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Die Stimme · 1929-12-12 · Heft 104 (12.12.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 104 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 104 DIE STIMME Sette 1 Was Sie suchen - finden Sie bei uns! Fttr den Herbfft Wirenltut Bernhard Inlolsfe Meiner Realen spottbillig t Reichste Auswahl In Pullovers, Wollwesten, Strümpfen, Handschuhen, Trlkotagen, Damen-, Herrenu. Kinder Wäsche, Pyjamas, Leinenwaren, Berufskleider etc. En gros - en detail 1«, RAB8NSTBIG 3 (Ecke SeltenstettengasseJ Bergmann Palästinabrief Von unserem Jerusalemer Berichterstatter J. G—r. 3. Dezember 1929. In dieser Woche wurde den Arabern Gelegenheit geboten, vor der Untersuchungskommission auch Anschuldigungen gegen die Juden vorzubringen, die nicht in direktem Zusammenhang mit den Unruhen stehen. Die schwersten Anschuldigungen lassen sich in folgenden Behauptungen konzentrieren: a) das jüdische Nationalheim wird aus arabischen Geldern aufgebaut b) die jüdische Kolonisation bedeutet den Ruin für Palästina und die arabischen Bewohner werden gewaltsam von der Scholle verdrängt. Von welchem Gesichtspunkt wir auch die erste Anschuldigung betrachten mögen, ist sic von Grund aus unrichtig und lügenhaft. Die Regierung steuert nur 16 Prozent der Auslagen des hebräischen Schulwerks bei, während sie das ganze arabische Schulwerk erhält. Und was die medizinische Hilfe anbetrifft, so ziehen die Juden keinerlei Genuß aus dem Gesundheitsbudget. Sämtliche Spitäler werden von den Juden selbst erhalten. Und wenn man in Betracht zieht, welche Einahmen die Regierung von den Juden hat, so kann man fragen: Ziehen die Zionisten Nutzen aus dem Gelde der Araber oder umgekehrt? -Was aber die zweite schwere Anschuldigung anbetrifft, so lohnt es sich, in diese Frage etwas tiefer einzugehen. — In der türkischen Zeit hat die Regierung oft Tausende von Dunam Boden zu einem wahren Spottpreis verschleudert, weil die Fellachen die Grundsteuer nicht bezahlen konnten. 10.000 Dunam vom Boden der Kolonie Rechoboth wurden zwangsweise an einen der Effendis für 700 türkische Pfund verkauft, so daß ein Dunam ungefähr 1 y2 Mark gekostet hat. Und in der Zeit nach der Balfour- Deklaratäon wurde niemals ein Dunam halbwegs guten Bodens für weniger als 3 Pfund Sterling verkauft. Ja es ist eine Tatsache, daß ein Mitglied der arabischen Exekutive vor nicht allzu langer Zeit in der Nähe von Rechoboth Boden zum Preis von 15 Pfund Sterling pro Dunam verkauft hat. Aber nicht über die glänzenden Bodengeschäfte der Effendis wollen wir hier sprechen, sondern vom arabischen Arbeiter und vom Fellachen. Ein «Vertreter» dieser Fellachen und Arbeiter hat vor der Untersuchungskommission das «unglückliche Los» seiner Brüder beweint. Er hat aber mit keinem Wort das Los derselben vor der zionistischen Einwanderung geschildert (dazu haben ihn die Effendis scheinbar nicht beauftragt). In den Orangerien der Effendis hat der arabische Arbeiter wahre Frondienste geleistet für einen Tageslohn von ungefähr einer halben Mark. Mit Beginn der zionistischen Tätigkeit im Lande hat sich die Lage des arabischen Arbeiters bedeutend geändert. Sein Taglohn stieg bis auf 2]£ Mark und die Arbeitszeit wurde auf acht Stunden täglich reduziert. Wo aber Juden nicht hinkamen, wo jüdische Siedlungen ferne sind, dort beträgt der Tageslohn noch heute eine Mark und die Arbeitszeit ist unbegrenzt. Zahlreiche Dörfer waren verschiedenen Effendis verpfändet, die ihnen Saatgut und bares Geld gegen — 50 Prozent Zinsen liehen. Und da sie gewöhnlich am Ende des Jahres nicht zahlen konnten, so wuchs die Schuld mit Zinsen und Zinseszinsen, bis der Fellach einen erheblichen Teil seines Besitzes zur Tilgung seiner Schulden an den Effendi übergeben mußte. Als die zionistischen Ansiedler ins Land kamen, fanden sie keine freien, gesunden arabischen Bauern im Lande, sondern größtenteils blutarme, in Lumpen gekleidete, mit schweren Augenkrankheiten behaftete und von der Malaria geplagte Geschöpfe, die in ihre jahrhundertealten Pflüge magere Ochsen oder Kamele eingespannt hatten; und es war kein seltenes Bild, daß die Frau des Fellachen mit dem Ochsen zu- 2., dafomstKaße S a Brenxe «Ser fiiw modevne CLuaMitikt&-)$£f&ufk£. I Ws-:’-■*’ sammen eingespannt war ... Das hat sich gründlich geändert, wo arabische Dörfer in der Nähe jüdischer Kolonien stehen. Gar nicht klein ist die Zahl schöner, blühender Fellachendörfer mit gutgebauten Häusern mit Ziegeldächern. Die Bauern sind gesund und anständig gekleidet. Die Wasserversorgung ist gut. Sie haben gute Arbeitsgeräte, und haben vielfach das von den jüdischen Kolonisten erlernte Bearbeitungssystem für Felder und Orangerien erfolgreich angewendet. Sie sind nicht mehr den Effendis Geld schuldig wie ehemals. Sie haben durch Arbeit in den jüdischen Kolonien Geld verdient und wenn sie überflüssigen Boden hatten, dann haben sie denselben den Juden für gutes Geld verkauft. Die Käufe der Juden von den Fellachen haben die letzteren niemals von der Scholle entwurzelt, sondern sie haben ihnen zur Festigung ihrer ökonomischen Lage verholfen. Freilich hat es auch traurige Fälle gegeben, in denen Fellachen im wahren Sinne des Wortes brotlos geworden sind. Das war auf Böden der Fall, der Effendis gehörte, und auf welchen arabische Pächter saßen. Die Juden zahlten den nachher im Jassy in vermehrter Auflage erschien. Das war vielleicht der einzige Fall, daß Schillers hundertster Geburtstag von Nichtdeutschen weit unten in «Halbasien» derart gefeiert wurde. Außerdem seien von einzelnen Gedichten wenigstens folgende Uebersetzungen angeführt: Elegie auf den Tod eines Jünglings. Uebersetzt von M. E. Stern, 1847. Die Kiridesmönderin. Uebersetzt von Daniel Ehrmann, 1864, und von Nathan Samuely, 1868. Letztere Uebersetzung ist ein wahres Meisterwerk. An den Frühling. Uebersetzt von Chajim Garfunkel, 1850. Elysium. Uebersetzt von Selig Allerhand aus Zufawno, Galizien, 1852. An die Freude. Uebersetzt (zum zweiten Male) von Baruch Schönfeld, 1825. Resignation. Uebersetzt von J. Brüstiger, Lemberg, 1884, und von Konstantin A. Schapira, 1886. Eine dritte Uebersetzung erschien in Warschau 1885. Die Zerstörung von Troja. Uebersetzt von Michah Josef Lebensohn, Wilna, 1849. Sehnsucht. Uebersetzt von Nathan Meller, 1862. Der Pilgrim. Uebersetzt von Moses Schulbaum, und von Hermann Mayer, 1866. Der Jüngling am Bache. Uebersetzt von Jakob Weidinger, 1856, und von M. Schulbaum, 1864. Berglied. Uebersetzt von M. Schulbaum 1862. Der Ring des Polykrates. Uebersetzt von M. E. Stern 1851. Hero und Leander. Uebersetzt von David Rapoport, Lemberg, -1852. Die Bürgschaft. Uebersetzt von Isaak Kandia, Warschau, 1829, und von J. S., Lemberg, 1852. Der Taucher. Uebersetzt von Israel Rail (Jaroslau, Galizien), 1847. Der Handschuh. Uebersetzt von Louis Lewin, Berlin, 1862. Die Teilung der Erde. Uebersetzt von Hirsch Bauer, 1824. Das Mädchen aus der Fremde. Uebersetzt von David Rapoport, Lemberg, 1851. Das Lied von der Glocke. Uebersetzt (bruchstückweise) von Salomon Jehudah Rapoport, 1820 und 1826, von Simon Bacher, 1847, von J. L. Gordon, von Salomon Pundi, 1856. (Außerdem von Letteris und Rabener in den oben erwähnten Sammlungen.) Hoffnung. Uebersetzt von Issacher Ber Schlesinger, 1826, und von Leon Adler, 1848. Die Worte des Glaubens. Uebersetzt von Hirsch Bauer, 1824. Von den Dramen wurden übersetzt: Die Räuber, von Moses Schulbaum, Lemberg, 1871. Fiesco, von Samuel A. Apfel, Drohobycz, 1889. Don Carlos, von David Radner, Wilna, 1879, zweite Stereotypausgabe 1883. Maria Stuart, von Salo^gKowner, Wilna, 1879. Die Braut, von Messiim;-Jakob Lewin, Brody, 1868. -jo&Vvf Wilhelm Teil, von Davi$ die eingestreuten Gedichte von Israel FrvmkelJj^Ma, 1878, zweite Stereotypausgabe 1882. ( Macbeth, von Isaak Bajb, ^dbobycz, 1883. Turandot (erster Aufzug/"’von Josua Atlas, Przemysl, 1879. ww&gfe Eine Uebersetzung. der jySg^au von Orleans soll vor nicht langer Zeit erschien%r^h, doch konnte ich ihrer nicht habhaft weiden. Eine prachtvolle Uebersetzung der Kapuzinerpredigt aus Wallensteins Lager veröffentlichte M. A. Klausner, Berlin, 1898, aus dem Nachlaß seines Vaters B. W. Klausner; die Uebersejzung stammt aus dem Jahre 1857. Von den Prosaischen Sohriften sind meines Wissens nur folgende übersetzt worden: Philosophische Briefe, von Dr. Salomon Rubin, Lemberg, 1851. Der Spaziergang unter den Linden, von Kalman Schulmann, Wilna, 1847, zv/eite Stereotypausgabe 1864. Die Sendung Moses wurde — man staune! — ebenfalls ins Hebräische übersetzt und zwar zweimal, nämlich von Eliahu Lewin, Wilna 1866 und von Mehr Stockmann, Lemberg, 1878. Beide Uebersetzungen sind übrigens mit ausführlichen, ebenso gut geschriebenen wie naiven Kommentaren versehen, die sich alle red- Weihnachten der Tabakregie Di© Oesterreichische Tabakregie bringt zu Weihnachten eine Reihe von Neuheiten. Für die Zigarrenraucher zwei feine, sehr leiohte, milde, aromatische Zigarrensorten mit eleganten Ringen, ebenso wie die „Gaisberg“ deutscher Typ: die „Großglockner zu 42 g und di© „Frau Hitt“ zu 36 g, verpackt in Erlcnholzkistchen zu 10 Stück, ferner die „Olympicos“ in neuer Fasson und moderner Aufmachung, zum alten Preise (1 S 20 g), verpackt in Zedernholzkistchen zu 10 Stück. Für die Pfeifenraucher erscheinen als Original typen in Päckchen zu 25 Gramm: „Krull“, sehr fein, leicht, mild, rötlich-gelb (60 g) und „Feinster Ungar“, lang- und kurzgeschnitten (35 g) der kurzgeschnittene in heller und in brauner Farbe. Außerdem gelangen noch zwei Mischtypen für kurze Pfeifen in den Verschleiß: „Caballero“ in neuer Zubereitung, sauciert, hochfein, besonders gehaltvoll, zu 50 Gramm (1 S 30 g) und eine „Spezia Imiechung“, nicht sauciert, sehr fein, mit mildem Aroma, in Päckchen zu 25 Gramm (40 g). Die Parallelschnittabake sind bereits seit einiger Zeit in Packungen zu 50 Gramm neben den zu 100 Gramm erhältlich: „Sultan flor“ und „Superfein Türkischer“ in Blechkassetten zu 4 S 50 g bzw. 4 S, „Feiner Kir“, „Feiner Pursitschan“ und „Feinster Bulgarischer“ in Kappensohachteln zu 8 S 20 g, 3 S und 2 S 50 g. (Entgeltlich.) Effendis einen guten Preis für den Boden und Entschädigungen für die Pächter. Aber die Effendis betrogen die Pächter um die ihnen gebührende Entschädigung. Und was haben die Juden durch unermüdlichen Fleiß und durch die schwersten Opfer in den älteren und neueren Kolonien geschaffen. In Rechoboth saßen ein paar Dutzend Beduinen auf 10.000 Dunam Boden. Heute leben auf diesem Boden 2500 Juden und einige hundert Araber; dort* wo früher kein Baum stand, sind zehntausende Bäume gepflanzt worden. 80.000 Dunam Boden haben die großen älteren Kolonien Petach Tikwah und Chederah. Das war einst ein wüstes Gebiet, voll von Sümpfen, deren Ausdünstung die Umgegend verpestete. Und heute ist hier ein Paradies und nicht nur 10.000 Juden leben hier, sondern auch einige tausend Araber. Und wen die Juden nicht den Eukalyptusbaum, den die Araber bis heute den Judenbaum nennen, eingeführt hätten, der so bedeutungsvoll für die Sanierung des Landes im Kampfe gegen die Malaria war, wenn sie nicht die größten und schwersten Opfer gebracht hätten, dann bestünden heute nicht nur keine blühenden jüdischen Kolonien, MBBIIIIIIIWIIIIIIIMIIIMillWIlimilHWliro— liehe Mühe geben, Schiller zu widerlegen, beinahe möchte man sagen, Schiller selber, so viele Jahrzehnte nach seinem Tode, von der Grundlosigkeit seiner abfälligen Urteile über das jüdische Volk und. der Irrigkeit seiner Lehren über die Offenbarung zu überzeuget!. Diese ziemlich unbedeutende Abhandlung Schillers, die dem Rationalismus seiner Zeit widerspiegelt, aber manchen psychologischen Tiefblick enthält, wurde von den beiden Uebersetzem furchtbar ernst genommen. Hätte irgend ein König, ein Minister oder ein Professor so etwas gesagt, man brauchte sich ■ nicht viel daraus zu machen, aber aus dem Mu-nde des vielgeliebten Schiller, «unseres Schiller» solches zii hören, das tat der Seele weh! Was die Juden des Osten so mächtig zu Schiller hinzog, und ihn ihnen so lieb und teuer machte, war, abgesehen von der Zeitstimmung — die Sehnsucht hach Freiheit und Gleichheit — von der sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beherrscht waren, und der Schiller einen so grandiosen Ausdruck verlieh, noch etwas ungleich Tieferes und Dauerhafteres. Es war Schillers warme und echte Religiosität, die, frei von allen beengenden Schranken, die ganze Menschheit umspannte. Es war ferner die herbe Reinheit und Keuschheit seiner Gesinnung, bei aller Glut der Liebesempfindung, die den Lesern aus seinen Gedichten und Dramen entgegenweht. Es war sein sonniger Optimismus, der der Zuversicht entquoll, daß der endlicher Sieg in der Welt dem Göttlichen und Guten gehört. Es war schließlich das Zwiefache und scheinbar Gegensätzliche in Schillers Wesen: er, der nationalstes unter den größten deutschen Dichtern, war zugleich so universell. Er verstand und liebte die Menschen so vieler Zeiten und Völker und Gott gab ihm zu sagen, was sie litten. Schiller machte den Juden keine Komplimente, er kannte sie nicht und schilderte sie nioht, Gleichwohl fühlten säe, daß in ihm ein Geist lebte, der ln seinen tiefsten Tiefen den Geistern aus der Mitte ihres eigenen Volkes verwandt war, die sie von der Urzeit her verehrten. Darum liebten sie so innig und herzlich «das schönste Herz, das in Deutschland gelebt und gelitten».

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