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Die Stimme · 1929-12-27 · Heft 106 (27.12.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 106 (27.12.1929)
Date
1929-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SeEto $ DIE STIMME Ni*. 106 Emil Ludwig und die Parlameutsftage Jerusalem, (J. T. A.) Emil Ludwigrüer gegenwärtig in Palästina weilt, ermächtigte die paJästinsnsehe Telegraphen-Agentur, die von der arabischen Presse gebrachte Mitteilung, er hätte sieh während .seiner Unterhaltung mit dem öroßmufti für Schaffung cirres Parlaments in Palästina ausgesprochen, zu dementieren. Die Palästina-Regiening übernimmt volle Verantwortung gegenüber Touristen Jerusalem. (J. T. A.) Der Gouverneur von Jerusalem, Major Keith-Roach, teilte dem Schiffahrtsbureau mit, daß Touristen, die Palästina besuchen wollen, ohne Bedenken ins Land kommen können; die Regierung übernimmt die volle Verantwortung für ihre Sicherheit. — Gemäß den Voranmeldungen werden ln dieser Saison etwa 10.000 Touristen erwartet. Die «Schwarze Hand» ln Palästina J c r u s a 1 e m. (J. T. A.) Haifaer Araber, die eiekt rische Kraft von der Palestme Electric Corporation beziehen, erhielten Briefe, die «Die schwarze Hand» unterzeichnet sind und in denen ihnen für den Fall, daß sie weiter Kunden der Palestine Electric Corporation bleiben, mit dem Tode gedroht wird. .Erste Keren Hajessod-Aktion in Ungarn mit Br. Jehudaii Wilensky Berlin, 19. Dazembar. (J. T. A.) ln Ungarn wird jatzt ewic Akdon für den Keren Hajesscd (Palästina-Aufbau? foods) aum ersten Male durchgeführf. Auf El-nladung des HairptdäiektorCmni 4'es Keren Haie.sz.od und des img-arischen Verbandes Pro Palästina begab sich Herr Dr. Jehudu WfleSfSky in diesen Tagen nach Budapest, ivm die Aktion zu organisieren. Rekonstruierung des Wiedcraiifbaukoroüee« der jowish Agency Je r u s a lern. (J, T. A,) Das Wiederaufbaukumitee der Jewicsh Agency, dessen Aufgabe ec ist, die während der August-Unruhen entstandenen Schäden an jüdischem Eigentum wiedcrguizumachen, ist rekonstruiert worden; es setzt sich gegenwärtig aya dem Mitglied der zionistischen Palästina-Exekutive Colonel F. H. Kisch, dem Präsidenten des Waad Leumi Pinohas Ruthenberg und dem erst vor einigen Tagen in Palästina eingetroffenen Sekretär der amerikanischen Sektion der Jewisli Agency, Dr. Maurice B. Hexter, zusammen. etjra&teo, klarnimera eich an das Moo«, das da in seinen Furchen wächst Es war nicht $ut möglich, scheint es, den Stein ganz fort zu wälzen und den Eingang freizulcgcn, es ist nur gelungen, ihn ein wenig, beiseite zu schieben. Eine schmale,^schief© Oeffnimg ist da, hier stürze ich in die Kohle hinein, Grabesdunkel verschlingt mich. Die Docke ist voll Bleastiitimchpifteu, Namenseintragungan der Bosucher. Joseph RaAiamin aus Akko.. Aharon Molche äug Jerusalem, Qiaim Hermann aus EU&ubeihgrad. Mit fanatir schem £or» wische ich mH dem Herodärmel die Dnter^ohrifteu weg: kein Fremder soll in dies©« Heiligtum! Matt und müd« strecke iah mich wieder auf den Boden hin, beinahe gedankenlos kaue ich an meinem Brot. Da, auf einmal fühle ich salzigen Geschmack. Eine Träne i#t es, die meinem Auge entquollen, auf mein Brot gefallen ist. Eine Träne .da wird mir erinnerlich, wie mir heim Eintritt in die Höhle ein unbeschreiblicher Schmerz meine Kehle ziisammensßhnürte, ein Schmerz gleich ohnmächtiger Liehe. Solange ich nur von «oben her um die Gräber nerumirrte, da leibten nodh meine Helden, sie lebten noch in meiner Einbildung. Ich kam nur, um sie zu besuchen, um ihnen Dank m #94fe« dafür, daß dar Glevnz ihre# Ruhme* meine Kindheit erbrüte und b^nadetf. Aber sobald ich den Hauch ihrer Gräber verspürt habe, da ward ich mir dessen bewußt, daß der Tod sie mir geraubt, für immer geraubt hat. Noch ist mein Herz übervoll von Ehrfurcht, noch überströmt es vor Anbetung und Diebe, vor wir sind es aber nur Stein tafeln, stumme Felsblöcke: der Dank meiner Kindheit blieb unausgesprochen, mein Hei*« fand* keine Erleichterung. Um den Johannisbrotbaum zwischen den Ruine» flackerte cs auf, eia riesengroßem Chauükaliefct, ein Wunder von Fracht, über den Gräbern der Helden, Der Schöpfer selbst hat »»gezündet mit dem Feuer seines Blitzes. Da arfcönt wieder ein wilde» Getöse, aus tausenden Schlünden, verborgenen Kanonischliinden, und auf dm dröhnenden Bergesrüoken Stampfen Legionen von Heiden, eie ziehen nach dem Grabe ihren Führers, des edlen Helden, Der Baum fibdifc noch immer in Flammen, aber «r will nicht verbrennen. Die Regengüsse, die aijf ihn uiedcrfaUen, nähren nur dm Feuer, unter ihre« iWucht sprühe» dl« Funken men allen Palästinafragen vor dem englischen Parlament London» 1& Dezember, (J. T. A.) Auf die Fragen von Frat^v Smith (Arbeiterpartei), ob die Administration in Palästina schon in der Lage sei, Leben und Eigentum der Bewohner zu sichern, erwiderte der*Unterstaatssekretär für dio Kolonien Dr. Drnmniond Shiels, daß die Regierung überzeugt ist, daß die lokale Administration die Ordnung im Lands aufrecht erhalten wird; unmöglich sei es aber, eine Garantie für vereinzelte Fälle von Angriffe» auf Leben und Eigentum zu übernehmen. Major Sir Archibald Sinclair (liberal) fragte, ob die Regierung über die Umstände informiert sei, unter denen das Attentat gegen Pr. Berkovitz bei Safed -.unternommen wurde; welche Maßnahmen seien ergriffen worden, um den Bürgern im Norddistrdkt Schutz »»gedeihen zu lassen. Dr. Skieis erwiderte, der High Gommiseioner habe am 4. Dezember witgeteilt, daß Doktor Berkovitz am Nachmittag des vorangegangenen Tages, wahrend er im Auto fuhr, durch einen Schuß verletzt wurde und daß sein Zustand ernst sei. £ehii Minuten später wurden an der gleichen Stelle gegen einen arabischen Zollbeamten zu Pferde Schüsse abgegeben, die aber nur das Pferd trafen. In beiden Fällen blieb der Attentäter unerkannt Es werde alles getan, um die ordnungsliebenden Bürger zu schützen. Auf eine weitere Fra^e von Sir Arclilbald Sinclair erwiderte Dr. Shiels, soweit er informiert sei, verfügen dio 16 oder 17 jüdischen Kolonien, (lio während der letzten Unruhen noch im Besitz ihrer Arsenale waren, auch heute noch über Waffen. Ueber die Art der zukünftigen Verteidigung der Kolonien könne er noch keine Erklärung.abgeben, da die Angelegenheit' noch unter Erwägung steht. Auf die Frage Wedgwoods, ob die Regierung noch bevor sich dae Haus für Weihnachten vertagt, «ine Erklärung über den Schutz in Palästina abgeben könne, erwiderte Dr. Sbiels, dies werde wohl nicht mehr der Fall Rein. Strenge Ahndung falscher Zcwgenawssagen Jerusalem, M>, Dezember (J. T- A-). Zwei Juden aus der Jerusalemer Vorstadt Mekor Chfljim standen beute vor dam Rieht®* unter der Beschuldigung, einen Araber aus einem benachbarten Dorfe durch Mißhandlung verletzt Beiten, wie ein Tanz von F@u*r#brür|i3t3nin ti-ofer Finstfrnte. Ich $ehaue wi© bezaubert auf den Stahlturm, der da mitten aus. der Dunkelheit emporragt, mein Ohr erkennt von Weitem ein unaufhörliche», dumpfes Rauchen, den Gesang de# großen Meere#‘zu Ehren des roinen Helden ... Der Regen gießt ohne) Unterlaß, summt und zischt in den Lüften wie wenn er Botschaften verkündete, trommelt aüf dm Steine mit.Freudengesohrei, heftet sich, mit verhaltenem Weinen, an zerfließende Erdschollen- Ich blioke hinauf, hinunter. Eine Masse von Dunkelheit, formlos, ohne Grenze», sehwebt zwischen Himmel und Erde, unter. XGehen uml Sfähnekmrsßfa«», aus ßorn und Verzweiflung, und rauecht voller Hoffnung, so wie des Frühling» BMm ratn sehen,' Feuerzungen schieße» aus ihren Ti*te hervor, dann tauchen sie gleich wicto in ihren Abgründen unter, um wieder aufnublitzo», gleich entfernten Lichtern, e»tbr©nrmn und v«rlösche». sind e» nicht die ChanukaliclHer. die in weit«» Fern»» flackern, in Je», kfthl«» 'Wüsten vgn Yemeu und im froMig^o Schnee d«* Nordens, im nohelgchüllten Whitechapel «ad im neue» Ghetto von New York, is dftr Daohkan^ mer m Paris und in der baufällige» Hütte iß wpihyßie»? Es ersuchten in dem aclt^ammb phantastischem Glanz® die Steine mit den dazwf*ehen gesäte» Dtetei», die Bergrücken und die’ Falten der Täler flammen auf und vorgehen, wie wen» eie in plötzlicher Angst die Flucht ergriffe». Wie wenn mm dam Schutze dev Dunkelheit anvertraut Mtteo, plötzlich aber «ei der Vorhang aufgogangon und @ie «eion ertappt worden. Wieder ftemsehte dichtes Puwkel ringsherum, der Baum ist verbrannt und verglomm#», die Blitze sötswaa eine Weile aus — und au« der Finsternis dringen an mein Ohr vereinzelte Seufzer und Beblago von Stäben gegen die Felsen. Dü wandern eie im Dunkeln, die ewigen Wanderer, di? Flüchtlinge aus Yemo» und Rußland, die in Whitechapel und New York ersticke», eie irre» wie Blinde von Fete zu Fol«, auebe» ibvm Weg im Finstern, Indern eie ihre Stöcke an dm Bten ne» holpern; os i$t ein dumpfes, schwäch lieh os Holpern, hoffnungslos, mm wann» zittere ich eo, warum brenne 5 eh am ganzen Körper? Sie ziehen »ach dem Grabe Ihre« Führers, de« Helden reine» Herzens-,. zu haben. Die arabischen Zeugen verwickelten sich i» Whtorsprüohe und waren nicht im gevingsten in der lAge#. ihre Beschuldigungen zu erhärten. Der Richter sprach die Juden frei und sagte, die Behörden mUßten^schärfsteus gegen die fälschen Zeugen auf treten, durch deren Irreführende. Bezeugungen die Gerichte mit falschem Beweismaterial überschwemmt worden. Der Prozeß gegen die zwölf Amber, die die Familie Makleff in Moza abgeechlachtet haben, hat. mm begonnen, der Richter nannte dl« Art, in der der arabische Anwalt seine Klier ten verteidigt, schimpflich und entehrend, Pie Organisation der italienischen Judenheit Rom, Dezember. (J. T. A-) Dio zu Beginn dieses Jahres eingesetzte .Staatskonmüesion zur Ausarbeitung eines Gesetzes über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Italien hat soeben ihre Arbeiten beendet und ihren Bericht vorgelegt. Das neue Gesetz verleiht den jüdischen Gemeinden Anerkennung als autoritative Körperschaften mit dem Recht juristischer Personen. Die Gemeinde hat für die Erfüllung der jüdischen Bedürfnisse zu sorgen, die obaritative Tätigkeit zu regeln, die jüdischen Eheriten zu versehen u-aw. An der Spitze der Gemeindeorganisation steht der jüdische Gemeincleverband. (Aum. d. Red.: in unserer nächsten Nummer bringen wir einen ausführlichen Artikel über diese Neuregelung der jüdischen Ge- .meindeorganieatio» in Italien aus. der Feder unseres Mitarbeiters R. Ludwig Räto.) Leistungen der einzelnen Länder für Keren Bajessod Berije, 18. Dwewber. U. T- A.) zum 30, S^ptombw 1929 betragen wte schon teilt — 4jt? Get^arat^n« nalwnisn de« Keiea Hujessod 3,986.200 Pimij. Dteer Betrug verteilt sich auf die Hauptllivtler wl# folgt: Vereitiigt« Sitarn von Amerika: 2,190.339.4.6; Süda-Irilka: 293.060.4^3; Dfutacbln'ud: 188.332.J9.9; Bnglamä: 173.380.12.4;: Rymähiep: 168.827.17.1; Polen: 157.506.S.3; Kanada: 147.327.15.7; SW“ amefJilv«: J07.046.3J; Holland: 76.6J3.18J0; TselteeUoslowgkeä: 75.473.0.4; betauen wnd Lettland: 54.559J1.5; Frackrcigb, Belgien .u»ä Schweb: 44.22449,3; - Israeli 38.9S0.4.7; (ißulgurleu, Jugoslav/i-en, Gntechanlnnd und Ttlrkoi): 37-0^4.12,1: Qes t er r cieji: 31.420.15JO; Länder I$0.24148.8 Fi'uivcj. Berichtigung Vom Herrn Orcß-Xifrinierinann erhalten wir folgende Zuschrift: Auf Grund de» § 23 des Preßgesefzes ersuche ich um die Veröfffentjächung nachstehender Berichtigung m der nächsten Nummer der «Stimme-’, auf derselben Seite und in derselben Schrift, in der die zu berichtigende Notiz «Eine-Zeitungsente» erschien, Sic schreiben: «Im Warschauer «Hajo!» vom 10. Peswber veröffentlichte dessen Wte»cr Korrespondent, Herr Oroß-Zimmermann, eJneu Wiener Brief, in dem miigeteiit wird, daß Herr Ma?t Delfiner, der Besitzer der Seiclenfabrik in Tel Aviv, beim Hanger Internationalen Schiedsgericht gegen England eine Klage elngereieht hahe und in dieser Hiiteieht vp» der österreichlgchen Regierung unfefstützt werde». Dies Ist unwahr. Wahr ist, ditß ich in dem erwähnten, im «Hajflt» vom 10- Dezember veröffenülebteif Artikel geschrieben habe*. «Vor dem Internationalen Schiedsgericht in Haag wird ein Enteohädigungsprazeß Pelfin^rs gegen die englische Administratiori in Palästina stattfinden, ln dem die österreichische Regierung di« Ansprüche Dalf{nerK gegen die englische Regierung Übermitteln w|rd,-> Sie bezeichnen diese .Mitteilung als *Elne ^Bitungsejite». Diese Bezeichnung |sä unrichtig- Richtig Ist, daß di« in meinem erwähnten Artikel gemachten Mitteilungen vollständig mit den dtesfcezüg- Ücherj Informationen übereinsümmen, di« ich v©n Herrn Mas Delfinar selbst, im Beiseln des Vteepräsktenten d«s ^lenisüschen Aktipnaköinitees, Herrn ’Ab» Qeldbarg aus New Vorfc, dpr damals in Wij#n war, erhalten Jiabi Hochaehtunjgwoll GmMimmafroann- * Wir sind prsßgeseteiicii verpflichtet, dte stehend« gusohTift. zu drucken. Leider mössen wir Mjfjiimata te-ststeHen, daß Herr Groß-^immermaim ln seiner Kerresponden» im «Hajnt^ Nr. 3Ü1 vom Iß» Pe- 2?mh«r nach^tel|«nd«s berichtete; «Einer der größten W'tener rtechts^nwäüe und Kenner de? uitermütenaten Rechtes hat dte Vertretung des H. Delfiner in Haag übernommen und vom Präsiden ten des Ertectenggcrtehtcs («pH wohl heißen Schteftepricht — Anm. d, Red-) die Müteiking erhalten, daß der Haager Gerichtshof sich ajs entsprechende Instanz betrachte, die Angelegenheit, hi der Herr Delfr«r als Ankläger gegen die englische Regtening als Matidntermacht Palästinas auftrete, zu behandeln.^ Ferner spricht Herr Groß in seinem Berichte vom Anklageakt, Auf Qrun4 dieser beiden Tatsachen mußte jetter l«S*r annchmen, daß Herr Delfiner die Klage bereits elngereteht hat, (Anm* d. Red.) .

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