Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 104 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 104 D!£ STIMME Seite 5 TF^DPIOUII—I AI IQ Q CPUPIMÄ- Welhnadifs-Ohhaslonsverhaut ■ ■ I I ■■ I / \ w W llMMbll ^1 G. p6rSQT% Smyrna- und Inland-Teppiche — Vorhänge, VA/IETKJ Bauernmarkt 10-12-14 Mobeistoffe — Bett- und Tischdecken, Ueberwürfe — V V I Ci I \l VII., Mariallilferstraße Nr. 90 (Ecke Zieglergasse) Flanelldecken, Steppdecken, Inlaid-Linoleum Zum Präsidenten der Landesorganisation Dr. Jakob Ehrlich (einstimig angenommen); zu Mitgliedern des Landeskomitees: Dir. Siegfried Altmann, Dr. Z. F. Finkeistein, Dr. Desider Friedmann, Dr. Qificker (Provinz), Dr. Simon Händler, Meier Henisch (Hltachduth), Kammerrat Moritz Kohn, Dr. J. H. Körner, Ing. Otto Krasny, Dr. Josef Löwenherz, Bruno Rabinowitz, Dr. Henriette Rappaport (Wizo), Norbert Sachs (Provinz), Dr. Michael Steinberg, ferner je einen Vertreter der Jugend und der Stundentenschaft, die von den genannten Körperschaften namhaft gemacht werden. Zum Obmann des Parteigerichtes Dr. Dagobert Rybaczewsky, zum Pa r t ei a nwal t Dr. Artur Immerglück. Zu Mitgliedern des Parteigerichtes: Dr. Hermann Ebner, Dr. Leonhard Eckstein, Direktor Ign^z Guttma nn, Schaje Hor o witz, Dr. Alfred Lö wy, Dr. Willi S c h o r r, Dr. Moses S tö ck 1, Sau! W e i n r e b. Zu Mitgliedern der Keren Kajemeth- Komm i s s i o n: Adolf Böhm, Dr. Hermann E b n e r, Hof rat Dr. F u c h s, Simon G a s p a r d, Dr. Leo Goldhammer, Rosalie Leser, Simon P i cker, Fritz P i s i n g e r (Provinz), Dr. David R o t h b 1 u m, Aron Sternberg, Dr. Chaim Tartakower, Chanina Verständig, Saul W e i n r e b. In das Präsidium der Keren Hajessod- Kommission: Ludwig Bato, Adolf Böhm, Dr. Fritz E c k s t e 1 n, Dr. Josef G e 1 b a r d, Siegfried G r a u b a r t, Dr. J. H. Körner, Kommerzialrat Max Markus, Emil Nimhäuser, Dr. Abraham Sch mer 1 er, Dr. Marika Spiegel (Provinz). ln die F i n an z - und K o n t r o 11 k o m m i ss i p n: Direktor Ignaz G u 11 m a n n, Ignaz Müller, Salo S c ff m e r l e r, Josef S i n g e r. Zu Revisoren: Moses Rubin und Siegmund Wechsberg. Sämtliche Wahlvorschläge wurden einstimmig angenommen. Geber .Vorschlag des Permanenzausschusses wird angesichts der vorgenommenen Statutenänderungen beschlossen, den jetzigen Delegiertentag bis zum, ordentlichen Delegiertentag als Parteirat zu ‘ konstituieren. (Einstimmig angenommen.) Df. Fr i edm a n n erteilt sodann dem neugewählten Präsidenten Dr. Jakob Ehrlich das Wort, der vom Deiegiertentag mit großen Ovationen begrüßt wird. In seiner Ansprache erklärt Dr. E h r 11 c h, daß es ihm nicht leicht gefallen ist, dem Rufe, der an ihn ergangen ist, Folge zu leisten. Er hofft, daß wenn in wenigen'Monaten seine Funktionsperiode zu Ende gegangen sein wird, er es nicht bedauern wird, dem Appell seiner Freunde gefolgt zu haben. Das Landeskomifee ist als ein provisorisches gewählt und soll die Geschäfte der Partei bis zum nächsten ordentlichen Deiegiertentag führen. Aus diesem Grunde kann er heilte kein großes Programm entwickeln. Wenn es bloß gelingen wird, die Organisation zu konsolidieren, wird man wohl mit der Tätigkeit des Landeskomitees zufrieden sein müssen. Wenn .man die heutige Situation mit einer anderen vergleichen darf, so denkt man an die Zeit zurück, in der wir uns zum ersten Mal mit der Frage des Eintrittes in den letzten Kultuswahlkampf beschäftigt haben. Trotz der Depression, die anfangs herrschte, ist es damals gelungen, die Organisation zu einem so schönen Erfolg zu führen, was vor allem der ehrlichen und pflichtbewußten Arbeit unserer Mitglieder zu verdanken war. Man hat eben nicht vier debattiert, sondern gearbeitet Darum' soll man von der nächsten Zeit nicht große ideologische Auseinandersetzungen erwarten, sondern vor allem dafür sorgen, das tägliche Brot zu haben, das die Organisation braucht. D e r Segen de r Arb e i t w i r d s i c h dann auch bei uns ein st eil e n. (Großer Beifall.) Del. D l X« e n c z y k bringt namens der' Revisionisten folgende Resolution vor: «Der außerordentliche Deiegiertentag des zionistischen Landesverbandes für Oesterreich lenkt die Aufmerksamkeit der Zionistischen Exekutive auf die sich täglich verstärkende Propaganda zugunsten eines Parlamentes in Palästina, sowie auf die unverantwortlichen Aeußerungen und Verhandlungen verschiedener zionistischen Kreise. Der Deiegiertentag ist der Ansicht, daß es Aufgabe der zionistischen Exekutive ist, der britischen Regierung verständlich zu machen, daß die überwältigende Mehrheit der zionistischen Bewegung sich niemals damit einverstanden erklären wird, auf die Idee eines Judenstaates, einer jüdischen Mehrheit in Palästina zu verzichten, daß die jüdische öffentliche Meinung hinter dem Baseler Programm, der Balfour- Deklaration und dem unverkürzten Mandat einheitlich und geschlossen steht und daß die Zionisten den , Kampf für das Endziel nie umgeben werden.» Del. Silberherz (Hitachduth) spricht sich nur für die Abstimmung über den ersten Absatz aus. Die Delegierten Rath und Dr. Gelber sprechen sich für die Annahme der ganzen Resolution aus. In der darauffolgenden Abstimmung wird die Resolution einstimmig angenommen. Dr. Friedmann schließt in später Nachtstunde die Tagung mit einer kurzen Ansprache, in der er auf die Konsolidierung der Partei und die großen Arbeiten des außerordentlichen Delegiertentages hinweist. In gehobener Stimmung verlassen die Delegierten den Konferenzsaal. Zwischen den Zeilen Delegierbeniag Seien wir ehrlich, vorher hätten wir Angst. Vorher .herrscht Kleinmut. Die Desorganisation wuchs von Tag \zu Täg. Und seien wir froh: nach dem Deiegiertentag können wir mit Hoffnung irt Sie Zukunft blicken. Die Krise wurde überwunden. Die Organisation neubelebt. Von 3 Uhr nachmittägs bis Mitternacht hat man ein riesengroßes Pensum absolviert. Der Todeskrankheit, die an der zionistischen Organisation in Oesterreich fraß, wurde der Todesstoß versetzt. Keine großen Worte, keine schwunghaften Phrasen, keine Debattenleere — Sachlichkeit, Ruhe, Objektivität waren die Merkmale unserer letzten Tagung. Die Leitung haben die richtigen Männer übernommen. Männer des Vertrauens und der Arbeit, des starken Willens und der Bereitschaft zur alltäglichen, aber lebenswichtigen Betätigung, Mähner, die fest entschlossen sind, die Organisation zu befestigen und auszubauen und die Wiedergeburtsidee innerhalb der jüdischen Bevölkerung dieses Landis zu einer Volksbewegung zu machen. Wir wünschen, wir hoffen, wir glauben, wir sind überzeugt: es wird nun anders werden. Eine neue Epoche im österreichischen Zionismus beginnt. Die Epoche der Gesundung und Erstarkung. Sem. ■ TRINS SchneUzugsUHon Stelntch am Brenner. WundtrschSnaa Sklgelintfa mtt geistigen SchnaevertUHtnlasanvan Milt« Dezember bis End« Mlrz. Skikurse, Rodelbahn, Eis* laufplatz. Behaglicher Aufenthalt im HOTEL UND PENSION" TRIMERHOF 1214 m U. d. M, In sonniger Lage, neu er* beut, modern und gediegen «Ingerichtet, 60 Betten, flleBendee Kalt* und Warm* wasur, Zentralheizung und BBder. Erst* Massige Wiener Küche. Pensionspreis ab Mk. 7.20. Auf Verlangen Prospekte, Große Trauerktmdgebung für Dr. Leon Reich Dienstag, den 10. Dezember, fand im Festsaale des Hotel «Continental» eine große Trauerkundgebung für Dr. Leon Reich statt, die vom Zionistischen Landesverband für.Oesterreich gemeinsam mit der «Vereinigung jüdischer Hocfoschüler polnischer Staatsbürgerschaft» veranstaltet wurde. Der Saal war überfüllt. Alle Anwesenden lauschten tief gerührt den Ausführungen der Redner, welche den Lebenslauf, die Bedeutung, die aufopfernde Tätigkeit und die großen Verdienste, des frühzeitig Verstorbenen würdigten. ■ * Dr. Desider Friedmann begrüßte namens des Zionistischen Landeskomitees die Erschienenen, unter anderem den polnischen Generalkonsul M or a w s k i, Legationssekretär J e 1 e n s k i und die Verwandten Dr. L e o n R e i c h s. Als erster sprach im Namen der Studenten Herr Frenkel, der im Verstorbenen einen großen Freund der jüdischen Stundentenschaft würdigte und von der großen Trauer sprach, welche die jüdischen Numerus-Clausus-Studente,« ergriffen hat. Löbel Taubes hob den Mut Dr. Reichs hervor, welcher schon als Jüngling den Kampf um die nationale Idee begonnen hatte. Sein Andenken können wir am besten dadurch ehren, daß wir die von ihm begonnene Tätigkeit bis zum Erfolge weiterführen. Nach Taubes sprach Dr. F1 n k e 1 s t e} n. Er schilderte in beredten Worten die menschliche Silhouette Reichs, sein anscheinend paradoxes und in WirklichKeit harmonisches Wesen, die merkwürdige und bezaubernde Zusammenschmelzung eines Volksführers und Lebenskünstlers in einer Person. % ■ Union der Zionisten-Revisionisten Montag, den 16. Dezemher, halb 8 Uhr abends, i Cate Arkaden, Souterrainsaal ■ Versammlung j „Gegen die Politik des Brith Schalom“ 8 Zionisten, erscheint ln nassen! 8 um ■ IS! Außergewöhnliche, starke Vitalität war das wichtigste Merkmal von Reichs Persönlichkeit. Er ist uns noch allzu gegenwärtig, um ihm eine Trauerrede halten zu können. Seine wahre Größe wird sich erst nach seinem Tode an den Früchten seiner Tätigkeit offenbaren. Dr. G e 1 b e r besprach das Milieu und die geistige Atmosphäre der Zeit, in welcher Dr. Reich für sein Volk zu arbeiten begann. Er war ein Revolutionär im vollsten Sinne des Wortes. Dem damals vorherrschenden Assimilationsgedanken lieferte er einen Kampf auf Leben und Tod — und siegte. Die Massen konnte er wie kein anderer packen. Indem er über ihre Alltagsbedürfnisse sprach, verstand er doch immer, die Zuhörer in die Sphäre der höheren nationalen Sorgen und Forderungen emporzureißen. Besonders große Verdienste erwarb er sich als derjenige, der die Macht der «Kahals-Cliquen» gebro-; chen hat. Als letzter sprach Dr. Löwenherz: Der Tod: Dr. Reichs bedeutet einen unersetzlichen Verlust für das jüdische Volk in Polen, die zionistische Weltorganisation und seine polnische Heimat, der er immer m dienen bemüht war. Reich hat kurz, aber nicht umsonst gelebt. Er war ein Liebling der Götter und der Menschen und eine personifizierte Lebenskraft. In überaus rührenden Worten sprach' dann Dr. Löwenherz über den letzten Wunsch Doktor Reichs, den er knapp vor dem Tode seiner Gattin und seinen Kindern aufgetragen hatte: nach Palästina zu übersiedeln. Dr. Reich war es nicht gegönnt, im Heiligen Lande zu sterben. Nur symbolisch wurde er im palästinensischen Boden gebettet, indem man ihm ein Säckchen dieser von ihm heißgeliebten Erde mit ins Grab mitgegeben hat.. * Trauer um Dr. Reich London. (J. T. A.) Die Londoner Zionisten und die Föderation polnischer Juden in England hielten aus Anlaß des Ablebens von Dr. Leon Reich eine Trauerkundgebung ab, in der Prof. Chaim Weissmann, der Präsident der Jewish' Agency, Lehen und Arbeit von Dr. Reich würdigte. Warschau. (J. T. A.) Der jüdische Parlamentsklub hielt eine Trauersitzung aus Anlaß des Ablebens seines Mitgliedes und früheren Vorsitzenden Dr. Reich ab. Die Gedenkrede hielt der gegenwärtige Klubvorsitzende J. Grünbaum. Dr. Aron Wolf Nachfolger Dr. Reichs im Sejm (Eigenbericht der „Stimme“.) Aus Lemberg wird uns berichtet, daß das Sejmmandat des verdorbenen Dr. Leon Reich f. A. als Nächftfolgender auf der zioniftifchen Lifte Dr. Aron Wolf übernehmen wird. Doktor Wolf ift ein bekannter Lemberger Chirurg, der an dem Verdorbenen die Blinddarmoperation vollführte. WHiHwiiiiiHiHiHiiiiiiMimiimiiiiiiiiiiiimiiiniiHniMiiiiiiiiiMiiimHHmiifiHHiiiHHimiW Demonstrierende jüdische Arbeiter in Warschau beschossen Warschau (J. T. A.) In Warschau demonstrierte die im „Bund“ organisierte jüdische Arbeiterjugend gegen Faschismus und Diktatur, und für Demokratie. Als einer der Arbeiterzüge die Novolipiegasse überqueren wollte, kamen ihm von beiden Seiten Polizeiabteilungen entgegen. Der Zug begann sich daraufhin freiwillig aufzulösen. In diesem Augenblick fielen voi* verschiedenen Seiten Revolversohüsse, einer der jüdischen Demonstranten, der 17jäHrige Stubenmaler Joschua Grinwald, fiel tot hin, mehrere andere wurden verletzt.