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Die Stimme · 1929-12-19 · Heft 105 (19.12.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 105 (19.12.1929)
Date
1929-12-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 105 klar zum Ausdruck zu bringen. Hoofien trat dieser Behauptung scharf entgegen. Die Juden, sagte er, wollen nichts anderes, als ein jüdisches Nationaliieirh. Silley wies auf die am Vorabend des Tischa b'Aw in Tel Aviv abgehaltene Versammlung hin; in der von dieser Versammlung angenommenen Resolution heißt es: «Die Klagemauer ist unsere heilige Stätte.» Das ist sie auch, erwiderte Hoofien in festem Tone. Silley drückte durch eine Geste aus, daß ihn diese Antwort befriedigt. Hoofien stellte fest, daß die Juden In Palästina pro Kopf das Vierfache an Steuern leisten als die Araber. Auch sind die Juden an der Einfuhr mit 55 Prozent beteiligt. Zu einer erregten Auseinandersetzung kam es, als der Anwalt der Araber, Silley, die Greuel in Hebron zur Sprache brachte und auf das von der stellvertretenden Zionistischen Exekutive am 28. August nach London gesandte Telegramm hinwies, in welchem davon die Rede ist, daß den Opfern Nase, Finger und Brüste abgeschnitten wurden. Hoofien erwiderte, er persönlich habe das Telegramm nicht abgefaßt, seine Kollegen Horowitz und Doktor Braude haben ihre Informationen aus gewiß vertrauenswürdiger Quelle der jüdischen Gesundheitsorganisation Hadassah erhalten. Silley bestand darauf, daß Telegramme abgesandt wurden, ohne daß vorher geprüft worden war, ob die in denselben mitgeteilten Tatsachen wahr oder falsch seien. Sir Walter Shaw fragte Hoofien: Sind Sie persönlich von der Unwahrheit der Berichte über Verstümmelungen nicht überzeugt? Nein, antwortete Hoofien, ich bin nicht davon überzeugt. Bei weiterer Erörterung des Wirtschaftsprobfems sagte Hoofien aus, die einzigen Unzufriedenen unter den Arabern seien die Großgrundbesitzer, die gewohnt waren, den arabischen landwirtschaftlichen Arbeitern niedrige Löhne zu zahlen und die nun sehen müssen, daß nach dem Beispiel der Juden auch der Lebensstandard der Araber steigt. Sir Walter Shaw bemerkte, er höre zum ersten Male, daß über so etwas Klage geführt wird. Hoofien entgegnete, dies wären Klagen, die vor die Üntersuchungskommission nicht gebracht werden. Ueber wirtschaftliche Angelegenheiten weiter befragt, erklärte Hoofien, Palästina könne 20.000 jüdische Einwanderer jährlich absorbieren. Es sei nicht wahr, daß Araber von ihrem Boden vertrieben wurden. Es sei auch keine Erhöhung der arabischen Auswanderung zu verzeichnen. Hoofien legte an Hand von Zahlen dar, daß im Jahre 1928 sich die Juden Palästinas an der Ausfuhr mit 27 Prozent beteiligt hatten. ■ * Öberrabbiner Kook vor der Untersuchungskommission Am Freitag, den 13. ’Dezember, erschien vor der Untersuchiingskommdssion der Oberrabbiner Kopk, lim sich über die mit der Untersuchung zusammenhängenden religiösen Fragen zu äußern. Oberrabbiner Kook erklärte, die Behauptung, daß die Juden sich des Gebietes der Omär- Moschee bemächtigen wollen, sei absurd; sohon darum, weil solche Absichten mit dem jüdischen Glauben nicht überednstimmen. Die jüdische Ewigkeitshoffnung ist es, daß die Erlösung durch den Messias kommen wird, dann wird der Tempel wieder aufgebaut werden als ein Haus des Gebets für alle Nationen. Oberrabbiner Kook verlas Abschnitte aus dem Schulchan Aruch, aus denen zu ersehen ist, daß es für Juden Tradition ist, am Tischa b'Aw und hei anderen Traueranlässen auf dem Boden zu sitzen. Laut dem Schulchan Aruch ist es ferner ein Gebot für die Juden, am Ausgang des Jom Kippur Schofar zu blasen; das Schofarblasen ist ein integrierender Teil des Gottesdienstes am Versöhnungstag. „Das Rabbinat,“ erklärte Oberrabbiner Kook weiter, „bringt kein doknmentarisches Beweismaterial zur Begründung der jüdischen Rechte an der Klagemauer, weil diese Rechte nur allzu gut begründet sind. Wollto man für diese jüdischen Rechte einen dokumentarischen Beweis liefern, so würde dies so aussehen, wie wenn man eine Kerze hochhalte, um das Licht der Sonne zu verstärken.“ Rabbi Meir Berlin, Präsident der Weltorganisation Misrachi und Mitglied der Zionistischen Exekutive, wohnte dieser Sitzung der Kommission als Ehrenbezeugung für Oberrabbiner Kook beii Der jüdisehe Vizebürgermeister von Jerusalem sagt aus —die erste Aussage in hebräisch Herr Chajim Solomon, Vizebürgermeister von Jerusalem und zur Zeit der Unruhen stellvertretender Vorsitzender des Jüdischen Nationalrates Palästinas, ist der erste Zeuge, der seine Aussage vor der Üntersuchungskommission in hebräischer Sprache macht. Er legte Beweismaterial darüber vor, daß die Juden vor 38 Jahren da» Pflaster vor der westlichen Tempclmauer onf eigene Kosten haben ausbessrrn lassen, was beweist, daß ihre Rechte auf diesen Platz damals anerkannt waren. Der Anwalt der Araber Silley behauptete, die jüdischen Behörden hätten eine Woche vor Tischa b‘Aw bereits gewußt, daß die Jugend von Tel-Aviv an der Klagemauer zu demonstrieren beabsichtige. Chajim Solomon erklärte entschieden, er habe dahin gewirkt, daß nicht Juden in Massen nach Jerusalem kommen, weil ihm bekannt war, daß eine Anzahl Araber darnach strebte, eine solche jüdische Prozession zum Anlaß zu nehmen, um die Erregung unter den Arabern zu schüren. Chajim Solomon schilderte der Kommission, wie die verantwortlichen jüdischen Stellen die Regierung auf den bevorstehenden Ausbruch aufmerksam gemacht und sie gewarnt hatten. Solomon erzählte, am Tage vor dem Ausbruch der Unruhen habe ein arabisches Marktweib seiner Frau gesagt: „Morgen ist nnser Tag! Wir werden euch mit Füßen treten, wir werden euch bin* schlacbten!“ Bann wurde der bekannte zionistische Der englische Faktor Arlosoroff beendet im «Hapoel Hazair» vom 29. November seine Artikelserie und wendet sich der Besprechung des englischen Faktors zu, nachdem er in den früheren Aufsätzen den arabischen und den jüdischen Faktor behandelt hatte. Er stellt fest, daß wir sowohl im britischen Parlament wie in der britischen Presse Freunde in sämtlichen Parteien hätten: bei den Konservativen einmal die Gruppe Balfour, Amery, Ormsby Gore, anderseits Cecil, bei den Liberalen des Koaiitionsflügels Lloyd George und seinen Kreis und auf dem radikalen Flügel Herbert Samuel, bei der Labour Party, vor allem bei den Intellektuellen. Bei der Presse seien vor allem «Manchester Guardien» und «Daily Chronicle» als fjeundlich zu nennen. Ebenso hätten wir Gegner bei allen Parteien. Aber im ganzen genommen seien die.meisten Parlamentarier und der größte Teil der Presse und der öffentlichen Meinung gleichgültig und es hinge alles von der gerade amtierenden Regierung ab. Arlosoroff weist dann auf die Schwierigkeiten hin, die sich bei der Zusammenarbeit von Engländern und Juden aus der verschiedenen Mentalität beider Völker ergeben mußte. Der Engländer liebe überlegtes, von keinen Gefühlsmomenten beeinflußtes Handeln, Idealismus und Fanatismus seien ihm verdächtig und gerade das zeigten ihm. die Juden Palästinas auf Schritt uiid Tritt. Diese Schwierigkeit sei aber dadurch noch größer, daß eben Engländer' und Juden nicht auf gleichem Fuße miteinander ständen, sondern der eine Beamter, der andere Untertan sei. England sei der größte islamische Staat und müsse in Palästina vor allem bei religiösen Fragen die größte Vorsicht walten lassen; die Abneigung gegen eine imperialistische Politik sei vor allem nach dem Kriege sehr stark geworden, besonders unter dem Druck des Arbeitslosenproblems.. Endlich gehe die Richtung der gegenwärtigen britischen Außenpolitik auf Verminderung der Rüstungen und freundschaftliche Verträge an ihrer Stelle. Das habe sich in Aegypten, Irak, Indien, bei internationalen Konferenzen, bei der Nichtfortführung der Befestigung des Flottenstützpunktes Singapora der Räumung des Rheinlandes und dem Vertrag mit Rußland gezeigt, so daß eine Politik der starken Hand in Palästina nicht im Einklang mit dieser Richtung gewesen wIre. Die Haltung der britischen Administration sei für uns die größt» Enttäuschung gewesen. Es habe an jedem festen Willen gefehlt. Ebenso habe uns die Ungerechtigkeit mancher Urteile empört, wobei man nicht unterschieden habe zwischen dem Angreifer und dem Verteidiger. Trotz allem müsse gesagt werden, daß die wichtigste Aufgabe der zionistischen Politik in diesem Augenblick die Stärkung unserer Beziehungen zu England sein müsse. Um eine solche Politik erfolgreich treiben zu können, sei erforderlich: klare Stellungnahme der Juden zur Frage einer palästinensischen Verfassung; ein klares Kolonisationsprogramm, das die Frage beantwortet, wie lange der gegenwärtige Uebergangszustand in Palästina notwendig sei und endlich die Regelung unserer Beziehungen mit der gegenwärtigen Administration, da nicht erwartet werden könne, daß die Regierung eine vollkommene Aenderung in der Zusammensetzung dieser Verwaltung eintreten lassen werde. Die einfachste Lösung freilich sei, daß wir 500.000 Juden statt 170.000 in Palästina hätten. Dann würden auch wir Gentlemen sein. Und das sei die Lösung. Sie mißbrauchen Achad-Haams Namen. Unter diesem Titel veröffentlicht Osias Thon im «Nowy üziennik» vom 15. Dezember einen Leitartikel, in dem er den Nachweis erbringt, daß der Brith Schalom scheinbar absichtlich die Lehren Achad-Haams fälschlich interpretiert und den von Achad-Haam gepredigten Merkas ha-ruach in einer unrichtigen Darstellung für ihre politischen Zweck? mißbraucht. Achad-Haam habe nie gelehrt, daß man keinen Judenstaat brauche. Im Gegenteil, Achad- Haam war stets ein Anhänger der Schaffung einer großen jüdischen Majorität in Palästina, deren Gemeinschaftsleben sich auf souveränen Grundlagen entwickeln soll. Pen Gedanken das Merkas ha-ruach Rech-riwalt Salomon Horowitz einvernommen. (J. T. A.) Die Aussage Dr. Braudes und die hebräische Presse. Jerusalem, 13. Dezember. (J. T. A.) In der hebräischen Presse Palästinas wird die Aussage Dr. Braudes vor der Üntersuchungskommission einer scharfen Kritik unterzogen. «Doar Hayom» wendet sich dagegen, daß Braude das jüdische Staatsideal als kindisch bezeichnet hat. «Dawar» schreibt, Braudes Aussage sei eine große Enttäuschung gewesen. Emil Ludwig wohnt einer Sitzung bei. Jerusalem, 10. Dezember. (J. T. A.) Doktor Emil Ludwig, der hervorragende deutsche Schriftsteller und Historiker, ist vor einigen Tagen in Palästina eingetroffen. Der JTA-Vertreter, Herr Agronsky, der den für die auswärtige Presse reservierten Platz im Verhandlungszimmer der britischen Üntersuchungskommission einnimmt, hat diesen Sitz für einige Stunden dem Gast abgetreten, so daß Emil Ludwig einem Teil der heutigen Sitzung der Untersuchungskommission beiwohnen konnte. vertrat Achad-Haam nur hinsichtlich des Ausgangspunktes für die Lösung der Judenfrage. Während Pinsker und Herzl in der jüdischen Not den alleinigen Grund erblickten, einen Judenstaat ins Leben zu rufen, vertrat Achad-Haam den Standpunkt, daß es notwendiger sei, die Judentumsnot zu lösen. Für Achad-Haam war es aber immer klar, daß die Hauptvoraussetzung zur Schaffung des geistigen Zentrums eine starke jüdische Majorität auf der Grundlage eines nanationalen Wirlschaftskörpers auf staatlicher Grundlage bilden muß. Die heute vom Brith Schalom gepredigten Lehren im Namen Achad-Haams sind eine Verunstaltung des Achad-Haamismus und somit ein Mißbrauch des großen Lehrers und Denkers. Die Vereidigung der englischen Beamten in Erez Israel auf das Mandat. Dr. Osias Thon schlägt im «Haolam» vor, daß die englischen Beamten in Erez Israel vor Antritt ihres Amtes auf das Mandat als Verfassung des Lahdes vereidigt werden sollen. Das Mandat besitzt alle Eigenschaften einer Verfassung und enthält auch die Balfour-Deklaration. Auf dieses Mandat müßte nun — nach Ansicht Dr. Thons — die palästinensische Beamtenschaft vor ihrem Dienstantritt einen Eid leisten. Die Beamten, selbst diejenigen, die keine Freunde des jüdischen Volkes sind, hätten sich bei Amtsantritt zu entscheiden, ob sie unbeschadet ihrer persönlichen Einstellung zum Judentum die moralische Kraft besitzen, an der Verwirklichung des Mandats mitzuarbeiten. Sollte ihnen ihre innere Ueberzeugung dies verbieten, so werden sie eben —« durch die bevorstehende Eidesleistung — auf den Ernst ihrer Verpflichtungen aufmerksam gemacht werden und — die Annahme des Amtes ablehnen. England muß sein Versprechen einhaltcn Im offiziellen Organ der Zionistischen Exekutive «The New Judea» erörtert der bekannte englische Publizist Herbert Sidebotham in einem «Balfours Versprechen» überschriebenen Artikel die gegenwärtige englisch-palästinensische Politik wie folgt: «Die Hauptreformen sind folgende: erstens das Weißbuch des Kolonialamtes vom Jahre 1922, in dem der Begriff des Versprechens auf eine nationale Heimstätte nebelhaft ist (whittled down), in der leeren Hoffnung den Arabern zu gefallen. Dieses Weißbuch muß zurückgezogen werden und an seine Stelle haben wir offen unsere Absicht auf Schaffung eines Judenstaates in Palästina in der Zukunft (creating in the fulure en Jewish State en Palestine) kundzugeben, allerdings bei voller Sicherstellung der bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber. Denn bei aller Ueberlegung ist dies unser Mandat (England) in Palästina, meiden wir dieses Ziel, dann sind wir nur imperialistische Eindringlinge, wenn uns demzufolge die Araber vorwerfen, daß wir unser Mandat erfüllen und für die Erlösung des Judenstaates arbeiten, dann geben wir zur Antwort: «Jawohl, wenn dies nicht das Ziel wäre, dann hätten wir hier nicht zu sein». Die Folge hievon wäre höchstwahrscheinlich der Zusammenbruch der arabischen Opposition.» Der Verfasser verlangt sodann eine energische Politik seitens England, Entfernung aller dem Palästinamandat feindlich gesinnten Beamten und schlägt als zukünftigen Hig-Commissioner den General Smuts vor. 18 Jahre Gefängnis für den Mörder der Brüder ChaikU in Hebron Jerusalem. (J. T. A.) Da« Gericht verurteilte einen Araber aus Hebron, der am Tage des Hebron-Massakers die beiden Brüder Dov und Ariah Chaikel ermordet hat, zu 18 Jahren Gefängnis. Pressesdaaii

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