Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 107 (2.1.1930)
- Date
- 1930-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 107 nn» emfifp UlE 91 llfimc Seite 7 Zur Weidah des Hechaluz am 11. und 12. Jänner In allen Ländern, Ln denen es starke Chaiuz-Organisationen gibt, ist die jährliche ordentliche Weidah des Hechaluz (Hauptversammlung) ein Ereignis für die gesamte zionistische Jugendbewegung des betreffenden Landes sowie für die ganze zionistische Oeffentlichkeit, diie an der Entwicklung der zionistischen Jugendbewegung, an ihren Problemen und Fragen das regste Interesse hat. Und so wird denn auch ln der zionistischen Presse jeweils zu der Chaluz Weidah Stellung genommen und ihre Bedeutung gewürdigt Der Heahaliuz war immer der stärkste Faktor in der zionistischen Jugendbewegung, — vereinigt er doch in sich gerade diejenigen Elemente, die es ernst mit ihrer Idee meinen und die die eigentlichen Verwirkücher des Zionismus sind. Alles, was in der zionistischen Jugendbewegung aktiv ist, was nach vorwärts strebt, hat seinen Platz im Hechaluz. Und so ist es natürlich, daß die Weidah des Hechaluz im Mittelpunkt des Interesses von uns allen steht Die diesjährige Weidah des österreichischen Hechaiuz wird am 11. und 12. Jänner abgehalten. Dieser Weidah kommt zweifellos eine ungewöhnlich große Bedeutung zu, — werden doch auf ihr alle Probleme, die sich für uns aus der Situation in Erez Israel ergeben, zur Erörterung gelangen müssen, und, wie wir hoffen, nicht nur in demonstrativ betonten Kundgebungen und Resolutionen ihre Lösung finden, sondern klaren Parolen, die zum Ausdruck bringen werden, was die Aufgaben der Stunde sind. Da ist zweifellos die erste und aktuellste Frage: die Gewinnung großer Massen von jungen Menschen für die Idee der Ohaluziut Gewiß, es sind in allen Ländern und auch in Oesterreich, viele neue junge Menschen dem Rufe Erez Israels gefolgt. Aber Hunderte und Tausende sind noch zu gewinnen, — unsere Aufgabe haben wir noch lange nicht erfüllt. Besonders die Länder des Westens sind noch viel Erez Israel schuldig geblieben. Die Weidah wird überdies eine ganze Reihe von organisatorischen Fragen, die im Zusammenhänge mit der neu einsetzenden intensiven Haclischarah und mit der Alijah stehen, behandeln und zu lösen haben. Wir sind überzeugt, daß die '"‘.-ratungen von Ernst und Sachlichkeit begleitet 6ein werden. Die zionistische Oeffentlichkeit Wiens und Oesterreichs wird es sich nicht entgehen lassen, durch Teilnahme an der Eröffnungkundgebung, die am Samstag, den 11. Jänner stattfinden wird, ihr Interesse und ihr Verständnis für die sicherlich nicht leichte Arbeit des Hechahi« zm bekunden. An die zionistische Jugend aller Richtungen aber ergeht 4er Ruf, durch ein Massenaufgebot diese EröffnungsKundgebung zu einem denkwürdigen Abend zu gestalten, der erfüllt sein wird von dem Willen zur Chaluziut, zur Erneuerung unseres Volkes, zur Verstärkung und zum Ausbau unserer Positionen in Erez Israel. Der Weg, den der Hechaluz geht, muß der Weg für alle jungen Juden werden. Dann ist uns um Erez Israel «loht bange. i Die Weidah des Hechaluz für die Tschechoslowakei in Zülna am 21. bis 23. Dezember 1920, immer größeren Bedeutung, die die Slowakei für die Chaluzbewegung gewinnt, Rechnung tragend, hielt der tfchechifche Hechaluz feine diesjährige Weihdah in Zilina ab. Etwa 300 Chaluzim nahmen an ihr teil. Audi aus Wien kam eine Gruppe von 20 Gärten (Vertreter des Hechaluz und des Wiener „Blau-Weiß“). Die Weidah ftand im Zcidien der eben zu Ende gegangenen Alijahperiode, in der allem aus der Tfchcchoflowakci $6 Chaluzim nadi Erez Ifracl gingen, und des Beginne der neuen Alijahperiode, Eine ganz neue, junge Arbeitsgeneration ift herangcwadifcn, und im Gcgenfatz zu früheren Jahren, wo der „Tdieleth-Lawan“ der widitigfte Faktor in der Chaiuzbcwegung war, ift cs jetzt der „Hafdhomer-Hazair“ in der Slowakei. Aber audi der „Makkabi-Hazair“ beginnt jetzt eine rege ChaluzarbcDt in Karpathorußland. Pie Weidah verlief fehr gut und fetzte die Richtlinien fttc dl« kommende Arbeit feft. Hervorzuheben ift der Befchluß, die Farm in Komorau zu liquidieren, die nicht mehr den Anforderungen entfpricht. Es wird eine neue Farm errichtet werden, und es ift fehr wahrfdbeinÜdb, daß der öfterreichifchr Hechaluz zu gleichen Teilen an ihr beteilige fein wird, S. Der „Hechaluz1* erfucht uns, alle Organifaeionen und Gruppen aufzufordern, von Veranftakungen jeder Art am u. Jänner abzufehen, da an diefem Tage feine Weidah eröffnet wird. Wir kommen diefem Erfuchen gerne nach. Alle Jugendorganisationen werden auch auf diefem Wege aufgefordert, (ich mit dem „Hechaluz“ (I., Kärntnerftraße a8) zwecks Entgegennahme von näheren Informationen in Verbindung zu fetzen. Chawer Max Schrötter, der Führer und Begründer von „Zirenu" und einer der aktivften Mitarbeiter im ZtoniftKdhen Jugendverband, trat geftern feine Alijah an. Wir wUnfcben ihm, er möge in Paläftina gleich Erfprießliches leiften. Chawerim von Zirenu, folget dem Beifpiele eures Führers! Unsere sozialistische Einstellung Von Schmu el Tannenbaum (Haeohomer Hazair, Graz) Eine Gruppe jüngerer Zionisten in Graz fühlt eich verpflichtet, unsere Hfstadrutb bzw. die Führer derselben davor zu warnen, unsere Erziehungsarbeit in sozialistischer Richtung durchzuführen. Man sagt uns voraus, wir werden mit dem Zionismus und der jüdischen Sache in Konflikt geraten, wenn wir dem Zionismus den Sozialismus an die Seite stellen, da beide Bewegungen auf zwei verschiedenen, voneinander getrennten Ebenen liegen. Nun, ich will nicht auf das Aleph Beth dieser beiden Ideen, nicht auf den tieferen Sinn und Wert unseres Sozialismus verweisen, um sie die Unrichtigkeit ihrer Anschauung erkennen zu lassen. Ich möchte ihnen nur sagen, sie mögen bei ihrem Zionismus Nachschau halten und untersuchen, wieviel Gefahren er in sich birgt und wie wenig sie in ihrem leben davon verwirklichen. Zionismus ist heute nicht mehr allein Stoff, und Inhalt für Bücher und Zeitungsartikel, Zionismus heiß! Verwirklichung im eigenen Leben, fsSmSk Wien. 2.. Sabotateaße Sa SMg 9re«i*« «Ser für moderne Cfu Den Sozialismus zu verneinen oder gar zu bekämpfen, bedeutet meiner Meinung nach, sich in Gegensatz zu stellen zur allgemeinen kulturellen Entwicklung der Menschheit, Unser Zionismus als fortschrittliche Kultur- und Freiheitsbewegung muß den Sozialismus in sich schließen. Fürwahr, meine lieben zionistischen Gesinnungsfreunde, Euer Kampf, den ihr gegen die zionistisch-sozialistische Einstellung führen zu müssen glaubt, beruht auf nichts anderem, als auf der falschen Auslegung unseres Sozialismus, Lasset ab von der absichtlichen Verkennung der bedeutendsten aller Tatsachen, derjenigen nämlich, daß wir durch unsere Auffassung nicht das geringste vom wahren Zionismus, dom Zionismus der Tat und Verwirklichung einbüßen. Dann wird Euch Moloch Sozialismus nicht als Verderbnis für die heranwachsende jüdische Jugend gelten und die rote Fahne nicht als die Verkörperung des Unheils für das Volk und den Staat ©ein. Dann werden wir uns treffen in der gemeinsamen Arbeit für die Sache der Befreiung des jüdischen Volke® und der Wiedererrichtung seiner Heimat in Er-ez Israel, Jugend-Zeitschriften Die zionistische Jugendbewegung der Westländer entbehrt noch eines großen Organs. Sie hat offenbar, soweit es sich um die in Bünden konzentrierte Jugend handelt, deren Basis Erziehung und Zusammenleben ist, kein richtiges Verständnis für den Wert einer richtig geleiteten Presse. Dies ist ein entschiedener Mangel, denn die Jugend braucht ihr eigenes Feld auch da, wo nicht zuletzt das Maß der eigenen Stärke und der erreichten Reife zum Ausdrucke kommt. Ist dieser Mangel auch festzustellen, so sind doch mancherlei Versuche zu verzeichnen und zu begrüßen, die da und dort gemacht werden. Wir wollen in kurzen Besprechungen auf alle Erscheinungen auf diesem Gebiete eingehen. «Der Junge Jude« (Berlin, II. Jahrgang, Heft 3). Diese Zeitschrift, die von den besten Absichten getragen ist, leidet unter dem ungeheuren Mangel, daß sie nicht regelmäßig erscheint. Eine Zeitschrift hat zunächst eins zu erfüllen: Sie muß aktuell gehalten sein, mit dem Leben verbunden. Nun muß sie nicht aktuell sein auch dann, wenn sie nur einmal in zwei Monaten erscheint. Denn jede wesentliche Sache verliert innerhalb dieses Zeitraumes nicht ihre Aktualität Die Gefahr ist aber groß, daß der Zusammenhang verloren geht, die Kontinuität nicht aufrecht erhalten wird. Darum wäre fürs erste zu wünschen, daß der «Junge Jude» mindestens einmal im Monat erscheint, auch wenn er vielleicht aus diesem Grunde gezwungen wäre, von seiner äußeren Form, die doch nicht den Inhalt verbergen will, etwas einzubüßen. Es kommt schließlich nicht auf das Datum an, vielmehr aber auf das, was gegeben wird. «T c h e 1 e t h L a w a n» — B u n cl c s b I ä tt e r. Das letzte Heft der Bundesblätter legt von neuem Zeugnis davon ab, wie stark die Idee der Chaluziuth in Verbundenheit mit den Problemen und der Wirklichkeit Palästinas in weite Kreise der zionistischen Jugend gedrungen ist. Der «Tcheleth Lawan» gehört heute zu den Spitzpunkten der Chaluzbewegung in der Tschechoslowakei. Die Menschen des Tcheleth Lawan haben aber schon in früheren Jahren einen sehr bedeutenden Anteil an der Alijah aus der C. S. R. gehabt und nicht zuletzt ist es der Verbundenheit dieser mit denen, die in Europa geblieben sind, zu verdanken, daß die Chaluzbewegung in der C. S. R. in stetem Fluß erhalten wurde. Das letzte Heft der Bundesblätter, die an erster Stelle den Aufruf des Hechaluzverbandes abdruckt, ist äußerst sorgfältig redigiert, Der H e c h a 1 u z in der C. S. R. gab anläßlich seiner We’idah (21, bis 23. d. M.) das zweite Heft seiner nunmehr gedruckt erscheinenden Chos’rim heraus. Es ist der We’idah gewidmet, die eine Manifestation der gesamten chaluzisch eingestellten Jugend darstellen wird. Die äußere Ausstattung, auf die es allerdings weniger ankommt, läßt noch einiges zu wünschen übrig. Der «C h 0 s e r» des Chaluz Wien, dessen zwei letzte Ausgaben als Informationsblatt des österreichischen Hechaluz erschienen sind, ist in seiner zweiten Ausgabe den Olim der letzten Periode und der kommenden Alijah gewidmet. Er enthält hauptsächlich Briefe von Chawerim in Palästina, die von ihrem Leben und ihrer Arbeit erzählen. Sie sind sehr aufschlußreich und belehrend. Besonders eindrucksvoll sind zwei Briefe aus der Zeit der Unruhen. Dieser Choser legt neuerlich Zeugnis ab von der aufstrebenden Chaluzbewegung in Oesterreich, die sehr bald einen entsprechenden Platz in der allweltlichert Chaluzbewegung und hoffen dich auch im neuen jungen Jischuw in Palästina einnehmen wird. Von den hebräisch erscheinenden Jugendzeitschriften wollen wir heute nur zwei hervorheben, did ebenfalls der Chaluzbewegung dienen. «H e a t i d» («Die Zukunft») ist eine Zweiwochenschrift und wird vom Merkäs Olami deä Hechaluz in Warschau herausgegeben. Er enthält neben allgemeinen Fragen der Hachscharah und Chaluzbewegung jeweils einen kurzen Ueberblick der politischen Lage und beleuchtet die wichtigsten Er-