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Die Stimme · 1929-12-12 · Heft 104 (12.12.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 104 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 104 DIE STIMME Seile 3 LOYD r; y: DIREKTE LINIE TMIEST-JAFFA-HAIFA mit den vomigliclien Salonschiffe.il «Adria» und «Carnaro». Fa Md au er 5*4 Tage. Fahrpreise: I. Kl. I.st. 22 — II. KI. Lst. 15.—, III. KI. Lst. 5.— inkl. Bett und Verpflegung. Für CHaiusIm und TourlsCengaselffscheffen be«ond«re Ermäßigungen. Für Einr.eireisendt kostet die Fahrt: nach Palästina und zurück in der III. Klasse inkl. Kabine und Verpflegung bloß iisterr. Schilling 348.—. Auskünfte Lloyd Trieetino, Wien I, Kärntner ring 6 Klagemauer, die sich auf einer Stelle im Koran gründet, in der die Grenzen der Moschee angegeben sind. Diese Grenzen, sagte der Mufti, schließen nicht allein die Klagemauer, sondern auch das Pflaster vor derselben ein. Als Beweis für die jüdischen Aspirationen auf das Tempelgebiet führte der Großmufti die Misrach- Bilder, einen angeblichen Ausspruch Lord Melchetls, daß er sein Leben dem Wiederaufbau des Tempels widmen wolle — der Mufti sagte, er glaube nicht, daß Melchetts Worte nur symbolisch gemeint waren —-, ferner Albert Einsteins angebliche Erklärung, daß das Judentum ohne Tempel wie ein Körper ohne Kopf sei, an. Am Nachmittag begann das Kreuzverhör mit dem Großmufti durch den Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merrinian. Es kamen die Resolutionen der moslemit-ischen Konferenz vom Oktober 1928, betreffend den Schutz der Heiligen Stätten, zur Sprache. Der Mufti, der in dieser Konferenz den Vorsitz führte, hatte in seiner Ansprache ausgeführt, die Juden trachten darnach, die Heiligen Stätten in ihren Besitz zu bringen. . Auf eine Frage des Anwaltes der Araber, Stoker, erklärte der Mufti, seiner Meinung nach könne eine Wiederholung des Blutvergießens verhindert werden, wenn die. Balfour-Deklaration abgeschafft und eine nationale Regierung eingesetzt wird, die einem Parlament verantwortlich ist. Für die letzten Unruhen sei die zionistenfreundliche Politik der Regierung verantwortlich; den 'unmittelbaren Anstoß zu den Unruhen gab die jüdische Demonstration. Im weiteren Verlauf des Verhöres erklärte der Mufti, er glaube bestimmt, daß die Juden den Tempelhügel besetzen wollen. Als Sir Boyd Merriinan wissen wollte, worauf sich dieser sein Glaube gründet, wies der Mufti ein Exemplar einer jüdischen Neujahrs-Glückwunschkarte mit dem Bilde der Omar-Moschee vor, ferner kleine Papierfähnchen, die die jüdischen Kinder am Simchat-Thora-Feste tragen, auf denen Gesetzesrollen in offener Thoralade und im Hintergrund das Bild der Klagemauer aufgemalt sind. Dieses Bild, sagte der Mufti, symbolisiert den Wunsch der Juden, ein offenes Portal von der Klagemauer zum Tempel zu gewinnen. Es erregte Heiterkeit, als der Anwalt der Zionistischen Exekutive ein gleiches Fähnchen, das im Hintergrund die David-Zitadelle statt der Klagemauer zeigt, vorwies. Das Kreuzverhör, dem der Anwalt der zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, den Mufti unterzog, dauerte nicht weniger als sechs Stunden. Obwohl der Mufti fortwährend aufreizende Reden hielt, aus deren Inhalt man schließen konnte, daß er sich mit den Kreisen, die den aktiven Widerstand gegen die Regierung und das zionistische Werk predigen, solidarisiert, war aus ihm nicht ein klares Geständnis herauszubekommen, daß er durch sein Verhalten vor den Unruhen zum Ausbruch dieser Unruhen direkt beigetragen hat, wie es die Zionisten glauben. Im Gegenteil, er behauptete fest und bestimmt, daß er bemüht war, die aufgeregten Gemüter zu beruhigen. Der Mufti verbreitete sich in seiner Aussage weitschweifig über die Plünderung der kleinen Moschee im jüdischen Viertel von Jerusalem, der SIchron-Moschee, und hielt langatmige Ansprachen an die Mitglieder der Kommission über das angebliche seinerzeitige Versprechen der Engländer an die Araber. Noch immer die «Weisen von Zion» Nach der Vernehmung des Großmufti nahm die Untersuchungskommission ihre halböffentlichen Sitzungen im Alten Zollhause wieder auf. Der Anwalt der arabischen Exekutive, W- H. Stoker, brachte wiederum das Pamphlet «Protokolle der Weisen von Zion» zur Sprache, das der Mufti der Kommission vorlegte und dabei seinen Glauben an die Echtheit der «Protokolle» bekundete. Sir Boyd Merriman be- Dos einer fritieren feltenen jJrmtRjcit ßn lni.icucr.icr ^erbteihmg betroffen, ©in großer 5Eeit ber aJiiinncr, bie baä 40. SebcnSjaljE überfdjriftcn Ijabcn, Ictiret an 9lbernber!aIIung. 3)ie SJlutgcfäfee )inb occDiat, Die SBanbimgen bet ©cfä&e Ijafren ifjrc frühere ©laitigifät berieten. 2>ie ftolgc N-rfcr S?eränbenmgen an hn SBIutgcfäften, toie häufige Äopffdjntcräen, SBenuinmen? beit, <3cf)tbin'beTßefiihI, Störung be? ©eDäcfihiijic? uui> i m ber Sarmtätigleit, nab bic Dielen Jfllteröerfcficinungen Tinberirabiutnljanige?, frei berfftufhtheo 31 a b i o» f H c r i ii. föabhmtgdjalt amtlich gepnip. 2) c p o t *it n b Stu§luuft: Hbotljcte 23aijer, Söicn, 1. SÖolL,citc 13. IjJrofpcltc gtaH? unb fraitfo. zeichnete in der öffentlichen Sitzung nochmals die «Protokolle» als Nachahmung der Niederschrift eines zwischen * MacchiaveUi und Montesquieu in der Unterwelt geführten imaginären Gespräches. Er übergab der Kommission Materialien, darunter einen Leitartikel der Londoner «Times», in denen die Protokolle als eine plumpe Fälschung entlarvt wurden. Ein deutscher Zeuge Als Zeuge erschien dann vor der Untersuchungskommission der Architekt Otto Lutz, ein Mitglied der deutschen Kolonie in Haifa, der gesehen haben will, wie am 27. August junge Leute aus der jüdischen Vorstadt Bath Galim auf die ihm unterstellte Gruppe von 35 Arbeitern geschossen haben. Sir Boyd Merriman wies darauf hin, daß diese Schießerei einen Tag nach dem zurückgewiesenen Angriff der Bewohner des Dorfes Tireh auf Bath Galim vorgeqooqocoooooqoooco&xxiooocco&gooocqqoog DER GROSSE HEIMATF8LM DER FREIHEITSKAMPF DES TIROLER VOLKES . mit Fritz Greiner, Mali Delschaft, Grit Haid, Oskar Marion, Carl de Vogt AB 13. DEZEMBER m DEN WIENER KINOS 0 MONOPOL:-^ HAUK ff ILM cax>Q(xxxKxmxxxmxxmx)cooo(mm2» kommen sei, so daß die jungen Leute in dem Glauben sein konnten, daß sich ein neuer Angriff auf Bath Galim vorbereite. Die Scheichs von Beisan und Beersheba Der Oberscheich des Beisan-Distriktes im Norden Palästinas, Emir Beshir Chazewieh, und der Oberscheich des Distriktes Beersheba im Süden, Fareih Middeen, erschienen am 6. Dezember vor der Untersuchungskommission. Emir Beshir Chazewieh stellte sich der Kommission als der Herrscher über 40.000 Stammesangehörige in Palästina und 60.000 in Transjordanien vor. Beide Scheichs erklärten, die «Zionistische Politik» der Palästina-Regierung müsse die Auswanderung aller Araber aus Palästina zur Folge haben. Emir Chazewieh erzählte, er habe auf Ersuchen König Feisals im Kriege 800 seiner Reiter den Briten zum Kampfe gegen die Türken zur Verfügung gestellt, heute aber unterdrückt eine britische Regierung die Beduinen, nimmt ihnen ihre .Waffen weg und schließt die von den Türken begründete Landwirtschaftsbank. Die Juden kaufen den Boden auf und werden schließlich das ganze Land okkupieren. Scheich Fareih Middeen, der Mitglied des vom ersten Oberkommissär Sir Herbert Samuel errichteten Advisory Council gewesen war und der den Sohn Sir Herbert Samuels, Herrn Edwin Samuel, an seinem Hochzeitstage im Sommer 1920 zu einem Beduinen- Scheich ernannt hatte, klagte vor der Kommission, daß die Beduinen, ihres Weiderechtes und sonstiger Privilegien beraubt, allmählich an den Bettelstab gebracht werden. Er sei aus dem Advisory Council ausgeschieden als ihm klar wurde, daß Sir Herbert 1 Samuel die Juden begünstige und daß alle eingehenden Steuern für Straßenbau und für Unterstützung jüdischer Arbeitsloser verausgabt werden. Während der ganzen Nachmittagssitzung bemühten sich die Anwälte der arabischen Exekutive nachzuweisen, daß das erste an dem verhängnisvollen Freitag, dem 23. August, gefallene Opfer ein Araber war. Die amerikanisch-jüdischen Arbeiter für Palästina New York. (J. T. A.) Die Konferenz des Palästinakomatees der, jüdischen Arbeiterveri . 7>1 Die gute Marke HOMO.eoRD Der Schlager der Saison Alle anderen jüdischen und hebräischen elektrischen Aufnahmen. Radio- und Rundfunkgeräte. bände Amerikas hat eine Resolution gefaßt, in der die Palästinaregierung als für die letzten Ereignisse in Palästina verantwortlich getadelt, der heroischen Verteidigung seitens der jüdischen Arbeiter Palästinas die Bewunderung ausgesprochen und an diese Arbeiter appelliert wird, auf ihren Positionen auszuharren. Die Konferenz beschloß, im Verlauf des Jahres 1930 500.000 Dollar für das Werk der. jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu sammeln und 100.000 Arbeiter als ständige Beitragsleistende für dieses Werk zu organisieren. An der Kampagne zur Aufbringung der ,500.000 Dollar werden sich'die soeben in New York eingetroffenen prominenten Führer der - Palästina-Arbeiterschaft Juris und Dein beteiligen. Die Palästinakonvention der jüdischen Ar* beiterverbände Amerikas wurde mit einer , großen öffentlichen Kundgebung abgeschlossen, in der der kürzlich aus Palästina zurückgekehrte Chefredakteur der großen New Yorker Tageszeitung „Vorwärts“, Ah. Cahan, die Dichter Sohalom Asch und David Pinsky Ansprachen hielten. Die Konferenz der jüdischen Sozialisten Amerikas New York. (J. T. A.) Die Föderation der jüdischen Sozialisten Amerikas hieltsoeben ihre Jahreskonferenz ab. Sichert, ein Führer der jüdischen Arbeiterpartei „Bund“ in Polen, hielt eine Ansprache, in der er sich gegen die infolge ^der Palästinaereignisse entstandene „Sentimentale Hysterie der Massen“ wandte und die jüdischen Sozialisten davor warnte, in eine palästinafreundliche Romantik zu verfallen. Der angesehenste Führer der jüdischen Sozialisten Amerikas, Ab. Cahan, trat den Ausführungen Sieberts entgegen und appellierte an die Konvention, keine Resolution gegen das Palästinawerk zu fassen. Schließlich nahm die Konvention mit einer Mehrheit eine Resolution an, in der den Opfern der Palästinaunruhen die Sympathie ausgesprochen, gegen die Rädelsführer der Exzesse sowie gegen diejenigen protestiert wird, die die Pogrome nicht verhindert haben, obwohl dies in ihrer Macht lag. Wenn wir auch, heißt es in der Resolution weiter,, über die Ereignisse in Palästina Trauer empfinden, so ändert dies nicht unsere Haltung gegenüber dem Zionismus. Nach wie vor sind wir tief davon überzeugt, daß Palästina eine Losung der Judenfrage nicht mit sich bringen könne. Die nationale Emanzipation der Juden geht in jedem Lande Hand in Hand mit der allgemeinen Befreiung der Massen. Palästina kann nicht das jüdische Nationalheim werden. Wenn wir aber auch dem Zionismus in allen seinen Formen widerstreben, sind wir dennoch an dem Schicksal der Juden Palästinas, besonders der jüdischen Arbeiter dieses Landes, interessiert und wir wollen ihnen ebenso wie den jüdischen Massen anderer Länder helfen. Repressalien gegen den llechaluz Moskau. (J. T. A.) Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Emess“, Organ der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, fordert schärfste Repressalien gegen die in den jüdischen Kolonien noch verbliebenen Oh&luzim.

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