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Die Stimme · 1930-01-02 · Heft 107 (2.1.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 107 (2.1.1930)
Date
1930-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 107 DTE STIMME Seite 3 Chance entstand, jüdische Männer und Frauen in allen Ecken der Welt zum Aufbruch zu rufen, die dann auf allen Wegen der Welt zu den Häfen gezogen sind, um nach Palästina zu kommen und das zu schaffen, was geschaffen worden ist Diese Menschen schrieben jüdische Geschichte auf dem Boden Palästinas mit Spaten, Pflügen ud Hämmern. Es ist kein Beispiel in der ganzen Welt für diese Art der Kolonisation und wir können heute jedes Volk fragen: Wenn Du Kontinente erobert hast, wie hast Du sie erobert? Wir, die wiir von der ganzen Welt angegriffen sind, wissen, daß wir unseren ersten Schritt nicht mit einer Ungerechtigkeit gegenüber anderen verbinden dürfen. Das soll jeder Jude wissen, und jeder Nichtjude, und das ist unser größter Ehrentitel. Wir kommen nach Erez Israel in unserem Recht und nichts wird uns davon abbringen, hinzugehen. Und von diesem Platz — ich weiß, daß meine Worte ziu ihnen kommen werden — sage ich den Arabern: Wir wollen mit ihnen ein gemeinsames Vaterland aufbauen. Wir haben es auf dem XII. Kongreß gesagt und auoh diese Pogrome bringen uns davon nicht ab. Wir werden alles tun, um Annä/herungspunkte und Berührungsflächen herzustellen — aber dazu gehören zwei! Nicht nur wir allein können es machen, es liegt auch an ihnen, das zu verstehen. Wir brauchen sie, und sie brauchen uns. Noch erkennen sie in uns nicht ihre Verwandten. Sie haben im Kampf unter dem Einfluß anderer Kräfte, die sich weder für Juden noch für Araber interessieren, vergessen, daß Israel und Ismael verwandt sind. Wir werden sie dazu bringen, das zu erkennen — durch unsere redliche Arbeit. Aber auch sie müssen ihren Schritt dazu tun, und ich glaube, es gereicht einem Volke, das sich auf dem Wege zur Befreiung befindet, nicht zur Ehre, daß von seiner Seite nicht ein einziges Wort des Bedauerns über Hebron und Safed ausgesprochen wurde. Wenn sie verstehen werden, daß sie ihr Heim nicht auf Leichen unschuldiger Menschen aufbauen können, dann ist die Zeit der Verständigung gekommen. Wir sind dazu jeden Tag bereit. Es gehört nicht in diese Versammlung, die Wege zu schildern, die wir mit unseren beschränkten Mitteln suchen, um diese Verständigung herbeizuführen. . / . Aber die Mandatarmiaoht kann, glaube , ich, gerade in dieser Beziehung eine wichtige Rolle spielen. Wir haben zu ihr gesagt: Wir Juden wollen und können uns nicht au! ihre Bajonette stützen. Selbst wenn wir es könnten, das jüdische Volk würde es seiner Tradition nach nicht wollen, wir wollen Frieden. Ihr könnt der ehrliche Makler bei der Herbeiführung dieses Friedens sein. Ihr könnt den Arabern sagen: Wir haben Euch gezeigt, daß mir unser Bestes tun, um Euoh gerecht zu werden ■— im Irak, in Transjordanien, in Indien, in Aegypten. Wir halten die Politik des nationalen Heimes für gerecht, und wir werden dahin wirken, daß Ihr und die Juden einen modurs vivendi etabliert. Sie wird es tun. Aber man soll diese Arbeit nicht erschweren und ihr nicht vorgreifen. Es ist die delikateste und schwierigste Aufgabe. Künftige Geschlechter werden über uns zu Gericht sitzen und uns fragen, wart Ihr vorsichtig, wart Ihr Euch klar, was Ihr tut. Ich habe die Resolution des XII. Kongresses erwähnt, und ich will noch ein Dokument erwähnen, das vor wenigen Tagen entstanden ist. loh sah voraus, daß man unseren Vertretern, die von der Untersuobungskommiission einem scharfen Kreuzverhör unterzogen werden, die Frage vorlegen wird, wie wir uns die Zukunft vorsteilen, und ich habe unseren Freunden folgende Instruktion gegeben, die ich hier vorlesen will, weil sie in der Presse entstellt wiedergegeben wurde: «Sollte man Sie (Sacher) oder Ruppin fragen, ob wir vielleicht die Majorität erstreben, schlage ich Ihnen folgende Antwort vor: Wir wollen die Durchführung des Mandats, wir wollen Freiheit der Einwanderung in Einklang mit der ökonomischen Entwicklung des Landes. Diese Entwicklung soll von der Mandatarmacht gefördert tuid die Gesetzgebung dazu im Sinne des Mandats ausgebaut werden. Ob dies zu einer Majorität führen wird, ist schwer vorauszusagen, Aber was immer geschehen wird, wir wollen niemanden beherrschen und von niemandem beherrscht werden.» Was heißt nicht über die Zukunft fabulieren, ich habe mich nie in Prophezeihungen eingelassen, besonders nicht, wenn es um Palästina geht, weil da eine ungeheuer schwere Konkurrenz vorliegt. Auf dem Boden der Realitäten ist das ein Programm. Ich weiß nicht, was man sich sonst vorstellt, ob es recht ist, futuristische Programme zu entwickeln, auf dem Boden der Realitäten entspricht das dem Können und den Möglichkeiten. Davon werden wir nicht abweichen, nicht nach rechts und nicht nach links. Man verweist uns auf Schwierigkeiten, auf Araber, auf englische Beamte und findet, daß es leichter sei, ein kulturelles Heim zu schaffen. Ich verstehe dias nicht, was ist das — Museum, ein Krankenhaus? Was »ist; ein ku|- turelles Heim? Freilich, es ist einfacher Psukim zu deuten und zu sagen: «Palästina gehört allen Völkern» — cs gehört niemandem, Palästina ist no men’s land. Wir lassen uns darauf nicht einl Hat man uns oin «Kulturelles Heim» versprochen oder eine «nationale Heimstätte»? Ersatz galt im Kriege, nicht im Frieden. Und nun zum Schluß: Das Traurige in dieser ganzen Periode — es trifft nicht Sie, Sie haben Ihre Pflicht getan — war, daß man inzwischen vorgessen hat. an Keren Hajessod und Keren Kajemeth, an Land, Kolonien, Budget. Alle Juden haben Politik gemacht, das war einfach, das war billig. Und est ist meine Pflicht, hier von dieser Tribüne Sie zu erinnern: es gibt einen Keren Hajesseod und einen Keren Kajemeth, und wir dürfen nicht auf hören, Land zu kaufen und für unser Budget zu sorgen. Wir haben die Agency, die einen schweren Sturz erlitten hat, zu einem Instrument auszubauen, das leistet, was wir von ihr erwartet haben. Deswegen kann ich Ihnen nur empfehlen, und Sie warnen, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen. Richten Sie Ihre Geschäfte so ein, daß die Arbeit weiter geht. Konstruieren Sie keine Differenzen in Fragen der Weltanschauung. Wenn ich alles summiere, sehe ioh nur taktische Differenzen. Ich hoffe, daß Sie aus diesem Delegiertentag gestärkt und ermutigt hervorgehen werden. Israel geht nicht unter! Das ist das Letzte, was uns bleibt. Ich habe manchem englischen Gegner gesagt: Ihr glaubt, das Mandat nicht erfüllen zu können. Für uns wird das nicht schwerer sein als die Austreibung aus Spanien, als die Kreuzzüge, als die Inquisition, nicht schwerer als die Pogrome in der Ukraine. Es wird eine andere Zeit kommen und wir werden unser Ziel erreichen. Aber — sagte ich — denken Sie daran, was ein englischer Staatsmann gesagt hat: Gott verfährt mit den Nationen, wie die Nationen mit den Juden. Es kann sich niemand erlauben, eine Frage der historischen Gerechtigkeit leichtfertig zu behandeln. Das ist unsere Stänke und darum glauben wir, werden wir gestärkt in unserer Arbeit fortschreiten. Was wir heute tun, tun wir als Kidusch hasohem und wenn unsere Jugend i>n die Wüsten und in die Felder Palästinas gegangen ist, so erklang aus ihren Herzen eine neue Hymne der Arbeit und des Glaubens, die Ta bleuen 2ogat*Tabletten finb unübertroffen jur ‘Bekämpfung rheumatischer, gichtischer und nervöser Schmersen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Sogal fdjeibet bie .Jrjarnfäure aus unb gebt bafjer birekt gur TBur^el bes Übels! TDenn Saufenbe ooit traten biefrs 3RitteI uerorbnen, können oud) 6ie es oertrauensDoll kaufen, fragen 6le Sfjren Sh#! 3n allen Apotheken. ‘Preis S 2*40 stieg zum Himmel und der jüdische Gott schaute auf seine Kinder herunter und erkannte sie wieder. Und dieser Gott wird uns weiter führen.» (Beifallssturm, die Versammlung erhebt sich und bereitet Dr. Weizmann große Ovationen.) Naohher sprach der Führer der Jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, Berl Katzenelsom, und der seit einigen Jahren in Palästina als Arzt tätige bekannte deutsche Zionist Dr. Felix Daniziger, die zwei verschiedene Meinungen iim palästinensischen Judentum vertreten. Katzenelson wendet sich scharf gegen die Revisionisten, spricht aber auch gegen diejenigen Kreise, die für sofortige Besprechungen mit den Arabern auf der Basis der arabischen Parlamentsforderung e i n t r e t e n. Mit den Effendis und den anderen, die die Massakers in Hebron und Safed arrangiert haben, wollen wir nicht sprechen. Wir wollen mit dem arbeitenden Volke sprechen, dessen Interessen mit den unseren zusammenfallen. Dr. D a n z i g e r gab der Besorgnis weiter Kreise des Jischuh über die Pläne der Araber, der Administration und der internationalen Feinde der Zionistischen Bewegung Ausdruck und forderte planvolles Entgegenwirken. Redner fand bei der Opposition viel Beifall, dagegen heftigen Widerspruch von Seiten der Gruppen, die für die Leitung der Z. V. f. D. verantwortlich sind. In der darauffolgenden Generaldebatte ergriffen das Wort Dr. Barth (Misrachi), Dr. Kollenscher (Unabhängiger), Dr. Richard Lichtheim (Revisionist), Doktor Nahium Gotdmann (Radikaler). Sämtliche Redner bekämpften die Haltung der «Jüdischen Rundschau». Dr. Goldmann akzeptierte aber namens der Radikalen voll und ganz Weizmanns Ausführungen und erklärte, daß die ganze Debatte über den Judenstaat ein Unding, typisches Literatentum und bloß eine Santimentalitätsfrage sei. Wie ich erfahre, forderte Oberbaurat Stricker Dr. Goldmann schriftlich auf, auf dem Delegiertentag unbedingt für den Judenstaat einzutreten. Doktor Goldmann sprach sich aber, wie bereits erwähnt, gegen die Judenstaatdebatten aus. Die Haltung der Leitung und der «Jüdischen Rundschau» vertraten Dr. Landauer (Arbeitendes Palästina) und Dr. Moritz Bileskl (linkes Zentrum). In der Abendsitzung vertraten Dr. Robert Weltsch und der Vorsitzende der Z. V. f. D. Kurt Blumenfeld ln ausführlichen Reden ihren Standpunkt Nach diesen beiden Reden nahm das Wort noch einmal Dr. Wetzmann, der abermal« die Richtlinien der Politik der Exekutive in der Araberfrage auseinandersetzte und die These Dok¬ Unser Sclila^er II, Iparter Rofferapparaf Kassapreis nur S 120*— mit 1 doppelseitigen Schlagerplatte und eingebautemPlattenbehälter für 8 Stück Platten, 2 Jahre Garantie. Oder Anzahlung S 25*— und 12 Monatsraten ä 5 10*-— Gute, elegante und solide Ausführung, Hnslkhaus Excelsfor Sprechmaschinen, Schallplatten WIEN, I., Adlergasse Nr. 5, Telephon R-23-4-90 WIEN, II., KI. Pfarrgasse 28, Telepfon A-41-6-24 tor-Magnes von einem «Rultmrzionismus» e n t s c h i e d e n a b 1 e h n t e. 30. Dezember 1929. Der Delegiertentag nahm in der arabischen Frage eine Resolution an, in der der Wunsch ausgesprochen wird, mit den Arabern in Frieden zusammen zu leben, Verhandlungen mit den Arabern dürfen nur von der Zionistischen Exekutive geführt werden, jedoch nur auf der Grundlage der vollsten Anerkennung des Prinzips der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina. Das Mißtrauenvotum der Opposition gegen die Haltung der «Jüdischen Rundschau» wurde mit 84 gegen 54 Stimmen abgelehnt. Kurt Blumenfeld wurde mit 83 gegen 53 Stimmen zum Präsidenten der Landesorganisation wiedergewählt. Die Radikalen, Revisionisten und Unabhängigen haben an der Wahl nicht teilgenommen. Eine Oppositionsrede Jabotinskys in Te! Aviv Jerusalem, 29. Dezember 1929. (J. T. A.) In einer Massenversammlung in Tel-Aviv führte Jabotinstky aus, daß in ihren Bemühungen um die Balfour- Deklaration Sacher und Weizmann den Judenstaat verlangt haben. Auoh Lord Balfour, Lord Ceoil und andere englische Staatsmänner hätten an einen Judenstaat gedacht. Aus der Wendung des Mandates von der Wiedererrichtung der jüdischen Heimstätte gehe die Intention auf einen Judenstaat hervor, der auch der Wortlaut des Weißbuchs nicht widerspreche. Die Engländer fühlen sich wegen der Augustereignisse schuldig, daher wäre es jetzt möglich, unsere legitimen Rechte zu erhalten. Dazu sei aber eine große und würdige Formulierung unseres Programms notwendig und ferner eine neue Exekutive. Denn die gegenwärtige Exekutive hat schon oft erklärt, daß sie ihre Haltung nicht ändern wolle, und diese»habe den gegenwärtigen Zustand herbeigeführt. Schließlich gab Jabotinsky seinem Glauben Ausdruck, daß es unserer Generation obliege, den Weg zur Erlösung zu bahnen. Wir können die Befreiung erlangen, denn starke Kräfte sind im palästinensischen Judentiro' und dn der Diaspora vorhanden. Die Araber fordern Aufhebung der Toten-Meer:-Konzession an Novomeyski Jerusalem. (J. T. A.) Die arabische Exekutive bat eine Kampagne gegen die Erteilung der Toten-Meer- Konzession an Novomeyski ein geleitet Infolgedessen erscheinen in der arabische» Presse scharfe Angriffe gegen Novomeyski. Rabbiner der konterrevolutionären Propaganda beschuldigt Moskau. (J. T. A.) Gegen die Rabbiner einiger Kreise in Weißrußland wird die Anschuldigung erhoben, daß sie aus dem Auslande nicht nur Geld, sondern auch konterrevolutionäre Literatur beziehen und sie in den Synagogen und Leihrhäusern verbreiten. Iin Zusammenhang damit wird hervorgehoben, daß die jüdischen Arbeiter und Handwerker sich von den Rabbinern führen lassen und ihrem Einfluß unterliegen. Die antisemitischen Studentenexzesse in Rumänien nehmen kein Ende Bukarest, 26. Dezember. (J. T. A.) Im Schnellzug Czernowitz—Bukarest drangen in ein Abteil dritter Klasse zahlreiche Studenten ein und begannen die jüdischen Reisenden zu malträtieren. Alte Reisenden, die de’ für Juden hielten, wurden mit Stöcken am ganzen Körper mißhandelt. Ein auf diese Weise mißhandelter Reisender zog die Notbremse, so daß der Zug auf freiem Felde hielt Die hakenikreuzierisoheit Studenten flüchteten sofort aus dem Zuge auf das freie Feld und such-1 ten das Weite. Die jüdischen Studenten Weißinann und Sufriai wurden mit Geldstrafen von je 5000 Lei belegt, weil sie während der Ausschreitungen die Notbremse zogen.

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