Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 103 (5.12.1929)
- Date
- 1929-12-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 im OIE STIMME Nt.!0fl ä L htf . |/ , t:! : . if I f t ’-i Zum Delegiertentag Das Zionistische Landeskomitee hat für den 8. d. M. einen außerordentlichen Delegiertentag einberufen. Die gegenwärtigen Zustände innerhalb unserer Organisation haben die Einberufung dieses De 1 egiertentages erforderlich gemacht. Er wird vor allem die Aufgabe haben, einen umfassenden Arbeitsplan für die Wintermonate auszuarbeiten und mit dessen Durchführung ein starkes Landeskomitee zu betrauen, dem die führenden Männer unserer Organisation und die aktiven Exponenten der der Landes- Organisation angeschlossenen Gruppierungen angehören werden. Wenn sich auch ln den letzten Monaten in die Reihen unserer Gesinnungsgenossen ein Defaitismus eingeschliehen hat, so ist doch zu hoffen, daß der gesunde Instinkt und die Verbundenheit mit unserem Aufbauwerk in Palästina zu einer Wiederbelebung unserer Organisation führen wird. Aufgabe des künftigen Landeskomitees wird es sein, den Koniakt mit den einzelnen Organisationszellen, den Sektionen und Sondergruppierungen lebhafter zu gestalten und ihnen durch eine wechselseitige Wirkung neue Impulse zur Arbeit zu geben. Es erübrigt sich wohl zu betonen, welche Fülle von organisatorischen, erzieherischen und propagandistischen Aufgaben unserer Organisation harrt. Einen Lichtpunkt im gegenwärtigen Zustande bildet die ansehnliche Anzahl von erfolgreich arbeitenden Jugendorganisationen, die mit einem unbeschreiblichen Eifer ihre Aufgaben erfüllen. Eine große positive Arbeit leistet auch die Frauen Organisation WIZO. Eie ist klar, daß unter dem Eindruck entsprechender Parolen des Delegiertentages es dem zukünftigen Landeskomitee möglich sein wird, die nötigen Grundlagen für unsere bevorstehende Tätigkeit zu schaffen. Es gilt vor allem, alle jene Gesinnungsgenossen, denen die Erhaltung einer einheitlich geschlossenen Organisation am Herzen liegt, zusammenzusohließen und zu einer Mitarbeit in den Sektionen heranzuziehen. Der Delegiertentag wird auch einzelne Aenderungen in den Statuten vornehmen, die unsere Organisation auf breitere Grundlagen stellen sollen. Entsprechende Richtlinien werden auch unseren Mandataren in der Kultusgemeinde, die im soeben abgelaufenen Mandat sjahr eine ersprießliche Arbeit geleistet haben, den Rahmen ihrer zukünftigen Tätigkeit vorzeichnen. Der Delegiertentag wird auch zu den aktuellen politischen Fragen im Zionismus Steilung nehmen und im Sinne der Beschlüsse der oberen Instanzen unserer Weltorganisation entsprechende Maßnahmen treffen. Ebenso wichtig ist die Erörterung der Frage unserer landespolitiischen Betätigung, die einzig und allein von den Parteiinstanzen entschieden werden kann. Wir verfügen in Oesterreich über eine große Masse von zionistisch fühlenden und denkenden Juden, die nur einer organisatorischen Zusammenfassung bedürfen, um sie zu einem wertvollen aktiven Bestandteil der Landesorganisation zu machen. Propagandistische Aufklärung ira Wege von Versammlungen, Vorträgen wird diese organisatorische Zusammenfassung erleichtern. Die Herstellung und der Ausbau des Kontaktes mit den einzelnen Zionisten wird sicherlich die Möglichkeiten einer geordneten und systematischen Organisationsarbeit schaffen. Es ist zu hoffen, daß die Delegierten der großen Aufgabe, die ihrer harrt, gewachsen und sich der großen Verantwortung, die auf ihnen lastet, bewußt sein werden. Sie dürfen nicht vergessen, daß die Einheit unserer Organisation der wichtigste Grundsatz unseres Programmes ist. Wer an ihr rüttelt und dem Grundsatz der Herrschaft einer Minorität Über die Majorität huldigt, trägt nur zur Zerstörung dieser Organisation bei. Aufgabe des Delegiericntages wird es sein, den österreichischen Zionisten die wichtigsten Prinzipen eines organisatorischen Zusammenlebens Disziplin und Unterordnung unter den Willen der Majorität — ins Gewissen zu rufen. Wird der Delegier texttag in diesem Zeichen tagen, dann können wir dessen sicher sein, daß das neue Landeskomitee die zionistische Organisation einer besseren Zukunft entgegenfühTen wird. Ueber kleinliche formalistische Streitigkeiten hinaus schweben nnr größere Ziele vor, die uns das zionistische Gewissen und die Verantwortung vor der Gesamtheit auferlegen. Innerer Aufbau, Erziehung unserer Jugend im jüiljsch-zionietieohen Geiste, aktivste Förderung des Palästina-Aufbauwerkes, verantwortungsvolle Teilnahme an all den Institutionen, die heute die Möglichkeit gehen, in der Galuth eine Betätigung im jüdischen Geiste und Sinne zu entfalten, «ollen die eigentlichen Devisen un.sel r(e&Arbeit .werden. Nach dem Attentat auf Bentwich Vor dem englischen Unterhaus In der Sitzung des Unterhauses fragte Colonel Wedgwood, warum nicht Herrn Bfentwich im Hinblick auf die gegen ihn fortwährend gerichteten Drohungen polizeilicher Schutz gewährt worden sei. Sind, fragte Wedgwood weiter, irgendwelche Schritte ergriffen worden, um die Polizeimacht Palästinas von jenen Elementen zu reinigen, die es als ihre Pflicht erachten, entweder selbst Juden zu morden oder zuzulassen, daß Juden gemordet werden; welche Schritte sind ergriffen worden, um diejenigen zu fassen und der Gerechtigkeit zuzuführen, die zu solchen Taten aufreizen, und nicht nur diejenigen, die die Taten vollbringen? Lunn erwiderte: Das Gberkommissafiat hat vor mehreren Wochen angeordnet, daß Herrn Bentwich polizeilicher Schutz gewährt werde. Ich zweifle nicht daran, daß man auch denjenigen, die zu solchen Attentaten auf hetzen, nachforschen wird, wenn es solche gibt, und die gefaßt werden können. Vor der Untersuchungskommission Bei Beginn der Sitzung der britischen Untersuchungskommission am 25. November ergriff der Anwalt der arabischen Exekutive, W. H. Stoker, das Wort, um seinem «tiefsten Entsetzen»! seinem «grenzenlosen Abscheu» und seiner uneingeschränkten Verurteilung angesichts des Attentatsversuches auf den Oberstaatsanwalt Herrn Bentwich Ausdrück zu geben. Nach Stoker gab der Regierungsanwalt Kenelm Preedy im Namen der Regierung und im eigenen Namen der tiefen Empörung über das Attentat Aus- BUCHERSTIIBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-68 M. RATH’S Neueröffnete Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuersehei n.u n g e n im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische,' hebräische, jiddische u. Deutsch-Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatagcbühr nur S 3.—- Keine Bandgebühr druck. Der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, schloß sich diesem allgemeinen Ausdruck der Empörung über das Verbrechen an. Hierauf erhob sich der Vorsitzende der Kommission Sir Walter Shaw zu einer Ansprache, in der er im Namen aller Mitglieder der Kommission Worte der Verdammung dieses «schrecklichen, böswilligen, verabscheuungswürdigen und törichten Verbrechens» sprach. Solche Akte, fuhr er fort, können der Gemeinschaft, der der Attentäter angehört, niemals Nutzen bringen, sondern sie sind im Gegenteil dazu angetan, die Sache dieser Gemeinschaft in den Augen der Welt zu beeinträchtigen. Chancellor besucht Bentwich Sir John Chancellor, der Oberkommissar für Palästina, hat heute vormittags Herrn Norman Bentwich im Hospital besucht und ihm gegenüber seiner Freude Ausdruck gegeben, daß das verabsoheuungswürdige Attentat keine schwereren Folgen für den Oberstaatsanwalt gehabt hat. Eine Friedensbotschaft Bentwichs Am Sonntag abends sollte Norman Bentwich in der Hebräischen Universität den Beginn 4er Müßikvorlesungen des Professors Schorr als Vorsitzender durch eine Rede einleiten. Da er infolge des Attentats auf ihn nicht mehr erscheinen konnte, Sandte ei eine Kundgebung, die der Kanzler der Universität, Dr. Magnes, verlas. Nichts Ernstes ist geschehen, schrieb Bentwich, und wenn das Geschehene bei tragen konnte, den Weg zum Frieden zu öffnen, wird es zum Guten sein. Ich bin überzeugt, daß Wb einen Weg zum Frieden finden werden, finden müssen. Je früher die gegenseitigen Beschuldigungen aufhören, um so früher wird der Friede einkehren. Ich bitte alle, keine Proteste, Klagen und Beschwerden bei der Regierung im Zusammenhang mit meinem Fall zu erheben. Ernüchterung im arabischen Lager Jerusalem, 27. November. (J. T. A.) Das Attentat auf den Oberstaatsanwalt Palästinas, Norman Bentwich, scheint auf die arabischen Führer in Palästina ernüchternd gewirkt zu haben. Es scheint, daß die von Bentwich in seinem Schreiben an Professor Schorr zum Ausdruck gebrachte Meinung, daß das Attentat auf ihn den Weg zum Frieden ebnen werde, gerechtfertigt ist. Einige arabische Zeitungen deuten an, daß der Attentäter von Zionisten beeinflußt sein könnte, die ein Interesse an dem Ueberfall hatten. In vielen Synagogen wurden Gebete für die Wiedergenesung Bentwicns gesprochen. Sokolow in Rumänien Von der Regentschaft Rumäniens empfangen Nahum Sokolow besuchte die drei Mitglieder der hohen Regetschaft Rumäniens und unterhielt sich mit den höchsten Repräsentanten des rumänischen Staates über Fragen des Zionismus und des PaläsFna-Werkes, für die die Mitglieder der Regentschaft starkes Interesse bekundeten. Der Außenminister spricht für den Keren Hajessod Die Mitglieder der Jewish Agency für Größ- Rumänien haben sich zu einem Komitee konstituiert, mit dem Ziele, die Aktionen zugunsten des Aufbaues des jüdischen Nationalhehns zu unterstützen. In der konstituierenden Sitzung hielt Nahum Sokolow eine mit großem Beifall aufgenonwnene Ansprache. Die diesjährige Aktion für den Keren Hajessod in Rumänien wurde in Bukarest durch eine große Volkskundgebung eingeleitet, der Tausende von Juden der rumänischen Hauptstadt beiwohnten. Ansprachen hielten der Präsident des zionistischen Oberrates für ganz Rumänien, Direktor Adolph Bernhart, der Minister des Aeußeren, der Bürgermeister von Bukarest, Dobrescu, Senator Landesrabbiner Dr. Niemirower, der Präsident der Buikarester jüdischen Gemeinde und des Oemeindeverbandes Eli Bercovici, der Präsident der Union rumänischer Juden Dr. W. Fildermann um* schließlich der Ehrengast Nahum Sokolow, der in einer zweistündigen Rede die Riesenversammlung zu spontanen Aeußerungen der Begeisterung hinriß. Jeder englische Jude soll in Palästina Boden kaute« London, 20. November. (J. T. A.) Die Leitung de« Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland hat an die englische Judenheit einen Appell gerichtet, in welchem jeder englische Jude aufgefordert wird, in Palästina ein Bodengebiet auislö en zu helfen, das mindestens so groß ist wie sein Heim in England. Der. Jüdische Nationalfonds für Großbritannien und Irland hat die Verpflichtung übernommen, in diesem Jahre 75.000 Pfund aufzubringen, und hofft, diese Summe zu erreichen, die dazu verwendet werden soll, weiteren Boden ln Palästina zu erwerben, der eine Verbindung zwischen den isolierten jüdischen Kolonien, die durch die jüngsten Unruhen infolge ihrer Isolierung zu leiden gehabt haben, schaffen soll. Der Jüdische Rat für Groß-New-York fordert den Rücktritt Magnes* New York, 29. November. (J. T. A.) Das Exekutive Komitee des Jüdischen RateS für Groß-New-York hat in seiner letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in der Dr. Magnes, Kanzler der Hebräischen Unversität in Jerusalem, dafür getadelt wird, daß er öffentliche Erklärungen abgegeben und Verhandlungen geführt hat, ohne hierzu von der zionistischen Organisation oder der Jewish Agency autorisiert worden zu sein, daß er an ungeeigneter Stelle und zu höchst unpassender Zeit Gedanken ausgesprochen hat, die mit denen der jüdischen Siedler in Palästina und der hinter ihnen stehenden Organisation nicht übereinstimmen, ''aß seine Aeußerungen den Konzeptionen und den Z’elen des jüdischen Nationalheims eine falsche Deutung geben.können. An den Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Welzmann, und den Vorsitzenden des Administrativen Komitees der Jewish Agency, Felix Warburg, wird die Aufforderung gerichtet, diese irrefüfrenden und schädigenden Statemente Magnes' von sich zu weisen. Das Komitee beschließt, heißt es in der Resolution weiter, Pr. Weizmann und die anderen Kuratoren der hebräischen Universität aufzüfördern, auf Dr. Magnes’ Rücktritt von seinem Posten als KänzR der Hebräischen Universität zu bestehen. Schießeroien Jerusalem, (J. T. A.) Von Juden oueUle Autos Würden zwischen Jerusalem und der Gartenvorstadt Talpioth aus dem Hlnterhaiit beschössen, ebenso Autos, lie von Tti Aviv nach Petach fikwab fuhren. Aus ejnem mit arabischen Notabein besetzten Auto, das än der jüdischen Kolonie Tel Joseph tm Tale Jezreel vorbetfuhr, wurden auf eines der Jüdischen Gehöfte Schüsse abgegeben. Unter den Insassen des Autos erkannte man bestimmt Vadi Rustani, den Urheber des Ueberfails auf den P. J. C. A.-KoiWSiönsfoöden ln Caesaria. Bei diesem Udberfal! wurden bekanntlich tausende Eukalyptus-Bäume aus dem Boden herausgefissen. In der Nähe von Ramieh wurde nachts ein Araber durch einen auf ihn abgegebenen Schuß schwer verletzt. Man glaubt, daß er irrtümlich für einen Juden gehalten wurde. Bin Araber aus Liftah ln der Nähe von Jerusalem gab aus einem Revolver Schüsse auf den Direktor des jüdischen Dlskln- Waisen-Hau$e$ in Jerusalem ab. Die Schüsse gingen fehl. Ein jüdischer Kaufmann ln Jerusalem erhielt einen «Die schwarze Hand» unterschriebenen Brief, ln dem er aufgefordert wurde, die Summe von 105 Pfund an einer bestimmten Stelle hin&ulegen; tm Nichterledi gungsfälle wurde ihm der Tod angedroht. *&mwatssas£sa.