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Die Stimme · 1929-12-27 · Heft 106 (27.12.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 106 (27.12.1929)
Date
1929-12-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE STIMME S&te 7 tit. 106 Jm Zum Todestage Adolf Stands Adolf Stand Von Dr. Marek Sclierlag. •Das Wort, da.» starke, kraftvolle, Mraltsscliwefe war Adolf Stand gegeben; meinin der Rede als in der Schrift. Aber auch seine Schriften lassen seine Persönlichkeit, den stolzen, aufrechten Juden erkennen, Wenn man mim Aufsätze, Bfuchstiicik-e aus sehnen Reden oder Briefen liest, ist es, als säße man mit ihm und lauschte seinem Wort. Und sein Wort ist immer warm, lebendig und anregend. In verhältnismäßig jungen Jahren wurde Adolf Stand der Führer der zionistischen Juden Galiziens* Daß ec der begeisterte und begeisternde Redner in politischen Versammlungen und bei weihevollen Makkabäerfeiern war, daß er der Begründer zionistischer Blätter, decr Herausgeber jüdischer Jahrbücher, der Meister zweier Sprachen war —das alles wußte man. Aber das all«® gibt vom Menschen und Juden Adolf Stand bloß ehren schwachen Begriff. Nur wer das Olöok hatte, in soin« Seele, die sich einen Zug ins Mystisch-Reliigiöse bewahrte, und ün seine reiche, woUspannende öedankenarbejit Einblick zu nehmen, wird, diesen gemüts-. reichen Menschen und warmen Juden ganz zu würdigen wissen. Adolf Stand war als Redner unvergleichlich. An Kraft des Ausdruckes und Wärme clier Ueberzeugung, an überraschenden Einfällen und geisträdixm .Gectenkeoblltzon ötwtraf er fast alle, die damals im Dienste des Zionismus vor versammeltem Volk sprachen. Dieser gewaltig«,.aufwühlende, auf rüttelnde Jude aus Bömberg wirkte in seinen Reden elementar, Er war heftig uncl behanrlieh sowohl in der Liebe als im Haß. Seine Liebe galt dem Volke, sein Haß der Assimilation. Von diesen Leidenschaften ausgefüllt, hatte er für sich selbst käme Zeit , , . Manehe» hafte er begonnen und nicht fertig pbr&eht, niänehvß halb stehen gelassen, versäumt und nicht aüspppemnen. Br war ein Träumer. Hälfet* Studium, halfen Glück, Linsamke.it trotz heißer Sehnsucht. Ein unbeholfener, unpraktischer Idealist, wo es um sein Lebensgliick ging, Opfern mußte er sieh arbeiten - üh .iSRün Volk, seinem Ideale treu, dabei micnnüdheh und ee'lbetlos. Was blieb von ihm, item Icrtetällklaren StiHstep, dfem Bdieirscher kritischer Antithesen, dem Bewundrer 4er Kunst und der Sqhönihieit, auß-sr einigen votrtreffltehen Gfiafakterstudieii und Essays, aiußer einigen gdstreiehen Apiiorifsmen und amnegenden BniefanV' Und doch er se'fnuf Begeisterung, er warb Anhänger für dien Zionismus. Er wirkte Leben. Adolf Stand gab vielen c!?n Rausch der Hoffnung, dl« Freude der Begeisterung, den Glauben an die ZukuiKft, Aus einem beißen, mitleidsvollen, Iddenschaft- Weben Herzen strömten .seine Worte, Er war ein Vorläufer, «in Verbote Herzls -- später Herzls gefügiger Schüler, Und mehr als das. Ein Gläubiger, ein mystisch Ergebener, ein fneuer Diener am Ziopswarke, Von ihm koamfe man lernen, wie man Helden verehren soll. Nicht sklavisch blind beugte er ajoh vor diam Führet — vpjj Lteb« blickte er zu fhm auf urnid stand hinter ifem, des Zeichens zur Tat gewärtig. Und als efer'Führer starb, nahm Stand seine L-tebe zu Zion #l$ treues VermäöhL nls auf »eine öfjrüclien, breiten Schultern und taug sie i«» Volk. Er brachte in den Alltag einen Liclitschimmer. Jede M^kkabäorfoter ln dein entlegensten Most erhielt Weihe durch seine Rede. Jedem hilfesuchenden Juden bot er Hand tpcj H#fe. Im österreichischen Parlament, wo er alis Mitglied de« Jüdischen Klubs tätig war, galt sein Wort dem Wehrder eigenen Volksmengen', Manchem jlPPgwi blondsten Wiens fe$lf er in dtm Sattel und wurdu späteir selbst afesoH» stehen gelassen. Er gründete dte «Wteper Morg^nzeftung», 4» andere leiteten', Er fand sich für jüdisehie Zeitschriften hu internste reu und fei 'deren Spalten seltne geistvollen Aufsätze zu veröffentlichem Aber — nicht überall tind nicht immer hat er dä gefunden. Indes» er konnte sich mit der Liebe der QsfjUvten teOste». I« Galizien war Adolf Stand zu Hause, da war er ein Gamaer, Da kam der Krteg, entwurzelte ihn, tnteb flm mch Wien, Hier lebte er als Flüoftaliinig, Er acteite dieses Wort. Haßte alte jene, die durah ihr yertw-eeiiejrte#$5 Treiben den Namen Jude schändeten, Beinahe W starb er. Versöhnt oder verbittert? Jedenfalls geduä'lt vom Leid. ln der Fremde. In Angst, vergessen zu werden, da die Krankheit Ihn zäh und grausam ans Ztnwnör fe&saite und der geliebten Arbeit entzog, Nteht äjU^ ktetaliciier Eitelkeit fürchtete er, vergossen zu werden, sondern aus Liebe zum Ideal. Ein Erwecken w oll tu er bteilben in diie«eir schweren Zelt. Ein fbwfep jm ßtreit, Und arbeiten wollte er weiter zum Wolde mkm Volke*, itesson Größe und Freiheit er erhoffte, Schimmern sah er ein Morgenrot. SehmsHohtig »treckte er ihm mw Hände entgegen. Aber sehtafi sänken sie. Dm Her», won Arbeit, Aufregungen aufgerteben, seMü& immer 1 schwächer. Niolit vergönnt war ihm, nach dein Krteg an der ihm gebührenden Stelle zu wirken. Seinem Meister Herzl gleich — starb er an gehroebenem Herzen, vor dem Ziel, an der Schwelle zu einem neuen Leben seines Volkes, vor der Heimkehr ins heilige Land. Er starb in der Zelt des Mäkkatoäetfestes ... Am 21. Mai 1870 ln Lemberg geboren, schloß stell Adolf Stand schon als junger Student der zionistischen Bewegung an. Mit Ehrenpreis,.Thon, Malz, Zipper 11. n. begründete er in Galizien die ersten Zionvereine, gao das erste Zionistische Organ in potrarsclier Sprache, die «Przyszlosc», heraus. Nach Erscheinen des «Juden- Staates» wurde er Theodor Herzls Freund und Weggenosse. Adolf Stand war in allen Kreisen der gaii>zischien Judenscfeaft sehr' populär; auch diejenigen, die ander« Wege gingen als er, di« politisch seine Gegner waren, achteten diesen idealg*e®tnn,t&n, übefaeuigunigsstarken Mann. Bei den ersten auf -Grund des allgemeinen Wahlrechtes durofige führten Reicteratewahlen Im Jahre 1907 wurde Stand im Wahlkreis Brody ab Abgeordneter i*n den österreichischen Reiofmat gewählt. Hier war er eines der tätigsten Mitglieder des jüdischen Klubs und hatte wiederholt ln di« Debatten einigegnrfenln lebhafter Erinnerung sind noph seine grollen Reden in dar Budgetdebatte, dite im Parlament groß«« Eindruck machten. Stand war launig« Jahre Präsident des Gab«':«eben Zentralkomitees und Vorsitzender der galizischien Landsmannschaft auf den Kongreßen. Kr gehörte dem großen Aktionskomitee der zionistischen Weltorganisation an und hatte in l|wn eine führende Stelle inne. Nach Kriegsausbruch kam Stand als Zionistisch* Bcslrkgscktion Leopoldntadt Moptag-, den 30. Dezember I, J., findet |m Hotel Post, Fleischmarkt 24, «däflüeh der Wiederkehr des zehnten Todestages eifje ADOLF STAND-GEDENKFEIER Statt Redner: Dr. N. M. Gelber «r Dr. Josef Lüwenherz, Vizepräsident der üsr, Kwltesasmeinde Ldbl Teures Beginn; 8 wfor abends Flüchtling nach Wien, wo eir z|onii®ttecl?' tätig war, N^cb dam Umsturz uabm er als Prä&ictesit d»f DÄgation -tte* jüdischen Nail'lonalrates für Ostgalizten an den Arbeiten de® Komitees der jüdischen Petegafiopen bei dor Pariser Fniederi'&kon-terenz — wefrn auch lmmlttelbar — tej:. Nach eipieT längeren Herzkrankheit ist Adolf Stand am 19. Dezember 1919 von uns geschieden. Adolf Stand Uriöpsfungpsi vou Ä, §egel Iü Wafenbeit gab es zwei Adolf Stauda. Aber die Außenwelt ku-nnto nnr dem oinon. Den offektvollen VersammJungöyodner, den Politika, den Vorkämpfer, der dl« bitiriü üid von ihnen lungern#«» wurde» mah «n seiner eigenen Bed-e und an dom Beifall der ®icb von den Wogen der Popnteritut tragen ließ und wonnevoll befriedigt selten, wenn er einen Erfolg zu versteh»«» Und er bette ftwst imm«r Erfolge m v^rzeidinen. Lu dl««er Welt und deren Tätigkeit sebta er gnna aufzugehen. Adolf Stend «nteprach die röbu#te Kr*£t und mit den groß«» 55ü» gm und dem kräftig«« und we1tewho!«ndeh Gang. Abor es gab noch mm andtw Adolf Ptead, ümm Antllte naßh Inn«» gnfefet war. einen etjlte» Genteiter, der. ein Intellektueller und @i» Aesthet iw< dem Behönheit, Kunet und WBmensobaft über aitee in der Welt fing und der im Ausscböpfen dieser Güter der Welt da# eigentliche giei 4©§ Xebeng sah, Qdi profanuni vulgu« et areeol?w«i Beeten wotot©« te sei, n§r Brust, Da# hätte eine tragteoh« 25«rria#en* heit in seiner Seele bringe« und to m einem u-nt&ugltehen, überlittssigen, wankelmütigen Erdeuwandorür «weiten könne«, dar nirgend# eine« festen Punkt, nirgend# eine» Halt findet, dessen Kräfte rvntete?':s5Wtteban, Aber davor vottets ihn ei«« EigensoMtr, von der er selbst und seine Bekannten; am wenigatmn, Weeen# möchten; die große Diebo zu de» Ma&m* Mlne| Volkes uite da^ warme Mitioid mit ihrom schwer vm Schicksal» Obwohl selber d«n wobih&benr dun Mittelstand antetammend, fühlte i? moh dooif) den großen Mamm 4er unbemittelten Sßbichten eng verbunden, gewissermaßen ver* antwortlich für das bittere, schwere Los, web oh«« sie trugen, und pereöuiteh verpflichtet, ihnen zu bellen. Da sagte er sieh am Ende. Verse von Hora« und Aphorismen von Nietzsche sind ja sehr schön, aber den Hunger der Massen kann ich damit doch nicht stillen noch sie zum Kampf umein besseres Schicksal ausrüsten. Au« solchem Drange heraus wurde aus dem Aeetheten ein Volkstribun. Aber immer lächelte der erstere dem letzteren zu. Zu einem völligen Ausgleich zwischen beiden ist es wohl nie gekommen. Und noch eine Eigenschaft drängte den Aestheten in die öffentliche Welt: dde absolute Ehrlichkeit und Uneogennützi-gkeit einer natürlichen, hei aller Kultur ganz ungekünstelten Seele, die das Gebaren der damals offiziellen jüdischen Führer aus den Kreise« der As&imi-, latdon empörte, die Kraft ihres Reichtums und Einfluasos alle Aemter und Würden an eich gerieten hatten und $ie unendlich für, persönliche Zwecke auenützten. Große Begabungen, prächtige, vielverhdßeude Fähigkeiten würde« von der Clique zu egoistischen Zwecken verwendet, picht aber um dem Volke zu hol Eon und sein Schicksal zu erleichtern. Man dünkte sich ein „Adel“ uod imitierte gerne die polnische „Schlnehta“, aber man fühlte sich nicht wie diese zum Volke gehörig, verstand nicht einmal seine Sprache, und nur in der Zeit der Wahlen tat man eine Weile schön mit ihm, stieg man leutselig zu ihm herab. Sobald aber die Wahlen vorüber waren, wandelte man wieder auf den Höhen, Es ist gar nicht auszudrücken, wie tief die Verachtung des wirklichen polnischen Adels, der fest in seinem Volke wurzelte und sich nur als die Krone des gemeinsamen Baumes betrachtete, für die jüdischen Talmi- Schlachzizen war, die Über Sitten, Bräuche-, Sprache und Religion ihres eigenen Volkes keine Auskunft zu geben vermochten und ihre Stellungen, die sie doch nur der Masse dieses Volkes verdankten, ebenso wie ihre persönlichen Begabungen nur zii egoistischen Zwecken benützten. Adolf Btend zog o* zu jenen hin, dte aufrichtig das Deid der Maasen als ihr eigenes empfanden und entschlossen waren, ihre Kraft ihre ganze Kraft dem Dindern dieses Leidens m widmen, Er war der Geführte des Schiller, Zipper, der beiden Korkte, Mate, Brande, Thon, Ehrenpreis, Berkowicz, Ite.uzer und aller, die sich damals um den Verein „Zion“ in Lemberg scharten, Pteßo jungen Leute hielten es für notwendig, zuvörderst die ganze Judenfrage theoi*etdsoh durchzu^tudieren, um sich dadurch auf die 8©it, die früher oder später an sie mit der Forderung nach praktischer Arbeit herantreten könnte, vorzubireiten- Zn diesem Zweck richtete der Verein wöchentlich interne DiskneeiQUsabeade ein. Dag Thema bildete meist ein aktueller Vorgang oder eine brennend« Frage des jüdischen Lebe«#. Alles, was jeder einzelne an Wissen und Können besaß, wurde auffeboten und in eine möglichst wissenschaftliche Form gebracht. Die Piskussfonsahcnde trugen viel dazu bei, die Ansichten zu klären- 4en Beneont zu erweitern und die Uoherzeugung zw vertiefen und zu f^tigen. Adolf Stands Wesensart zeigte sich ^chon damals in setom» Ateihaiton zu diesen Witten Arten von Vorlesung#«- £r erntete immer lebhaften Beitel!. sonore, moduiaUonsfähige Sterne nÄJi die Hörer gleich gefangen. Die Klarheit und Lebhaftigkeit seiner Auafühvim- $m riß sie bald hin, Er konnte auf den Ctesiebtera den, Ausdruck des Entzückens und der Dankbarkeit lesen. Ein anderer an seiner Stelle wäre wohl nicht •tynmer befriedigt und hingerte§§«, Bei Stand meldete sich dagegen in solchen Fällen die Skepsis, die lächelnde Ironie und hinderte dou Taumel, La konnte-er einem ihn beglück wünschenden Freund zui’Mtöter«; „Wonn| idi mir jetzt den Spall machen wollte, mich hin-» stellen, um ihnen gerade dm* GugcnteU m safon, nur mit dom^olben Aufwand an Stimme und begeisterter Gestikulation, sic würden min cbenfo überzeugt und hingcriuee« applaudier re«, Es lockt mich manchmal, dienen Spaß rrt machen, ich tue es bloß deshalb nicht, weil mir, die Sache viel zu ernst und teuer ist, aber da* weift ich, ich pflüge du# Waaeer,“ Gleich wohl konnte er nie den Versuchung widerstehen, extern« Vorlegungen zu halten« la die interne« Vorlesungen dagegen versenkt0 «r einen großen Teil soitae« wahntm Wo«e©s,

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