Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 107 (2.1.1930)
- Date
- 1930-01-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 107 ns grame Seife $ -3* ~-4— Eine Feststellung Herrn Oberbaurat Stricker zur Antwort Wir haben von Herrn Stricker eine sachliche Erwiderung auf unsere, in der Nummer vom 19, Dezember 1929 gebrachten Ausführungen nicht erwartet Da wir seine Art der Polemik kennen, sind wir nicht überrascht, daß er jeder Widerlegung ausweicht und die Diskussion aut das rein persönliche Gebiet zu verschieben versucht Wir haben nicht die Absicht, ihm auf dieses Gebiet zu folgen, Überlassen vielmehr ruhig die Entscheidung darüber, ob es «unbeschadet aller inneren Gegensätze» nicht «in der jetzigen Zeit besser wäre», statt eine sanfte Anlehnung an die Union zu suchen, den Zwist im eigenen Lager zu begraben, der zionistischen Oeffentlicbkeit Wir wollen mit Herrn Stricker auch über seine Methoden der österreichischen Politik nicht rechten. Wir anerkennen die Verdienste des gegenwärtigen Regierungschefs und sein korrektes Verhalten in jüdischen Fragen in gleichem Maße wie Herr Stricker. Wir sind aber weiterhin, auoh nach der uns erteilten Belehrung, der Ansicht, daß, so sehr eine gerechte Würdigung der Person und Tätigkeit des Bundeskanzlers Schober am Platze ist, bei Spendung des Lobes jene Grenzen nicht Überschritten werden sollen, die durch die Würde einet aufrechten und bewußten jüdischen Politik gezogen sind. Die demokratischen Zionisten stehen seif längerer Zeit außerhalb unserer Organisation. Sie führen einen offenen Kampf gegen unseren Landesverband und seine Leitung. Sie verlangen, daß das Wahlrecht zum Delegiertentag, das so lange gut war als Herr Stricker an der Spitze der Organisation stand, abgeändert wird, ansonsten versagen sie ihre Gefolgschaft. Man sollte meinen, daß eine Gruppe, die vorgibt, daß hinter ihr die Mehrheit stehe, den Streit über die Grundsätze des Wahlrechtes innerhalb der Organisation ausficht. Weit gefehlt. Die «zionistische Demokratie» ist eben anders beschaffen. Da heißt es: Sic volo, sic iubeo. Trotzdem hat der letzte außerdordentliche Delegiertentag, um endlich den Zankkampf aus dier Welt zu schaffen, sich mit der Reform des bisherigen Wahlrechtes beschäftigt. Er hat einen einheitlichen Wiener Wahlkreis geschaffen. Wer aber glaubt, daß nunmehr die demokratischen Zionisten zufriedengesteüt sind, der irrt Das Wahlrecht bleibt weiter eine Wahlkomödie., Dehn — so schreibt Herr Stricker — aüf dem Dele-; giertentag werden 23 Virilisten Sitz und Stimme haben und die Abstimmungsergebnisse verfälschen und Herr Stricker und seine Freunde haben überhaupt kein Wahlrecht. Zu diesen «Aufklärungen» der «Neuen Welt» sei folgendes gesagt: Unser Delegiertenfag setzte sich bisher aus den in unmittelbarer, geheimer Proportionalwahl von den einzelnen Ortsgruppen, Bezirkssektionen und Sandervereinigungen gewählten Delegierten zusammen. r'?r Wahlmodus war der gleiche wie bei allen österreichischen Parteien. Auch die Parteitage der So- In Tel-Aviv... Von G. Sirkes (Tel-Aviv). Der Sturm hat sich noch nicht gelegt. Noch zittert man vor einander, noch weicht man einander aus. Kleine Plänkeleien, vereinzelte Ueberfälle, Attentate sind auf der Tagesordnung, erschüttern die Gemüter, schlagen immer tiefere Wunden. In den gesamten wirtschaftlichen Organismus wurde eine Bresche geschlagen. Ineinandergreifende Fäden wurden gelockert, zerrissen. Ein Schwächezustand ist eingetreten. Das Blut kreist in fieberhaftem, unnatürlichem Tempo. Man versucht, Brücken zwischen dem Vorgestern und heute zu schlagen, das Gleichgewicht zu erlangen. Der ohnedies schwere Existenzkampf ist noch mühsamer, aufreibender geworden. Verbissen, hartnäckig ringt man mit den Schwierigkeiten. Still, klaglos . . . nur um die Augen, um den Mund sammeln sich dunkle Schatten. Sorgen . Es heißt durchhalten. Kämpfen, kämpfen . . . Die Boykottparole richtet auf beiden Seiten große, schwere Schäden an. Der giftige Samen wurde zum mächtigen Gewächs, wuchert, breitet sich aus, zersetzt die Luft ... Arabische Händler trauen sich nicht mehr in die Stadt, jüdische Geschäfte in Jaffa werden nacheinander geschlossen. Man zieht nach Tel-Aviv. Demonstrationen, Aufrufe, verhetzende Zeitungsartikel, unterirdisches Wühlen wollen kein Ende nehmen. Der Abgrund wird immer tiefer ... Die Gefängnisse sind noch immer überfüllt In Jerusalem, in Jaffa, in Haifa finden täglich Gerichtsverhandlungen statt. Eine unendlich lange Kette von Arabern — auch Juden — wird vor die Richter gezerrt. * Gegenseitige Beschuldigungen, Anklagen. Wilde Gehässigkeit blitzt auf, träufelt Gift ins Blut, weitet die Kluft . . . ztaldemokraten, Christlichsozialen und Großdeutschen werden von den Delegierten der einzelnen territorialen Organisationen beschickt Außer den gewählten Delegierten nahmen an unseren Delegiertentagen bestimmte Einzelpersonen mit Sitz und Stimme (als Virilisten) teil. Es waren dies die Mitglieder des Landeskomitees, des Aktionskomitees, der Exekutive der Weltorganisation, der Obmann des Parteigerichtes, der Parteianwalt und je ein gesohäftsführendes Mitglied des Präsidiums des K. H. und des K. K. L. Die Normierung von Virüstimmen ist nichts Außergewöhnliches. Nach dem Statut der Weltorganisation haben auf dem Kongreß nebst den gewählten Delegierten Sitz und Stimme: die Mitglieder der Exekutive, des Aktionskomitees, der Vertreter des Finanz- und Wirtschaftsrates, der Fonde und der jüdischen Kolonialbank, zusammen etwa 60 Personen an Zahl, und wir möchten Herrn Stricker daran erinnern, daß erwiederhott sein Delegierte nman.dat auf dem Kongreß nicht als gewähltes Mitglied, sondern als Virilist (Mitglied des A. C.) ausgeübt hat Nach der letzthin beschlossenen Form des Wahlrechtes wird für die Wahl zum Delegierten tag Wien eine-n einheitlichen Wahlkreis bilden, die Mitglieder des Landeskomitees, der Obmann des Parteigerichtes und der Parteianwalt werden keine Virilst Immen mehr haben. Nur je ein Mitglied des Präsidiums des K. H. und des K. K. L. bleiben Virilisten. Warum also noch weiter der Sturm im demokratischen Lager? Der Delegiertentag hat nebstdem beschlossen, daß außer den im einheitlichen Wahlkreis von der Gesamtheit der Wiener Wähler gewählten Delegierten je ein gewählter Vertreter der einzelnen Bezirkssektionen Sondervereinigungen und Föderationen am Delegiertentag mit Sitz und Stimme teilzunehmen berechtigtsein soll Die Wahl dieser Delegierten hat in der Generalversammlung der betreffenden Bezirksorganisation, Sondervereinigung oder Föderation zu erfolgen. Es handelt sich also, wohlgemerkt, u m gewählte Delegierte. Aber das tut bei Herrn Stricker nichts zur Sache. Br machfaijs ihnen im Handumdrehen «Virilisten». Warum der außerordentliche Delegiertentag den einzelnen territorialen Gruppen und Verbänden eine Vertretung sichern wollte, ist für jeden, der die bestehende Gliederung unserer Organisation und ihre Arbeitsteilung kennt, klar. Nach den Beschlüssen des XVI. Zionistenkongresses «muß der Bau jedes zionistischen Landesverbandes seine Basis in lokalen Vereinigungen von Mitgliedern haben und es ist die Pflicht aller Landesverbände, um die Begründung, Erhaltung Todesurteile werden verhängt Ein Murren, ein Sich-Auflehnen geht durchs Land . . . Hier ist das Urteil zu milde, dort zu hart . . . Doch nicht die Dauer der Freiheitsstrafe verbittert die Gemüter, sondern der Zweifel, ob die wirklich Schuldigen, nicht nur die, die verhetzt, irregeführt, belogen die Hände mit unschuldigem Blut besudelt haben, sondern auch die wirklich Schuldigen, der verbrecherische Geist, jener Wille, der das fürchterliche Unglück heraufbeschworen hat, ergriffen und gezwungen werden, für die Opfer zu büßen ... Die Untersuchungskommission ist am Werke. Fragen, Gegenfragen und . . . das Grauen, das Furchtbare wird wieder lebendig . . . Gräber tun sich auf, klagen an . . . Der Lebenswille siegt. Am Meer wimmelt es von Menschen. Der leuchtende Himmel, die Milde der sonnendurchtränkten, spätherbstlichen Luft, die Herrlichkeiten des Meeres locken, zaubern die Starre, den beengenden Druck weg . . . Sie liegen im Sande, die Jtmgens, breitschultrig, sonnenverbrannt, sehnig . . . Die Augen in den weitgespannten Himmelsbogen geheftet, sind nicht mehr so Blank, so sorgenleer wie ehedem ... Sinnend, schweigsam liegeu sie da , . . Einem spontanen, plötzlich wachgewordenen, inneren Ruf gehorchend, strömten sie in Scharen im Augenblick der Not auf die gefährdeten Posten, bereit zu jedem Opfer, mutig, voll glühender Leidenschaft. Jetzt wissen sie, wozu sie für diesen Himmel, für dieses Meer, für diese goldbraune Fläche fähig sind. Jetzt kennen sie die heilige Bürde, die auf ihren Schultern ruht und den, Schmerz der Empörung, die das Unrecht weckt. TRINS GKHNIIZIAHIROL SchneMzugstetfon Steinach am Branner. WundvrsehSnesSklgtlBnd« mit günstigen! Schncavarhaitnlssan von Mitte Otzambar bla Ende MErz. Skikurse, Rodelbahn. Eislaufplate. Bahaglfcher Aufenthalt Im HOTEL UND JPEHtlOM,' TBINttRHOF 1214 re ad. M. in sonniger Lage, Dan «i» baut; modern und gediegen eingerichtet, 60 Betten, flieBendas Kalt* und Mfarmwaseer. Zentralheizung und BEder, Entj klasstge Wiener Küche. Pensionspreis ab j Mit. 7J20k Auf Verlangen Prospekte. und den Ausbau von lokalen Vereinigungen bemüht zu sein». Die zionistische Arbeit in Wien fußt vorwiegend auf der Tätigkeit der lokalen Verbände. Herr Stricker möge noch so oft behaupten, daß unsere lokalen Organisationen nur mit der Stampiglie arbeiten, ein Blick in unsere Rubrik «Zionistisches Leben in Wien» wird jeden objektiv Denkenden eines Besseren belehren. Nach der Absicht des Delegiertentages sollte den Vertretern dieser Gruppen* die die tägliche Arbeit leisten, ein Platz auf dem Delegiertentag gesichert werden. Denn der Delegiertentag ist nach der überwiegenden Ansicht unserer Gesinnungsgenossen, ebenso wie bei allen anderen Organisationen, nicht in letzter Linie dazu berufen, die Anregungen und die Meinung derjenigen zu hören, die mitten drin in der Praxis des zionistischen Alltags stehen und mit ihnen über die Richtlinien der zionistischen Tätigkeit zu beschließen. Für diese Erwägungen bringen unsere Demokraten selbstverständlich kein Verständnis auf. Für sie ist «der Kampf der Richtungen» das einzig Erstrebenswerte, ob zum Nutzen unserer Bewegung, bleibe dahingestellt. Die Demokraten können das Wahlrecht zu unserem Delegiertentag unter denselben Bedingungen haben, wie alle anderen Mitglieder unserer Bewegung, wenn sie im gleichen Maße wie die anderen ihre Pflicht gegenüber der Organisation erfüllen. Außenstehende haben nirgends ein Wahlrecht. Es ist eben bei uns nicht anders wie sonst auf der Welt. Zuerst die Pflicht und dann das Recht. Damit wäre unsere Auseinandersetzung mit den Demokraten geschlossen, die wir nicht weiterhin fortzusetzen gedenken, weil es zwecklos wäre, angesichts eines klaren Sachverhaltes mit Herrn Stricker und seinen Freunden uns in Wortgefechte über «Wahlrechtsraub», «Wahlrechtskomödie» und «unehrlichen Kampf» und wie sonst ihre Kraftausdrücke lauten mögen, einzulasseru Nur auf eines wollen wir die Demokraten aufmerksam machen. Sie tun nicht gut daran, das Argument der Komgreßwahlen immer aufs neue aufs Tapet zu bringen, Ueber diese Wahlen hat das Kongreßgericht gesprochen und sein für die Demokraten vernichtendes Urteil steht noch in zu frischer Erinnerung. — Du — sagt einer — ich habe das alles mit eigenen Augen gesehen und kann es noch immer nicht fassen, begreifen. Es war so . . . ungeheuer. Wird ein Adler dem anderen die Brust aufschlitzen, ein Löwe einen Löwen angreifen? Nur der Mensch . . . Es verfolgt mich Tag und Nacht. Mein Vater meint, daß zwischen den Menschen noch Stufen stehen . * . Erst wenn die abgetragen werden . . . Wie lange muß es noch dauern, bis wir so. weit sind . . .?, Ein anderer wieder? — Weißt du, in diesen Tagen waren wir eigentlich allein, auf uns selbst gestellt . . . Kein Führer erstand uns . . * Wie einst in den Schicksalstagen. Warum . . .? Neue Wege, neue Ziele und Lebensaufgaben flammen in weiter Ferne auf . . . Vor einigen Wochen .waren diese Jungens noch Kinder. Die Ereignisse hier brachten die ganze Welf, und besonders die jüdische Welt, in Aufruhr. Das Band der Zugehörigkeit wurde fester geschlungen. Mitgefühl strömt uns entgegen, wohltuende Wärme und Herzlichkeit. Geldmittel sind eingegangen. Für die Familien der Opfer, für Verwundete, für Flüchtlinge, für die Industrie. Die zerstörten Behausungen sollen wiederhergestellt, neue Kolonien geschaffen, die Grenzen gesichert, ausgebaut .werden. Es wird Arbeit geben, viel Arbeit Nur sind wir hier zu wenig Arbeitshände. Neue Menschen tun not. Sie kommen. Einige Schiffe brachten Einwanderer. Begeisterte, arbeitswillige Scharen. Noch immer zu wenig, um den uns harrenden Aufgaben gerecht zu werden. Ein Ruf ergeht in die Ferne ... : ’: In jedem Atemzug, in jeder Gebärde tönt das Verlangen nach jüdischen Menschenmassen. Der Ruf wird immer mächtiger . . Wird uns Erfüllung?,