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Die Stimme · 1929-12-27 · Heft 106 (27.12.1929) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 106 (27.12.1929)
Date
1929-12-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 10« *Seffe,2 Ulüßfür den ist das Ziel der Chanuka-Aktiovi des Keren Kajemeth^^ in Verbindung mit der Jahrzeit des Oberrabbiners Chajes Baumstiftungen nimmt entgegen: Keren Kajemeth Wien, J„ Kärntnerstr. 28, Tel. R-27-4-85, R-27-4-86 Balfours Warnungsruf Die Geduld der Judeuschaft in aller Welt durch die Methoden der britischen Regierung auf eine harte Prob© , gestellt. Stets wieder kommt auf alle Anzapfungen im Parlament durch Deputierte judenfreundlicher und •feindlicher Färbung, von der Regierungsbank dio stereotype und wenig aufschlußreiche Antwort, daß man unverbrüchlich am Mandat festhalte; im übrigenjedoch verschanzt man sich hinter die Erklärung, daß die Regierung sich ein Urteil Bilden und allenfalls entscheidende Maßnahmen erst dann treffen-könne, *wenn die iwrlämentarieche Untersuchungskommission aus Palästina heimgekehrt sein und ihren Bericht erstattet haben werde. Die Arbeiten dieser Konimission-indeß ziehen sieh endlos hin. Die arabischen „Zeugen“ dürfen vor ihr-Lug und Trug, Verleumdung und den blühendsten Unsinn ruhig vortragen und die Vertreter der Palästinaregierung — man traut seinen Augen kaum — dürfen gegen die Zionistische Exekutive und unsere Marteibrtider in Erez noch Anklagen richten. Dabei setzen die Araber, der Kommission gleichsam zum Hohn, ihre Terrorakte ganz ungeniert fort und schließlich wurde Bentwich, der oberste Justizbeamte der britischen Palästinaregierung, von einem arabischen Angestellten der Regierungspoiizei im Amtsgebäude angeschossen. Die Regierung beschränkte sich auf ©ine Kondolenz. Wer erinnert sich da nicht, wie England anderwärts, wo ein-Organ seiner Macht angetastet wurde, „durdhzugreifen“ wußte! So 1908 durch das Standgericht im ägyptischen Dorf Densehabai und 1919 durch die Salve von .Amritsar im indischen Pundschab. Fürwahr, wir wünschen keine Wiederholung dieser Blutbäderauf dem Boden des Heiligen Landes, doch der Uebereifer dort und die Tatenlosigkeit hier, wo es einen britischen Beamten jüdischen Bluts betraf, ist zu auffallend. Inmitten dieser beängstigenden Situation, bringt nun die Londoner „Times“ einen Brief führender englischer Politiker als Appell an die Oeffentlichkeit Großbritanniens Und an die Regierung selbst, worin klipp und klar und im Gegensatz zur oberwähnten Haltung der Ueichsregierung ausgesprochen wird, daß die von Großbritannien überuoanmene Verpflichtung der B a 1 f o u r-D eklaration bisher nicht erfüllt worden ist und daß. es nunanderß Ferdenmuß. An dieser Erklärung ist alles interessant:; die Tatsache, daß ßie überhaupt erfolgte, ihr Inhalt sowie die Personen, von denen sie aus- ^eht. Interessant ist vor allem die Tatsache, daß frier sozusagen eine Flucht i n die 0 Öffentlichkeit erfolgt. Es bleibe offen, ob. dies gegen den Willen der Regierung geschah, um auf sie einen moralischen Druck auszuüben, oder etwa im stillen Einverständnis mit ihr, uni oie von dem Prokrustesbett traditioneller Vercchleppungamathoden loszulösen. Zunächst verblüfft, daß unter den Wortführern des Appells: Lord Balfour, Lloyd George und General Sumte, sich kein Mitglied der jetzt am Ruder befindlichen Lahourparty befindet. Allerdings fällt die Scheidelinie für Anhänger und Gegner des jüdischen Nationalheims nicht mit den Grenzen der politischen Parteien Englands zusammen. Auch führen eich die Mahner des öffentlichen Gewissens ausdrücklich „als Mitglieder des Kriegskabinetts ein, das für die im Jahre 1917 verkündete Balfour-Deklaration, sowie für die Politik des Jüdischen NaPonalheims verantwortlich war.“ Lloyd George fungierte damals als Premier, Balfour als Außenminister und S m u t s, der Vertreter der Dominion Südafrika, war einer der eifrigsten Fürsprecher der Juden im ftcichskabinett und -vor dem Völkerbund. Erst jüngst wurde es bei der Jewish Agency- Tagung in Zürich bekannt, daß er von der Zionistischen Exekutive zum Hochkommissär für Palästina vorgeschlagen war. Das größte Gewicht aber kommt dom Inita 11 des Appells zu, der ’n zwei dringliche Forderungen an die Regierung auekUngt. Zunächst sei „eine autoritative Korn m i ssion zu eintumou. welche die-gesamte Frage dea Mandats untersuchen und die Mängel des jetzigen Systems beheben soll.“ Man darf nicht daran zweifeln, daß die Initiatoren auf uino uns Juden günstigere Formulierung des Mandates; hinwirken. Mehr praktisch aber scheint uns die zweite Forderung, wonach „eine' weitgehende Neuregelung des Verwaltung sapparates zwecks Durchführung der Deklaration und des Mandates, dem Buchstaben und dem Geiste nach, als wünschenswert“ erklärt wird. AVer immer in Palästina gelebt hat, brauchte nicht erst die Enthüllungen vor der Untcrsuohungskommission abwarten. um von der Unzulänglichkeit des dortigen Verwaltungsapparates überzeugt zu sein. Dae Er* nüohterndste und, es darf gesagt werden, abstoßendste dieser Verwaltung liegt wohl, darin, mit welch hochmütiger Gleichgültigkeit die englischen Beamten ihrer Mehrzahl naohu auf un3 Natives, Juden wie Araber, herabblicken — ohne jede seelische Verbundenheit mit dem Land und mit sehr geringem Verständnis für die hohe Aufgabe der Völkerversöhnung und -Verbrüderung, die Englandhier von der Weit anvertraut worden ist. So wie der — inzwischen auf Urlaub geschickte — Chief-Sekretär der Palästinaregierimg Mr. Luke es nicht für nötig fand, au dem unter seinem Regime geschehenen Mordtag, vom 23- August, die Abendunterhaltung in seinem Jerusalemer Haus, für die tadellos gekleideten Gentleman der Kolonie abzusägen, fänden schon vor zwei Jahren; nach dem großen Erdbeben in Palästina, als noch die Leichen der Erschlagenen dutzendweise unter den Trümmern von Ludd und Ramleb lagen, auf dem nahen Rennplatz des englischen Militärlagers Sarafend die smarten Steeplechases termingemäß statt. . Dank, heißer Dank des jüdischen Volkes gebührt darum neuerlich Lord Balfour, dem altehrwürdigen Patron unserer nationalen Sehn- ■. BiKHERSTUBS ft;. RATH . Buehhandlung,AntiquarjQt,Le3hblbllothek Wien, Ihr Ta bör ste« 8b 2Q a, Tal.R*43*F38 M* RATH’S bietet Ibneü eine r e i c h e Auswahl von Bucherft aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw.’ geschmackvollen Bibliothekseinbaftd. Außer den deutschen- Büchern auch englische, hebräische, jiddis'che u. Dcutsch-Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch. . Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet. Monatsgebühr nur $. 9«-* Keine Bandgebuhr sucht, daß or es nun auf sich nahm, der Dolmetsch für uneern brennenden Wunsch zu werden: Nach Reform der Verwaltung und — der Vorwalter. Denn von einem Engländer läßt das stolze und empfindliche England sich in diesem Punkte eher belehren. Als jüngst Harry Sacher namens der Palästanaexejcutive vor der Kommission anzuregen wagte, die britischen Beamten Palästinas sollten vor Antritt ihres Amtes durch eine besondere Belehrung über den Charakter des Paläs tinaraandates aufgeklärt und. in dessen Handhabung ausgebildet werden, frug ihn der sonst so loyale Kommiseionsvorsitzende Sir Walter Shaw recht sarkastisch, ob denn die britischen Beamten Vorlesungen der Zionistischen Organisationen besuchen sollen. Auch darauf gab Balfour iu seinem Appell gebührenden Bescheid, daß es bei Einlösung der Mandatspflichten vor allem Englands Ehre gilt. Michael. „Hier sind wir •— hier bleiben wir“ (Fortsetzung von Seite l.) «Unser fester Wille ist es, mit dem arabischen Volk unter Bedingungen der Eintracht und der gegenseitigen Achtung zu leben, und, zusammen mit ihnen, die gemeinsame Heimat in ein blühendes Gemeinwesen zu gestalten, dessen Aufbau jedem dieser Völker die ungestörte nationale Entwicklung verbürgen soll.» Das ist die große Sehnsucht der großen semitischen Völker. Als ein Mann, dem vergönnt war, die Geschäfte der Zionistischen Organisation, zumal in politischer Hinsicht, zu führen, erkläre ich, daß wir von diesem Beschluß nicht abgewichen sind, nicht nach rechts und nicht nach links. Keine Art von Pogromen wird uns einschüch* lern. Und keine noch so heiße Brise wird uns erschlaffen machen, und selbst durch unsere eigenen Zionisten wollen wir uns von diesem Vorsatz nicht abbringen lassen. Wir werden leben mit den Arabern, wir werden mit ihnen Zusammenarbeiten und wir werden Palästina aufbauen, gemeinsam als ein Land, in welchem zwei Völker in Achtung und Freundschaft leben. Das ist die Lcitidee, die Politik der Zionistischen Organisation, die Politik dev Agency wird gemäß diesem Beschluß geführt, der Verwirklichung entgegen. Zwei Partner sind dazu nötig. W i r sind bereit; die Araber von heute oder doch einige ihrer Führer, einige ihrer selbsternannten Führer, glauben, daß die einzige Antwort auf diesen Beschluß in dem Streben besteht, uns ins Meer zu jagen. Dies wird ihnen nicht gelingen. Hier sind wir, hier bleiben wir. Der dritte Partner hat die schwierige Aufgabe, das Mandat für Palästina zur Durchführung zu bringen. Ich glaube es mit klarem Bewußtsein aussprechen zu können, daß jene, die mit mir in diesen schweren zehn Jahren an der Arbeit waren, als eines ihrer Prinzipien den Wunsch hegen,- die Mandatsmacht nicht in Verlegenheit zu bringen, ihre Aufgabe nicht allzu sehr zu erschweren. Wir wissen, daß mau in den. ersten zehn Jahren irn Dunkeln tappen muß, daß man seinen Weg erfühlen muß. Wir selbst waren uns dessen nicht sicher, daß das Wunder glücken wird, daß die Juden, die da kommen sollten, fällig sein werden, all diese Arbeit zu leisten, die sic geleistet haben. Darum mul3ten wir langsam vorwärts* Neue beständige Formen der Verwaltung galt es, zu schaffen. Das ganze Mandatssystem war neu und es war von wesentlicher Wichtigkeit, daß das Land nur langsam vorwärts geht. Es war ein Experiment. Ich fürchte, daß das, was wir für ein Experiment der ersten1 fünf oder zehn Jahre hielten, in ein System verkehrt worden ist, nicht mit der Marke White Half, nicht mit jenervon Downing Street, sondern -ich fürchte, von- Jerusalem. Dieses System hat unsere Arbeit obstruiert; 1 vielleicht aus Mangel an Verständnis und schätzender Anerkennung seitens jener. Leute, denen I die Aufgabe der laufenden Verwaltung anver- ' fy. traut war. Wir sind eine Bewegung von Freiwilligen, Alles beruht da auf Vertrauen. Wir sind Werkleute, die unser Leben freiwillig darbieten. Wenn unser Vertrauen erschüttert ist, ist der Fels, worauf wir alles bauten, erschüttert. Ihr rührt an ewigen Dingen,. Dinge, die schon irn Bereich der Ewigkeit liegen. Und niemand, und sei er noch so mächtig, kann da dazwischen treten. Niemand. Denn es gebt um Dinge der ewigen Gerechtigkeit und um des guten und reinen Namens Großbritannien werden wir die Vernichtung seines großen Werkes nicht zulassen, So Hegt die Sache. Habt Ihr jemals das Beispiel eines praktischen Volkes gesehen, das so etwas wie 45 Millionen Pfund in zehn oder elf Jahren aufwandte? Heißt das nicht, den Sand Palästinas faktisch mit Gold bedecken und ist das nicht, neben dem Opfer von Menschen und dem Opfer von Arbeit, die einzige Form, iu der wir noch unseren Willen auf Palästina bekunden konnten? Wir können es nicht bekunden durch Schlachtschiffe oder durch Waffen und könten wir es, so wollten wir es nicht. Wir können es nur bekunden in unserer Bereitschaft, zu geben, und in unserer Bereitschaft, zu schaffen. Wir sind es, die Palästina erbauen, und keine andere Hand bat auch nur daran gerührt, was wir schon In Palästina geschaffen haben. Das ist unser Adelstitel und unser Rechtsanspruch, vor der ganzen Welt zu bestehen. Das ist es, was der Zionismus zustande gebracht hat und, nicht nur ein vages kulturelles Heim. Das ist‘es, was wir brauchen und verlangen. Niemandem zum Leid. Es ist nicht zu viel verlangt, wenn wir von einer wohlwollenden Regierung erwarten, daß sie durch hilfreiche und bereitwillige Maßnahmen die Erfüllung des Mandats . erleichtert. November-Eingänge des Keren Hajessod Jerusalem. (J. T. A.) Im Verlauf des Monats November sind beim Hatip.ltmreau des Keren Hajessod in Jerusalem 19,385 Pfund eingegangen.

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