Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 104 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SeH*”2 DIE STIMME nt. m Donnerstag, den 19. Dezember, ^8 Uhr abends, Großer Konzerthaussaai, veranstaltet der «Verein der Freunde des arbeitenden Palästina in Wien» cjiren ftdrivamsl: JL SrfvatfsdtewsltA 1. Teil: Musik. Ui' ■ jüdischer KwnMntrnuisjlcwerke innd Klaviefteoropositkjnien, üeiltovorträgie, Gesanigsvortragie. Es >. '-’reu mit: J. Stutsohewskii, J. Brandalarm, B. Ginrpel, Fräniein Oli. Spektar. I£filKftarfl«erlscla4e IcsItfiMBBg: «itotnfrwul B£ar«ltu« II. Teil: Tanzdarbietungen. Uraufführung eines biblischen Zyklus «Frauengestalten», ausgeführt von Gertrud Kraus und ihrtf Tanzgruppe. Der gesamte Reinertrag wird dem Palästina-Arbeiterfonds ln Tel-Aviv überwiesen und dient vor allem dem Wiederaufbau der anläßlich der letzten Vorfälle in Palästina' zerstörten Arbeiterwlrtschaften. Kartenvorverkaiuf: Konzerthauskasse, Sekretariat des Vereines, II., Tandelmarktgasse 10, Tür 9 (7 bis 8 Uhr abends), Kartenbureau «Aida», Jf., Taborstraße 1, Buchhandlung Rath, H., Tabor Straße 10, «Hechaluz», 1., Kärntnerstraße 28. Die Arbeiten der Untersuchungskommission Nach dem Delegiertentag Der 8. Dezember wird zu den denkwürdigen Tagen in der Geschichte unserer österreichischen Organisation zählen. Der Delegiertentag, der ein außerordentlicher gewesen ist, hat trotz der Kürze der Zeit nichtige Aufgab i.i erfüllt, die geeignet sind, die Zustände in der Landesorganisation zu konsolidieren und eine Konzentration aller Kräfte für große gemeinsame Arbeiten in unserer Bewegung ins Leben zu rufen. Das Hauptproblem des Delegiertentages war die Aenderung des Wahlmodus zu unseren Tagungen. Seit langem beschäftigte unsere Organisation die Frage eines einheitlichen Wahlkreises. Es war daher ein kluger Schritt des Delegiertentages, dieser Forderung entgegenzükommen, um ein seit längerer Zeit vorgebrachtes Gravamen, als ob unsere Parteiinstanzen nicht auf demokratischer Grundlage gewählt werden, aus der Welt zu schaffen. Die nun beschlossene Zusammenlegung der zionistischen Bezirkasektionen und der im Rahmen des Landesverbandes organisierten Sondervereinigungen Wiens, in einen Wahlkreis ist sicherlich in organisatorischer Hinsicht eine einschneidende Reform, die nach dieser Neuordnung der Bewegung große Dienste erweisen kann. Wenn hierin auch kein alleiniges Heilmittel für die Sanierung der Organisation zu erblicken ist, so kann diese Wahlordnung zur Pazifizierung beitragen und neue Aussichten auf eine weit ausgedehnte zionistische Betätigung eröffnen. Der Delegiertentag hat allerdings nur mit den in der Organisation zusaimnengescklossenen und zu ihr in zionistischer Loyalität haltenden Gruppen und Vereinigungen gerechnet und in diesen Belangen nur ihre Forderungen berücksichtigt. Die Bahn für eine zioiustische Betätigung ist nun jedermann freigegeben, wie auch die Möglichkeit, in die zionistische Arbeit tätig einzugreifen. Der Delegierten tag hat den klaren Beweis erDracht, daß die Landesorganisation trotz der vielen Stürme und Kämpfe ungebrochen dasteht und Über wertvolle Kräfte verfügt, die, von einer aktiven Leitung geführt, die zionistische Bewegung in Oesterreich neu beleben könnten. Das neue Landeskomitee mit Dr. Jakob Ehrlich, einer seit 30 Jahren in den vordersten Reihen unserer Weltbewegung aktiv tätigen Persönlichkeit, an der Spitze, ist nun berufen, die organisatorischen Grundlagen zu stärken und alle Kräfte innerhalb des Landesverbandes für die zionistische Arbeit zu konzentrieren. Mit diesem Delegiertentag ist nun der Kampf um die Formen der Organisation als beendet zu betrachten. Jetzt gilt es, alle Kraft den großen Aufgaben unserer Bewegung zu widmen. Die Verhältnisse in Palästina, die politische Situation unserer Weltorganisation machen es jedem ernsten Zionisten zur Pflicht, den bisnun geführten Kleinkrieg um formalistische Angelegenheiten, die vor unserem großen Aufgabenkreis verblassen, endgültig aufzugeben und mit einer ernsten Tätigkeit einzusetzen. Probleme der Jugenderziehung, Fragen, die mit der Aufbringung der für den Aufbau Palästinas nötigen Geldmittel Zusammenhängen, die Notwendigkeit einer Erneuerung unserer Kulturarbeit, sollen jedem Zionisten ins Gewissen sprechen und zur Arbeit anspornen. Das neue Landeskomiteo wird daher die Aufgabe haben, die Organisation auf diese großen Probleme, nicht minder aber auch auf die Notwendigkeiten des zionistischen Alltags hinzuweisen und in das zionistische Leben neues Fluidum zu bringen. Der Deiegiertentag, der von Sachlichkeit und zionistischem Geist beherrscht war, hat den Beweis erbracht, daß in uns allen der feste Wille vorherrscht, über den kleinlichen Kampf hinaus wirkliche zionistische Arbeit zu leisten. Disziplin und vollstes Verantwortungsgefühl sind aber die Hauptvoraussetzung für die neue Aera zionistischer Betätigung in Oesterreich. Wird die Konzentration aller Kräfte auf dieser Grundlage erfolgen, dann ist die Krise überwunden und der Landesorganisation eine entwicklungsfähige Zukunft gesichert. Der einzige IJcberlcbendc der Familie Macleif verhaftet Jerusalem. (J. T. A.) Olmjiiri Mac leib, der einzige lieber lebende der beim arabischen Angriff auf Moza abgeschlachtoten jüdischen Familie Macieff, wurde verhaftet, nachdem er gestand, daß er einen der arabischen Mörder seiner Familie geschlagen hatte. Chajim Macieff wurde gegen eine Geldbürgsohaft vorläufig aus der Haft entlassen. Arabische Zeugen Nachdem in den letzten Tagen vor der britischen Untersudiungskommis-sion arabische Wirtschafter zu Wort kamen, die darzulegen versuchten, daß die Juden die Wirtschaft Palästinas herunterbringen, begann nun der Aufmarsch jener arabischen Zeugen, die sich zum Sprachrohr der politischen Befürchtungen der Araber machen. Haj Tewfik Hammad, der frühere Bürgermeister von Nablus, erklärte vor der Kommission, jeder Araber in Palästina sei überzeugt, daß die Juden das ganze Land in Besitz nehmen und ihren Tempel wieder aufbauen wollen. Die Zionisten haben zwar das Churchill-Weißbuch angenommen, aber sie wollen sich nicht an das Weißbuch halten. Nur wenn die Juden sich mit der Errichtung eines Parlaments in Palästina einverstanden erklären, werden sie mich davon überzeugen, daß sie nicht Palästina ebenso jüdisch machen wollen wie England englisch ist. Sir Walter Shaw fragte den Zeugen, welchen Grund er habe, von den Zionisten anzunehmen, daß sie unaufrichtig sind. Darauf BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S biet«t Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. D e u t s ch-J u d ai c a in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Deu ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr ftui* S 3«— Keine Baödgebühr erwiderte der Zeuge, wenn die Zionisten mit ihrer jetzigen Politik fortfahren, so werden sie früher oder später doch das ganze Land besitzen. Ein von den Arabern geführter Zeuge, der Jaffaer Orangenzüchter Alfred Roch, sagte aus, er habe am 4. Oktober d. J. einer jüdischen Versammlung in Straßburg beigewohnt, in der Ussischkins Appell nach neuem Boden und neuen Menschen verteilt wurde. Diese Aussage kommentierte der Araberanwalt Silley durch die Bemerkung, es gelte nachzuweisen, daß die Zionisten die Unruhen provozierten, um mehr Geld zu bekommen. Der «arabische Jabotinsky» vor der Unterauchungskommiscion Vor der Kommission erschien, von den arabischen Anwälten zitiert, ein junger arabischer Führer, Subhi Khadra, Advokat und Mitglied der arabischen Exekutive. Man nennt ihn allgemein den «arabischen Jabotinsky». Sir Boyd Merriman, der Anwalt der Zionistischen Exekutive, sagte bei Beginn der Vernehmung dieses Zeugen frei heraus, daß Subhi Khadra einer der Agitatoren war, denen das Blutvergießen im August zur Last fällt. Subhi Khadra behauptete, daß seit dem Tage, an dem der junge Jude Misrachi erdolcht wurde, und dem Tage des Beginnes der Unruhen in Jerusalem die Polizei nichts anderes zu tun hatte, als Araber auf Grund jüdischer Klagen zu verhaftet: und alle von den Arabern vorgebrachten Klagen zu ignorieren. Subhi Khadra berichtete, er sei einer der drei Moslemiten gewesen, die mit den jüdischen Repräsentanten Ben Zvi, Dr. Braude und Dr. Levy am Vorabend des Unruhetages im Hause des Chefsekretärs H. C. Luke zusaminentrafen, um den Erlaß einer Proklamation zur Beruhigung der Massen zu erwägen. Er behauptete vor der Kommission, daß die Juden das Ziel der Beratung so verstanden haben, daß die arabischen Repräsentanten zu der Versammlung gekommen waren, nicht um über die Herstellung guter Beziehungen zwischen Juden und Arabern zu diskutieren, sondern um die Frage der Klagemaiier zu lösen. Sir Boyd Merriman widerlegte prompt diese Behauptung Khadras, indem er auf die Aussage des Chefsekretärs Luke vor der Kommission hinwies, wonach die jüdischen Repräsentanten ausdrücklich erklärt hatten, sie seien nicht ermächtigt, über eine Lösung des Klagemauerproblems zu verhandeln, sondern einzig und allein über den Erlaß einer gemeinsamen Proklamation zur Beruhigung der erregten Völksmassen. Subhi Khadra entgegnete darauf, die moslemitischen Vertreter seien nicht in der Lage gewesen, Dr. Braudes Entwurf einer versöhnlichen Kundgebung an die Bevölkerung in Erwägung zu 2iehen, weil das Verrat gewesen wäre. Er, Khadra, habe sich zu einer Fahrt durch das Land begeben, um die außerhalb Jerusalems lebenden Mitglieder der arabischen Exekutive zu einer außerordentlichen Sitzung einzuladen. Demgegenüber erklärte Sir Boyd Merriman, Subhi Khadra habe auf dieser Fahrt zum Aufruhr aufgestachelt. Khadra wurde sehr verlegen. Ihr Ziel, rief Sir Boyd dem Zeugen zu, war, in allen diesen Orten die Bevölkerung aufzuhetzen. Denken Sie, was Sie wollen, erwiderte der Zeuge. Als Sir Boyd den Zeugen darüber befragte, ob für den Ausbruch der Jerusalemer Unruhen eine bestimmte Zeit vorgesehen war, erwiderte Khadra: Fragen Sie Ihre Klienten. Sir Boyd erwiderte: Ich will eine Antwort hören, nicht eine Unverschämtheit! Schließlich sagte Khadra, er glaube nicht, daß überhaupt eine Unruhcabsicht bestanden habe. Sir Boyd fragte den Zeugefi, der den Protest gegen Sir John Chancellors Proklamation mit Unterzeichnete, ob das, was in Hebron geschah, Krieg oder Mord war. Ich weiß es nicht, erwiderte der Zeuge. Uebrigcns wurde auch in Jaffa eine arabische Familie abgeschlachtet. Sir Boyd wiederholte die Frage: Sie, als Mitunterzeichner des Protestes, müssen es sagen: war das, was in Hebron geschah, ein fairer Kampf oder ein gemeiner Mord? Darauf der Zeuge: Herr Cafferata (der Polizeichef von Hebron in der Zeit der Unruhen) ist die Person, an die eine solche Frage zu richten wäre. Sir Boyd: In dem von Ihnen mitunterzeichneten Proteste wird behauptet, daß in Hebron ein Volksaufstand War. Subhi Khadra: Unsere Ableugnung der jüdischen Beschuldigungen über Scheußlichkeiten gründete sich auf die Aussage des britischen Arztes des öffentlichen Gesundheitsöepartements. Da der Zeuge auf die Fragen Sir Boyds immer ausweichende Antworten gab, ersuchte Sir Henry Betterton den Dolmetscher, m den Zeugen die präzise Frage zu richten, ob er meine, daß die in Hebron begangenen Tötungsakte als Mord zu bezeichnen seien. Diese Frage beantwortete der Zeuge mit «Nein». Darauf das Kommissionsmitglied Hopkins Morris: Waren es vielleicht Selbstmorde? Khadra: Es waren keine Selbstmorde. Die Kommission beim Großmufti m den Räumen des im Hause des Großmuhi untergebrachten Moslemitischen Religiösen Gerichts erschienen die Mitglieder der Untersuchungskömmission und die Anwälte, um den Großmufti über die unmittelbaren Ursachen der palästinensischen Unruhen und über seine Rolle bei diesen Unruhen zu vernehmen. Der Mufti erklärte, auf Befragen des Anwaltes der Araber, Stoker, er glaube an die Echtheit der «Protokolle der Weisen von Zion». Der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, trat der Erklärung des Großmufti durch die Richtigstellung entgegen, daß die sogenannten «Protokolle» bereits als Fälschung entlarvt worden sind. Der Mufti kam dann auf die Frage der Klagemauer zu sprechen und erklärte, die Juden haben lediglich das Recht, zur Mauer heranzukommen, und zwar auf Grund einer nicht Über 90 Jahre zurückgehenden Gewohnheit. Ein Recht, an der Klagemauer zu beten und dort die Stimme zu erheben, haben die luden nicht. Der Mufti verwies auf dfe Heiligkeit der von den Moslems «Burak» genannten