Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 103 (5.12.1929)
- Date
- 1929-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103 DIE STIMME SdfeS TFPPIPHHAl IQ QpWFIN & Welhnachts-Okkasfonsverkauff 1 ■— ■1 IV-^‘ 11 WV^I IL-.II N pe„er-, Smym». und Inland-Teppidie - Vorhänge, Möbel- \ ßi /1 I I,, Bauernmarkt 10-12-14 Stoffe — Bett- und Tischdecken, Ueberwürfe — Flanell- V V I CLI NI VII., Mariahilferstraße Nr* 90 (£cke ZiegJörgasge) decken, Steppdecken, Inlaid-Linoleum Sir Boyd Merrirnan fügte noch hinzu, daß das Gesetz Entschädigung für Araber vorsieht, die den verkauften Boden vorher benutzt hatten, auch wenn sie keine Eigentumsrechte auf diesen Boden haben. Stoker verlas Artikel 6 des Mandats, das den Juden Staats- und Brachländer in Aussicht stellt, und sagte, dies bedeute eine Härte für die Araber. Er erwähnte aber nicht die Tatsache, daß bisher nur Arabern Boden geschenkt wurde und daß die Juden noch keinen Boden gemäß Artikel 6 des Mandats geschenkt bekommen haben. Es entspann sich eine Diskussion zwischen dem Regicrungsanwalt Preedy und dem Anwalt der Zionistischen Exekutive Sir Boyd Merrirnan darüber, ob Luke die Frage zu beantworten habe, warum die Regierung nicht den aufhetzenden falschen Mitteilungen entgegentritt. Preedy erklärte, die Regierung sei nicht in der Lage, Behauptungen der arabischen Presse, daß die Juden Anspruch auf das Grundstück der Omar-Moschee erheben, als unwahr zu proklamieren. Sir Boyd: Wollen Sie damit sagen, daß die Regierung selbst es nicht weiß, ob die Juden nach der Moschee gelüsten oder nicht? Hier mischte sich Luke ein und sagte, die Regierung sei nicht in der Lage, über Wünsche und Aspirationen verschiedener Menschen Proklamationen zu erlassen. Er könne nicht genau definieren, was die Zionisten hinsichtlich der Klagemauer wollen; jedenfalls repräsentieren die Zionisten nicht alle religiösen Juden. Stoker führte die Annullierung der Schuld der Stadt Tel Aviv an die Regierung als Beweis für Begünstigung der Juden an. Luke wies demgegenüber darauf hin, daß die Regierung auch die Schulden zahlreicher anderer Munizipalverwaltungen, auch die der Jerusalemer Stadtverwaltung, gelöscht habe. Der erste arabische Zeuge Dr Michael A. Shamas erschien als erster arabischer Zeuge vor der Kommission. Er erzählte, am 23. August, wenige Minuten nach 12 Uhr mittags, habe er in seinem Hause im abessinischen Viertel beim Lunch gesessen. Plötzlich hörte er Lärm auf der Straße. Durch das Fenster sah er mit Stöcken und Eisenstangen bewaffnete Juden gegen das jVlea- Shearim-Viertel zu laufen. Um 12 Uhr 3Ö ging er zur Veranda hinaus und sah eine Gruppe Chaluzim, Aschkenasim und Yemeniten, auf einen Mann lossclilagen. . Er schrie sie an und sie verschwanden. Bald aber kehrten Sie zurück und schlugen weiter auf den Mann ein. Als die Juden von dem Manne ließen, ging er hin. Er stellte fest, daß der Mann, der ein Moslemit war, einen Schädelbruch davontrug, sein Zustand v/ar hoffnungslos. Er ersuchte einen jüdische Rollwagenkutscher, den Mann in das Hadassah-Hospital zu bringen und kehrte um T Uhr 40 in seine Wohnung zurück. Durch die Aussage von Dr. Shamas sollte erwiesen werden, daß das erste Todesopfer ein Moslemit war. Sir Boyd Merrirnan fragte ihn, ob es nicht 3 Uhr statt 1 Uhr 40 war. Shamas erwiderte, er habe die Uhr gesehen. Wiederum ein judenfeindlicher englischer Beamter als Zeuge .Major A. T. O. Lees vom Ordnungsdienst im Jerusalemer Distrikt, der von arabischer Seite als ■Zeuge zitiert wurde, schilderte vor der Untersuchungskommission den Verlauf der Ereignisse vom 17. bis 23. August* die den Unruhen vorangegangenen Woche. Lees sagte aus, seiner Meinung nach habe sich die jüdische Menge an der Klagemauer nach der arabischen Gegendemonstration ziemlich ungebührlich benommen. Er, Lees, habe eine von Panik ergriffene arabische Fabnilie aus dem jüdischen Stadtviertel Machnajim fortgebracht. Im Aufträge des stellvertretenden Distriktsoffiziers Cust habe sich Lees in die Dörfer begeben, um die Dorfbewohner, die um das Schicksal ihrer Verwandten in Jerusalem besorgt waren, zu beruhigen. Er versprach ihnen, daß die Regierung die Araber schützen wird. Araber de? Dorfes Liftah und anderer Dörfer hatten Klage darüber geführt, daß sie von Juden an- TASCMNKAUNDfß 1930 schön ausgefühit, Zweifarbendruck, mit wünschtem Firmenaufdruck ge« Druckerei Lewin, Wien, XX.. Rauscherstraße 10 Telephon Nr. A-47-0 ü5 gegriffen wurden, sie forderten die Durchsuchung der jüdischen Wohnungen nach Waffen. Die Juden, sagte Lees, haben mich, als ich in ihre Viertel kam, sehr kühl empfangen. Lees sprach in herabsetzendem Tone von den polnischen und russischen Juden. Als er, Lees, mit einigen Mukthars (Dorfältesten) durch Jerusalemer Straßen fuhr, wurde sein Auto von den Juden mit Steinen beworfen. Major Lees erzählte vor der Kommission, daß Araber getötet wurden, die Juden in ihren Häusern in Surbahr beherbergten. Sir Boyd Merrirnan fragte den Zeugen, wer diese Araber getötet hat. Lees antwortete, er wisse es nicht. Sir Boyd bemerkte, er als Offizier müsse es doch wissen, daß diese Araber von britischen Soldaten erschossen wurden, die sie für Plünderer hielten. Lees behauptete weiter, die Juden hätten drei arabische Häuser geplündert. Sir Boyd Merrirnan erklärte, diese Behauptung sei ganz neu und stellte fest, daß Major Lees stets für die Araber Partei nimmt und in die Araber von Liftah, die im ganzen Lande verrufen sind, geradezu verliebt ist Seine Protokolle behandeln ausschließlich jüdische Angriffe auf Araber und enthalten kein Wort von arabischen Angriffen auf Juden. Die Rolle des Mufti S. Moody, einer der Hilfssekretäre der Palästina-Regierung, schilderte den arabischen Aufruhr am 23. August. Er wurde von der Menge für einen Juden gehalten und angegriffen. Er kam zum Mufti und forderte ihn auf, die Menge zu beruhigen. Der Mufti rief der Menge zu, kehrt in eure Häuser zurück, die Regierung wird für das vergossene Blut der Araber verantwortlich sein. Gegen Moody sprach der Mufti die Warnung*aus,-daß-man auf die Menge Der Schlager der Saison Marke »mrasssuai Alle anderen jüdischen und hebräischen elektrischen Aufnahmen. Radio- und Rundfunkgeräte. nicht schießen dürfe, da sonst eine sehr ernste Situation geschaffen sein würde; Der Mufti konnte sich bei der Menge nicht mehr Gehör verschaffen, der Mob raste, und er, Moody, konnte den Mufti nur unter Schwierigkeiten in sein Haus zurückbringen. Dann wurde der Hilfssekretär Antonius vernommen. Sir Boyd Merrirnan richtete an den Zeugen die Frage, ob es nicht Tatsache ist, daß Anfang dieses Jahres mehrere arabische Zeitungen gegen den Großmufti den Vorwurf erhoben, daß er der» Klagemauerkonflikt heraufbeschworen habe , um einen Vorwand zu haben, seine erschütterte Position als Präsident des Moslemitischen Obersten Rates zu befestigen. Antonius stimmte zu, daß viele arabische'Zeitungen behaupteten, daß Gelder, die für Hilfe an die Flüchtlinge aus Serien, die sich dort an dem Aufstand beteiligt hatten, gesammelt wurden, ihrem Bestimmungszweck nicht zugeführt wurden. Sir Boyd unterbreitete Uebersetzungen aus der arabischen Presse, die dartun, mit welcher Unversöhnlichkeit der Mufti bekämpft worden ist, und wies darauf hin, daß seit den Unruhen der Kampf gegen den Mufti vollkommen aufgehört hat. Antonius mußte zugeben, daß er der Verfasser der in den Unruhetagen herausgegebenen Bulletins gewesen sei und daß er auch die Nachricht über die Beschlagnahme von 25 Gewehren bei Juden in Haifa, wo in Wirklichkeit nur zwei Gewehre beschlagnahmt wurden, verbreitet hat. Er erklärte dies folgendermaßen: Der Haifaer Distriktskommissar meldete, daß 25 Juden wegen Waffenbesitzes verhaftet wurden, und da er das Wort «Juden» in diesem Zusammenhang nicht erwähnen wollte, habe er es durch das Wort Gewehre ersetzt (I) Auf Befragen Sir Boyds berichtete Antonius, daß der Großmufti nach den Unruhen im Jahre 1921 in contumaciam verurteilt worden sei. Sir Boyd ergänzte diese Mitteilung durch die Hinweise, daß der Mufti sein Wort gebrochen habe und aus dem Lande j guiphen sei, daß der damalige High Gßuuuissioner GKHNITZTAL1IR0L Schnallzugstation Steinach am Brenner. | Wunderschönes SklgelSn de mit günstigen Schneeverhaltnissen von Mitte Dezember I bis Ende MIrz. Skikurse, Rodelbahn, El** j laufplatz. 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Die Araber versuchten durch die jüdische Menge durdhizubrechen. Plötzlich hört er, Dove, einen Schrei, dann sali er, wie ein arabischer Polizist eich über einen; schwer blutenden Araber beugte. Er brachte! den Mann im Auto ins Regierungshospital, wöj der Arzt Dr. Sternherg den bereits eingetrete-j nen Tod feststellte. Sir Boyd Merrirnan fragtet Dov, ob der geschilderte Vorfall sich nicht erst um 1.30 Uhr ereignet hatte. Dove erwiderte, es konnte nur zwischen 12.80 und 1 Uhr geschehen ©ein; obwohl er nicht auf die Uhr ©ah* ©ei er; in bezug auf die Zeit nicht im Zweifel. , - Angebliche Entweihung einer Moschee ' Scheich Tufik Kemal von der-Moschee in, dem ausschließlich von Juden bewohnten Stadtviertel Sdchron Mosche sagte aus, am Morgen des 24. August, 10.30 Uhr, befanden sich zahlreich# Juden vor seinem Haus in der Nähe der Moschee.: In Begleitung einer PoMzedgarde, die der moslew mitische Rat erwirkte, begab er sich nun zu seiner Moschee und entdeckte, daß in sie umgebrochen worden war. Auch sein Haus und die heiligen Gräber waren beschädigt. Nachbarn erzählten ihm, daß am 26. August frühmorgens die Juden dort eingebrochen waren. Wissen Sie, daß Juden drei Tage lang auf Anordnung des Waad Leumi die Moschee bewachten? fragt Sir Boyd den Scheich. Scheich Tufik Kemal erwiderte, daß er dies nicht wisse. Eine englische Araberfreundin vor der Kommission Die Engländerin Miß Frances Newton, die seit 1889 mit kurzen Unterbrechungen in Haifa wihnt und die in der letzten Woche am Tisch der Anwälte der arabischen Exekutive saß, wurde heute als Zeugin vernommen und drei Stunden lang verhört. Sie verlor oft die Beherrschung und stellte zum Schluß des Verhörs das ungewöhnliche Ansüchen, daß man ihr das Protokoll zu lesen gebe, damit sie einige von, ihr aufgestellte Behauptungen streichen könne. Vor 1914, sagte Miß Newton, habe sie nie von irgend welcher Erregung hinsichtlich der arabisch-jüdischen Beziehungen gehört; als eie 1919 nach Palästina zurückkehrte, konnte sie eine Erregung unter den Arabern feststellen, die glaubten, das Land sei den Juden ausgeliefert worden. Die.Juden ihrerseits haben den Arabern öfters Ursache gegeben, zu glauben, daß sie, die Juden, sich als die Herren des Landes fühlen. Sie, die Zeugin, selbst sei oft von Juden angerempelt worden. Als im April 1920 in Jerusalem Unruhen stattenden, haben ii&ro arabischen Freunde aus Haifa es verhindert,, daß der Aufruhr auf Haifa übergreift. Es entspann sich eine allgemeine Aussprache über die BodenrechtsVerhältnisse in Palästina. Zum Schluß ihrer Aussage hielt Miß Newton eine Ansprache, in der sie ausführte, sie wollte nicht nur der Not der Amber, sondern auch der tiefen Dankbarkeit derselben gegenüber der britischen Administration für die verbesserten Erziehungs-, Gesundheits- und Rechts-, Verhältnisse Wolle leihen. (J. T. AJ