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Die Stimme · 1929-12-05 · Heft 103 (5.12.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 103 (5.12.1929)
Date
1929-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DTE STIMM- Nr. 10» Jugendverein «Erez Israel», Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33 ORO/TBR KONZERTHAUSSAAL KARTEN SIND ERHÄLTLICH Zion. Bureaus, 1., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-85/86 Jugendverein Erez Israel, 11., Zirkusgasse 33, Telephon R 49-8 98 Bücherstube M. Rath, 11., Taborstraße 20a, TelephonR43-1-58 SONNTAG. 15. DEZEMBER 1929 Hebräisches Konzert Künstlerische Leitung: PROF. ARTUR WOLF Mit: Rena Pf ei f f er - Lax (Volksoper), Erika Wagner (Deutsches Volkstheater), Kammersänger Josef Manowarda (Staatsoper), Oberkantor Gerscm M argulies, Carl La fite (Klavieru. Orgelbegl.), Gemischter Chor BEGINN HALB 8 UHR ABENDS Das Reinerträgnis fließt dem Chajes- Realgymnasium u. d. Chajes- Walde zu Dr. Reich wurde in einem von der Lemberger jüdischen Gemeinde gewidmeten Ehrengrab bestattet. Am Leichenbegängnis sollen insgesamt über 50.000 Personen teilgenommen haben. Tausende von Kondolenztelegrammen langen bei der Zionistischen Exekutive und in der Redaktion der«Chwila» aus allen jüdischen Zentren ein. Das Hinscheiden Leon Reichs hat das gesamte polnische Judentum in tiefste Trauer versetzt. Ehret das Andenken Dr. Leo Reichs Die Exekutive der Zionistischen Organisation für Ostgalizien hat beschlossen, das Andenken des verstorbenen Führers, Dr. Leo Reich, durch die Grün- Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Dienstag, dein 10. Dezenib-er 1920, 8 Uhr abends, Festsaai des Hötei Continental, II., Taborstralte 4, Große Trauerkundgebung für Dr. Leon Reich s. A. düng eines jüdischen Volksheimes auf seinen Namen in Lemberg zu verewigen. Die in Oesterreich wohnhaften Zionisten aus Galizien und Polen werden hiemit aufgefordert, durch entsprechende Spenden für das Völksheim das Andenken Dr. Reichs zu ehren. . Die Redaktion der «Stimme», Wien, I., Rauhensteingasse l (Telephon R 26-3-74), nimmt Spenden entgegen, die sofort an die Exekutive der ostgalizischen Landesorganisation in Lemberg weitergeleitet werden. Trauerkundgebung für Dr. Leo Reick Das Zionistische Landeskomitee für Oester* reich und der Verband jüdischer Hochschüler polnischer Staatsangehörigkeit veranstalten an- ' läßlich des Hinscheidens des unvergeßlichen Führers unserer Bruderorganisation, in Ostgalizien, Abg. Dr. Leon Reich s. A;, Dienstag,, den 10. Dezember, 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotels Continental, II., Taborstraße 4, eine große Trauerkundgebung, bei der die Herren | Dr. Finkelstein, Dr. Friedmann, Dr. Löwenherz, Dr. Gelber, Dr. Samuel Rapaport, Josef Frankel l und Löbl Taubes sprechen werden. Die Arbeiten der Untersuchungs kommisslon Phrase, wenn behauptet wird, daß Reich der wirkliche, geliebte Führer der jüdischen Massen in Lemberg und in all den vielen Städten Ostgaliziens gewesen ist. Es genügte, nur einer Versammlung beizuwohnen, in der Reich sprach, um zu sehen, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit die Juden ihm folgten. Er war nicht nur der Führer der Zionisten, sondern der faktische Führer des galizischen Ges am Judentums. Nur diesem Umstande allein ist es zu verdanken, daß in Galizien bei der» Wahlen zum zweiten und dritten polnischen Sejm ent jüdisch-nationale Liste einen vollen Sieg davontrug. Trotz der politischen und zionistischen Tätigkeit fanc Reich stets Zeit,, journalistisch zu wirken. Ais Mitbegründer und Mitarbeiter des ersten zionistische Tagblattes in polnischer Sprache in Ga'izien, der «Chwila», war er bemüht, die polnische Oeffe.itl'chkeit über die Ziele des Zionismus und die nationalen Forderungen unseres Volkes zu informieren. Wenn e; auch ein Anhänger einer jüdisch-polnischen Verständigung gewesen ist, und es aus diesem Grunde zu einer scharfen Auseinandersetzung innerhalb des jüdisch n Klubs mit Grüntoaum gekommen ist, der für eine Kooperierung mit den nichtjüdischen Minderheiten in Polen eintritt, verstand er es, sich auch bei seinen Gegnern Achtung zu verschaffen. Als Obmann des jüdischen parlamentarischen Klubs vertrat er des öfteren die Forderungen der jüdischen Bevölkerung auf der pa lamentarischen Tribüne. Ebenso hatte er Gelegenheit, an zahlreichen internationalen Tagungen — wie Kongresse der Minderheiten, und der interparlamentarischen Union -• teüzunehmen und unterließ keine Gelegenheit, um die große politische Oeffentlichkeit Europas auf die Lage der Juden und ihre politischen Forderungen aufmerksam zu machen. Auf den zionistischen Tagungen una Kongressen war Reich eine zentrale Figur, die oft ausgieichend und aussöhnend zu. wirken berufen war. In der Blüte seiner Jahre und auf der Höhe seiner politischen Tätigkeit raffte ihn nun der tückische Tod weg. Mit ihm verließ uns einer der ersten zionistischen Mitkämpfer in Galizien, der das große Erbe Adolf Stands und Gerschon Zippers mit Treue und Würde verwaltete. Mit tiefstem Schmerz betrauert in ihm nicht nur die galizische Judenschaft, sondern auch die zionistische Weltorganisation einen ihrer besten führenden Männer. , » ' Das jüdische Volk wird ihm stefs ein treues An denken bewahren. Dr. N. M. Gerber. Leichenbegängnis des Abgeordneten Dr. Leo Reich (Eigenbericht der «Stimme».) Lemberg, 3. Dezember. Montag fand das Leichenbegängnis des verstorbenen Führers Dr. Reich statt. Schon in den frühen Morgenstunden sammelten sich vor dern Wohnhause des Verstorbenen Tausende von Juden und Deputationen aus fast sämtlichen Städten Polens, um dem Verstorbenen die letzten Ehren zu bezeugen. Sämtliche jüdische Geschäfte waren geschlossen. Ueber 8000 jugendliche Studenten und Hochschüler bildeten vom Sterbehause bis zum Friehof Spalier. Dem Sarge folgten nebst den offiziellen zionistischen Körperschaften, Vertreter des jüdischen Klubs, Vertreter der Regierung, des Sejm, staatlicher und Landesbehörden und Delegationen sämtlicher Kultusgemeinden und jüdischer Verbände. Namens der Zionistischen Exekutive sowie der Jewish Agency nahm Lazarus Barth am Begräbnis teil und zeichnete in einer rührenden Ansprache die Bedeutung Reichs für die große jüdische Weltbewegung. Vor dem Gemeindehause nahm der Kultuspräsident M. Ghajes vom Verstorbenen Abschied, wora« sveh dann der Zug langsam dem Friedhof zu bewegte. Am offenen Grabe sprachen die Rabbiner Dr. Freund und Dr. Lewin, sodann Dr. Hindes namens der polnischen Jewish Agency, Dr. J. Schwarzbart für die westgalizische Landesorganisation, Dr. Bychowski und Dr. Gottlieb für das Warschauer zionistische Zentralkomitee, Dr. Josef Parnas für die Bnei-Brith-Logen, Dr. Brüstiger für die Exekutiv^, der Hitachdut, Dr. Federbusch für die des Misrachi Welnreb namens der kaufmännischen Verbände um Dr., Tannenbaum namens seiner Geburtsstadt Dro hobyez. Luke weiter im Kreuzverhör Auf Wunsch-der arabischen Exekutive stimmte die Untersuchungskommission zu, daß Herr Luke, der zurzeit der Unruhen als, stellvertretender Oberkommissar fungierte, nochmals vernommen werde, um sich speziell über die Politik der Regierung gegenüber den Arabern zu äußern. Während der früheren Vernehmurig Lukes war eine Rivalität zwischen dem Hauptanwalt der Araber, Herrn Stoker, und Auni Bey Abdub Hadi, einem der.Sekretäre der arabischen Exekutive, deutlich zw beobachten. Stoker legte Gewicht darauf, selbst das Kreuzverhör zu führen,, während Auni Bey Abdul Hadi sich vergebens vorzudrängen suchte. Diesmal führte Abdul Hadi selbst das Wort, während Stoker sreh der Fragestellung enthielt. Die Verhandlung leitete das konservative Mitglied der Kommission Sir Henry Betterton, obwohl Sir Walter Shaw anwesend war. Die Verhandlung wurde arabisch geführt und die einzelnen Fragen und Antworten ins Englische übertragen. Man iieß dem arabischen Anwalt vollkommen freie Hand in der Fragestellung, unterbrach ihn nicht, weil anscheinend die Regierung und die Kommission den Arabern die von ihnen gewünschte Gelegenheit geben will, die unmittelbaren Ursache}} der Unruhen zu klären. Auni Bey begann mit der Feststellung, daß die Sekretäre der arabischen Exekutive es vermieden haben, mit Herrn Luke za*sammenzutreffen, da sie überzeugt waren, daß die Regierung eine prozionistische Politik verfolge. Luke erklärte als Antwort darauf, die Regierung habe einen schweren Stand, weil die Araber annehmen, daß die Regierung die Zionisten begünstigt, während die Zionisten ihrerseits glauben, daß die Regierung die Araber begünstigt. Luke wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Araber seinerzeit, das1 Angebot der Re- : ’-’-n/y, die bereit war, eine Arab Agency gleich der jewish Agency anzuerkennen, zuriiekgewiesen haben. Auch haben sie sich damals mit der Einrichtung eines Legislative Council (Gesetzgebenden Rates) nicht einverstanden erklären wollen. ■Auni Bey fügte hinzu, daß im höheren Zivildienst im ganzen 87 MosJemiten gegenüber 68 Juden beschäftigt sind und daß Oberstaatsanwalt Norman Bentwich, ein Jude, Mitglied des jetzigen Exekutive Counci! neben dem Oberkouunissar, dem : Ohefsebr Jär und dem. Schatzmeister ist, während in liesem Council kein einziger Araber sitzt. Auni Bey brachte vor, daß tausend arabische Familien infolge der jüdischen Einwanderung und Siedlung Heini und Lebensunterhalt verloren haben. Luke sagte, er wisse nichts davon, nie habe er gehört, daß in Afuleh Araber vertrieben wurden, um jüdischen Siedlern Platz zu machen oder daß die Araber von Nazareth am Hungertuche nagen oder daß die Araber von : Jenin hungern müssen, weil die jüdischen Kolonisten im Tale Jezreel mit den arabischen Städten keinen Handel treiben wollen, wohl aber sind in einzelnen Fällen Araber gesetzmäßig enteignet worden. Die Frage des Vadi Havarit-Bodens vor der Untersuchungskommission Im Verlauf der weiteren Vernehmung des Chefsekretärs Luke durch die britische Untersuchungskommission brachte der arabische Anwalt Auni Bey Abdul Hadi zur Sprache, daß arabische Siedler aus dem Vadi Havarid-Boden vertrieben werden, weil der Boden in jüdischen Besitz übergegangen ist, Luke bemerkte dazu, eine arabische Deputation habe bei ihm in dieser Angelegenheit um eine Unterredung nachgesucht. Die Araberpolitik der Regierung Die weitere Vernehmung Lukes war wiederum der Erörterung der Politik der Palästina-Regierung gegenüber den Arabern gewidmet. Miß Newton, eine der Führerinnen der Womens National and Political League in London, die die arabischen Postulate in Palästina unterstützt, nahm zwischen den arabischen Anwälten Platz. Luke lehnte es ab, die Frage zu beantworten, ob die Regierung den Verkauf von Boden an Juden begünstige. Ihm sei auch nicht bekannt, sagte er, daß die Mehrheit der jüdischen Siedler von Landwirtschaft nichts verstehen. Es sei wahr, daß die Zahl , der Proletarier unter den jüdischen Einwanderern die Zahl der Bauern überschreitet, aber das Wort «Chaluz» bedeute «Pionier», mag es sich uin einen Arbeiter oder um einen Landwirt handeln. Es mag wahr sein, daß der jüdische landwirtschaftliche Betrieb kostspieliger sei als der arabische, es sei ihm aber nicht bekannt, daß die jüdische Produktion geringer als die arabische is.. Luke trat der Behauptung Auni Beys entgegen^' daß beschlossen sei, das Jüdische iNationalhcim zu errichten, ohne daß danach gefragt werden soll, ob' die Araber dadurch benachteiligt werden oder nicht, Luke erklärte, die alten jüdischen Kolonien Naben im ganzen Lunde Nutzen gebracht

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