Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 104 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SeM^« Nr. 104 OfF ST!?.”"' Oie Krise im deutschen Zionismus \ on unserem Berichterstatter Dr. Israel Taubes. Berlin, 10. Dezember 1929. Der Zionismus in Deutschland befindet sicii in einer . ...iweren Krise. Abgesehen von ideologischen prinzipiellen Grundanschauungen der einzelnen Fraktionen, die auch hier nicht zur Kräftigung der Organisation beitragen, entbrannte während und nach den Unglückstagen in Erez-Israel ein heftiger innerzionistischer Kampf, der auf dem Ende Dezember in Jena sfattfindendea Delegiertentag sicherlich volle Klärung finden wird. Auf diesem Delegiertentag wird das Schicksal des Zionismus in Deutschland entschieden werden Es ist eine parlamentarische Austragung dieser heftigen Differenzen notwendig, um jene Bedeutung im In* und Auslande wieder zu gewinnen, die die zionistische Organisation in Deutschland früher hatte. Woran krankt es hier und warum sind wir von banger Sorge erfüllt, wie wir hier zionistische Arbeit fortsetzen sollen? Nicht die Opposition allein, sondern auch jeder aktive Zionist hat hier das Empfinden, daß die Z. V. f. D. viel von ihrer Aktivität verloren hat. Wir sind hier nicht mehr d i e Volksbewegung, es fehlt die schwungvolle Kraft, Menschen mitzureißen und immer weitere Kreise zu gewinnen. «Jewish Agency» und «Pro Palästina-Komitee in Deutschland» bedeuten eine ungeheure Aktivpost, aber diese zwei Faktoren wurden hier nicht entsprechend ausgenützt. Wenn man bedenkt, daß von 200.000 Juden, die in Berlin wohnen, kaum 1100 «eingeschriebene Zionisten» sind, dann können wir nicht als die Volksbewegung in Deutschland gewertet werden. Vielleicht auch deshalb, weil wir hier «Deutscher Zionismus»' und nicht Zionismus in Deutschland heißen?! Unsere Organisation hatte früher im ln- und Auslände eine ganz andere Bedeutung. Als Kurt Blumenfeld noch Parteisekretär der «Z. V. f. D.» war, da lehnte er sich stark an den Zionismus in Rußland an. Er sympathisierte im damaligen innerpolitischen Streit mit dem «praktischen» und verwarf den «politischen» Zionismus, er verlangte einen radikalen jüdischen Nationalismus in allen Belangen. Und nur so konnte er auf einem Zionistischen Delegiertentag der Z, V. f. D. erreichen, daß die Zionisten in Deutschland sich zur Pflicht machten, einen stärkeren persönlichen Kontakt mit Erez Israel herbeizuführen. Die jüdische Jugend kam damals in großen Scharen zu uns und im deutschen Judentwme begann es zu gären. Der «Zenirälver- .ein» wankte in seinen Grundfesten. Man mußte sich auch dort mrt jüdischen Fragen auseinandersetzen und naturgemäß erkennen, daß die «Judenfrage» in erster Linie jene Juden angehe,' die Juden sind und Juden bleiben wollen. Das national-jüdische und zionistische Problem steht seit damals im Zentrum des Denkens der deutschen Judenheit. Und auch darin liegt das größte Verdienst von Blumenfeld. Die heutige Opposition wendet sich in erster Linie gegen die Haltung des offiziellen Parteiorganes «Jüdische Rundschau» und bekämpft eine neu. geschaffene Schüler im hebräischen Gewände Von Bkrjamin Segel Wer einmal die Geschichte der modernen hebräischen Literatur, etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, schreiben wird, die in Deutschland ihren Anfang nimmt und sich in Polen fortsetzt, der wird den Uebersetzungen, besonders denen aus dem Deutschen, ein besonderes Kapitel widmen müssen. Diese Uebersetzungen entsprangen aber nicht dem Bedürfnis, die Leser mit diesen Werken bekannt zu machen, denn das literarisch interessierte jüdische Publikum in ganz Osteuropa las eifrig deutsche Bücher. Wenn jedoch die Uebersetzer soviel Geist, Formkunst und Fleiß auf diese immerhin wenig dankbare Arbeit verwandten, so geschah dies lediglich aus dem seelischen Drange heraus, das, was man vom Werk eines deutschen Dichters besonders liebte, in den Lauten der eigenen geliebten Sprache nochmals erklingen zu hören. Denn richtiges geistiges Eigentum wurde es erst, wenn man es in hebräischer I Sprache besaß. Wenige Wochen vor Schillers Tod verstarb in Hamburg der um 39 Jahre ältere Naphtali Hirz Wessely, der Erneuerer der hebräischen Poesie. Es darf aber als sicher angenommen werden, daß Schüler von diesem seinem Zeitgenossen, obgleich er ein intimer Freund und Mitarbeiter Mendelssohns war, nie etwas gehört hat, wie ihm überhaupt clie geistigen Strömungen und Kämpfe unter den Juden gänzlich unbekannt geblieben sein dürften. In seiner Jünglingszeit kannte er einen jüdischen Geldmann, der ihn jedoch nicht übermäßig gerupft zu haben scheint. Nachher trat er in geschäftlichen Verkehr mit einem jüdischen Verlagsbuchhändler, über dessen Mangel an Geschäftskenntnis und Gewandtheit er sich in seinen Briefen mehr teilnahmsvoll bedauernd als entrüstet ausspricht. In Weimar kannte er einen jüdischen Hausierer und einen Bankier. Auch an einen jüdischen Medailleur in Berlin hat er einmal einen Brief gerichtet. Es war also der Jude in der landläufigen Gestalt, der ihm entgegengetreten war, und von dem er nach keiner Richtung irgend einen tieferen Eindruck empfangen konnte. Aus den abfälli- Ideologig der Leiiung der l. V. i. L\, die in der zionistischen Politik nach neuen Formeln sucht. Eine sofortige Aufnahme von politischen Verhandlungen mit der arabischen Exekutive müßte als ein Akt der Schwäche gedeutet werden; die Vorbedingungen sind eben nicht geschaffen, noch glauben die Araber, Kolonisation, Baifourdeklaration usw. gehen auf die volle Vernichtung des arabischen Elements aus, noch ist der gesamte Jischuw, — bis auf einige Intellektuelle aus dem Brith Schalom — gegen sofortige Verhandlungen mit. Arabern. Die Opposition verurteilt daher entschieden die Haltung der «J. R.», die es für richtig erachtet, hinter dem «Brith Schalom« zu stehen und offene, oder versteckte Propaganda für Auswüchse eines Friedensapostels wie Dr. Hugo Bergmannn zu machen! Ausgeklügelt kalt reagierte die «J. R.» auf unser nationales Unglück. Sicherlich baut man mit Gefühlen keine Staaten, aber es sind Momente im Volke, wo auch die «Ncschume» mitsprechen muß und «Abgeklärtheit», «politische Reife» usw. natürlichen Gefühlsausbrüchen weichen müssen. Alle Zionisten, ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit, haben heute die Pflicht, hinter der Exekutive zu stehen und für eine Vereinheitlichung und Stärkung der Front zu arbeiten. Die regierungstreue Z. V. f. D. weicht aber heute selbst in prinzipieller Hinsicht von den Grundanschauungen der Exekutive ab. Die «J. R.» begnügt sich mit der Schaffung von «notwendigen Vorbedingungen», versucht erst unser Recht festzustellen und stellt sich auf der Suche nach neuen Formeln in einen gewissen Gegensatz zu den Resolutionen des A. C. Der bevorstehende Delegiertentag wird in der Araberfrage, in der Haltung des offiziellen Parteiorganes, in dem Gegensatz, in welchem die offizielle Parteileitung zu den Resolutionen des A. C. steht und in den Methoden der künftigen zionistischen Arbeit in Deutschland Klärung bringen müssen. Es besteht schon heute kein Zweifel, daß trotz der klaffenden Unterschiede unsere Organisation auch diesmal prinzipielle Meinungsverschiedenheiten und Differenzen ertragen wird. VERBAND ZJON. MITTELSCHÜLER UND JÜDISCHES ZENTRUM 0 SAMSTAG, 21. DEZ.. HALB 8 VHR. HOTEL POST L POSTGASSE GEDENKREDE: RABBINER Dr. FEUCHTWANG rr^rri^mrMmrrmintmrmmMTinnnrmtftiwimrm TRAUERCHOR: TOD IST EIN LANGER SCHLAF ORCHESTER: ELEGIE SPRECUCHOR: SEPH1RAH SOLO: OPERNSÄNGERIN MINA HABER ALS ALLEGOPJSCHE AUFFÜHRUNG: BONZE SCHWEIG VON I. L. PEREZ . RESTLICHE KAR¬ TEN VON S1.50 BIS S 3- BEI MOSES RATH. EINTRITTS¬ KARTEN FÜR JU- GENDLICHE S (AUSVERKAUFT) KÜNSTLERISCHE LEITUNG: KAW1NAR-KOESER Ztanisitsdfke t&e&ittx&ae&iiain XeopoUistaM Mittwoch, den 18. d., 8 Uhr abend?, im Festsaal des Hotel Continental 9rojEte bei der die Kultusrätc: Dr. Jakob Ehrlich, Dr. Desider Friedniann, Dr. Kleber, Dr. Josef Löwenherz, Kommerzialrat Markus, über die Tätigkeit der zionistischen Kultusmandatare Bericht erstatten werden. Jüdische Kultuswähler erscheint zahlreich! Britische Parlamentsmitglieder bilden ein pro-arabisches Komitee London. (J. T. A.)* Mitglieder des Parlaments wurden zu einer aan 12. Dezember sta,ttfindenden Zusammenkunft eingeladen, in der der in London weilende Sekretär der arabischen Exekutive und des obersten moslemitisohen Rates Palästinas, Jamal el Hussein!, über die Lage der Araber in Palästina referieren wird. Wie „Morning Post“ mitteilt, beabsichtigen die Kreise, die zur Aussprache mit Jamal Husseini einladen, ein Komitee zur „angemessenen Vertretung des arabischen Falles“ zu begründen. Wie bekannt, wurde im vorigen Monat aus Mitgliedern des Parlaments eine Gruppe gebildet, deren Ziel es ist, die Politik des Palästinamandates und die Kolonisierung Palästinas zu fördern. Vorsitzender dieser Gruppe ist Colonel Josiah Wedgwood, die Exekutive besteht aus dem früheren Kolonienminister L. S. Amery, dem früheren Kolonienunterstaatssekrotär Ormsby-Gore, Sir Martin Gonway, Sir Robert Hamilton, Major H. L. Nathan. James A. de Rothschild und Dr. George Sporo. Der parlamentarische Korrespondent von „Morning Post“ meint, daß Colonel Howard- Bury und etwa 20 Gleichgesinnte sich zu einer pro-arabischen Gemeinschaft zusammengetan haben, um dem parlamentarischen Pro-Palä* stinakomitee ein Gegengewicht bieten zu können. «SEE iiMMnMft i it limrän'MiW«Wl «rwa Samuel Stern, Präsident der Fester israelitischen Religionsgemeinde Budapest. (J. T. A.) Die Repräsentanz der Pester israelitischen Religionsgemeinde wählte Hofrat Samuel Stern zum Präsidenten der Gemeinde als Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen Hofrates Alad-ar Ka.ssab. 1 gen Urteilen über die Jaden als Volk, die wir in seiner Sendung Moses lesen, spricht nicht etwa seine persönliche Ueberzeugung, sondern die durchschnittliche Meinung jener Zeit über die Juden, wie sie sich damals jedem äußerlichen und oberflächlichen Beobachter danstellen mußten. Die Behauptung einiger zopfiger Schillerphiloloigen, Spiegelberg und Schufterle aus den Räubern seien als Juden gedacht, ist zu albern und geschmacklos, als daß man näher auf sie einzugehen brauchte. Was damals schon unter der häßlichen und verkümmerten Oberfläche gärte und der Teilnahme der Edelsten wohl wert war, hätte nur der wissen können, der sich, wie Lessing etwa, mit den Juden tiefer beschäftigt hatte. Dazu wurde aber Schiller nicht veranlaßt. Mendelssohn rechnet er einmal, obwohl er gegen ihn nicht ohne Ironie polemisiert, zu den «großen Denkern», aber auch eine Schrift von Salomon Maimon erwähnt er lobend. Von dem Sehnen und Sinnen der Juden wußte er so gut wie nichts. Wie hätte er also ahnen können, daß ihm weit außerhalb der Grenzen Deutschlands unter den polnischen und litauischen Juden eine zahlreiche Gemeinde glühender Verehrer erstehen und ihm mit unverbrüchlicher Treue anhängen würde, zu einer Zeit noch, als in seinem Vaterlande ein Mo-dephilosophe (Nietzsche) ihn ungestraft den «Moraltrompeter von Säckingen» würde höhnen dürfen! Schon im Jahre 1836 schrieb der nachher so berühmt gewordene Leipziger Professor Franz Delitzsch in seinem Buche; «Geschichte der jüdischen Poesie vom Abschluß der heiligen Schriften bis auf die neueste Zeit» folgende merkwürdige Worte; «Schiller wurde ihr (der heiligen Sprache) Ideal, Schiller, der noch heute der Lieblingsschriftsteller der jüdischen Ladendienerinnen in Oesterreich ist, dessen Don Carlos sie, wie nach ererbtem Geschmacke, für ihr liebstes Drama erklären, weil es sehr erhaben ist.» Aus diesen Worten des pietistisch angehauchten, im übrigen feinsinnigen und kenntnisreichen Theologen klingt die Ironie und der Vorwurf nur zu deutlich heraus. Hätte er aber eine genauere Vorstellung von der ganzen Ausdehnung des Uebels, sein Tadel wäre viel schärfer ausgefallen, und er könnte ihn heute noch mit demselben Nachdruck wiederholen. Seitdem die Kenntnis des Hochdeutschen sich unter den Juden Polens und Litauens ausbreitete, hielt auch Schiller unter ihnen seinen Einzug. Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war er der Liebling des Ghettos. Schiller las man hier nioht; man studierte, man «lernte» ihn, man konnte ihn auswendig, man vertiefte sich m ihn, man «forschte in ihm», wie man in den heiligen Schriften forschte. Schiller kannten junge und alte, Männer und Frauen; Jünglinge und Jungfrauen erbauten sich an ihm. Schiller war ihre heimliche Liebe, wenn sie hinter der Kaufmannslade standen, Endlich mußten sie anfangen, ihn zu übersetzen. -Kein deutscher Dichter, geschweige denn ein ausländischer, wurde so viel und so oft ins Hebräische übersetzt, wie Schiller. Es ließe sich bequem aus den vorhandenen, überwiegend in Zeitschriften verstreuten Uebersetzungen eine hebräische Ausgabe nahezu aller bedeutenderen Gedichte Schillers, besonders der zweiten und dritten Periode, wie auch aller seiner Dramen, bis auf drei, endlich mancher seiner prosaischen Schriften veranstalten. Einzelne sind zwei- und dreimal übersetzt worden. Beinahe alle sind'als wohlgelungen zu bezeichnen, aber es gibt darunter. manche echte Perle der Uebersetzungskunst. Die nachfolgende Uebersicht ist vorwiegend aus dem Gedächtnis und gelegentlichen Notizen gemacht und beruht also nicht auf systematischen Untersuchungen; sie kann daher durchaus nicht den Anspruch erheben, erschöpfend zu sein. Das erste Gedioht von Schiller, welches ins Hebräische übersetzt wurde, dürfte wohl «An die Freude« sein; der Uebersetzer war Liepmann Moses Büschenthal; die Uebersetzung erschien im Jahre 1817 in der Berliner Zeitschrift «Jedklja». Eine größere Auswahl Schillerscher Gedichte in sehr schöner Uebersetzung veröffentlichte Dr. Meir Halcwi Letteris aus Przeinysl in Galizien, Wien 1852. Letteris, der sich als Lyriker einen guten Namen gemacht, lieferte (1862) auch eine Uebersetzung von Faust I. Teil. Mathias Simcha Rabener aus Lemberg hatte zur Zentenarfeier von Schillers Geburtstag (1859) ebenfalls eine Auswahl von dessen Gedichten ins Hebräische übertragen, die aber erst 1862 in Czermowitz herauskam und sechs Iahre iaaa»i>ite»sTwr,rwT^^