Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 103 (5.12.1929)
- Date
- 1929-12-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 nir stimme Nr. 108 jtramBMf scueiMCf XV CnANVKAn EUREN MINDERN VfUBN.l. MÄRNINERSTRAS9E28 SPIELE DES KEREN KAJINETH «DOraiMO. liKRCIIA«U VND WETIRINIKPIBII) „Brith Schalom“ L ac Diskussion im Rahmen der Vereinsabende des «Z. P. Chajes» Auf Einladung des «Vereines zionistischer Hochhüier Z. P. Chajes» sprach Herr Dr. Kellner über die Geologie des «Brith Schalom». Herr Dr. Kellner, der de rt Kreisen des «Brith Schalom» r.ahesteht, führte einte, fend in seinem Referate aus, daß er es als seine erzieherische Pflicht betrachte, ir. einer Zeit der politischen Radikalisierung in die Jugend den Geist eines jüdischen Humanismus, einen Geist der Versöhnlichkeit und Friedensbereitechaft, zu tragen. Auf die letzten Geschehnisse in Palästina und die aus ihnen zu ziehenden Lehren übergehend, erklärte sich Herr Dr. Kellner in den wesentlichen Punkten mit den ideellen Grundi *en des «Brith Schalom» einverstanden, ohne sich p'it seiner in letzter Zelt befolgten .Taktik des krampfift bezeugten Friedenswillen zu identifizieren. Die Ausführungen des Referenten riefen, besonders wegen der Stellung des «Brith Schalom» zur Frage der Majorität und der Balfour-Deklaration, eine sehr lebhaft geführte Diskussion hervor, die im Wesentlichen folgendes zum Ausdruck brachte: Man müsse dem «Brith Schalom» es nun ernstlich unternähme, das schwere Problem der Beziehungen zu den Arabern dauernd und im beiderseitigen. Einvernehmen lösen zu wollen. Auf diesem Gebiete sei vom offiziellen Zionismus bisher tatsächlich wenig geschehen, und wenn der «Brith Schalom» es nun ernstlich unternähe, das Araber-Problem in seiner ganzen Schärfe aufztirollen, so könne man ihm dafür nur zu Dank verpflichtet sein. Wenn aber, und das ist die große Gefahr, die zu beseitigen ist, der «Brith Schalom.» darangehe, die wichtigsten Positionen des Jischuw und der Zukunft des Zionismus, wie Majorität und Balfour-Deklaration, aufzugeben, dann müsse dem «Brith Schalom» der schärfste Kampf angesagt werden. Aufgabe der Grundprinzipien des Zionismus um des Friedens willen — dieser Preis sei zu hoch und kein Zionist, welcher Richtung er immer angehören möge, wird je bereit sein, diesen Preis zu bezahlen. W. E. Pressesdtau Zur arabischen Frage Unter dem Titel «Der Friede» nimmt J a b oi-rtsky im «Doar Hajom» vom 15. November Stellung zur arabischen Frage. Es sei überflüssig, Juden die Notwendigkeit des Friedens mit den Arabern zu predigen. Dieser Friede habe im übrigen, nicht auf Grund gegenseitiger Liebe, sondern auf Grund objektiver Bedingungen, lange Jahre in Palästina bestanden, und es sei Schuld der Administration, wenn v'!- heute nicht bestehe. Hätten die Araber gespürt, d ß die Regierung den Aufbau des jüdischen Nationr.iheims energisch fördere, so hätten sie weiter Friede gehalten. So aber habe die Regierung eine Kalle gespielt, als wäre sie die Hauptanstifterin. Jabotinsky unterscheidet unter den ständigen zum"Frieden rufenden Zionisten drei Gruppen. Die eine glaube, daß alles vom Ton abhängig sei, in idem man spreche. WemFwir den Araber gut zuredeten, wenn.wir ihnen zeigten, welchen Nutzen sic von uns hätten, so werde das zum Frieden führen. Die zweite Auffassung, bei der die Verachtung der Araber Geht, . wie bei der ersten Auffassung, unter der Schwelle des Bewußtseins vorhanden, sondern ganz deutlich sei, gehe davon aus, daß wir unser Endziel den Arabern nicht zu enthüllen brauchten und, wenn v Fr nicht knauserig seien, würden wir auch unter den Arabern Freunde finden, die uns unterstützten. Mit . lesen beiden Auffassungen lohne es sich nicht, sich •. tseinauderzusetzen. Viel ernster sei die dritte Auff ssung. Sie verstehe sehr gut, daß man den Arabern nicht in der Weise kommen dürfe, wie es die beiden ersten Auffassungen vorschlügen. Diese Richtung Gaube nicht an die Errichtung einer jüdischen Majorität im Lande, sie sei deshalb zu wirklichen Konzessionen an die Araber bereit, wie einem Parlament :ü arabischer Mehrheit und mit Unterstellung der jüdischen Einwanderung unter eine arabische Kon-;.oUe. Während die ersten beiden Richtungen nur Gn Juden Frieden predigten, weil sie bei den Arabern doch keine Zustimmung finden werden, wage es die dritte Richtung nicht, mit den Arabern über Frieden zu sprechen, weil sie mit Recht befürchte, von den luden desavouiert zu werden. Diese dritte Richtung bezeichnet Jabotinsky als verräterisch. Wir erwähnen in diesem Zusammenhang noch eine kürzere Aeußcrung des «Boust’nai» vom 13. November über die lügnerischen Zeugen der Araber, die in so vielen Prozessen der letzten Zeit eine Rolle gespielt haben. Nur Neulinge, die den Orient nicht kennen, könnten sich darüber wundern. Wer den Orientalen und speziell den Araber kenne, wisse wohl, daß der Araber bei all seinen guten Eigenschaften stets zur Lüge geneigt habe und in ihr geradezu einen Vorzüg und ein Zeichen von Klugheit zu sehen pflege. Jeder Araber sei bereit, entweder aus Freundschaft oder aus Dankbarkeit oder gegen Bezahlung vor Gericht auszusagen, was man von ihm verlange. Politischer und geistiger Zionismus ln der englischen Ausgabe des «Davar» vom 15. November beschäftigt sich AL S. mit dem neuerdings von Feinden des Zionismus häufig gemachten Versuch, den geistigen Zionismus gegen den politischen auszuspielen. Derartige Versuche finden sieh zum Beispiel in der vom'«Talastin» herausgegebenen englischen-Broschüre, im Interview Auni Abdul Hadis in der «New York Times» und in Aeußerungen von Gänning und Phiiby. Die Trennungslinie zwischen diesen beiden Richtungen des Zionismus tue beiden unrecht. Sie erwecke den Eindruck, als sei der politische Zionismus ein wilder Traum, der die Ausrottung der Araber involviere und als sei der geistige Zionismus eine gleichgültige Angelegenheit, die sich auch mit den ungezügeltsten Hoffnungen arabischer Chauvinisten vertrage. Der Roman «Altneuland» des Führers der politischen Zionisten beweise, wie wenig der politische Zionismus an eine Unterdrückung der Araber denkt. Man könne von sehr verschiedenen Voraussetzungen heraus an den Zionismus herahgehen, das Resultat aber werde stets dasselbe sein. Das habe die zionistische Geschichte bewiesen. Herzl und Achad Haam gingen von einem anderen Gesichtspunkt aus: Herzls Gedanke einer Lösung der materiellen Judenfrage erschien Aohad Haam als unzureichend, wenn nicht auch dem jüdischen Geiste eine Heimstätte geschaffen werde. Diese Konzeption Achad Haams sei von der zionistischen Bewegung akzeptiert worden. Ein zweiter Unterschied zwischen Herzl und Achad Haam habe darin gelegen, daß Herzl an die Möglichkeit geglaubt habe, unter Ausnützung aller Errungenschaften der modernen Technik . die Mehrheit des jüdischen Volkes in Palästina anzusiedeln, während Achad Haam eine jüdische Siedlung in Palästina auch ohne die Erreichung dieses Endzieles für wertvoll gehalten habe. Niemals aber habe Achad Haam geglaubt, daß der Gedanke eines geistigen Zentrums für das jüdische Volk durch Am 19.: Dezember 1929 veranstaltet derVerein der Freunde des arbeitend«! Palästina in Wien» ion Großen KoirzerrtoauÄsaal einen Abend jttdisdaer Kunst I. Teil: Musik. KfftaftsAljertectRe! Ec^Uunft: M. Si«ntf«cta4Bw»K*l Zur Aufführung gelangen Uraufführungen jüdischer Kammermusikwerke und Klavierkompositionen. Cello- '■ vorträge, GesangSvocträge. Es wideen-.mit: J. Sbutsohevski, J, Bfiandanan«, B. Gimpel, Fiä-ulem Haftel, der Wiener UfliÄcf* üuaagMKm u. a. „ T(a. TaradMbirtaneen. * ICRwftstflNMrl»dt« icUuntf: €teri*«*4l Mrmu Uraufführung eines tühüseben Zyklus «Frauengestalten», ausgefübrt von Gertrud Kraus und ihrer Tanzgruppe. Der gesamte Reinertrag wird dem Palästina-Arbei terfonds in Tel-Aviv überwiesen und dient yor allem dem Wiederaufbau1 der antäßlich der letzten Vorfälle in PaJäst rrn zerstörten Arbeiterwirtschalteu. Kattenvorverkauf: Konzt-rthauskas.-*?, Sekretariat der, Vereines, 11.. Tandelmarktgasse 10, Tiir 9 (7 bis 8 Uhr ,lKßd$), Kartenhureau «Aida», 1!., Taborr.tralk I, liuehluuKlIting Rath, II., Taborstraße 10, «Heehaluz», 1, .Girr.iner- *n*e 28. 150.000 Juden erfüllt werden könne, deren sämtliche Lebertsfunktionen von der Gnade der arabischen Exekutive abhingen. Eine erweiterte Hebroner Jeschiwah sei kein geistiges Zentrum. Der Grundgedanke aller Strömungen im Zionismus sei vielmehr, daß die Juden an keiner Stelle der Welt die Herren ihres Geschicks seien und ihr Leben nach eigenen Maßstäben gestalten können. Diesem Mangel will der Zionismus in Palästina abhelfen. Der Gedanke des geistigen Zentrums sei, daß, wenn nicht alle Juden in Palästina leben könnten, diejenigen, die in Palästina sich ansiedeln würden, durch ihre konstruktive Leistung zum Wiederaufbau des ganzen Volkstums beitragen würden. Achad Haam sagte, daß der jüdische Bauer, der nach 2000 Jahren wieder sein Feld in Palästina bestelle, einen geistigen Wert für uns darstelle. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse Einwanderung und Kolonisation in weitem Umfange möglich sein. Nur ein starker nationaler Organismus mit einer gesunden wirtschaftlichen Basis und einer sozialen Struktur könne dieses geistige Zentrum entwickeln. rm: Zar iimerjüdischen Auseinandersetzung ' Der Zwischenfall bei der Universitätseröffnung, wo'die Rede des Kanzlers Dr. Ma-jnes durch Ussischkin und einen Teil der Zuhörer unterbrochen wurde, wird von M. B. (B e i 1 i n s o n) im «D a v a r» vom 20. November kommentiert. Die Unterbrechungen des Redners seien vorher organisiert worden, wie au» dem am Morgen erschienenen «Doar Hajom» hervorgehe, wo die Studenten zu Demonstrationen gegen Dr. Magnes aufgefordert worden seien. Beilinson kritisiert entschieden Dr. Magnes’ separatistische Politik, die ebenfalls unverantwortlich sei, und die in der Sitzung des Waad Leumi bereits gebührend zurückgewiesen worden sei. Vielleicht wäre es wünschenswert, daß auch die Jewisji Agency in der Oeffentlichkeit einen solchen Standpunkt einnähme. Es sei aber gewiß nicht Sache von Studenten, diese Kritik an Dr. Magnes zu üben. Vor allem aber müsse man in jedem Falle nachprüfen, was Dr. Magnes tue, und dürfe nicht, weil seine Verhandlungen mit Phiiby unzulässig gewesen seien, gegen eine Rede in der Universität protestieren, gegen die nicht das geringste einzuwenden gewesen sei/Beilinson gibt.einen Auszug aus der Rede wieder, deren Hauptgedanken nicht den geringsten Anlaß zu Protesten gegeben hätten. Es sei auch ein sehr seltsames Argument, zu behaupten, daß an jener Stelle von Wissenschaft und nicht von Politik hätte die Rede sein dürfen; es sei vielmehr Pflicht von Doktor Magnes gewesen, nicht zu sprechen, als schließe er die Augen vor der Umwelt. Die Störenfriede hätten, von den Revisionisten aufgehetzt, unserer Sache einen sehr schlechten Dienst erwiesen und die Revisionisten hätten gezeigt, daß diejenigen irrten, die glaubten, die revisionistische Gefahr sei schon vorbei. Wir erwähnen ferner einen Artikel Jabotinskys im «Doar Hajom» vom 20. November, worin der Verfasser im Anschluß an eine inzvvischen berichtigte mißverständliche Bemerkung Merrimans über den Unterschied zwischen Zionisten und Revisionisten feststellt, daß es keinen Unterschied in Beziehung auf das Endziel zwischen Zionisten und revisionistischen Zionisten gäbe. Aus derselben Nummer erwähnen wir einen Artikel von A. M. B a r a c h j a h u über den Brith Schalom. Der Verfasser stellt fest, daß der Brith Schalom in seinen offiziellen Aeußerungen stets die Verantwortung dafür ablehne, was seine führenden Mitglieder, insbesondere Dr. Bergmann und Dr. Hanns Kohn, in der Oeffentlichkeit erklärten. Im Interesse des Friedens im zionistischen Lager müsse gegen diese Störer des Friedens energisch vorge'gaingen werden. Weitere neun Todesurteile Jerusalem. (J. T. A.) Das Gericht in Haifa beendete heute die Verhandlung gegen eine größere Zahl Araber aus Safed, die beschuldigt waren, am Tage des Pogroms in Safed den Direktor der Misrachi-Schule Afriat und sämtliche Mitglieder seiner Familie abgesclilachtet zu haben. Das Gericht verurteilte neun Angeklagte, unter ihnen einen Beamten des Gesundheitsdepartements der Regierung, zum Tode und einen Angeklagten zu 15 Jahren schweren Kerker. Drei der Angeklagten, unter ihnen ein Lehrer der Regierungsschule in Nazareth, wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Einer der in diesem Mordprozeß Freigesprochenen war schon früher als eines anderen Mordes überführt, zum Tode verurteilt worden. Vereinigung zwischen Hitachduth und Poale Zion hi Ostgalizien Lemberg. (J. T. A.) Die Jahreskonferenz der zionistischen Arbeitspartei Hitachduth in Ostgalizfen beschloß, sich mil der Landespartei der rechten Poale Zion zu vereinigen.