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Die Stimme · 1929-12-19 · Heft 105 (19.12.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 105 (19.12.1929)
Date
1929-12-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 105 DTE STIMME Seite 3 TEPPICHHAUS S. SCHEIN g! \ A 11 ff—”» IW | * D . Perser-, Smyrna- und Inland-Teppiche — Vorhänge, \/\/11" I^Vl 10-12-14 Möbelstoffe — Bett- und Tischdecken, Uebefwurfe — irvi trnmmm i VII., Mariahilrerstrafie Nr. 90 (Ecke Zieglergasse) Flanelldecken, Steppdecken, Inlaid-Linoleum Flanelldecken, Steppdecken, Inlaid-Linoleum dessen Beschlüsse eine viel höhere Verantwortung als alle anderen Mandatare. Wie aus den Sifrzimgsprotokollen ersichtlich ist, hat dieses Komitee schon aha 14. März 1925 mit der Stimme des Herrn Stricker einhellig beschlossen, den Architekten Reiser zu beauftragen, auf Grund des vorher von einer Jury prämiierten Projektes die Pläne einzureichen. Sehr bedauerlich, daß Herr Stricker nicht schon damals entdeckt hat, daß diese Pläne einen Bau zur Folge haben, der einer „Schwindelbank oder einem Kino“ gleichen wird. Am 12. Oktober 1925 wurde mit seiner Stimme beschlossen, zunächst Bauarbeiten um mehr als 10 Milliarden Kronen zu vergeben. Dfe ganzen Baukosten waren schon damals mit 18 Milliarden präliminiert. Am 28. April 1926 berichtete der Obmann des Baukomitees, daß für den Bau der Halle 13 Milliarden aus dem Friedhoferweiterungsfonds zur Verfügung stehen und daß demnach noch 6 bis 8 Milliarden im Wege einer Anleihe aufzubringen seien. Herr Stricker seihst war es, der in dieser Sitzung den Antrag stellte, diese restlichen 6 bis 8 Milliarden im Wege eines langfristigen Darlehens zu beschaffen. Nachdem er vom Finanzreferenten aufgeklärt worden war, daß dies unmöglich sei, wurde mit seiner Stimme einhellig beschlossen, bei der Zentralsparkasse ein Kontokorrentdarlehen von 600.000 bis 800.000 S aufzunehiyen. Es erscheint uns überflüssig, hiezu noch etwas zu bemerken. Es ist eines der vielen Beispiele, für die von Herrny Stricker in seinem Kampfe gegen alte und bewährte Gesinnungsgenossen angewendeten Methoden. Ganz ähnlich ist seih Verhalten in Angelegenheit der. Herabsetzungder Subvention der Kultusgemeinde für die Palästinafonds. Auch deshalb macht er seinen ehemaligen Kollegen die schwersten Vorwürfe, offenbar wieder mit ihrem schlechten Gedächtnis rechnend. Es ist richtig, daß unsere Gesinnungsgenossen nach langen Kämpfen und Verhandlungen und nachdem sie insbesondere ihre Forderungen für das wertvollste Kulturwerk, das Cbajes-Gymnasium, fast restlos . durchgesetzt hatten, sich mit Rücksicht auf die außerordentlich schwierige Notlage der Kultusgemeinde und ihren erschreckenden Gebarungsabgang mit einer Reduktion der Subvention für das laufende Jahr einverstanden erklärten. Aber auch bei Erstellung des Budgets für das Jahr 1927 gab es schon einen ähnlichen Konflikt mit der „Union“. In der Klubsitzung der zionistischen Kultusvorsteher vom 22. Dezember 1926 berichtete Herr Stricker, wie aus dem Sitzungsprotokoll ersichtlich, über seine Verhandlungen mit der Majorität über die Höhe der Subvention. Viele Mitglieder des Klubs waren infolge des Begehrens der damaligen Koalitionsgenossen auf Herabsetzung der Subvention äußerst verstimmt und es wurde die Frage erörtert, ob nicht diesem Verlangen mit den schärfsten Maßregeln entgegengetreten werden sollte. Da war es wieder Herr Stricker, der den Standpunkt vertrat, die Höhe der Subvention sei nicht die Hauptsache, maßgebend sei vielmehr, daß der Palästina- Aufbau von der Kultusgemeinde unterstützt und dadurch die Bedeutung des Landes für das Gesamtjudentum anerkannt werde. Der Klub hat sich seiner Ansicht angeschlossen. Aber in der „Neuen Welt“ wird eine fröhliche Hetze gegen die zionistischen Kultnsvorsteher arrangiert, weil sie der Notlage der Gemeinde Rechnung getragen haben. Die Zerstörung der österreichischen Organisation Als Herr Stricker vor dem letzten Wiener Kongreß Unterschriften für den Aufruf der „Radikalen“ sammelte und an die Gründung eines eigenen Klubs schritt, erklärte er gegenüber den schon damals ausgesprochenen Besorgnissen, er denke nicht daran, einen Sonderverband zu gründen, der neue Klub werde nur die Aufgabe haben, zionistische Fragen zu erörtern und insbesondere den mit der Jewish Agency zusammenhängenden Fragenkomplex zu behandlen. Solange die Erweiterung der Jewish Agency eine strittige Angelegenheit war, konnte der Verband einen Schein von Berechtigung haben. Nachdem sich die Radikalen aber auf ihrem Parteitag in Warschau (1929) mit «tor Erweiterung der Agency einverstanden erklärt hatten, ist Herr Stricker begreiflicherweise ohne jedes Programm nach Wien zurückgekehrt. Was er sofort darauf in seinem Aufruf zu den Kongreß wählen als sein Programm verkündet hat, läßt an Dürftigkeit nichts zu wünschen übrig. Er verlangte darin 1. Wiederaufrichtung des Herzischen Zionismus (daß die österreichische Organisation dieselbe Forderung erhebt, hat die am letzten Delegierten tag einstimmig angenommene Resolution zur Genüge bewiesen). 2. Energische Politik beim Völkerbund und der Mandatarmacht (gibt es einen Zionisten, der dagegen sein könnte?). 3. Kampf gegen die Bureaukratisierung des Zionismus und 4. Forderung nach Schaffung eines Kontrollamtes, was übrigens schon heim letzten Wiener Kongreß selbstverständlich widerspruchslos beschlossen worden war. Da also, wie aus diesem Programm ersichtlich, dem Verband des Herr Stricker jede sachliche Berechtigung fehlt, muß er auf andere Weise seine Existenznotwendigkeit beweisen. Weil mit einem solchen Programm ein sachlicher Kampf zumindest gegen die österreichische Organisation nicht möglich ist, muß der Kampf von seiner Seite persönlich geführt werden. Und nur darin liegt die Ursache der Hetze, die seit Jahr und Tag gegen die Organisation geführt wird. Deshalb muß jede Kleinigkeit breitgetreten und maßlos aufgebauscht werden, damit die Kluft, die künstlich hergestellt wurde, sich nur ja nicht verenge oder gar schließe. Knapp vor dem letzten Delegiertentag, und ohne dessen Ergebnis abzuwarten, hat sich der „versöhnliche“ Herr Stricker in der Nummer der „Neuen Welt“ vom 29. November 1929 eine Kundgebung geleistet, die an Skrupellosigkeit nicht mehr überhoten werden kann. Nachdem darin die zionistischen Mandatare für alles Schlechte in der Welt verantwortlich gemacht werden, wird ihnen nichts weniger als „nackter politischer Wortbruch und vorbedachte Täuschung der Wählerschaft“ vorgeworfen. Die Schlußworte dieser Kundgebung, die sich „an die Zionisten. aller Richtungen“ wendet, können nicht anders ausgelegt werden als die Aufforderung zum Austritt aus der zionistischen Organisation und zum Anschluß an den außerhalb der Organisation stehenden Verband der Radikalen. Und dies alles wurde, was nicht stark genug betont werden kann, eine Woche vor dem Delegiertentag veröffentlicht, weil man den Antritt der Erbschaft nicht erwarten konnte; und gleich nach dem Delegiertentag wurde die Brunnenvergiftung durch tendenziös entstellte Berichte über dessen Verlauf fortgesetzt. Es wäre Herrn Stricker dringend zu raten, von seinem hohen Richterstuhl herabzusteigen. Wenn er noch so hoch stünde, würde dies die Geringschätzung, mit der er über alle urteilt, die sich seinem Diktat nicht fügen, nicht rechtfertigen. Seine Resolutionen und Kundgebungen sind seit Jahr und Tag eine unerschöpfliche Fundgrube für antizionist'sche Blätter. Er revanchiert sich aber auch, und die Auslassungen des letzten assimilatorischen Winkelblättchens geben ihm die erwünschten Zeugnisse gegen jene Männer, die gestern noch seine Mitarbeiter waren, heute aber von ihm als Verräter und Dummköpfe hingestellt werden. Hingegen ist alles, was er unternimmt und schreibt, nach seiner Ansicht von höchster Weisheit erfüllt. Die Ueberheblichkeit seiner „Verbandsleitung“ kann nicht mehr ernst genommen werden. Eine bedeutungslose Unterredung mit dem Bundeskanzler, bei der nichtssagende Redensarten ausgetausoht werden, wird unter marktschreierischer Aufmachung gebracht als sei dies eine politische Großtat. Der ganze Radikalismus hat bisher nur unfruchtbare Kritik gezeitigt und sucht deshalb gewaltsam nach dem Schein irgendeiner Betätigung. Man zeige uns nur einen einzigen Menschen, den die Wiener radikale Betätigung aus einem Nichtzionisten zu einem Anhänger des Zionismus gemacht hätte. Die Irreführung nichtunterrichteter Menschen durch eine systematisch betriebene Verhetzung ist natürlich viel leichter. Dabei gilt diese Unversöhnlichkeit nur im Kampf gegen Zionisten. Als sich Herr Stricker vor kurzem wegen eines in seinem Blatte veröffentlichen Angriffes gegen den Führer der Wiener Assimilation zum Nachweis seines Alibis bemüüigt sah, war er in seinem Entschuldigungsschreiben von anerkennenswerter Milde und bedauerte es sehr, daß zu einer Zeit, in welcher die Einigkeit aller Juden dringend notwendig sei, sein Blatt diesen Angriff gebracht habe. Auch wir würden diese Einigkeit schon im Interesse unserer großen Sache vom Herzen wünschen. Vor allem sollte er aber als Zionist darauf Bedacht sein, daß die eigene Organisation nicht gewaltsam in Stücke gesclilageii werde. & Schnellzugstatton Steinach am Brenne«.1 Wunderschönes SklgelXnde mit günstigen Schneeverhfiltnlssen von Mitte Dezember bis Ende Mörz. Skikurse. Rodelbahn, Ela* | laufplatz. Behagllehor Aufenthalt kn 1214 m 0. d. M* In sonniger Lage, neu er» baut, modern und gediegen eingerichtet ' 60 Betten, flleBendes Kalt* und Warm» wasser, Zentralheizung und BBder. Erat* I Massige Wiener Küche. Pensionspreis ab Mk. 7.20. Auf Verlangen Prospekte. Sokolow in Czernowitz Czernowitz, 10. Dezember. (J. T A.) Nahum Sokolow wurde bei seiner Ankunft in Czernowitz ein enthusiastischer Empfang bereitet. Am Bahnhof hatten sich neben den Führern der, zionistischen und jüdischen Organisationen der Bukowina der Präfekt Nematzu, cTer Bürgermeister Dr. Saveanu und die höchsten Polizeibeamten zur Begrüßung Sokolows eingefunden. Kurz nach der Ankunft des Gastes fand im Festsaal des Jüdischen Hauses ein Empfang statt, dem' der Minister für die Bukowina Dr. Sauciuc- Saveanu und zahlreiche prominente Persönlichkeiten von Stadt und Land beiwohnten. Ansprachen hielten dann der Präfekt des Bezirkes Czernowitz Neamtzu, der erklärte, die Bevölkerung fühle sich besonders geehrt, einen so hohen Gast wie Sokolow in ihrer Mitte zu haben, Bürgermeister Saveanu, der seiner Sympathie für den Zionismus Ausdruck gab, der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs Senator Dr. Mayer-Ebner, der Leiter der Kultusgemeinde Dr. Gutherz, der Sokolow einen Scheck auf 100.000 Lei für den Keren Hajessod namens der Kultusgemeinde überreichte, Oberrabbiner Dr. Mark (hebräisch) und Rabbiner Katz. Nahum Sokolow gab in seiner mit großem Enthusiasmus auf genommenen Antwortrede der Genugtuung Ausdruck, daß die nichtjüdische We-lt begonnen hat, dem Zionismus Verständnis entgegenzubringen. Ich ehre, sagte er, Herrn Titulescu als mernen Freund, er war der erste in Genf, der die Gefühle seiner Regierung über die tragischen Ereignisse in Palästina zum Ausdruck brachte. Ueber Vermittlung des Präsidenten Sokolow fand eine Versöhnung zwischen dem gewesenen Abgeordneten Dr. Beno Straucher und dem Senator Dr. Mayer Ebner statt. Ein Dementi Sokolows Die Warschauer Tageszeitung . „Hajnt“ brachte eine Mitteilung ihres Jerusalemer Berichterstatters, Herrn Triwaks, wonach in Bälde die derzeitige Leitung der Zionistischen Weltorganisation zurücktreten und einer ganz neuen Leitung, einer Art „Rettungsexekutive“ Platz machen averde. Laut dem Vorschläge von Lord Rothschild und Lord Melchett soll die neue Exekutive aus Rothschild, Melchett, Pinchas Ruthenberg, Wladimir Jabotinsky und aus dem Richter am Obersten Gericht der Vereinigten Staaten Louis Brandeis als Präsidenten bestehen. In einem Gespräch mit dom Czorno witzer Vertreter der Jüdischen Telegraphcn- Agcntur erklärte der gegenwärtig in Czernowitz weilende Präsident der Zionistischen Weltexekutive Nahum Sokolow, die Meldung über die bevorstehende Bildung einer neuen Exekutive habe keinerlei reale Basis. * ^5973636659472859036813393040 4823020202000200010400000002010148000001010100000102000200010023532353233223484853234889235353

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