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Die Stimme · 1929-12-12 · Heft 104 (12.12.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 104 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 104 Jugendverein «Erez Israel», Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33 GRÖßTER KONZERTHAUSSAAL KARTEN SIND ERHÄLTLICH: Zion. Bureaus, I., Kämtnerstraße 28, Telephon R 27-4-85/86 Jugendverein Erez Israel, II., Zirkusgasse 33. Telephon R 49-8-98 Bücherstube M. Rath II, Taborstraße 20a, TclephonR 43-1-58 SONNTAG, 15. DEZEMBER 1929 Hebräisches Konz Künstlerische Leitung: PROT. ARTUR WOLF Mit: Rena Pf ei f f er-Lax (Volksoper), Erika Wagner (Deutsches Volkstheater), Kammersänger Josef Man owar da (Staatsoper), Oberkantor Gerson Mar gulier. Carl La fite (Klavieru. Orgelbegl.), Gemischter Chor BEGINN HALB 8 UHR ABENDS Das Reinerträgnis fließt dem Chajes- Realgymnasium u. d. Chaj es-Walde zu Pressesdiau diese Gegenden wären noch heute einsames Oedland. Das sind Beispiele aus der älteren jüdischen Kolonisation. Werfen wir nun auch einen Blick auf die Kolonisationstätigkeit des Keren Hajessod und Keren Kajemeth im letzten Jahrzehnt, die friedliche Eroberung der Ebene Jesreel, in welcher große Bodenflächen von arabischen Großgrundbesitzern erworben worden waren. Welch «schreckliches Unrecht» ist den Bewohnern dieser Gegend von den Juden geschehen? Wer sind die «entrüsteten Ankläger», die vor der Untersuchungskommission Beschwerde führen können? Im sogenannten Nuris- Block hat der Keren Kajemeth im Jahre 1921 von der arabischen Familie Sursuck 29.000 Dunam erworben. Diese Familie lebt teilweise in Beyrouth, teils in Paris. Zur Zeit des Kaufes waren 16.000 Dunam versumpft. Nur 6000 Dunam waren an 39 arabische Familien verpachtet. Es war die ganze Gegend eine trostlose Brutstätte der Malaria und kaum war anzunehmen, daß hier eine erfolgreiche Kolonisationstätigkeit zu leisten war. Durch großzügige Drainagearbeit wurden die Sümpfe trockengelegt. Demnächst werden 6000 Dunam bewässerbares Land zur Verfügung stehen. Seit zwei Jahren ist die Malaria fast gänzlich ausgerottet. Die sechs Siedlungspunkte des Nuris-BIocks Ain Charod, Tel Joseph, Geva, Hefzibah, Beth Alpha, Kfar Jecheskiel haben eine Bevölkerung von 1500 Seelen, wo früher nur 39 arabische Familien als Pächter ihr Leben fristeten. Die sechs Siedlungen haben 1200 Kühe, die eine halbe Million Liter Milch liefern; Wein- und Obstgärten bedecken heute eine Fläche von 2000 Dunam; Frühgemüse werden nicht nur ins ganze Land, sondern sogar nach Kairo und Damaskus von hier versändt. Geflügel- und Bienenzucht. machen große Fortschritte. An Steuern erhalt die Regierung heute 2250 Pfund Sterling aus dieser Gegend, wo sie früher kaum 400 Pfund Sterling bezog. Und was ist aus den arabischen Pächtern geworden, die hier verschuldet, von der Malaria gequält, ein erbärmliches Dasein führten? Sie haben eine angemessene Entschädigung erhalten und sind in drei arabische Nachbardörfer übersiedelt, wo man sie noch heute finden kann. Sie würden sich voraussichtlich entschieden dagegen wehren, wenn man behaupten wollte, daß sie Bettler oder Straßenräuber geworden sind. Und ähnlich ist es mit der Gegend von Nahalal, wo 22.000 Dunam gleichfalls von der Familie Sursuck gekauft wurden und wo früher. 63 arabische Familien lebten. Heute leben hier 800 jüdische Seelen. Die früheren arabischen Pächter haben vom Keren Kajemeth 3000 Dunam Boden in Pacht erhalten und weitere 2000 Dunam vom Nachbardorf. Die meisten leben heute hier und bearbeiten den Boden, nur ein Teil ist in andere Gegenden gezogen. Als die Siedler von Nahalal für ihre eigene Drainage und Wasserleitung sorgten, ist auch das arabische Dorf Mahlul mit einbezogen worden. Noch haben die jüdischen Vertreter nicht auf diese Angriffe gegen ein großes Kulturwerk erwidert. Aber auf dieser Front stehen wir stark und untadelig da, in dem vollen Bewußtsein, daß wir auf dem Gebiete der Kolonisation nicht nur große Pionierarbeit zugunsten des Aufbaues des jüdischen Nationalheims geleistet, sondern zum besten des Landes und dadurch selbstverständlich auch im Interesse unserer arabischen Nachbarn. Rücktritt Dr. Hans Kohns Jerusalem. (J. T. A.) Der Leiter der Propaganda-Abteilung des Keren Hajessod, Herr Dr. Hans Kohn, hat an den gegenwärtig in Berlin weilenden Leiter des Keren Hajessod, Herrn Dr. Artur Hantke, das Ersuchen gerichtet, ihn seiner Amtspflichten zu entbinden; er lege das Amt eines Leiters des Werbedepartementß zurück, um sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten ganz widmen zu können. Dr. Hantke hat das Rücktrittsgeeuoh von Dr. Hans Kohn genehmigt. Man ist in palästinensischen Kreisen der Ansicht, daß der Rücktritt Dr. Hans Kohns auch im Zusammenhang steht mit seiner Tätigkeit innerhalb der Brith Schalom-Organisation, deren Ideen Kohn letzthin in einigen Aufsätzen vertreten hat. Um Dr, Magnes und den „Brith Sehaloin“ Der „Davar“ veröffentlicht am 25. November die Rede, mit der in der letzten Sitzung des Waad Leumi Ben Gurion im Namen der beiden Arbeiterparteien zu den letzten Vorgängen in der Universität (Störung der Eröffnungsrede von Dr. Magnes und eines Kollegs von Doktor Bergmann) Stellung genommen hat. Ben Gurion erinnert an die einhellige Mißbilligung der separatistischen Politik von Dr. Magnes durch den Waad Leumi und die Ablehnung der von Dr. Magnes vertretenen politischen Anschauung. Die Rede von Dr. Magnes in der Universität aber habe nichts mit diesen vom Waad Leumi bekämpften Gedankengängen zu tun. Man könne der Rede weitgehend zustimmen. Der ganze Jischuw stimme mit Dr. Magnes überein,, daß auch in der gegenwärtigen Situation Wege zur Verständigung mit dem Nachbarvolk gesucht werden müßten. Die Arbeiterschaft werde Dr. Bergmanns Ansichten auch weiterhin bekämpfen, sei aber entschieden gegen alle unsachlichen Störungsversuche bei wissenschaftlicher Arbeit. Aus der Abendausgabe (seit Anfang dieser Woche erscheinen „Doar Hajom“ und „Haaretz‘ zweimal täglich) des „Doar Hajom“ vom 24. November erwähnen wir den Artikel „Es lebe Ussischkin“. Anknüpfend an die Rede von Dr. Magnes spricht das Blatt über die Forderung des „Brith Schalom“ im allgemeinen und über die des Parlamentes im besonderen. Es sei einfach nicht wahr, daß es zwischen dem „Brith Schalom“ und den anderen Zionisten Mei- Frieda Händel Wladimir SPais Verlobte nungswersdhiedehheiten gäbe, die in sachlicher Diskussion* ausgetragen werden könnten; denn in Wahrheit bedeuteten die Forderungen des „Brith Schalom“ einen Verzicht auf den Zionismus. Dr. Magnes habe sich erlaubt, die Bühne der Universität für die Propaganda dieser Gedankengänge zu mißbrauchen, und zwar mit einer „Meliza“, di© er einem Volke, das vor Jahrtausenden seine Propheten gehabt habe, nicht zu bieten brauche. Useischkin und die ihm folgende Jugend hätten im Geiste des Zionismus gehandelt. Die Fofgerujig des Parlaments „Boust‘nai“.. wendet sich am 20. November gegen die von jüdis^er Seite erhobene Forderung, dem Gecjai$:$n eines palästinensischen Parlaments in diesem Augenblick näher zu treten. Das Parlament würde bedeuten, daß die heute praktisch nicht mehr bestehende Balfour-Erklärung nun auch rechtlich außer Kraft gesetzt würde. Ob denn die Parlamente, die die Araber im Irak und TraUjS^rdanien seit einiger Zeit besäßen, diesen Landern irgend welchen Nutzen* gebracht hätten? Wenn die arabischen Massen heute die Forderung nach einem Parlament verträten, so sei dies ähnlich wie beim russischen Dekabristenaufstand von 1825, wo man die Regimenter für eine Konstitution demonstrieren ließ und die Soldaten glaubten, Konstitution sei eine Großfürstin. Rücktritt des Großmufti? Wie „Haaretz“ in der Abendausgabe vom 27. November meldet, veröffentlichte die Bagdader Zeitung „El Iram el Arawd“ am 15. November ein Telegramm aus Jerusalem, wonach Enrin Hussedni vermutlich zurücktreten werde, da seine Stellung auf Grund der aufgedeckten Beziehungen mit den Kommunisten als erschüttert gelte. Zu dieser Nachricht äußert „El Carmel“, daß die Zeitung es nicht für ihre Aufgabe halten könnte, das Bestehen derartiger Beziehungen zu beweisen oder zu bestreiten. Selbst wenn solche Beziehungen beständen, sei daraus dem Mufti kein Vorwurf zu machen, der berechtigt sei, jede politische Beziehung zu unterhalten, wenn daraus anderen kein Schaden erwachse. Die englische Regierung, die soeben ihre Beziehungen mit Sowjetrußland wiederhergestellt hätte, könne doch in einer Verbindung mit Kommunisten kein Verbrechen sehen. Sei es aber ein Verbrechen, so hätte die Zionistische Exekutive bestraft werden müssen, die das Land mit Kommunisten überschwemme. Das Blatt sei überzeugt, daß dieselbe Fälschungsfabrik, die den Brief des Mufti nach Hebron gefälscht habe, auch die Dokumente fabriziert habe, die die Verbindung des Mufti mit den Kommunisten beweisen sollte. Voraussichtlich werde der Bruder des Mufti an seiner Stelle ernannt werden und das sei ein Trost für die Araber. Dann sei es vielleicht sogar zu begrüßen, daß der Mufti nunmehr die Möglichkeit haben werde, ohne Rücksicht auf sein Amt sich an die Spitze der nationalen Bewegung zu stellen. Aber auch wenn dem Bruder des Mufti seine Stelle übertragen würde, werde die arabische Welt die Nachricht von einem erzwungenen Rücktritt Emin Husseins mit Unwillen, aufnehmen. Das Schicksal der Fellachen Die Vertreter der Araber haben vor der Untersuchungskommissäon behauptet, durch die zionistischen Siedler würden die Fellachen von ihrem Grund und Boden vertrieben und verarmten völlig. In diesem Zusammenhänge sind die Ausführungen bemerkenswert, die Jehoschua Chankin einem Vertreter des „Davar“ über diese Fragen gemacht hat und die der. ,J>avar“ am 25. November veröffentlicht. Chankin wohnt seit 48 Jahren in Palästina und hat den weitaus größten Teil der jüdischen Bodenkäufe in Palästina durchgeführt, insbesondere für den Keren Kajemeth, und hat die Problem© der arabischen Pächter auf diesen Böden behandelt. Er erklärt, daß 95 Prozent aller Bodenkäufe nicht Fellachenland, sondern das Land großer arabischer Effendis betroffen hätten, die gewöhnlich außerhalb des Landes wohnten. Diese Länder seien gewöhnlich wüst und verlassen gewesen und nur auf einem kleinen Teil von ihnen hätten Pächter ein armseliges Dasein geführt. Bei allen diesen Käufen seien die jüdischen Institutionen gegenüber den Fellachen mit der größten Vorsicht zu Werke gegangen und hätten ihnen soviel an Entschädigungen gezahlt, daß die Fellachen nicht nur ihre Schulden bezahlten, sondern sich auch leicht an anderen Stellen des Landes ansiedeln konnten. In vielen Fällen habe man es auch den Fellachen ermöglichen können, von dem soeben von den Juden gekauften Boden einen Teil für ihre Familie zn erhalten zu demselben Preis, den die Juden für den Boden bezahlt hätten. Allerdings hätten das die Fellachen vielfach nicht gewollt, da die ihnen von den Juden bezahlten Preise zu hoch erschienen. Es gäbe viele Fälle, so bei den Fellachen der Akkoebene, wo die Fellachen mit Hilfe der von den Juden erhaltenen Entschädigungsgeldern sich eine neuo Wirtschaft aufbauen konnten und in viel bessere materielle Bedingungen gekommen seien als sie vorher waren. Bei allen diesen Fellachen sei keine Spur von Animosität gegenüber den jüdischen Bodenkäufern vorhanden. Und was die restlichen 5 Prozent anlange, so handle es eich hier um Käufe von Fellachen, alle in der Pflanzungszone. Hier hätten die Fellachen nur einen Teil ihres Bodens verkauft und für den Erlös hätten sie den ihnen verbliebenen Boden bewässert und damit ihre Wirtschaft auf ein© weit

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