Organisation eine friedliche Zusammenarbeit aller zionistischen Gruppierungen. .Die Vereinigung aller Kräfte für das gemeinsame Aufbauwerk kann und wird alle Schwierigkeiten überwinden. . Unmittelbar nach seiner Ansprache, die mit großem Beifall aufgenommen wurde, begab sich Präsident Sokolow nach Krakau, zwecks Teilnahme an der dort ebenfalls stattiindenden Konferenz aer Zionistischen Organisation für Westgalizien und Schlesien. Am Schlüsse der ersten Sitzung gedachte der Vorsitzende Lewite der Toten der letzten zwei Jahre. In der zweiten Sitzung wurde nach einer längeren Debatte und Kampfabstimmung nachstehendes Präsidium gewählt: Meir Freid (Et Liwnoth)^Dr. Klumel (Al Hamischmar) und Dr. Dauenmann (Revisionist). An der'Konferenz nehmen teil: 357 Delegierte, die folgenden Gruppierungen angehören: Et Liwnoth 78 Delegierte, Revisionisten 116, Al Hamischmar 145, Unabhängige 18. Nach der Wahl des Präsidiums erstattete Generalsekretär A r j e Z e i 11 i n einen Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomitees, worauf dann Abg. Grünbaum Über die Innenpolitische Lage im Zionismus referierte. * . Abg. Grünbäum, dem die Tagung große Ovationen beredteteV’führte in seinem Referat folgendes aus: Durch 'den FriedensschluB der Al-Hamischmarmit der Et-Liwn-oth-Gruppe wurde der Streit der, Vergangenheit liquidiert. Die Wahlen zum Delegiertentag faiiden in einer ruhigen und gesinnungsfreundMehen Atmosphäre statt. 20.000 Zionisten wurden in die Wählerlisten eingetragen. Die gegenwärtige Tagung hat vor allem die Aufgaben der zukünftigen Arbeit zu behandeln und den Weg vorzuzeichnen, der geeignet wäre, die Konsolidierung der Organisation h erbe i z u f Uhr e n. Die letzten Ereignisse in Palästina haben klar bewiesen, daß die Entwicklung in Palästina keineswegs in friedlicher Weise vor sich gellen könne. Die Menschen, die nach Palästina gehen, sind vor allem Pioniere, die die Aufgabe haben, die Grundlagen unseres Aufbauwerkes zu stärken. Unsere Propaganda muß daher das Endziel des Zionismus hervorstreichen. Wir dürfen in unserer Propaganda den alleinigen Aufbau nicht als Hauptkriterium betrachten. Die Befreiung des Jüdischen Volkes ist der Endzweck unserer Bewegung. Wir verlangen in Palästina keine Minderheitsrechte. Durch die Schaffung der jüdischen . Majori^ tät: wollen, wir Souveränitätsrechte erstreben.. ( Die politischen Probleme in Palästina . sind kompü-; ziert An den letzten. Ereignissen trägt die .Exekutive, keineswegs Schuld.. Aufgabe unserer Politik muß es sein, nach.Faktoren Umschau zu halten, die in der Lage wären,. England zu bewegen, seine im Mandat übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Es ist ein gefährlicher Irrtum, sich eihzubilden, daß an der jetzigen Situation \Veizmann und seine Exekutive Schuld tragen. Dieser Irrtum müßte zu einem Bürgerkrieg im zionistischen Lager füllten, . der sehr gefahrvoll werden könnte. Dieser Bürgerkrieg wäre weitaus gefährlicher, als das Verbleiben der jetzigen Exekutive. Darin eben besteht der Unterschied zwischen uns und den Revisionisten, die eigentlich einen literarischen Kampf führen. Es hat daher keinen Sinn, unsere kritischpolitische Einstellung zu stärken. - r Die Majorität der Landesorganisationen, die Unken Gruppierungen und der Misrachi stehen hinter Weizmann. Aus diesem Grunde ist ein Kampf gegen Weizmailn aussichtslos. Sodann behandelt der Redner die Situation in der Jewish Agency und kommt zum Schlüsse, daß im gegebenen ... Zeitpunkte; .die zionistische Erziehungsarbeit neuen Inhalt erhalten muß. Wir müssen die Chaluziü'th pflegen; um das .nötige Menschenmaterial ■ für Palästina, zu gewinnen. In organisatorischer Hinsicht ist ein Zusammenschluß aller zionistischen Fraktionen und Föderationen für die gemeinsame praktische Arbeit in Palästina, notwendig. Die Unifizierung der polnischen Organisationen sei ebenfalls dringend^ uni-.aüif diesem Wege eine einheitliche gesamtpolnische Ländesörganisation zu schaffen. Die Zionistische Organisation in Polen muß gestärkt werden durch eine echte und von Elan getragenezionistische Arbeit, die jene Schichten, die über Mittel verfügen, zwingen' könnte, 'für Unsere nationale Sache die nötigen ' Geldmittel-zur Verfügung zu steilen. Nach dem Referate Grünbaums, das nuit großem Beifall äufgenommeh wurde, folgte eine Erklärung des Vertreters der Lemberger Zionisten, Ing. Landau, über die Verhandlungen, wegen der Unifizierung; d-ie eine Replique seitens des Abg. Grünbaum hervo'rruft. - Der Führer der Revisionisten, der bekannte hebräische Dichter Jakob Kahn erörterte sodann die Stellungnahme der Revisionisten zur -gegenwärtigen Situation in Palästina und im Zionismus, Redner kritisiert in scharfer Form die Tätigkeit des^ Brith- Schalom und all jener Elemente, die sich vom Judensiaatsgedänken lossagen und verlangt namens seiner Gruppe die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Zionistenkongresses. Landeskonferenz der Zionistischen Organisation in Westgalizicn und Schlesien (Eigenbericht der «Stimme».) Krakau, 6. Jänner. Gestern Vormittag wurde hier die diesjährige Landeskonferenz unter Teilnahme von 220 Delegierten eröffnet. Zur Konferenz erschienen auch die Mitglieder des nicht zionistischen Teiles der Jewish Agency. Infolge Erkrankung des Abg. Dr. Thon eröffnete Herr Joachim N e i g e r die Konferenz und verlas sodann das schriftliche Referat des Abg. Thon über die «Gegenwärtige politische Lage im Lande und die. Situation im Zionismus». Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde Herr Joachim Neiger gewählt. Nach den Begrüßungen des Dr. Landau namens der Krakauer jüdischen Gemeinde und der Vertreter verschiedener Körperschaften erstatteten Dr. Schwarzbart eingehende Berichte über die Tätigkeit der Landesexekutive und Herr isak Stern, über die Jugendbewegung. Pr ä s i dent Nahum Sokolow, der abends in Krakaü eingetroffen ist,, schilderte in einer großangelegten Ansprache die gegenwärtige Situation . in Palästina und: in der zionistischen Weltorganisation. Dr. F. R ote n s t r e 1 c h hielt sodann ein Referat über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der polnischen Judenheit. Nach den Debatten, die einen sehr ruhigen

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